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12.

Jan 2013

Cover The Diviners englisch US

Evie (Evangeline Mary) O'Neill ist siebzehn. In ihrem kleinen Heimatort in Ohio (USA) gilt sie als Unruhestifterin in der vornehmen Gesellschaft: Wenn die Jugendlichen zu viel trinken, macht Evie mit, wenn irgendwo eine wilde Party stattfindet, ist Evie garantiert bis zum Morgengrauen dabei und wenn es darum geht, das Leben nicht so ernst zu nehmen, ist Evie ganz weit vorn. Evie kommt einem auf den ersten Blick oberflächlich, kapriziös und ungehemmt vor, doch schnell merkt man, dass sie mehr als einen guten Grund für ihr Benehmen hat und das Herz trotzdem am rechten Fleck hat. Für den Geschmack ihrer Eltern hat sie es auf der letzten Party aber definitiv zu weit getrieben: Evie hat das schmutzige Geheimnis eines ehrenwerten Collegejungen ausposaunt und damit den Ruf seiner Familie beschmutzt. Diese verlangt eine öffentliche Entschuldigung, die Evie nicht bereit ist zu leisten. Und so wird sie zur Strafe zu ihrem Onkel Will nach New York geschickt.
Was ihre Eltern nicht wissen, Evie hat ihre Behauptung über den Jungen nicht aus der Luft gegriffen, sondern mithilfe seines Ringes herausgefunden. Sie ist eine sogenannte Divinerin (Wahrsagerin) und sieht bei Kontakt mit den Gegenständen anderer Leute wichtige Ereignisse aus ihrem Leben vor ihren Augen vorbeiziehen. Im Schlaf wird sie zudem oft von Geistern heimgesucht. Was Evie nicht ahnt: Es gibt viele verschiedene Diviner mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten: manche sagen die Zukunft vorher, andere machen sich unsichtbar, weitere können Kranke heilen, mit Geistern kommunizieren, körperliche Kräfte entfesseln oder diese zum eigenen Nutzen kanalisieren.

William Fitzgerald, Evies Onkel Will, leitet in Manhattan das Museum für amerikanische Volkskunde, Aberglaube und Okkultes (Museum of American Folklore, Superstition, and the Occullt), von den New Yorkern scherzhaft als Museum des gruseligen Getiers (Museum of the Creepy Crawlies) bezeichnet. Doch kaum ist Evie in der Stadt angekommen, tauchen mehrere Leichen auf, denen Körperteile fehlen und die mit einem Pentagramm und anderen okkulten Zeichen bedeckt sind. Evies Onkel wird von der Polizei um Rat bezüglich des 'Pentagrammkillers' gefragt und soll sich eine der Leichen angucken. Da Evie gerade in dem Moment im Museum ist und sie ihre Neugierde natürlich nicht bezähmen kann, setzt sie alles dran, mitgenommen zu werden. Als Evie dann den Strassstein am Schuh des toten Mädchens berührt, bekommt sie einen mehr als plastischen Eindruck davon, was mit dem armen Ding geschehen ist. Aber noch viel wichtiger, Evie erhascht einen unscharfen Blick auf den Mörder mit kalten blauen Augen, der ein unheimliches Lied pfeift. Ehe Evie sich versieht, steckt sie in einem Abenteuer, dass geheimnisvoller und gruseliger nicht sein könnte, ihr aber auch einiges über sich selbst verrät...

The Diviners von Libba Bray ist ein fabelhaftes Buch. Evie ist dabei nur eine der Hauptpersonen aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Für mich war sie aber mit Abstand der lustigste und - trotz aller Fehler - sympathischste Charakter im Buch. Die Einblicke, die Memphis, Theta, Sam, Jericho und Will in die Handlung bieten, sind allerdings ebenfalls sehr lesenswert. Zu Beginn dauert es seine Zeit, bis man sich an Libba Brays Sprachstil im Jargon der 1920er Jahre gewöhnt hat. Doch dann macht gerade der Stil des Buches einen Großteil seines Charmes aus.
Die Handlung wird schnell extrem spannend und die Einblicke in die letzten Stunden oder Minuten der jeweiligen Opfer vergisst man so schnell nicht wieder. Selbst wenn man dann weiß, wer der Mörder ist, darf der Leser an einem echten Katz-und-Maus-Spiel teilnehmen.

Cover The Diviners englisch UK

Doch am besten an The Diviners ist, dass es so viele verschiedene Dinge und Genres verknüpft. Das Buch ist ein Thriller, ein in New York spielendes Fantasybuch mit einem großen Einschlag ins Übersinnliche (paranomal urban FS) und bietet dem Leser zudem noch viel Humor und den ein oder anderen romantischen Moment. All das ist leicht und lässig vom Charme der goldenen 1920er Jahre durchdrungen und die Charaktere - egal ob jung oder alt - sind einfach wunderbar gelungen. Das Einzige was ich wirklich nicht so recht nachvollziehen kann, ist die Altersempfehlung des Verlags (lesbar ab 15 Jahren). Vermutlich bin ich einfach zu soft, aber ich würde Jugendlichen das Buch nicht empfehlen. Dafür hat mich Naughty John während des Lesens zu oft in den Schlaf begleitet und als Teenager hätte ich mir das vermutlich noch mehr zu Herzen genommen. Doch wenn ihr hart gesotten seid und keine Angst vor einem grausamen Mann mit Zylinder habt, dann empfehle ich euch diesen ersten Band der Diviners-Reihe. Und obwohl es noch drei weitere Bücher geben soll und man begierig ist, Evie und ihre Freunde bei weiteren Abenteuern zu begleiten, wird die Geschichte ordentlich abgeschlossen und ist in sich rund.
Ich hoffe, das Buch findet bald auch seinen Weg zu einem deutschen Verlag. Nach dem schon sehr lustigen Going Bovine / Ohne. Ende. Leben. hat sich Libba Bray mit The Diviners endgültig einen Platz in der Liste meiner Lieblingsautoren erobert.

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Die Homepage zum Buch macht einiges her, aber wirklich herzhaft Lachen kann man, wenn man mal einen Blick auf die Seite von Libba Bray selbst wirft - ich empfehle besonders ihre FAQs und 'Revenge of the Bio'.

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11.

Jan 2013

Cover Crazy Little Thing Called Love Englisch

Bluebell 'Blue' Montgomery Carter hatte schon immer den Ruf ein kleines bisschen verrückt zu sein. In Fate, die kleine Stadt irgendwo in Texas, in der sie aufgewachsen ist, weiß jedes Mädchen wie es sich zu benehmen hat. Inmitten von Schönheitswettbewerben, Benimmschulen und auftoupierten Haaren hat Blue ihre Kindheit als Tochter eines alleinerziehenden Ranchers verbracht. Doch das selbstständige und ein bisschen wilde Mädchen konnte sich dort nicht wirklich einfinden. Schönheitswettbewerbe fand sie albern und die Arbeit auf der Ranch ist nach Ansicht ihres Vaters, zu dem sie nie eine besonders enge Bindung hatte, Männersache. Kein Wunder also, dass Blue, sobald sie mit der High School fertig war, das Weite gesucht hat und nie wieder zurück schaute.
Mittlerweile ist sie 28, erfolgreiche Journalistin und hat in vielen verschiedenen Städten gelebt. Fate und ihren Vater hat sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Doch nun heiratet eine der wenigen Freundinnen, mit denen Blue noch Kontakt pflegt. Und so findet sie sich wiederstrebend auf dem Weg nach Fate wieder und würde am liebsten gleich wieder umdrehen. Schon bevor sie die Grenzen der Stadt überhaupt überquert hat läuft sie ausgerechnet Zach West über den Weg. Der ist der älteste Sohn des größten Konkurrenten der Farm ihres Vaters. Trotzdem lässt sich die Anziehung zwischen den beiden sich nicht verleugnen.
Während Blues kurzem Aufenthalt in Fate laufen sich die beiden öfter über den Weg und die Funken sprühen. Beide wollen nichts weiter, als ein kurzes Abenteuer und kommen sich da wie gelegen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Blue, denn ihr Vater hat seit langem ein großes Geheimnis vor, das jetzt ans Licht kommt, und das es ihr unmöglich macht, die Stadt so schnell wieder zu verlassen. Einziger Lichtblick ist, dass sie etwas Zeit mit Zach verbringen kann. Sie muss nur aufpassen, sich nicht zu verlieben, denn er hat von Anfang an klar gemacht, dass das das Letzte ist, was er sucht.

Auch wenn die Geschichte von Crazy Little Thing Called Love von Jess Bryant nicht besonders einfallsreich ist, las sich die Leseprobe doch recht vielversprechend. Und tatsächlich ist das Buch auch sehr flüssig und amüsant geschrieben. Leider bleibt mir sonst nicht allzu viel Positives darüber zu sagen.
Blue hat wie gesagt schon immer ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater und das hat ihr gesamtes Leben beeinflusst. Sie springt von Mann zu Mann, und bleibt an den emotional unerreichbaren (wie ihr Vater) hängen. Auch wenn ich grundsätzlich nichts gegen Blue hatte, sonderlich gemocht habe ich sie auch nicht. Leider ging mir das mit fast jedem der Charaktere so. Sie haben einfach keinen großen Eindruck hinterlassen. Zach ist ein Standard-Alpha-Männchen. Natürlich ist er gutaussehend, dunkel, sexy und vollkommen uninteressiert, an einer Beziehung und erfüllt seine Rolle damit perfekt. Aber das war es auch schon wieder. Die meiste Zeit habe ich mich ein bisschen über ihn geärgert, weil er alles auf Sex reduziert hat. Und über Blue auch, weil sie ihn gelassen hat. Um genau zu sein war das auch lange Zeit das Einzige, was die beiden verbunden hat, so dass ich die Verbindung zwischen ihnen nicht wirklich nachfühlen konnte.
Wirklich genervt hat mich aber Zachs Familie. Er ist das Oberhaupt und musste sich seit dem Tod seines Vaters um alles kümmern, ob er wollte oder nicht. Jetzt wollen seine Brüder mehr Verantwortung und seine Mutter unterstützt das. An sich eine völlig gerechtfertigte Einstellung. Die Art und Weise, wie sie Zach aber davon zu überzeugen versuchen, ist mir furchtbar auf die Nerven gegangen. Und das immer wieder.
Überhaupt hat sich eigentlich alles nur stetig wiederholt. Blues und Zachs Familienprobleme bzw. ihre Probleme miteinander waren immer dieselben und wurden ständig wieder durchgekaut. Das hat das Buch vor allem in der ersten Hälfte ziemlich langweilig gemacht. Allerdings waren Blue und ihre Bemühungen einen Zugang zu ihrem Vater zu finden das Interessanteste an der Geschichte, denn das hat wirklich Spuren an ihr hinterlassen.

So richtig Zugang konnte ich zu Crazy Little Thing Called Love von Jess Bryant also nicht finden. Der Schreibstil war gut und gegen Ende gab es dann doch noch die ein oder andere niedliche oder emotionale Szene, insgesamt ist der Funke aber nicht übergesprungen. Die Figuren waren alle schon mal da und ziemlich langweilig und die Geschichte selber hat auch nicht besonders viel hergegeben. Als Zeitvertreib für Romantik Fans ist das Buch in Ordnung, viel erwarten sollte man aber nicht.
Crazy Little Thing Called Love ist der erste Teil der The West Brothers-Reihe. Da ich Zachs Brüdern wie gesagt aber nur wenig abgewinnen konnte, werde ich vermutlich nicht zu den nächsten Bänden greifen.

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10.

Jan 2013

Cover Paranormalcy Englisch

Absolut nichts am Leben der 16jährigen Evie ist normal. Ihre beste Freundin ist eine Meerjungfrau, ihr Ex-Freund eine Fee und ihr Job ist es, nicht-registrierte übernatürliche Geschöpfe für die IPCA (International Paranormal Containment Agency; zu Deutsch Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler) einzufangen. Dafür ist sie wie geschaffen, denn als einziger Mensch auf der Welt, kann sie durch den Glamour (die Tarnung übernatürlicher Wesen) sehen und sie dadurch identifizieren.
Doch Evie ist einsam. Es gibt nicht viele Gleichaltrige in dem IPCA Zentrum, in dem sie lebt, und sie sehnt sich nach nichts so sehr, wie nach Normalität. Sie möchte gerne eine normale Schule besuchen und normalen Aktivitäten nachgehen. Dieser Traum ist allerdings gerade so weit weg, wie noch nie zuvor, denn irgendetwas läuft da draußen herum und tötet ein paranormales Wesen nach dem anderen und IPCA ist vollkommen ratlos.
Eines Nachts dringt allerdings ein Einbrecher in das Zentrum ein und durchsucht geheime Unterlagen. Evie kann ihn allerdings gefangen nehmen und ihre Chefin Raquel ist überzeugt, dass sein Einbruch mit den Morden zusammenhängt. Evies Interesse an Lend, wie sich der Einbrecher vorstellt, ist allerdings völlig anderer Natur, denn sie hat noch nie ein Wesen wie ihn gesehen. Lend kann absolut jede Form annehmen, doch nichts ist so faszinierend (und schön), wie sein eigentliches Ich, das aussieht, als wäre es Wasser.
Lend scheint allerdings mehr über die Morde zu wissen, als das gesamte IPCA zusammen. Er erzählt Evie von einer dunklen Prophezeiung, von der er sich sicher ist, dass sie mit dem Täter zusammenhängt - und die unheimlich genau auf Evie selbst zutrifft...

Was mir wohl am allermeisten beim lesen von Paranormalcy / Flames 'n' Roses von Kiersten White aufgefallen ist, ist, dass es mal wieder ein richtig typisches Jugendbuch ist. Es kommt so oft vor, dass sich die Protagonisten nicht wirklich altersgerecht verhalten, sondern eher reifer (was viele allerdings natürlich nicht von kindischem Verhalten abhält). Evie ist da nicht so. Sie ist in vielerlei Hinsicht tatsächlich eine typische 16jährige, die ihre Grenzen austestet, Pink liebt, auf hübsche Jungs steht, mit ihrer besten Freundin rumalbert und niemals ihre liebste Fernsehserie verpassen würde. Im Großen und Ganzen hat mir das ziemlich gut gefallen, einfach weil Evie ein wirklich sympathischer Charakter ist. Auf der anderen Seite ist sie aber auch hart im nehmen, ohne dabei kalt oder übertrieben zu wirken. Allerdings neigt sie auch zu dazu, ihre Geheimnisse für sich zu behalten, was sie nicht nur in allerhand Schwierigkeiten bringt, sondern ab und an auch für den Leser etwas anstrengend ist.
Auch die Welt, die Kiersten White um Evie herum geschaffen hat, hat mir recht gut gefallen. Es gibt alle möglichen klassischen mystischen Wesen wie Werwölfe, Feen und Vampire, aber auch jede Menge eigene Kreationen. Wie zum Beispiel Lend. Seine Figur hat mir mit Abstand am besten gefallen. Er kann absolut jede Form annehmen und sorgt damit für einige merkwürdige, aber auch ziemlich lustige Szenen. Außerdem hat mir die Idee gefallen, dass der Love Interest einfach mal kein typischer, schöner junger Mann ist. Obwohl, eigentlich ist er das ja trotzdem, zumindest in Evies Augen, die als einzige sein wahres Aussehen zumindest erahnen kann. Auch das Prinzip des ICPA und anderer Gruppen, von deren Existenz Evie erst im Laufe der Geschichte erfährt, fand ich sehr gut gelungen.

Cover Flames'n'Roses Deutsch

Hundertprozentig wollte der Funke bei mir und Paranormalcy / Flames 'n' Roses allerdings trotzdem nicht überspringen. Manche Details sind mir etwas zu einfach und simpel gestrickt. Außerdem ist es teilweise ziemlich anstrengend, wie stur und verbohrt sich Raquel und die anderen Erwachsenen verhalten, die Evie entweder im Dunkeln tappen lassen, oder ihre Meinung als unwichtig abtun, gerade, was die Feen angeht. Da fehlt mir ein wenig die Balance, denn ein Kind ist Evie schließlich nun doch auch nicht mehr und außerdem ein zentraler Bestandteil von ICPA, dem man durchaus mehr zutrauen sollte.

Trotzdem hat Paranormalcy / Flames 'n' Roses von Kiersten White Spaß gemacht. Es ist mal wieder ein typischen Urban Fantasy Jugendbuch, das mit viel Charme und Witz überzeugen kann. Evie ist eine sympathische Heldin und die Geschichte selbst ist, wenn auch etwas einfach gestrickt, interessant und unterhaltsam.
In den USA ist die Trilogie bereits komplett erschienen. In Deutschland kam Supernaturally / Dreams 'n' Whispers ebenfalls bereits auf den Markt und die deutsche Version vom Abschlussband Endlessly / Tears 'n' Kisses folgt in Kürze.

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09.

Jan 2013

Cover Simply Edward Englisch

Bella genießt ihr ruhiges Leben. Sie ist 21, arbeitet im Coffee Shop ihrer Großeltern Simply Coffee, wohnt in dem kleinen, gemütlichen Apartment darüber und verbringt ihre Zeit am liebsten mit Freunden oder einem guten Buch. Doch seit ein paar Tagen fällt ihr auf, dass immer zur gleichen Zeit ein junger Mann vor dem Laden steht, jedoch nie herein kommt. Als er es doch eines Abends wagt, stellt er sich als Edward vor und Bella ist von Anfang an fasziniert von ihm. Er sieht nicht nur umwerfend gut aus, er hat auch noch das ansteckendste und freundlichste Lächeln, das sie je gesehen hat. Doch irgendetwas stimmt auch nicht mit ihm. Er sagt alles, was ihm in den Sinn kommt, egal wie unangebracht es auch sein mag, braucht immer wieder ruhige Momente, um sich zu sammeln und hat Schwierigkeiten, Dinge wie Sarkasmus oder Ironie zu begreifen. Durch Edwards Bruder Emmett erfährt Bella schließlich, dass er am Asperger-Syndrom leidet. Doch bis dahin, ist es für Bellas Herz längst schon zu spät.

In letzter Zeit habe ich viele verschiedene FanFiction Geschichten gelesen und eine Großzahl davon waren zur Twilight Saga / Biss-Reihe. Die Auswahl hierzu ist schier grenzenlos und rangiert von ziemlichem Schund bis zu ausgezeichneten Geschichten. Simply Edward von CaraNo fällt definitiv in die letztere Kategorie. Allerdings kann man es schon fast nicht mehr als FanFiction bezeichnen, denn außer einigen Namen und Familienbeziehungen orientiert sich diese Novelle kaum an seinem bekannten Vorbild.
Bestes Beispiel ist dafür natürlich Edward. Das Asperger-Syndrom ist eine Art des Autismus und schränkt vor allem die soziale Kommunikation und Wahrnehmung ein. Insofern ist der Edward in dieser Geschichte ein völlig anderer, als der, den wir bereits kennen. Manchmal erinnert er an ein kleines Kind, das nicht wirklich weiß, wie es sich in gewissen Momenten verhalten soll. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein Erwachsener, der sich völlig im Klaren über seine Situation ist, dem es aber mit Hilfe seines Bruders gelungen ist, sich einen Platz im Leben zu schaffen. Er hat einen Job, fährt Auto, hat seine eigenen Hobbies. Trotzdem war es am Anfang wirklich schwierig, sich eine Beziehung zwischen ihm und Bella vorzustellen. Doch irgendwann hat sich auch das geändert. Die Autorin hat es erstaunlich gut geschafft, Edward als einen grundsätzlich völlig normalen Menschen darzustellen, dessen Macken man eben zu händeln wissen muss, wie bei jedem anderen auch. Es hat auch sicher nicht geschadet, dass Edward einfach rundum liebenswürdig ist, so schräg er auch manchmal sein mag. Trotzdem hat es bis ganz zum Ende gedauert, bis ich mich wirklich wohl mit der Situation gefühlt habe.
Simply Edward ist aber sicher keine einfache Kost. Edwards Geschichte hat mir mehrmals die Tränen in die Augen getrieben, denn natürlich hat er mit Vorurteilen und jeder Menge Probleme zu kämpfen. Viele davon emotional und daran ist nicht nur seine Störung Schuld, sondern auch seine Familie. Denn bis auf Emmett hat er mit keinem von ihnen Kontakt. Und das aus gutem Grund, wie man im Laufe der Geschichte herausfindet. Das ist übrigens nur eine von mehreren Änderungen gegenüber dem Original. Jasper ist in diesem Fall z.B. schwul und Bellas Eltern beide nicht mehr am Leben.

Insgesamt ist die c.a. 90 Seiten lange FanFiction-Novelle Simply Edward von CaraNo es wirklich wert gelesen zu werden. Edward, Bella und ihre Freunde und Familien sind wirklich etwas völlig anderes. Der Umgang mit dem Asperger-Syndrom ist nicht nur etwas für mich ziemlich Neues, sondern ist auch meiner Meinung sehr respektvoll und glaubwürdig beschrieben worden. Die Geschichte deckt mehrere Jahre ab und zeigt dadurch viele wichtige Stationen im Leben von Bella und Edward.
Auf der Homepage der Autorin kann man Simply Edward kostenlos lesen oder als PDF herunterladen.

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08.

Jan 2013

Cover Dornenkuss deutsch

Enthält Spoiler für Splitterherz und Scherbenmond. Achtung, diese Rezension enthält Ironie und schwarzen Humor und ist nicht ganz ernst zu nehmen. Die abschließende Bewertung dagegen schon. Fans von Bettina Belitz sollten, wenn sie Kritik an ihrer Werken nicht verkraften können, lieber nicht weiterlesen.

Ellie (Elisabeth) Sturm hat die Ereignisse in Hamburg gar nicht gut verkraftet. Colin und sie befinden sich in einer Krise: Die Gewalt zwischen ihnen, die notwendig war um Ellies Bruder Paul zu retten, hat zu einem Riss in ihrer Beziehung geführt. Außerdem musste Colin fliehen, um Tessa von ihren Spuren abzulenken - eine Aussprache oder ein Arbeiten an ihrer Beziehung liegt also in weiter Ferne. Auch, dass Paul sich längst nicht so gut wie erhofft von Francois erholt, macht Ellie zu schaffen. Tillman sehnt sich derweil nach Tessa, obwohl sie alle gemeinsam nach Süditalien fahren wollen, um der alten Mahrin den Garaus zu machen. Außerdem soll dort auch noch die längst fällige Suche nach Ellies und Pauls Vater stattfinden. Und so sitzt Ellie im Westerwald und sehnt sich nach Colin und der Sonne. Doch dann kommt die Hamburger Truppe wieder zusammen und macht sich auf den Weg nach Italien...

Für mich ist es absolut unbegreiflich, dass dieses Buch so viele gute Kritiken bekommen hat. In Splitterherz war Ellie anstrengend, in Scherbenmond war sie mit ihrem Lamentieren und ihren emotionalen Achterbahnfahrten schon schwer erträglich, aber in Dornenkuss schlägt sie einfach alles. Einen Großteil des Buches steht Ellie einfach neben sich und macht die seltsamsten, nichtigsten Dinge, während die Handlung träge vor sich hintröpfelt. Beispielsweise dauert es fast 150 Seiten bevor Ellie, Paul, Gianna und Tillman überhaupt in Italien ankommen. Bis auf 2 (!) wichtige Sätze passiert bis dahin so gut wie nichts. Nach etwa der Hälfte des Buches ist dann mit viel Lamentieren und einigen dramatischen Ausbrüchen ein Problem gelöst worden und man fragt sich: Was soll denn nun noch passieren?

Tja, dann lernt Ellie Angelo kennen und - man glaubt es kaum - benimmt sich von da an noch irrer als zuvor. Sie schläft (wenn überhaupt) nur noch in Gesellschaft eines Skorpions, sie badet nicht nur, nein, sie schwimmt fruchtbar gerne zusammen mit Quallen in Richtung Nebel und auch die Viper im Garten zählt zu ihren besten Freunden. Tillman, Gianna und Paul existieren zwar noch, werden aber nicht mehr groß beachtet und von Colin ist nur wenig zu lesen und zu erfahren. Zum Ausgleich gibt es aber den charmanten und wunderschönen Angelo (blond mit türkisfarbenen Augen), der irgendwie aussieht wie Grischa - ihr erinnert euch an den braunhaarigen Jungen mit den brauen Augen, in den Ellie in Köln aus der Ferne verliebt war? Tja, wenn ihr euch die Ähnlichkeit auch nur schwer vorstellen könnt, fehlt es euch (wie mir) vermutlich an Fantasie.
Erst auf Santorin findet der Leser dann zusammen mit Ellie ein paar Antworten auf dringende Fragen (um Seite 600! herum) - etwa die, was an Angelo so toll ist, warum Ellie ihre sonstiges Leben vergessen zu haben scheint und was wirklich mit ihrem Vater passiert ist. Zusätzlich zu all diesen Antworten erfährt sie noch andere tolle Dinge, denn - Tusch - unsere Ellie ist ein ganz besonders Mädel. Wusste ich ja schon vorher, aber im Buch ist tatsächlich nicht von ihrer besonders nervigen Art, sondern von einer anderen Besonderheit die Rede. Nun ja, die letzten 200 Seiten waren dann zum Glück ein wenig spannender, wenn auch immer noch anstrengend, weil Ellie selbst mit erleuchteten Phasen nervig bleibt. Als Finale gibt es dann - aus Ellies Sicht - eine Art urzeitlichen Showdown, eine gute Tat, die ihr schier das Herz zerreißen will und - Hurra - ein Ende (zwischenzeitlich dachte ich, es sei nicht zu erreichen).

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich Dornenkuss von Bettina Belitz überhaupt gelesen habe? Zum einen hat mir meine liebe Oma das Buch letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt und da wollte ich es wenigstens vor dem nächsten Fest gelesen haben. Zum anderen wollte ich tatsächlich wissen, wie diese ursprünglich mal so schöne Idee mit den Mahren zu Ende geht. Wie heißt es so schön: Curiosity killed the Cat. Aber einen Trost gibt es, dass Buch sieht zusammen mit den anderen beiden Bänden der Splitterherz-Reihe wunderschön im Regal aus. Trotzdem würde ich vom Lesen abraten: Schließlich kauft man sich Bücher ja erst in zweiter Linie der Optik wegen...
Fazit: Weitere Bücher von Bettina Belitz kommen mir garantiert so schnell nicht ins Haus. Selbst der Schreibstil, der mir die ersten beiden Bände der Splitterherz-Reihe erträglich gemacht hat, konnte mich in Dornenkuss nicht mehr begeistern.

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