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09.

Jan 2013

Bella genießt ihr ruhiges Leben. Sie ist 21, arbeitet im Coffee Shop ihrer Großeltern Simply Coffee, wohnt in dem kleinen, gemütlichen Apartment darüber und verbringt ihre Zeit am liebsten mit Freunden oder einem guten Buch. Doch seit ein paar Tagen fällt ihr auf, dass immer zur gleichen Zeit ein junger Mann vor dem Laden steht, jedoch nie herein kommt. Als er es doch eines Abends wagt, stellt er sich als Edward vor und Bella ist von Anfang an fasziniert von ihm. Er sieht nicht nur umwerfend gut aus, er hat auch noch das ansteckendste und freundlichste Lächeln, das sie je gesehen hat. Doch irgendetwas stimmt auch nicht mit ihm. Er sagt alles, was ihm in den Sinn kommt, egal wie unangebracht es auch sein mag, braucht immer wieder ruhige Momente, um sich zu sammeln und hat Schwierigkeiten, Dinge wie Sarkasmus oder Ironie zu begreifen. Durch Edwards Bruder Emmett erfährt Bella schließlich, dass er am Asperger-Syndrom leidet. Doch bis dahin, ist es für Bellas Herz längst schon zu spät.

In letzter Zeit habe ich viele verschiedene FanFiction Geschichten gelesen und eine Großzahl davon waren zur Twilight Saga / Biss-Reihe. Die Auswahl hierzu ist schier grenzenlos und rangiert von ziemlichem Schund bis zu ausgezeichneten Geschichten. Simply Edward von CaraNo fällt definitiv in die letztere Kategorie. Allerdings kann man es schon fast nicht mehr als FanFiction bezeichnen, denn außer einigen Namen und Familienbeziehungen orientiert sich diese Novelle kaum an seinem bekannten Vorbild.
Bestes Beispiel ist dafür natürlich Edward. Das Asperger-Syndrom ist eine Art des Autismus und schränkt vor allem die soziale Kommunikation und Wahrnehmung ein. Insofern ist der Edward in dieser Geschichte ein völlig anderer, als der, den wir bereits kennen. Manchmal erinnert er an ein kleines Kind, das nicht wirklich weiß, wie es sich in gewissen Momenten verhalten soll. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein Erwachsener, der sich völlig im Klaren über seine Situation ist, dem es aber mit Hilfe seines Bruders gelungen ist, sich einen Platz im Leben zu schaffen. Er hat einen Job, fährt Auto, hat seine eigenen Hobbies. Trotzdem war es am Anfang wirklich schwierig, sich eine Beziehung zwischen ihm und Bella vorzustellen. Doch irgendwann hat sich auch das geändert. Die Autorin hat es erstaunlich gut geschafft, Edward als einen grundsätzlich völlig normalen Menschen darzustellen, dessen Macken man eben zu händeln wissen muss, wie bei jedem anderen auch. Es hat auch sicher nicht geschadet, dass Edward einfach rundum liebenswürdig ist, so schräg er auch manchmal sein mag. Trotzdem hat es bis ganz zum Ende gedauert, bis ich mich wirklich wohl mit der Situation gefühlt habe.
Simply Edward ist aber sicher keine einfache Kost. Edwards Geschichte hat mir mehrmals die Tränen in die Augen getrieben, denn natürlich hat er mit Vorurteilen und jeder Menge Probleme zu kämpfen. Viele davon emotional und daran ist nicht nur seine Störung Schuld, sondern auch seine Familie. Denn bis auf Emmett hat er mit keinem von ihnen Kontakt. Und das aus gutem Grund, wie man im Laufe der Geschichte herausfindet. Das ist übrigens nur eine von mehreren Änderungen gegenüber dem Original. Jasper ist in diesem Fall z.B. schwul und Bellas Eltern beide nicht mehr am Leben.

Insgesamt ist die c.a. 90 Seiten lange FanFiction-Novelle Simply Edward von CaraNo es wirklich wert gelesen zu werden. Edward, Bella und ihre Freunde und Familien sind wirklich etwas völlig anderes. Der Umgang mit dem Asperger-Syndrom ist nicht nur etwas für mich ziemlich Neues, sondern ist auch meiner Meinung sehr respektvoll und glaubwürdig beschrieben worden. Die Geschichte deckt mehrere Jahre ab und zeigt dadurch viele wichtige Stationen im Leben von Bella und Edward.
Auf der Homepage der Autorin kann man Simply Edward kostenlos lesen oder als PDF herunterladen.

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