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06.

Dec 2012

Die Nachbarkinder Ella und Micha sind seit sie denken können die besten Freunde. Ihre Kindheit war allerdings alles andere als rosig. Die Stadt, in der sie Leben, ist heruntergekommen und an jeder Ecke lauert Ärger, bei dem die beiden nur zu gerne mitmischen. Doch auch zuhause sieht es nicht besser aus. Michas Vater hat die Familie vor langer Zeit verlassen und er und seine Mutter müssen sich nun alleine durchschlagen. Ellas Mutter dagegen ist psychisch krank und hat immer wieder manische Episoden. Ihr Vater kommt damit nicht klar und flüchtet sich in den Alkohol. Doch Ella kennt es nicht anders und hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert.
Als Ellas Mutter sich aber schließlich das Leben nimmt, verändert sich alles. Sie hat das Gefühl, dass alle ihr die Schuld am Tod ihrer Mutter geben und Ella weiß nicht mehr, was sie machen soll. Und so kommt es, dass von einem Tag auf den nächsten von Zuhause verschwindet und niemandem sagt, wo sie hingeht - nicht einmal Micha. Nachdem diesem klar wird, dass Ella tatsächlich weg ist, verliert er fast den Verstand vor Sorge um sie und verbringt die nächsten 8 Monate damit, sie zu suchen.
Als Ella plötzlich wie aus dem nichts wieder bei sich zu Hause auftaucht, traut Micha seinen Augen nicht. Aber nicht nur, weil sie zurück ist, sondern auch, weil sie sich völlig verändert hat. Aus dem einst lauten Mädchen in Rocker-Klamotten, ist eine stille, brave und durchgestylte College-Studentin geworden. Doch Micha kann schon von weitem erkennen, dass Ella sich verstellt und nichts von dem verarbeitet hat, was vor knapp einem Jahr passiert ist. Und er setzt alles daran, seine beste Freundin und das Mädchen, in das er seit Jahren verliebt ist, zurück zu bekommen.

Die Liste der Probleme und Lasten, die die beiden Protagonisten in Jessica Sorensens The Secret of Ella and Micha / Das Geheimnis von Ella und Micha mit sich herumtragen, scheint schier endlos. Besonders schlimm ist das bei Ella und sie sieht ihren einzigen Ausweg darin, alles zu verdrängen und jemand zu sein, der möglichst wenige Probleme anzieht und nichts fühlt. Deswegen war Ella auch ein Charakter, der zwar von Anfang an sehr interessant war, aber eben auch nicht unbedingt sofort sympathisch. Das macht aber nichts, denn der Leser merkt schnell, dass sie eigentlich ein ganz anderer Mensch ist. Und genau den will Micha wieder haben. Sein Charakter ist das genaue Gegenteil von Ella: Er weiß eigentlich ziemlich genau, was er will und hat überhaupt keine Angst davor, Ella alles zu sagen, was er die letzten 8 Monate durchgemacht hat. Allerdings hat auch er Probleme, denen er sich noch nicht gestellt hat.
Die Romanze zwischen den beiden startet nicht unbedingt zart oder schüchtern, alleine schon deswegen, weil sie eigentlich schon vor Jahren begann. Trotzdem gefällt mir die Geschichte zwischen den beiden ausgesprochen gut. Sie fühlt sich echt und vertraut an und die beiden kommen weitgehend ohne Spielchen aus, was definitiv mal eine angenehme Abwechslung ist.
Auch die Nebencharaktere haben durchaus einiges zu bieten. Die Eltern bzw. Elternfiguren tragen ebenfalls ihre jeweiligen Päckchen mit sich herum. Sie alle sind aber dennoch sehr glaubhafte Figuren, die vom Leben gezeichnet sind und sich nicht einfach nur in schwarz oder weiß einteilen lassen. Auch Ellas und Michas beste Freunde Lila und Ethan tragen dazu bei, dass man tiefer hinter die Charaktere der beiden Hauptfiguren blicken kann und sind dabei auch noch extrem sympathisch.
Ein Minuspunkt war allerdings der manchmal etwas chaotische Aufbau. Es gibt viele Zeitsprünge bzw. Rückblenden, die oft nur sehr kurz sind. Es dauert so eine ganze Weile, bis man das ganze Bild zusammengesetzt hat, was natürlich grundsätzlich Spannung aufbaut, trotzdem hätte ich etwas mehr Struktur bevorzugt. Auch die Auflösung bzw. die Art und Weise, wie Ella anfängt an ihren Problemen zu arbeiten, ist ein wenig schwach geraten. Hier hätte ich mir etwas mehr Liebe zum Detail und einfach etwas mehr Fokus auf Ella selbst gewünscht. Schließlich ist das eigentlich der zentrale Knackpunkt in der Geschichte. Stattdessen wird dieser Aspekt von einer anderen neuen Entwicklung eher ein wenig in den Hintergrund getrieben.

Das Ende von The Secret of Ella and Micha / Das Geheimnis von Ella und Micha von Jessica Sorensen ist allerdings wieder sehr gut gelungen. Denn es erwartet den Leser kein übertriebenes Happy End, sondern eine sehr realistische Lösung, die sich einfach richtig anfühlt und zu dieser Geschichte passt. Außerdem hält sich die Autorin damit noch ein paar Türen offen, was einiges für die Fortsetzung erwarten lässt. Denn Ella und Michas Geschichte geht in The Forever of Ella and Micha / Für immer Ella und Micha (Amazon-Partnerlink), das demnächst erscheint, weiter. Auch Lila und Ethan bekommen in The Temptation of Lila and Ethan (Amazon-Partnerlink) ihre eigene Geschichte, die allerdings erst irgendwann 2013 rauskommen wird.

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