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27.

Oct 2012

Claire wollte niemals Kinder haben. Wer will sich schon nach 9 Monaten, die von Übelkeit, guten Ratschlägen wenig hilfreicher Bekannter und dicken Knöcheln dominiert werden, c.a 20 Stunden Höllenqualen antun, nur um danach ein Balg am Hals zu haben? Clare ganz sicher nicht, denn sie ist sich sicher, mit einem Kind am Hals ist das Leben quasi vorbei. Doch natürlich kommt es, wie es kommen musste - sie wird als Erste in ihrem Freundeskreis Mutter. Und siehe da, ihren eigenen Sohn Gavin liebt sie bedingungslos (wenn er sie nicht gerade so sehr in den Wahnsinn treibt, dass sie ihn am liebsten an Zigeuner verkaufen würde). Alleinerziehend sein ist hart, doch Claire ist glücklich mit dem was sie hat.
Nur eines lässt ihr keine Ruhe und das ist die Nacht, in der Gavin gezeugt wurde. Es war ein One-Night-Stand (und ihr erstes Mal) auf einer Uni-Party und sowohl sie, als auch der junge Mann, der an allem Schuld ist, waren stockbesoffen. Doch bevor die beiden im Bett gelandet sind, hatten sie den besten Abend ihres Lebens, so viel weiß sie noch. Dumm nur, dass sie sich nie ihre Namen gesagt, geschweige denn Nummern ausgetauscht haben.
Und so hat Claire auch 5 Jahre später immer noch keine Ahnung, wer der Vater ihres Sohnes eigentlich ist. Was Claire allerdings nicht weiß ist, dass es jemanden gibt, der ebenfalls in den letzten 5 Jahren nach ihr gesucht hat. Und bald schon sollen sich ihre Wege endlich kreuzen.

Seduction and Snacks / Kiss Me, Stupid! von Tara Sivec ist wirklich mal etwas anderes. Zumindest, was den Schreibstil bzw. Einfallsreichtum anbelangt. Die Autorin kommt auf die aberwitzigsten Ideen und ihre Charaktere nehmen wirklich kein Blatt vor den Mund, so dass es auf fast jeder Seite etwas zu lachen gibt. Vermutlich deshalb hat sich das Buch in den USA bereits zum Überraschungserfolg gemaustert.
Auch für mich hat das funktioniert - zumindest am Anfang. Claire und ihre Freunde sind wirklich Charaktere, wie ich sie selten erlebt habe. Das Buch beginnt mit einem langen Monolog darüber, wieso Claire niemals Kinder haben wollte und allein während diesem musste ich mehrmals laut lachen. Die Art und Weise, wie sie sich dann aber doch ans Muttersein gewöhnt hat, wurde genauso amüsant wie glaubhaft erzählt, denn es werden einige der klassischen Mythen erzählt, die einem andere Mütter gerne aufbinden wollen (z.B. dass es hinterher egal ist, wie schmerzhaft die Geburt war und man sich nicht mehr dran erinnert). Nicht nur hier lässt Tara Sivec die gängigsten Klischees auflaufen, sie schafft es auch immer wieder Situationen zu erzeugen, in denen sich jeder Leser denkt "Jepp, genau so ist es mir ebenfalls schon mal gegangen", auch wenn man es anderen gegenüber nie zugeben würde.
Auch die Geschichte selbst ist unterhaltsam, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Das ist gar kein konkreter Zwischenfall gewesen, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass das Buch ab ungefähr der Hälfte überhaupt keine Entwicklung mehr hat. Die Story plätschert vor sich hin, ohne dass wirklich etwas geschieht und auch am Ende passiert irgendwie...gar nichts. Es gibt keinen Spannungsbogen und daher auch keinen Höhepunkt. Sobald die Geschichte begann, abzuflachen, fingen auch viele der Details, die mir vorher Spaß gemacht haben, an mich zu nerven. Die skurrilen Situationen wirken gezwungen und übertrieben bzw. gewollt lustig. Die Charaktere schaffen es nicht auch nur einen anständigen normalen Satz miteinander zu sprechen ohne zu fluchen oder sich als "bitch", "skank" oder "whore" zu bezeichnen. Das gilt ganz besonders für Claires beste Freundin Liz. Aber auch für Gavin. Bis zu einem gewissen Grad ist es ja lustig, dass der kleine Rotzlöffel sich ständig im Ton vergreift und die unglaublichsten Fragen stellt. Auf der anderen Seite ist es aber auch bei ihm so, dass es irgendwann einfach nervt und der Junge ehrlich gesagt ziemlich abnormal wirkt.
Man merkt also schon, dass der Schreibstil bzw. der Umgangston ziemlich derb und vulgär ist. Auch hier ist es wieder so, dass es am Anfang noch lustig ist und Spaß macht, irgendwann aber ins Gegenteil umschlägt und einfach nur übertrieben und nervig wird. Hier wieder ein kleines Beispiel: Auf 284 Seiten fällt 121 mal das Wort "Vagina" und 74 mal das Wort "Penis". Das war irgendwann weder provokant noch lustig, sondern hat mich nur noch mit den Augen rollen lassen.

Wer auf wirklich übertrieben und derben Humor steht und überdrehte Charaktere mag, dem kann ich Seduction and Snacks / Kiss Me, Stupid! von Tara Sivec nur wärmstens empfehlen. Alle anderen könnten ebenfalls mit diesem amüsanten und auch mal romantischen Buch Spaß haben - wenn man in der richtigen Stimmung ist. Trotzdem, so gut, wie es die meisten anderen Leser bewertet haben, konnte ich es nicht finden. Dafür hat die Geschichte einfach zu wenig hergegeben und der Sprachstil war mir irgendwann zu banal, platt und übertrieben.
Claires Geschichte geht übrigens weiter. Futures and Frosting: A Sugarcoated Happily Ever After (Amazon-Partnerlink) erschien im Oktober 2012 und erzählt, wie es mit Claires und ihrer kleinen Familie weitergeht.

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