Buchjunkies


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06.

Aug 2012

Grace ist es gewohnt, sich von einem Tag in den anderen zu hangeln. Sie hat Tausende von Pfund Schulden, denn sie ist ein Frustkäufer und schafft es einfach nicht, in ihren Verhältnissen zu leben. Sie hat 12 Kreditkarten und jede einzelne von ihnen ist heillos überzogen und in ihrem Job beim Fashion-Magazin Skirt ist sie sowohl unterbezahlt als auch unterfordert.
Ihre Welt scheint ihr endgültig zu entgleiten, als sich wieder mal ein Freund von ihr trennt. Nach nur drei Monaten. In ihrem Lieblingskaufhaus. An ihrem 23. Geburtstag! Zu allem Überfluss wird sie auch noch von einem völlig Fremden, der die ganze erniedrigende Trennung mitangesehen hat, in ein Cafe geschleppt. Der Mann stellt sich als sehr erfolgreicher Kunstsammler namens Vaughn heraus, der Grace zunächst alles andere als geheuer ist. Denn er ist nicht nur arrogant, auf merkwürdige Weise attraktiv und exzentrisch, sondern auch alt. Mindestens Ende Dreißig.
Doch dann macht er ihr ein Angebot, dass Grace sehr in Versuchung führt: Sie soll einen Vertrag unterschreiben, der sie zu seiner Geliebten macht und nach dem sie ihn zu allen möglichen geschäftlichen Feierlichkeiten begleiten und diese auch selbst planen soll. Im Gegenzug bezahlt Vaughn sie. Reichlich.
Dass man ihr Prostitution vorwerfen könnte, wenn sie darauf einginge, gefällt Grace zwar gar nicht und ihr moralischer Kompass ist auch noch nicht so kaputt, als dass sie sich wirklich wohl fühlen würde mit diesem Übereinkommen. Aber sie sieht endlich einen Ausweg aus ihren Schulden...warum sollte sie diese Chance also nicht ergreifen? Die Antwort darauf bekommt sie schneller, als ihr lieb ist: Denn bald wird klar, dass sie der Situation - und Vaughn - nicht so gewachsen ist, wie sie dachte.

Ich weiß nicht, ob es euch auch manchmal so geht, aber hin und wieder stolpere ich über ein Buch, bei dem mir auf den ersten Seiten klar wird, dass ich diese Charaktere einfach nicht mag. Wenn das dann nach 100 Seiten immer noch so ist, kann ich mir eigentlich sicher sein, dass das auch so bleibt.
Daher hat Unsticky / Im Eifer des Gefühls von Sarra Manning auch eine riesige Überraschung für mich bereit gehalten. Denn nach den ersten 50 Seiten konnte ich weder Grace noch Vaughn besonders viel abgewinnen. Beide waren zwar interessant und hatten durchaus ab und zu Momente, bei denen klar wurde, dass vielleicht doch mehr hinter ihnen steckt, waren insgesamt aber doch eher abschreckend. Als allerdings nach über 120 Seiten das Eis immer noch nicht gebrochen war, habe ich ehrlich gesagt schwarz gesehen. Doch irgendwie hat mich das Buch dann doch nicht losgelassen und plötzlich war ich zu zwei Dritteln durch, in denen sich die Charaktere von einer unmöglichen Situation in die nächste manövrieren und ohne es zu merken, habe ich mich in sie verliebt.
Ich kann nicht mal genau sagen, wie und wann das passiert ist. Wie gesagt, Grace und Vaughn sind alles andere als perfekt. Beide sind launisch, Grace ist in jeglicher Hinsicht verantwortungslos und Vaughn ein Kontrollfreak. Streit zwischen den beiden ist vorprogrammiert und wenn sie aufeinander losgehen, ist das alles anderes als schön anzusehen. Vaughn verlangt von Grace totalen Gehorsam und Grace reagiert selten so, wie ich es gerne von ihr hätte.
Wie es also passieren konnte, dass ich mir diese beiden so ans Herz wachsen, weiß ich nicht. Tatsache ist aber, dass ich sie und ihre Geschichte liebe. Teilweise eben weil sie so kaputt sind und jede Menge Probleme mit sich herumtragen. Und vielleicht auch, weil man sich in der ein oder anderen Kleinigkeit eventuell selbst wiederfindet. Jedenfalls ist Unsticky / Im Eifer des Gefühls ein ungewöhnlich emotionales Buch, wenn man erst einmal über die moralische Fragwürdigkeit von Grace und Vaughns Übereinkunft hinwegkommt. Beide wachsen im Laufe der Geschichte, aber eine säuselige und gefühlsduselige Romanze darf man dennoch auf keinen Fall erwarten.

Rückwirkend betrachtet verlief Unsticky / Im Eifer des Gefühls von Sarra Manning genau so, wie es sollte. Ich habe mich geärgert, gelacht, gelitten und ja, auch ein bisschen geweint. Es war eine absolute Achterbahn der Gefühle und Sarra Manning nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, ihre Charaktere ehrlich und in ihrer ganzen emotional zerrütteten Pracht darzustellen. Ihre Entwicklungen sind nicht übereilt oder fragwürdig sondern realistisch und natürlich. Unter anderem deswegen macht es auch gar nichts, wenn einem die Charaktere nicht sofort sympathisch sind. Man muss sich mit ihnen zusammenraufen und würde sie oft am liebsten erwürgen, dann aber möchte man sie nicht mehr hergeben.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt war deswegen der, dass nach all dem Ärger und Leid, dass man mit ihnen durchgemacht hat, eine relativ knappe Auflösung bekommt. Die letzten Seiten helfen zwar, dass man das Buch beruhigt zuschlagen kann, ein paar Seiten mehr, um das Ende runder zu machen, wären aber schön gewesen. Aber auch das schmälert das Lesevergnügen nicht.

Die englische Ausgabe ist momentan fast nur noch gebraucht zu bekommen, wird aber am 25. September 2012 neu aufgelegt. Deutsche Leser können Im Eifer des Gefühls ab dem 10. März 2014 kaufen, sollten sich allerdings nicht vom Titel und dem kaugummipinken Cover täuschen lassen - die Charaktere haben es wie gesagt in sich und sind nicht gerade üblich in typischen Frauenromanen.

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