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08.

Sep 2012

~ND

The Lost Prince / Plötzlich Prinz - Das Erbe der Feen

Enthält Spoiler für die Iron Fey / Plötzlich Fee-Reihe.

Seit Ethan Chase denken kann, hat er die Fähigkeit, Sie zu sehen. Sie sind unter vielen Namen bekannt: Die freundlichen Nachbarn, das kleine Volk oder einfach nur Feen. Doch statt niedlichen kleinen Wesen sind die Kreaturen, die Ethan von jeher das Leben schwer machen, hinterlistig und gefährlich. Mehr als einmal hat ist er durch sie in Schwierigkeiten geraten, z.B. als ein paar Redcaps versucht haben, ihn aus der Schule zu jagen und dabei die Bibliothek in Brand gesteckt haben. Deshalb hat Ethan auch bereits mehrfach die Schule wechseln müssen. Seine Eltern machen sich natürlich schreckliche Sorgen um ihn. Dabei ist die Tatsache, dass Ethans ältere Schwester Meghan vor 12 Jahren selbst für immer im Nimmernie, der Welt der Feen, verschwunden ist, nicht gerade hilfreich.
Und auch nun muss er wieder einen neuen Anfang an einer neuen Schule machen. Doch sein Ruf eilt ihm voraus und schon bevor er mit auch nur einem Mitschüler geredet hat, ranken sich die wildesten Gerüchte um ihn. Das ist Ethan nur recht. Er will gar keine Freunde. Jeder, der ihm zu Nahe kommt wird am Ende in Gefahr gebracht, denn die Sie wollen ihn einfach nicht in Ruhe lassen.
Doch dann taucht eine merkwürdige neue Art von Feen auf, die Ethan noch nie gesehen hat und schnell wird klar, dass sie nichts Gutes im Schilde führen. Entgegen allem, was er sich geschworen hat, werden Todd und Kenzie, zwei seiner neuen Mitschüler, in Gefahr gebracht und Ethan wird klar, dass er sich Hilfe von einer Seite suchen muss, an die er sich nie wenden wollte: Bei der Königin der Eisernen Feen- und seiner Schwester - Meghan.

Das lange Warten ist vorbei und endlich durfte ich The Lost Prince / Plötzlich Prinz - Das Erbe der Feen, den ersten Teil der Call of the Forgotten-Reihe von Julie Kagawa, lesen. Meine größte Angst, dass sich The Lost Prince / Plötzlich Prinz - Das Erbe der Feen nur wie ein Abklatsch von Meghans Abenteuern in Iron Fey / Plötzlich Fee liest, hat sich zum Glück überhaupt nicht bestätigt. Im Gegenteil, allein schon durch diese neue und ziemlich schauerliche Art von Feen ergibt sich eine ganz eigene Stimmung. Gleichzeitig passen sie und ihre Geschichte aber auch erstaunlich gut in das, was wir aus der ersten Reihe schon kennen. Es ergibt sich ein sehr stimmiges Gesamtbild.
Natürlich liegt die Eigenständigkeit des Buches aber auch an unserem neuen Protagonisten Ethan. Ihn durften wir ja schon als Meghans kleinen, damals 4jährigen Bruder in der Iron Fey / Plötzlich Fee-Reihe kennenlernen. Doch in den letzten 12 Jahren hat sich einiges getan und aus dem fröhlichen Knirps ist ein ziemlich unfreundlicher und misstrauischer junger Mann geworden. Dazu hat er auch allen Grund, denn wie bereits erwähnt ist Ethans Leben alles andere als normal. Der Verlust seiner Schwester setzt ihm nach wie vor sehr zu und er fühlt sich von ihr im Stich gelassen, denn sie hat eindeutig die Feen ihrer eigenen Familie bevorzugt - zumindest sieht er das so. Das ist ein weiterer Grund, warum er die Feen so hasst.
Ihm zur Seite stehen Todd und Kenzie, die beide ganz eigene Gründe haben, wieso sie sich für Ethan bzw. seine Welt interessieren. Beide Figuren haben mir unheimlich gut gefallen und waren ein toller Kontrast zu Ethans ziemlich eigenbrödlerischer Art. Vor allem Kenzie war sehr sympathisch und hat mit viel Charme und Witz dafür gesorgt, dass man auch eine andere Seite an Ethan kennenlernt. Natürlich gesellen sich nach und nach auch noch ein paar Feen zu Ethans Gruppe und auch hier sind einige tolle und spannende Charaktere vertreten, über die ich aber noch nicht mehr sagen will. Doch ich darf bereits verraten: Es gibt natürlich ein Wiedersehen mit einigen der alten Bekannten. Zwar sind ihre Rollen sehr klein, aber es war dennoch schön zu sehen, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist.
Ein paar Details haben mir dennoch nicht ganz so gut gefallen. Z.B. neigt Ethan bei all seiner Ernsthaftigkeit manchmal ganz schön zum Jammern. Ich weiß, dass sein Leben nicht einfach war und er einige Verluste durchmachen musste, aber trotzdem war er manchmal ziemlich anstrengend. Vor allem, wenn er z.B. zum gefühlten 10. Mal die Geschichte von den Redcaps in der Bibliothek erzählt. Überhaupt neigt Julie Kagawa ein wenig zu Wiederholungen in diesem Buch. Oft werden Ausdrücke und Wörter mehrmals kurz hintereinander verwendet, was mit der Zeit sehr auffällig wurde. Außerdem tendiert sie dazu ständig Kenzie "das Mädchen" zu nennen, was auf die Dauer erstens ziemlich unpersönlich und zweitens schlicht seltsam klang. Überhaupt kam mir der gesamte Sprachstil dieses Mal nicht ganz so flüssig vor, wie sonst.
Es war deutlich zu spüren, dass Julie Kagawa so wenig wie möglich über Meghan, Ash und Puck schreiben wollte. Auf der einen Seite verständlich, denn schließlich ist ihre Geschichte weitgehend erzählt, es fühlte sich aber auch ein wenig gezwungen an, denn es gab einige Szenen, in denen ihr Eingreifen oder schlicht ihre Anwesenheit logisch gewesen wäre.

Auch wenn der Funke bei The Lost Prince / Plötzlich Prinz - Das Erbe der Feen, dem ersten Buch aus Julie Kagawas Call of the Forgotten-Reihe, noch nicht ganz übergesprungen ist, so hat es doch jede Menge Potenzial. Die Geschichte ist spannend und neu und fügt sich logisch mit dem zusammen, was wir schon über das Nimmernie und seine Bewohner wissen. Gleichzeitig zeichnet sich die Geschichte durch gewohnt viel Humor und interessante Charaktere aus. Am Ende der Geschichte wird man zwar nicht mit einem gemeinen Cliffhanger stehen gelassen, dennoch passiert so viel, dass es große Lust auf den zweiten Teil, The Iron Traitor (Amazon-Partnerlink), macht.

The Lost Prince / Plötzlich Prinz - Das Erbe der Feen erscheint in den USA am 23. Oktober 2012. Die deutsche Ausgabe wird wie seine Vorgänger ebenfalls beim Heyne Verlag erscheinen, Titel und Erscheinungsdatum sind bisher aber noch nicht bekannt.

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