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03.

Jun 2012

~ND

Lies Beneath

Vergesst alles, was ihr denkt über Meerjungfrauen zu wissen. Es sind keine singenden Disney-Figuren und sie sind schon gleich gar nicht gutherzig. Niemand weiß das besser als Calder White. Er ist selbst ein Meermann und es ist kein schönes Leben. Das Meervolk kennt keine Freude, Liebe oder Enthusiasmus; im Grunde sind ihnen alle positiven Gefühle fremd und sie sind eifersüchtig auf jeden, der sie erleben darf. Deshalb töten sie Menschen um wenigstens für kurze Zeit, die Gefühle ihrer Opfer spüren zu können. Nämlich in den Sekunden vor und nach deren Tod.
Was Meerjungfrauen allerdings sind, ist rachsüchtig. Calder und seine drei Schwestern sind das beste Beispiel: Seit Jahrzehnten sind sie auf der Suche nach Jason Hancock. Sein Vater wurde von Calders Mutter auf See gerettet und im Gegenzug versprach er ihr seinen Erstgeborenen. Stattdessen ist er aber mit seiner Familie geflohen. Für Meerjungfrauen haben Versprechen allerdings eine besondere Bedeutung und als sie Hancock bei seiner Flucht am Seeufer entlang gefolgt ist, ist sie in ein Fischernetz geraten und verendet.
Calder und seine Schwestern haben also gleich doppelt Grund Hancock schnappen zu wollen. Als sie ihn endlich finden und einen Plan schmieden, entwickelt der sich für Calder allerdings bald zum Problem. Denn womit niemand gerechnet hat, ist dass Hancocks älteste Tochter Lily ungeahnte Gefühle in Calder wecken könnte.

Eigentlich hat mir die grundsätzliche Geschichte von Lies Beneath von Anne Greenwood Brown ganz gut gefallen. Die Meerjungfrauen sind nicht unbedingt das, was man von ihnen erwartet und ihre eher mörderischen Tendenzen werden ehrlich und erschreckend beschrieben. Auch wenn wir hier wieder das Klischee vom Jungen mit dem dunklen Geheimnis haben, fand ich das diesmal gar nicht so tragisch, da es aus eben seiner Sicht beschrieben ist. Am Anfang dachte ich, dass mir Calder unmöglich sympathisch werden kann, doch nach einiger Zeit in seinem Kopf hat er es doch irgendwie geschafft.
Leider hatte das Buch für mich aber auch einige teils gravierende Schwachpunkte. In erster Linie waren viele Interaktionen einfach unglaubwürdig, vor allem was Lily angeht. Im Laufe der Geschichte erfährt sie natürlich ein wenig über Calder und wie sie damit umgeht ist schlicht unrealistisch. Außerdem entwickelt sich die Beziehung zwischen den beiden viel zu schnell und ohne, dass man das Gefühl bekommt sie würden sich wirklich kennen.
Der Schreibstil selbst ist nicht schlecht. Relativ schnörkellos, was aber gut gepasst hat. Allerdings sind einige Details einfach ohne Erklärung hingeklatscht oder erst viel später in der Geschichte aufgeklärt worden, was dem Ganzen irgendwie ein bisschen die Eleganz genommen hat. Auch sonst wirkte es manchmal ein wenig lieblos, denn teilweise beschränkt sich Anne Greenwood Brown wirklich auf das Minimum an Beschreibung und Informationen. Es gibt auch nicht sonderlich viele Charaktere in diesem Buch und bei der Hälfte von ihnen gab es nicht einmal eine vage Beschreibung zum Aussehen.

Insgesamt hätte Lies Beneath von Anne Greenwood Brown also ein klein wenig mehr Liebe zum Detail gut getan. Es fehlte ein bisschen an realistischem Zusammenspiel und Beschreibungen der Charaktere. Und trotzdem hat es Spaß gemacht. Am Ende gab es eine kleine Überraschung, die doch sehr Lust auf den nächsten Band macht und sicher großen Einfluss auf die weitere Geschichte nehmen wird.

Lies Beneath erscheint am 12. Juni 2012 in den USA. Der zweite Teil folgt 2013 unter dem Titel Deep Betrayal (Amazon-Partnerlink*).
Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bisher noch nichts bekannt.

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