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02.

Apr 2011

~nia

Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben

Robert Enke wollte eigentlich zusammen mit Ronald Reng seine Biographie schreiben. Doch es kam anders und der Freund aus Barcelonas Tagen musste das Buch Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben alleine schreiben. Robert Enke hat sich am Abend des 10. November 2009 das Leben genommen. Der 32-Jährige National- und Bundesligatorwart litt an einer schweren Depression, der zweiten in seinem Leben. Fassungslos stellt der Autor die Frage, die auch den Laien und Leser bewegt: "Welche Kraft muss diese Krankheit besitzen, wenn sie einen wie ihn (Robert Enke) in den Trugschluss lockt, der Tod sei eine Lösung?"

Ronald Reng zeichnet ein akribisches Bild von Robert Enkes Leben. Natürlich werden dem Leser die Stationen der Fußballerkarriere vor Augen geführt, die den Sportler von Jena über Mönchengladbach, Lissabon, Barcelona, Istanbul und Teneriffa nach Hannover führten. Auch die Familiensituation, die Kindheit in der DDR, die Jugend auf dem Jenaer Sportgymnasium, das Kennen- und Liebenlernen von Teresa, Roberts späterer Frau, erste Angstzustände beim Heimisch werden in fremden Städten, die Depression im Jahr 2003, die Geburt der herzkranken Tochter Lara, ihr tragischer Tod im Alter von zwei Jahren, der Umgang mit dem Verlust, der Wunsch nach einen weiteren Kind, die Adoption der Tochter Leila, das erneute und noch schlimmere Aufflackern der Krankheit im Sommer 2009 und schließlich der tragische Selbstmord - all das findet seinen Platz in der Biographie. Ronald Reng, selbst ein Freund von Robert Enke und Sportjournalist mit dem Schwerpunkt Fußball, spricht mit unglaublich vielen Menschen, die den Torwart kannten, die ihn liebten, schätzen oder einfach mit ihm zu tun hatten. Etwa mit Roberts Frau Teresa, mit den Eltern, den Jugendfreunden, mit Kollegen und Freunden in den verschiedenen Vereinen, mit Roberts Berater und Betreuer Jörg Neblung, mit seinem besten Freund Marco Villa, mit Vereins- und Torwarttrainern, mit Leuten, die Vorbild für Robert Enke waren und mit Fußballern und Menschen, denen er ein Vorbild war. Unaufgeregt und eindrücklich begibt sich Reng auf den Weg, die Krankheit Depression darzustellen. Den 'schwarzen Hund', der einem nicht von der Seite weichen will und alle Gefühle ins Negative zieht, so dass Wut, Angst, Selbstzweifel, Trauer, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und Selbstmordgedanken übrig bleiben.

Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich emotional so berührt hat. Sicher lag es auch dran, dass ich Fußballfan bin und Robert Enke immer äußerst sympathisch fand, aber nicht nur daran, denn Ronald Reng schafft es, den Leser in Robert Enkes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen eintauchen zu lassen. Robert Enke war ein höflicher, liebenswürdiger und fröhlicher Mensch, ein ehrgeiziger und perfektionistischer Sportler, ein Ausnahmetalent als Torwart und ein Mensch, der durch seinen Job daran gehindert wurde, seine Erkrankung zu thematisieren. Aus diesem Grund war auch sein persönliches Umfeld gezwungen, ein Bild von ihm aufrecht zu halten, das nicht immer den Tatsachen entsprach. Reng gelingt es, dies alles ohne Voyeurismus darzustellen, ohne Robert Enke und seiner Familie zu nahe zu treten oder ein Urteil zu fällen. Ein großartiges, bewegendes Buch, nicht nur für Fußballfans oder Menschen, die sich mit dem Thema Depression beschäftigen möchten, sondern für jedermann.

Ich mache mir keine großen Sorgen,
das Heute geht, es kommt das Morgen.
Nur eins ist sicher, hör auf mich:
Ich brauche und ich lieb Dich.
(Robert Enke - Auszug aus einem Gedicht zum 31. Geburtstag seiner Frau Teresa im Februar 2009).

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