Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


01.

Sep 2011

Elisa, Tochter des Königs von Orovalle, wurde von Gott zu Großem bestimmt. Zumindest trägt sie den Godstone, ein Edelstein, der in ihrem Bauchnabel sitzt und der nur einem Auserwählten alle 100 Jahre zukommt. Elisa fühlt sich aber kein bisschen auserwählt. Sie ist nicht wie ihre Schwester Alodia, schön, stark, schlank und selbstbewusst. Stattdessen fühlt sie sich hässlich und faul, ist zu dick und weiß nicht so recht wo ihr Platz ist. Doch dann wird ihr ihre Rolle aufgezwungen. Elisas Vater verheiratet sie mit Alejandro, dem König des angrenzenden Reichs Joya d'Arena. Diese Allianz soll beiden Ländern helfen, sich gegen die ständige Bedrohung durch das befeindete Invierne, zu wehren. Elisa versteht nicht, warum es ausgerechnet sie trifft, wäre Alodia doch so viel besser geeignet. Jetzt hofft sie inständig, dass Alejandro alt und hässlich ist, damit sie sich ihm nicht zu unterlegen fühlt. Leider stellt er sich aber als äußerst gutaussehend und auch noch freundlich heraus und Elisa kann nicht anders, als zu hoffen, dass er sie irgendwann lieben kann.
Also macht sie sich auf in ihre neue Heimat mit einem Mann an ihrer Seite, den sie nicht kennt. Kaum in Joyas Hauptstadt angekommen findet Elisa aber mehr über ihr Schicksal als Trägerin des Godstones heraus, als in ihrem ganzen bisherigen Leben und sie muss feststellen, dass ihr die wichtigsten Informationen vorenthalten wurden. Schnell wird klar, dass sie und ihr Stein von mehr als nur einer Seite dringend gebraucht werden. Denn auch Rebellen sind hinter ihr her, in der Hoffnung, dass der Godstone ihre Erlösung sein kann, Joya steckt nämlich in größeren Schwierigkeiten, als gedacht. Und einer der Rebellen betrachtet Elisa genau auf die Art, die sie sich immer von Alejandro gewünscht hat. Schon bald wissen ihr Kopf und ihr Herz nicht mehr wo sie hingehören und Elisa muss lernen, was wirklich in ihr steckt, um ihr Land und ihre Leute retten.

Gleich von Beginn an hat es sehr viel Spaß gemacht, Elisa in The Girl of Fire and Thorns / Der Feuerstein auf ihrer Reise zu begleiten. Auch wenn die Welt und die Geschichte nicht unbedingt neu oder allzu ungewöhnlich sind, so ist wenigstens Elisa wahrlich keine klassische Heldin. Sie hat extreme Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihrer perfekten Schwester. Zum Glück wird Elisa dabei aber nie anstrengend oder weinerlich, was nur allzu leicht hätte passieren können. Stattdessen merkt man schnell, dass in ihr auch eine starke junge Frau mit einer großen Portion Humor steckt. Sie reift sehr innerhalb dieses Buches und keine ihrer Entwicklungen wirkte erzwungen oder unrealistisch. Auch die anderen Charaktere sind individuell gestaltet und wissen zu überraschen (allen voran Hector, der Anführer von Alejandros Wache und mein unangefochtener Liebling), denn nicht jeder ist wirklich so, wie er zu Beginn scheint. Die Geschichte ist spannend und vielschichtig, was neben Elisas stetiger Weiterentwicklung auch an den vielen Schauplätzen liegt. Joya ist ein großes Land und bietet eine dementsprechende Vielfalt, was Landschaft und Leute angeht. Man kann es sich wunderbar vorstellen, ohne, dass sich die Autorin mit langatmigen Beschreibungen aufhält und vor allem die Wüstengegenden, die im Buch dominieren, haben es mir angetan. Überhaupt ist der Schreibstil sehr schön und elegant, aber auch schlicht und unaufgesetzt. Gleichzeitig wird auch ein hohes Erzähltempo aufrechterhalten, wodurch es eigentlich keine einzige Stelle gab, an der ich mich auch nur annähernd gelangweilt hätte. Das Buch ist sicher nichts für Leser, die nur eitel Sonnenschein mögen. Die Brutalität und deren Beschreibungen halten sich zwar in Grenzen und sind nicht so rabiat, wie bei manch anderer High Fantasy, allerdings ist keiner der Charaktere sicher. Elisa verliert nicht nur einen ihrer Begleiter und das sorgt natürlich für eine teilweise ziemlich erdrückende Stimmung und ich musste die ein oder andere Träne verdrücken.

Wer allerdings eine große Liebesgeschichte erwartet, könnte enttäuscht werden. Zwar gibt es schon ein klein wenig Romantik, aber eher am Rande und auch dieser Teil der Geschichte entwickelt sich nicht unbedingt so, wie man es am Anfang erwartet hätte. Das Einzige, was mir ein klein wenig missfallen hat (und ich dachte nicht, dass ich das jemals sagen würde), war dass der Schreibstil stellenweise nicht dramatisch genug war. Auf der einen Seite war das zwar angenehm, weil nichts unnötig in die Länge gezogen wurde, auf der anderen wirkten manche der wirklich einschneidenden Erlebnisse aber ein bisschen arg knapp abgehandelt, vor allem gegen Ende. Zwar war die Darstellung keinesfalls gefühllos, aber ein bisschen länger hätte man an den jeweiligen Momenten schon verweilen können, einfach weil der Leser davon schließlich auch nicht unbeeindruckt bleibt.

Insgesamt ist The Girl of Fire and Thorns / Der Feuerstein (in UK nur Fire and Thorns) von Rae Carson aber dennoch ein ausgezeichnetes Buch, das den Leser mit tollen Charakteren in eine ungewöhnliche Welt entführt von der man noch viel erwarten kann, auch wenn das Genre sicher nicht neu erfunden wurde. Fans von Tamora Pierce's werden ihre helle Freude an dem Buch haben.

Denn The Girl of Fire and Thorns / Der Feuerstein ist nur das erste Buch in Rae Carsons Trilogie. Das zweite Buch erscheint im September 2012 unter dem Titel The Crown of Embers / Die Feuerkrone in den USA, gefolgt von The Bitter Kingdom im Jahr 2013. Auch in Deutschland wird das Buch bald bei Heyne verlegt, jedoch noch ohne genauen Titel und Termin.

Jetzt bei Amazon.de via Partnerlink kaufen: Deutsche Ausgabe ~ Original-Ausgabe

14 Kommentare | Facebook | Twitter