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12.

Jun 2021

~nef

Mittwochs am Meer

Cover Mittwochs am Meer

Wie jeden Mittwoch sitzt Maurice im Zug um einer kleinen Fabrik im Küstenort Cancale durch die Insolvenz zu helfen. Wie immer nimmt er sich vor im Zug zu arbeiten, wie immer kommt er nicht dazu. Zu viele Gedanken kreisen durch seinen Kopf, bis er in Rennes aus dem Zug in einen Bus steigt um am Bahnhof von Cancale von einem Fahrer abgeholt zu werden.
Sein Fahrer ist schweigsam, wie jeden Mittwoch. In der Fabrik angekommen wird er misstrauisch beäugt. Dem feinen Herrn aus Paris traut man hier nicht, schon gar nichts zu. Wie soll er die Fabrik retten, wenn keine Aufträge für ihre Netze reinkommen? Was kann so ein Anzugträger schon wissen vom Leben der einfachen Leute hier im Ort?

Auch an diesem trostlosen Tag arbeitet Maurice sich durch Zahlen, Tabellen und hofft einen Weg zu finden seinen Job hier erfolgreich beenden zu können um Mittwochs nicht mehr in den Zug steigen zu müssen.

Doch dieser Mittwoch wird mit einem Schlag besonders. Sein übliches Zimmer im kleinen Hotel am Ort ist versehentlich fremd belegt worden und an der Rezeption steht nicht wie sonst die mürrische alte Dame, sondern eine bildhübsche junge.
Sie bietet dem verdatterten Maurice eine Umbuchung an, die dieser annimmt. So landet er am Abend in einem luxuriösen Hotel und genießt das erste Mal so richtig seinen Aufenthalt in Cancale.
Am Morgen erhält er an der Rezeption eine Nachricht. Ein unscheinbarer Umschlag mit einer folgenschweren Nachricht die sein Leben für immer verändern wird. Nie hätte er geglaubt, dass ihm so etwas passieren würde und doch hält er diese Zeilen in der Hand.

In Mittwochs am Meer geht es um den stets korrekten Maurice van der Bergen, der als Insolvenzanwalt neben seiner Kanzlei in Paris an verschiedenen Orten in Frankreich arbeitet. Sein Blick ist immer auf das Wohl der Firma gerichtet und so lebt er ein Leben in geregelten Bahnen. Nie bricht er aus oder genießt das Leben richtig.
Durch diesen mysteriösen Brief hat er nun die Chance dazu und ergreift sie auch. Was sich nun entwickelt ist eine etwas andere Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das Buch ist immer auf die jeweiligen Wochentage ausgelegt, um die es geht. In diesem Fall hauptsächlich den Mittwoch, denn diesen verbringt Maurice schließlich in Cancale. Hier kennt ihn niemand, seine Geliebte jedoch schon. Und genau da liegt das Problem der beiden. Sie stehlen sich die Stunden und ich kann verstehen, dass es für beide eine neue und prickelnde Erfahrung ist.
Ich gönne es Maurice tatsächlich auch aus vollem Herzen, denn er scheint grundlegend ein guter Mensch zu sein, der nie die Chance hatte richtig aus sich heraus zu kommen, leider vergisst er darüber andere Menschen die auf seine Hilfe angewiesen sind.

Die ersten Seiten zogen sich sehr und ich wusste nicht so recht wohin die Reise mit diesem Buch gehen soll. Beide lernen sich während ihrer kurzen Zeit intensiv kennen. Sie sprechen über ihre Vergangenheit, ihre verschiedenen Leben und ihre Gefühle. Nahezu wie ein normales Pärchen. Aber an dieser Liebesbeziehung ist nichts normal.
So hat mich das Ende tatsächlich genauso überrascht wie wohl auch Maurice.

Mich lässt das Buch nachdenklich zurück. Der Schreibstil ist gut, anders als man es von Franzosen kennt, aber auch anders als Deutsche für gewöhnlich schreiben. Ich würde sagen es ist eine Mischung aus beidem. Tatsächlich habe ich mit Franzosen so meine Probleme und war entsprechend etwas irritiert als ich begann die Geschichte zu lesen. Alexander Oetker hat seine Art zu schreiben vermutlich auch durch seine Job als Korrespondent gefunden.

Im Nachhinein empfand ich das Buch als abgerundete Geschichte, mit Überraschungen, mit Enttäuschungen und zum Teil recht amüsant. Auch ein Teil Übertreibung ist zu finden, zumindest empfinde ich es so. Wer Gedichte mag kommt hier ebenfalls auf seine Kosten.
Ich werde vermutlich noch ein weiteres Buch des Autors lesen, nur um herauszufinden, wie er in einem anderen Genre schreibt.

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