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01.

May 2021

Cover Der Apfel fällt recht weit vom Stamm deutsch

Nora hat alles zurückgelassen und sich in Köln ein neues Leben aufgebaut. Gut, der Job als Buchhalterin ist jetzt kein Karrieresprungbrett, aber irgendwann wird ihr Chef sicher auf sie aufmerksam. Als er das dann allerdings wirklich wird, ist Nora sauer. Er schickt sie 2 Wochen in den Urlaub, und das obwohl Nora gar keinen Urlaub haben will.
Doch ein kleines Vögelchen hat ihm am Telefon deutlich zu verstehen gegeben, dass die Beerdigung von Noras Vater wohl kaum ohne sie stattfinden kann. Dumm nur, dass Nora überhaupt nicht vor hatte diese zu besuchen.

Acht Jahre ist es nun her, dass sie von jetzt auf gleich ihre Familie, den Apfelhof und somit ihre Heimat im Alten Land verlassen hat um neu anzufangen. Sie hat sich wirklich Mühe gegeben, damit niemand sie finden kann, dennoch erhielt sie eine Woche zuvor die Todesanzeige ihres Vaters. Sie liebte ihren Vater, aber auch er war ein Grund, warum sie damals abgehauen war. Nun kamen die Erinnerungen mit einem Schlag zurück und ausgerechnet Ben, ihr Ex-Freund, teilt ihr am Telefon mit, dass sie dringend auf dem Hof gebraucht wurde. Wäre es nur wegen der Beerdigung, hätte sie abgelehnt, aber nun hatte sie 2 Wochen frei und zu allem Überfluss eine Oma im Apfelbaum.

Oma Enne hatte schon immer einen besonderen Hang zur Dramatik und so greift sie nun zum letzten Mittel um ihre Familie wieder an einen Tisch - oder eben in ein Baumhaus - zu bringen. Sie hat sich nach dem Tod ihres Schwiegersohns in das ehemalige Baumhaus von Nora und Ben verzogen und agiert von dort wie es kein anderer könnte. Erst wenn Nora wieder zu Hause ist, will sie den Baum verlassen. Also bleibt dieser nichts anderes übrig und in den Zug Richtung Hamburg zu steigen.
Als sie auf dem Bahnhof Ben gegenübersteht ist klar, dieser kurze Trip in die Vergangenheit wühlt mehr auf als nur den Groll auf ihren Vater. Auf dem Hof hat sich viel verändert und das leider nicht zum Guten. Nora ist ehrlich geschockt und obwohl sie nur kurz Oma vom Baum holen wollte, schlägt ihr Herz schon bald wieder für die vielen Bäume, die zarten Blüten und auch ein kleines bisschen für Ben. Doch der hat ganz andere Probleme, denn Noras Anwesenheit bedeutet für ihn eine Entscheidung, die er nicht leicht treffen kann.

Als ich mal wieder einen Abstecher in meine Buchhandlung ums Eck machte um nach einem bestimmten Buch zu suchen, musste ich natürlich mal schauen was da so rumsteht. Der Apfel fällt recht weit vom Stamm sprang mich dann auch direkt an und landete im Körbchen. Am nächsten Tag gleich begonnen, habe ich mich schon gleich gut unterhalten gefühlt.

Nora war für mich erst ein schwieriger Charakter, da ich ihre Argumentation und ihre Rechtfertigungen albern fand. Jedes Mal hat sie die gleichen alten Ausreden rausgeholt und sich gar nicht die Mühe gemacht mit den jeweiligen Beteiligten zu sprechen. Ihre Version war die einzig richtige und sie allein das arme Würmchen. Das ließ aber mit der Zeit nach und es entspann sich eine sehr unterhaltsame Geschichte.
Mit Benn konnte ich mich sehr schnell anfreunden. Der Mann hat das Herz am richtigen Fleck und versucht immer wieder es allen recht zu machen. Leider vergisst er dabei sich selbst viel zu oft.

Natürlich war mein liebster Charakter Oma Enne. Eine Dame die mit über 80 noch auf einen Apfelbaum zieht, weil ihre Familie endlich wieder zueinander finden muss, muss man einfach gernhaben. Vor allem ist sie eine sehr aktuelle Oma. Sie ist mit bester Technik ausgerüstet und hat ein weites Netz an Helferlein, so dass sie ihren Baum nicht verlassen muss um Verpflegung oder Beschäftigung zu suchen. Ich habe mir das Baumhäuschen sehr gemütlich vorgestellt, vor allem wenn darin eine Oma haust die nebenbei auf Social Media unterwegs ist.

Der Apfel fällt recht weit vom Stamm entwickelt sich konstant in die richtige Richtung. Zunächst muss herausgefunden werden was genau Oma Enne will, wie es dazu kam das sie im Baum sitzt und das alles findet man in Noras Vergangenheit. So nach und nach erfährt man, was acht Jahre zuvor passiert ist und die Charaktere entwickeln sich ebenfalls gut weiter.
Das Buch ist ein Wohlfühl-Roman, der einen dazu animiert sich einen leckeren Apfel zu schnappen und stundenlang zu schmökern.

Die Auflösung des Hauptproblems kam mir schon zwischendrin in den Sinn, war nachvollziehbar und somit ein nicht an den Haaren herbei gezogener Grund für die ganzen Geschehnisse. Das hat mir daran wirklich gut gefallen.

Dieses Buch wird jetzt zu meiner Oma weiter wandern aber die hat keinen Grund in einen Baum zu ziehen, also ist das Lesen dieses Buches für unsere Familie ungefährlich ;o)

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