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27.

Aug 2016

Cover Swear on this Life

Emiline hat hart daran gearbeitet, ihre Vergangenheit zu vergessen. Ihre Kindheit in einer armen Stadt in Ohio, an die sie nur wenige schöne Erinnerungen hat, ist nicht gerade etwas, an das sie gerne zurückdenkt, geschweige denn mit der Welt teilt. Selbst ihr Freund Trevor, mit dem sie seit immerhin sieben Jahren zusammen ist, weiß kaum etwas davon, wie sie aufgewachsen ist.
Umso schockierter ist Emiline, als ihr das momentan von allen gefeierte Buch All the Roads Between in die Hände fällt und ihr die Handlung um die Jugendfreunde Emerson und Jackson nur allzu bekannt vorkommt - es beschreibt ihre eigene Jugend. Das kann nur eines bedeuten: Der Autor J. Colby ist in Wirklichkeit Jase Colberston, Emilines bester Freund aus Kindertagen und ihre erste große Liebe, die sie seit über 12 Jahren nicht mehr gesehen hat.
Doch Emiline fühlt sich alles andere als geschmeichelt. Im Gegenteil, sie kann es nicht fassen, dass Jase ihre Vergangenheit für seinen Erfolg dermaßen ausnutzt, vor allem da er sein Versprechen gebrochen hat, sie wieder zu finden. Die Tatsache, dass Emiline selbst eine nicht gerade erfolgreiche Schriftstellerin ist, die sich aber immer geweigert hat über ihre eigenen Erfahrungen zu schreiben, macht die Sache nicht gerade besser.
Wie konnte Jase ihr das antun? Wieso hat er das Buch aus Emilines Perspektive geschrieben? Wieso hat er sich beim Schreiben einige literarische Freiheiten genommen, wenn das Meiste doch so schonungslos der Wahrheit entspricht? Und wieso hat er nie versucht sie zu finden? All das sind Fragen, auf die Emiline Antworten braucht, auch wenn sie sich nicht ganz sicher ist, ob sie wirklich bereit dazu ist...

Ich habe mich bereits seit Monaten auf Swear on This Life von Renée Carlino gefreut, denn alle kleinen Teaser und Auszüge, die ich gesehen hatte, waren wirklich vielversprechend. Leider hatte ich aber wohl zu viel Zeit, mir auszumalen, wie wunderbar diese Geschichte werden würde, denn am Ende war ich von Swear on This Life unglücklicherweise ziemlich enttäuscht. Ich bin mir auch sehr unsicher, wie ich diese Geschichte bewerten soll, denn manche Teile sind doch relativ gut gelungen, während andere für meinen Geschmack komplett daneben gingen. Deshalb habe ich die wichtigsten Punkte einzeln bewertet:

Die Idee - 4,5 von 5 Sternen: Die Idee von Swear on This Life von Renée Carlino finde ich nach wie vor richtig toll. Viele Leute haben Emiline gesagt, dass sie über das schreiben soll, was sie kennt, um ihre Schriftstellerkarriere voran zu bringen. Jetzt ist ihr ausgerechnet Jase zuvor gekommen und das empfident sie gleich aus mehreren Gründen als Verrat. Nicht nur, weil er sich nie bei ihr gemeldet hat, sondern auch weil es ihre Geschichte ist. Auch die Buch im Buch Idee fand ich sehr spannend, denn natürlich bekommen wir einiges von J. Colbys Werk zu sehen.

Die Umsetzung - 2 von 5 Sternen: Leider hat es an der Umsetzung gehörig gehapert. Zum einen spielt viel zu viel von Swear on This Life in der Vergangenheit bzw. in All the Roads Between. Über die Hälfte dieser Geschichte ist quasi das "Buch im Buch". Das bedeutet aber auch, dass weniger als die Hälfte der Handlung in der Gegenwart spielt, was mir einfach zu wenig war. Wir erfahren zwar sehr viel über Emiline und Jase, wie sie in ihrer Kindheit waren (bzw. wie ihre literarischen Reinkarnationen sind, bei denen sich Jase beim Schreiben ja doch einige Freiheiten genommen hat), über die heutigen Charaktere erfahren wir aber nicht sehr viel. Das trifft vor allem auf Jase zu, dem wir erst in der zweiten Hälfte des Buches leibhaftig begegnen und den man für meinen Geschmack daher nur viel zu oberflächlich kennengelernt haben.

Die Charaktere - 1,5 von 5 Sternen: Die Charaktere waren für mich von daher ein sehr schwieriger Punkt. Jase wirkt wie gesagt sehr sehr flach. Die Version, wie er sich im Buch darstellt mochte ich schon, doch auch hier blieb er ein wenig zweidimsenional. Die erwachsene Version von ihm war noch schwieriger einzuschätzen, denn meistens benahm er sich ziemlich blasé und arrogant und ich fand ihn nicht wirklich sympathisch. Auch seine Beweggründe konnte ich nicht immer nachvollziehen und ich kann nicht sagen, dass er mir alle Fragen, die Emiline ihm stellt befriedigend beantworten kann. Vor allem auf die Frage, wieso er sich nie bei ihr gemeldet hat wird GAR NICHT eingegangen und das fand ich mehr als frustrierend, denn es war einer der wichtigsten Punkte für Emiline, den Jase aber immer wieder überging.
Allerdings bin ich mit Emiline selbst noch weniger klar gekommen und das liegt einfach ganz grundsätzlich an einigen ihrer Charaktereigenschaften und Entscheidungen. Zum Beispiel stellt sie sich ihren Problemen nicht und rennt vor ihnen davon, trotzdem sind immer die anderen an allem Schuld. Ein gutes Beispiel dafür ist ihre Beziehung zu ihrem Freund Trevor. Er ist alles andere als unschuldig an ihren Beziehungsproblemen, allerdings trifft Emilinge mindestens genauso viel Schuld, was sie aber meist überhaupt nicht einsieht. Stattdessen ist sie zickig und absolut uneinsichtig. Als Jase in ihr Leben tritt zeigt sie außerdem, dass sie absolut kein Rückgrat hat. In meinen Augen behandelt der sie nämlich alles andere als gut und trotzdem verfällt sie ihm sofort wieder (auch wenn sie ihn eigentlich nur treffen will, um ihm die Levieten zu lesen) - und das, obwohl sie immer noch mit Trevor zusammen ist. Sie betrügt ihn zwar nicht per se, aber sie nimmt sich schon ordentlich viel Zeit, bis sie sich entscheidet und lässt bis dahin beide Männer ordentlich zappeln. Ich mochte sie und ihre Entscheidungen schlicht und ergreifend nicht, weshalb mich die Geschichte meist auch emotional kalt gelassen hat.

Der Schreibstil - 2 von 5 Sternen: Auch der Schreibstil konnte mich nicht unbedingt vom Hocker hauen. Die Dialoge waren unnatürlich und viele der Gespräche wirken übertrieben und steif. Die Charaktere reagieren oder argumentieren oft in einer Art und Weise, die einfach nicht realistisch ist und springen von einem Thema oder Vorgehensweise zur nächsten. Außerdem ist Renée Carlinos Stil stellenweise ganz schön plump und sie verliert sich in Details, die eigentlich nicht interessieren.

Das Ende - 4 von 5 Sternen: Tatsächlich ist das Ende fast das Beste an Swear on This Life von Renée Carlino. Die letzten 10 Seiten sind wirklich gelungen und hier hat die Autorin durchaus gezeigt, dass sie schreiben kann und dass die Idee mit der richtigen Umsetzung eigentlich ziemlich gut gewesen wäre. Leider ist dieser Teil aber nur sehr kurz und knapp gehalten, so dass man sich nicht lange daran erfreuen kann.

Unterm Strich ist Swear on This Life deshalb nach wie vor sehr schwierig für mich als Ganzes zu beurteilen. Es gab einfach zu viele Dinge, die nicht gut umgesetzt waren, trotz der schönen Grundidee. Daher habe ich einfach den Schnitt der Unterpunkte aufgerundet. ;)

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