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02.

Jun 2016

Henry Alexander liebt sein Leben als Star. Er liebt die seine Bühne, die Musik, das Reisen auf der Straße im Tourbus. Und die Anerkennung, die er als Kind nie bekommen hat, als er nur ein einsamer Junge in diversen Pflegefamilien war. Die einzigen Momente, in denen er lieber kein Star wäre, sind die, wenn er fliegen muss, doch leider kommt das in seinem Beruf viel zu regelmäßig vor. Seit einer sehr schlechten Erfahrung vor 2 Jahren hat Henry Todesangst vorm fliegen. Manchmal kommt er aber einfach nicht darum herum und dafür hat er sich sein eigenes Flugzeug und den besten Piloten besorgt, den er finden konnte.
Als genau dieser Pilot aber krank wird, muss schnell Ersatz her - und so lernt Henry den Piloten Evan Roth kennen, der es aus irgendeinem Grund wie kein zweiter schafft, ihn während des Flugs zu beruhigen. Danach bekommt Henry Evan einfach nicht mehr aus dem Kopf und er weiß, dass er ihn wiedersehen muss. Schließlich entspricht Evan genau seinem Beuteschema: Attraktiv, intelligent – und eindeutig heterosexuell. Denn das sind die einzigen Männer, die Henry interessieren, auch wenn für ihn das meist sehr schnell nach hinten losgeht, selbst wenn er die Männer mal für eine Nacht verführen kann.

Was Henry allerdings nicht weiß, ist dass Evan nichts gegen Sex mit Männern hat - solange auch eine Frau dabei ist. Evan ist nicht schwul. Aber er ist auch nicht hetero und er hasst es in Schubladen gesteckt zu werden. Er weiß allerdings, dass er keine reine Beziehung zu einem Mann will, egal ob es nur um Sex oder eine Partnerschaft geht. Doch auch er muss zugeben, dass ihn Henrys Charisma und Charme nicht kalt lassen, vor allem als Evan klar wird, wie sehr Henry sich um ihn bemüht. Trotzdem hält Evan an seinen selbstauferlegten Regeln fest, doch Henry macht es ihm manchmal sehr, sehr schwer...

Ich muss zugeben, dass ich nach den ersten beiden Kapiteln dieses Buchs etwas völlig anderes erwartet habe, als mir am Ende geliefert wurde – doch das ist nicht unbedingt etwas schlechtes. Denn in den ersten beiden Kapiteln, in denen wir Henry und Evan jeweils in ihren eigenen kleinen Einführungen kennenlernen, haben sie gerade mit allerlei persönlichen Problemen zu kämpfen. Henry sitzt im Flugzeug und versucht seine Panikattacken im Zaum zu halten, während einer der wenigen Menschen, die er als Familie bezeichnet, ihm das Herz bricht. Evan wird unterdessen von seiner Freundin verlassen, was ihn in ein tiefes Loch stürzt - allerdings vermutlich nicht aus den Gründen, die man erwarten würde. Am Anfang wirkt The Spiral Down also eher ein wenig deprimierend und ich habe mich schon auf ein sehr hartes Buch eingestellt. Und es gibt auch in der Tat die ein oder andere ziemlich emotionale Szene und Entwicklung, die mich schwer schlucken ließ, doch gleichzeitig hat es Aly Martinez geschafft, dieses Buch unglaublich leichtherzig, witzig und einfach sympathisch zu machen.
Beide Charaktere haben so ihre merkwürdigen Eigenheiten was ihre Sexualität angeht. Henry will wie gesagt nur heterosexuelle Männer, während Evan nur mit einem Mann zusammensein kann, wenn eine Frau anwesend ist, was für Henry aber ein absolutes No Go ist. Wieso die beiden so merkwürdige Vorlieben haben, wird erst im Laufe der Geschichte klar und das müsst ihr schon selbst lesen. Eines ist jedoch klar: Es wird kompliziert, denn ihre Wünsche lassen sich nur schwer unter einen Hut bringen.
Das macht aber gar nichts, denn allein der Weg dorthin hat schon großen Spaß gemacht. Henry und Evan sind beide fantastische Charaktere und vor allem Henry mochte ich von Anfang an. Er ist zwar eine Rampensau und manchmal eine kleine Diva, meint es aber nie wirklich ernst und erst recht nicht böse. Er ist ein bisschen verrückt, dabei aber unheimlich sympathisch und er hat mich ständig zum lachen gebracht. Evan weiß manchmal gar nicht, wo ihm der Kopf steht, aber das und ihre wirklich unterhaltsamen Zankereien verleihen der Geschichte Leben. Auch die Nebencharaktere sind ziemlich gut gelungen. Henrys beste Freundin Levee z.B. fand ich sehr sympathisch und ich habe ihre und Henrys innige Freundschaft geliebt (Levee hat übrigens schon ihr eigenes Buch mit The Fall Up (Amazon-Partnerlink)).

Eine Sache gibt es aber an The Spiral Down die mir nicht so gut gefallen hat und das war ausgerechnet das Finale. "Nicht mögen" ist aber eigentlich der falsche Ausdruck, denn es ist nichts passiert, das mir nicht gefallen hätte. Aber leider war es ein bisschen...fade. Auch wenn ich froh bin, dass es nicht in einem übertriebenen Drama geendet hat, hätte ich mir doch einfach etwas mehr Handlung und Entwicklung gewünscht. So gab es aber keinen wirklichen Höhepunkt oder denkwürdigen Moment zum Ende hin.

Glücklicherweise ist und bleibt The Spiral Down von Aly Martinez dennoch ein sehr lesenswertes Buch, allein schon wegen der fantastischen Charaktere. Außerdem hat Aly Martinez einfach einen wundervollen Schreibstil, weshalb ich werde sicher noch weitere ihrer Bücher lesen werde.

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