Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


20.

Dec 2015

Eigentlich wollte Simon Snow nur sein letztes Jahr auf der Watford School for Magicks genießen. Doch das Leben macht es ihm schwer. Nicht nur, dass der Endkampf mit dem Hundrum noch aussteht, nein, seine Freundin macht mit ihm Schluss und Baz, sein Zimmergenosse und seine ganz persönliche Nemesis, ist zu Beginn des Schuljahres verschwunden. Und Simon dreht darüber fast durch - mehr noch über den fehlenden Baz als das Ende seiner Beziehung mit Agathe. Denn auch, wenn Simon seinen Zimmergenossen auf den Tod nicht ausstehen kann (glaubt er jedenfalls), ohne ihn ist Watford einfach nicht dasselbe. Das Geister, Vampire und andere magische Kreaturen alles nur noch komplizierter machen, sei hier nur am Rande erwähnt...

Carry On - hier war es endlich. Das Buch, das die Geschichte von Simon Snow und seinem Zimmergenossen Baz erzählt, auf das viele (ich auch) seit den ersten Schnipseln ihrer Geschichte in Fangirl gewartet haben. Tja, was soll ich sagen. Es war nicht schlecht, aber es war auch bei weitem nicht so gut wie ich das erwartet hatte.

Das Positive zuerst. Simon ist ein absolut schrecklicher 'Auserwählter' (Chosen One) und sein humorvoller Blick auf die Welt war einfach charmant zu lesen. Ebenfalls gefallen hat mir das Ende. Es war ganz sicher kein happily ever after, das heißt es war einfach nicht perfekt. Nach den Ereignissen in Carry On wäre ein zuckersüßes Ende aber wirklich einfach zu viel des Guten gewesen. Und wie immer bei Büchern von Rainbow Rowell las es sich in einem Rutsch weg.

Nun zu meiner Kritik. Zunächst dauert es ewig, bis Baz überhaupt mal auftaucht. Wie gesagt ist er am Anfang verschwunden und auch, wenn Simons Obsession über ihn weiterhilft, und man eine Menge über ihn erfährt, ist es nicht das Gleiche wie wenn er einfach da gewesen wäre. Baz ist nämlich der Star der Geschichte. Jedenfalls war er das in meinen Augen. Er ist sarkastisch und sieht Simon mit all seinen Fehlern (und für einen Auserwählten hat er eine Menge) und er weiß genau, dass sie in gegenläufigen Lagern stehen - dennoch liebt er Simon innig. Natürlich ohne das Simon davon auch nur was ahnt, weil Baz ein Meister der Verstellung ist. Alles in allem war mir also viel zu wenig Baz in Carry On.

Weit schlimmer war aber, dass die Geschichte, die in sehr, sehr vielen Elementen bei Harry Potter abkupfert ohne aber die Charaktere auch wirklich zu nutzen wie es ein echtes Fanfiction machen würde, einfach viel zu vorhersehbar war. Jeder ansatzweise versiehrte Leser von Gut-gegen-Böse-Geschichten konnte schon lange vor dem Ende erahnen, wer wohl der Bösewicht sein würde. Für mich war einzig das wieso noch in Ansätzen interessant, das warum war ebenso verhersehbar wie die Identität des Schurken selber. Schade eigentlich. Da hätte man eine Menge mehr draus machen können.

Ein weiter Schwachpunkt. Es passiert zu wenig. Das Buch ist über 500 Seiten lang und manchmal dachte ich mir, ein charmanter Schreibstil ist ja schön und gut, aber Handlung braucht es bei so einer Länge eben auch. Viele interessante Seitenstränge der Handlung wurden zwar zu einem Ende geführt, aber dennoch wirkten diese oft plump oder lieblos.

Als jemand, der Fanfiction wirklich liebt und beim Lesen derselben täglich sieht, was für eine Menge an talentierten Autoren da draußen ihre Werke präsentieren, war ich von Carry On einfach enttäuscht. Ich hatte mich nämlich sehr auf ein Buch gefreut, dass parktisch eine Art Fanfiction zu einem Buch ist - ich habe eine absolute Schwäche für Geschichten-in-Geschichten-in-Geschichten und hatte gehofft, von Rainbow Rowell ein Schmankerl präsentiert zu bekommen. Leider lag ich damit falsch. Mehr als nette Unterhaltung war Carry On nämlich nicht. Bessere Unterhaltung gibt es zuhauf und auch noch weit günstiger oder gleich umsonst.

Jetzt bei Amazon.de via Partnerlink kaufen: Original-Ausgabe

4 Kommentare | Facebook | Twitter

Kommentare

1 - 4 von 4 Kommentaren auf der Seite.

Shauna schrieb am 21.12.2015 14:55:29:

Oh nein! Das hört sich ja gar nicht gut an! Das Buch habe ich auch auf meiner Wunschliste und jetzt überlege ich mir doch schon, das wieder runter zu nehmen. Du hast ja einen ziemlichen Riecher, was bei FF gut ist. Bis jetzt habe ich eigentlich alles super gefunden, was Du hier vorgestellt hast. Das wird wohl in umgekehrter Richtung auch funktionieren. Vielleicht sind wir aber auch von den vielen guten Fanfictions zu verwöhnt ;)

Ich fand ja die Idee von einer "verlegten" Fanfiction ziemlich gut. Das hätte vielleicht mehr Leute dazu gebracht "echte" Fanfiction auszuprobieren, wenn sie sozusagen damit angefixt worden wären.

Es ist ja echt erstaunlich, wie viel Zeit und Herzblut Leute in ihre FF stecken, ohne mehr dafür zu bekommen als das Lob ihrer Leser. Ein ganz paar schaffen ja den Sprung in die Veröffentlichung, aber ich finde nicht, dass es da unbedingt immer die richtigen trifft. (50 Shades...)

nia schrieb am 25.12.2015 16:40:54:

Hi Shauna,
frohe Weihnachten wünsche ich dir!

Ich war anfangs ganz begierig und auch enthusiastisch dabei. Doch leider verlief sich das dann. Und dabei kommen sich die beiden ja mit der Zeit sogar wirklich näher. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Rowell das Buch wirklich als Fanfiction geschrieben hätte. Denen verzeiht man nämlich auch einen wenig dichten Plot oder einen etwas ausufernden Stil. Die Meinungen gehen natürlich auch hier auseinander, aber im Nachhinein habe ich gesehen, dass ich nicht die einzige etwas enttäuschte Leserin war. Vielleicht guckst du mal in die Leseprobe rein, wenn du noch unentschieden bist, ob oder ob nicht.

Danke für das Kompliment mit dem guten Riecher. Das hat mich sehr gefreut. Doch so gut war er nicht immer. Als ich 50 Shades damals gelesen habe, war ich noch unbeleckt und hatte weder eine Ahnung von Fanfiction noch, um was es bei BDSM eigentlich geht. Damals (2012) fand ich das Buch lustig und aufregend, heute kann ich mich fürchterlich drüber aufregen.

Ich bin definitiv von den ganzen hervorragenden Fanfiction verwöhnt und alleine die ganzen 'Klassiker' im Harry Potter und Sherlock fandom können mich vermutlich noch länger beschäftigen. Von meinen Ausflügen in andere Fandoms ganz zu schweigen. Meine Leseliste ist unendlich lang und wächst täglich. Ich muss Bücher regelrecht dazwischen drängen, um überhaupt mal was anders zu lesen. :D Aber das geht dir vermutlich ähnlich...

LG nia

Shauna schrieb am 27.12.2015 11:46:16:

Ja, davon kann ich ein Liedchen singen. Ich habe noch soooo viele Bücher auf meinem Kindle liegen, aber irgendwie lese ich fast nur noch Fanfiction.

Weil ich recht spät mit FF angefangen habe, muß ich z. B. im Harry Potter Fandom ganz viel aufholen. Da gibt es ja noch einige tolle Geschichten.

Außerdem kommen ja stetig neue dazu. Manche Autoren sind ja echt super fleißig. Da kann man gar nicht gegen an lesen :)

nia schrieb am 27.12.2015 22:56:19:

Ich habe dieses Jahr keine 20 Bücher gelesen, dafür aber bestimmt mindestens 400 Fanfiction mit mehr als 20.000 Wörtern (wenn es reicht). Nicht zu vergessen, die ganzen ficlets, rereads und andere Dinge, auf die ich über fics gestoßen bin. Manchmal recherchiere ich Dinge aus anderen Geschichten nach, einfach um besser zu begreifen, worum es geht und was für Referenzen gemacht wurden.
Es ist endlos... und macht unglaublich viel Spaß! :D

« Zurück | Seite: 1 | Weiter »

Kommentar schreiben






Kommentare abonnieren