Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


24.

Sep 2015

Anders hasst es, wenn jemand seinen geregelten Tagesablauf durcheinanderbringt. Nach dem Aufstehen geht er Joggen, danach Duschen, Frühstücken und in die Arbeit, dann Abendessen und schließlich ins Bett. Ihm ist es egal, dass sein Leben auf manche langweilig wirken mag oder sie sogar denken, er hätte Probleme. Er mag seine Routine und nachdem ihn die meisten anderen Menschen sowieso nerven, ist ihm auch gleich, was sie über ihn denken.
Doch seinen neuen Nachbarn Finch scheint diese Nachricht noch nicht erreicht zu haben, denn der steht zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten vor seiner Tür und will irgendetwas. Außerdem taucht Finch plötzlich überall auf, wo Anders hingeht. Langsam aber sicher wird ihm klar, dass er wohl einen Freund gefunden hat, ob er nun will oder nicht. Und wenn Anders ganz ehrlich mit sich ist, muss er zugeben, dass Finch mit seiner überschäumenden Art vielleicht genau der Mensch ist, der in seinem Leben gefehlt hat...

The Neighbor von Bernadette Chapman ist wirklich eine ganz süße kleine Geschichte. Sowohl Anders als auch Finch sind ziemlich verschrobene Charaktere, die so ihre ganz eigenen merkwürdigen Eigenarten haben. Anders hat jede Menge Tics und hasst es wie gesagt, wenn etwas seine von OCD geprägte Routine unterbricht. Finch dagegen ist voller Elan und Energie und überennt Anders gerne mal mit seinen Ideen. Daher ist es nicht sonderlich überraschend, dass die Leute Anders eher meiden (was er auch ganz gut so findet) während Finch überall gern gesehen ist, schnell Freunde findet und immer im Mittelpunkt steht. In kürzester Zeit kennt ihn die ganze Stadt und das wirkt sich auch bald auf Anders Leben aus. Denn anstatt ihn weiterhin zu meiden, fangen die Leute langsam an auf ihn zuzugehen. Außerdem probiert er gemeinsam mit Finch Dinge aus, die er sich niemals zu träumen gewagt hätte - Klettern, Parties, ein Ehefrauen-Huckepack-Rennen.
The Neighbor ist aus Anders Perspektive geschrieben und allein deshalb schon oft wirklich unheimlich lustig auf eine sehr trockene und manchmal auch unfreiwillige Art (nicht unfreiwillig von der Autorin, sondern von Anders natürlich ;), was mir aber sehr gut gefallen hat. Überhaupt ist der Schreibstil sehr clever und sympathisch und hat definitiv zu dem individuellen Charakter des Buchs beigetragen und gepasst.

Allerdings fand ich es etwas schade, dass das Buch gar so kurz ist. Es ist wirklich eher eine Novelle, als ein Roman und dementsprechend wenig in die Tiefe kann es gehen. Eine echte Romanze kann man bei The Neighbor deshalb auch nicht wirklich erwarten. Anders und Finch finden zwar zueinander, allerdings geht es dennoch primär um ihre Freundschaft und nicht um die Gefühle, die sich langsam aber sicher entwickeln.

Doch auch das macht am Ende eigentlich nichts, denn auch als Novelle funktioniert The Neighbor von Bernadette Chapman wunderbar. Es ist eine unterhaltsame, witzige, clevere kleine Geschichte von zwei sehr ungleichen Charakteren, die einfach Spaß macht. Definitiv eine angenehme Überraschung.

Hier geht es zum Buch!

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter