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09.

Jun 2015

Cover Ugly Love USA

Als Tate zu ihrem Bruder Colbin nach San Francisco zieht, hat sie vor, sich voll und ganz auf ihre Arbeit als Krankenschwester und ihre Ausbildung zur Anästhesistin zu konzentrieren. Ein Mann hat da erst mal keinen Platz. Doch dann lernt sie Miles kennen.
Miles und Colbin sind Piloten bei der gleichen Fluggesellschaft und Nachbarn und so läuft auch Tate ihm immer wieder in die Arme. Irgendetwas an Miles, lässt Tate nicht mehr los und er beginnt, ihr ständig im Kopf herumzuspuken. Und das, obwohl er einschüchternd, grob und nicht immer freundlich ist und Tate sich manchmal nicht mal wirklich sicher ist, ob sie ihn besonders mag. Eines weiß sie allerdings: Sie will ihn.
Obwohl Miles alles andere als durchschaubar ist, wird Tate bald klar, dass er auch er sich sehr von ihr angezogen fühlt und so gehen sie einen Deal ein: Sie beginnen eine reine Bettbeziehung. Keine Fragen, keine Gefühle, keine Freundschaft. Nur Sex.
Miles hat nur zwei einfache Regeln:
Frage nicht nach meiner Vergangenheit.
Erwarte keine Zukunft.

Tate hat zwar von Anfang an Bedenken, ob sie diese Regeln einhalten können wird, und weiß, dass Miles nur allzu leicht ihr Untergang sein könnte. Aber das Angebot ist zu verlockend, um es nicht anzunehmen. Doch je mehr Tate hinter Miles eisige Fassade blick, umso mehr läuft sie Gefahr ihr Herz an einen Mann zu verlieren, der gar nichts damit anzufangen weiß...

Ugly Love von Colleen Hoover ist ein weiteres hochgelobtes Buch dieser Autorin, das bereits viel Aufmerksamkeit erregt hat und momentan sogar schon verfilmt wird. Trotzdem muss ich sagen, dass ich schon bessere Romane von [Autor] gelesen habe.
Zum Teil liegt das an Tate, aus deren Sicht das Buch hauptsächlich geschrieben ist. Grundsätzlich ist sie eigentlich ein ganz cooler Charakter. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, intelligent und bodenständig. Trotzdem hat sie mich im Laufe der Geschichte immer wieder extrem genervt, weil sie mit offenen Augen in ihr eigenes Unglück rennt. Miles macht ihr immer wieder unmissverständlich klar, dass er sich nicht verlieben will und kann und Tate nicht mehr von ihm erwarten darf. Sie weiß ganz genau, dass sie bereits auf dem besten Wege dahin ist und trotzdem lässt sie sich jedes Mal wieder auf ihn ein. Immer mit dem Hintergedanken, dass sie ihn vielleicht ja doch noch ändern könnte. Ich will nicht sagen, dass Miles Verhalten immer korrekt oder fair war, dennoch hat sich Tate viel zu viel von ihm gefallen lassen, obwohl sie genau wusste, dass er ihr nicht das geben würde, was sie will.

"Now he knows exactly how much I'm not Tate when I'm with him. I'm only liquid. Conforming. Doing what he asks, doing what I'm told, doing what he wants me to do."

Das ist im Prinzip Tate in Kurzform, wenn es um Miles geht, und ich fand es ab einem gewissen Punkt einfach ungesund. Vor allemm, da Tate eigentlich gar nicht der Typ Mensch ist, der sich selbst so vollkommen verbiegt, um jemandem zu gefallen. Vielleicht habe ich mich auch deswegen nie hundert prozentig mit ihrer und Miles Beziehung wohl gefühlt.
Vielleicht erwartet man anhand von dem, was ich bisher erzählt habe, dass Miles ein furchtbarer Macho ist, der Frauen rumschubst und wie Dreck behandelt. Doch das trifft überhaupt nicht zu. Er ist eigentlich ein richtig guter Kerl und man merkt schnell, dass ihm auch wirklich etwas an Tate liegt. Er führt sie zwar nicht direkt an der Nase herum, aber in gewisser Hinsicht kann man schon verstehen, wieso Tate ihm verfallen musste. Er schickt ihr manchmal schon sehr unklare Signale, trotzdem macht zumindest verbal immer wieder deutlich, dass er keine Beziehung will. Natürlich gibt es einen Grund dafür. Vor 6 Jahren ist Miles etwas zugestoßen, das seine Sicht auf die Liebe und Beziehungen für immer verändert hat. Colleen Hoover hat immer wieder Miles Perspektive eingebaut und seine Geschichte in Rückblicken erzählt, so dass man als Leser schon bald hinter sein wirklich herzzereißendes Geheimnis kommt. Man konnte sein Verhalten erst dadurch wirklich verstehen und akzeptieren lernen.

Cover Ugly Love UK

Nicht zuletzt wegen diesem Geheimnis ist Ugly Love offensichtlich als regelrechter Anschlag auf die Tränendrüsen konzipiert. Ich habe einige Rezensionen gelesen, in denen gewarnt wurde, dass man Taschentücher bereithalten soll und beim lesen wusste ich genau, welche Szenen gemeint waren - aber irgendwie hat es mich meistens kalt gelassen. Die Gefühle, die Colleen Hoover so eindeutig transportieren wollte, kamen einfach nicht in der gewünschten Wucht bei mir an. Vielleicht war es alles zu gewollt oder offensichtlich, aber irgendwie hat es mich einfach nicht packen wollen.
Zum Teil liegt das aber sicher auch daran, dass das ganze Konstrukt für meinen Geschmack viel zu simpel aufgelöst wurde. Miles hat über 6 Jahre gelitten und sich selbst und Tate das Leben zur Hölle gemacht - und am Ende hat es eine bestimmte Situation gebraucht, die nicht länger als 5 Seiten war, um alles wieder aufzulösen. Ich hatte mir da definitiv mehr erwartet, vor allem was Miles und Tates Aussprache miteinander angeht. Die war mir einfach nicht ausführlich genug, auch wenn Colleen Hoover am Ende noch ein bisschen Kitsch nachlegt.

Unterm Strich muss ich deswegen sagen, dass mir Ugly Love doch etwas zu plump geraten ist. Colleen Hoover hat mir hier zu offensichtlich versucht, die Gefühle des Lesers zu manipulieren. Da konnte auch ihr gewohnt blumiger und poetischer Schreibstil nur bedingt helfen. Ugly Love ist ganz sicher kein schlechtes Buch, trotzdem hatte ich mir nach dem ganzen Hype etwas mehr erwartet.

Ugly Love wird wie gesagt gerade mit Nick Bateman in der Hauptrolle verfilmt. Einen ersten Teaser gibt es bereits zu sehen, der allerdings herzlich wenig mit dem eigentlichen Buch zu tun hat und der anscheinend auf die Fifty Shades of Grey / Geheimes Verlangen Welle aufzuspringen versucht.

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