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28.

Feb 2015

~ND

Mark of Cain

Als Lucas Cain aus dem Gefängnis entlassen wurde, wusste er schon, dass sein Leben von nun an alles andere, als einfach sein würde. Für die meisten hätte er eine viel längere Strafe verdient, als die drei Jahre, die er gerade abgesessen hat - selbst Lucas hat manchmal das Gefühl, zu glimpflich davon gekommen zu sein. Schließlich ist es seine Schuld, dass ein junger Mann gestorben ist. Doch Lucas möchte auf keinen Fall zurück ins Gefängnis und versucht sich ehrlich bessern.
Leider sehen seine Freunde das aber völlig anders und erwarten den alten Lucas, den abgebrühten Kerl, mit dem sie um die Häuser ziehen, sich betrinken und Ärger suchen gehen konnten. Noch ist sich Lucas nicht ganz sicher, wie er ihnen klar machen kann, dass das der Vergangeheit angehört. Schließlich hat er momentan kein Dach über dem Kopf und ist auf ihre Hilfe angewiesen...

Mark Webber kann es nicht fassen, als er in einem Pub niemand anderen als Lucas Cain sieht, inmitten seiner Freunde und offensichtlich noch genauso verantwortungslos wie früher. Er sitzt da und feiert, als ob er nicht Schuld am Tod von Marks Bruder tragen würde. Der anklikanische Priester dachte eigentlich, er hätte einigermaßen mit seiner Wut abgeschlossen, doch Cains Anblick reisst jede Menge alte Wunden auf.
Deshalb kann Mark nicht anders, als es als einen Wink Gottes zu sehen, als Cain immer wieder seinen Weg kreuzt und schließlich ausgerechnet in seinem kirchlichen Resozialisierungszentrum untergebracht wird. Mark sieht seine Chance gekommen, allen zu beweisen, dass Cain niemals alle seine Bewährungsauflagen einhalten wird und schneller als er schauen kann, wieder im Gefängnis landet.

Doch als die beiden sich näher kennen lernen und sich gezwungen sehen, zusammen zu arbeiten, um einem homosexuellen Jugendlichen zu helfen, der auf die Unterstützung der beiden angewiesen ist, sieht Mark Lucas nach und nach mit anderen Augen - und lernt dadurch auch sich selbst von einer ganz neuen Seite kennen.

Mark und Lucas aus Mark of Cain sollten eigentlich keine Chance haben, sich jemals zu verstehen. Und ich muss auch sagen, dass mich Kate Sherwood lange Zeit zweifeln ließ, ob es zwischen diesen zwei überhaupt zu einem Waffenstillstand kommen kann, geschweige denn einer Freundschaft. Sie hat sich extrem viel Zeit genommen, ihre Geschichte einzuleiten und ihre Charaktere auf ihren Weg zu schicken. Da Mark und Lucas aber nicht unterschiedlicher sein könnten, überschneidet sich ihre Geschichte hier kaum - abgesehen natürlich von den Auswirkungen, die Lucas Tat vor drei Jahren hatte. Deswegen hat sich der Anfang für mich oftmals ziemlich hingezogen. Es dauert wirlich lange, bevor die Geschichte in Fahrt kommt und die beiden Hauptfiguren so richtig anfangen zu interagieren. Ein bisschen mehr Tempo wäre an dieser Stelle sicher nicht verkehrt gewesen.
Ansonsten aber gefällt mir die langsame Annäherung an diese heikle Situation. Lucas hat sich durch seine Zeit im Gefängnis sehr verändert und ihm ist absolut bewusst, was für ein Idiot er früher war. Er hat das ehrliche Bedürfnis sich zu bessern und so war er von Anfang an mein liebster Charakter in dieser Geschichte. Und obwohl Mark allen Grund hatte, Lucas zu hassen, konnte ich mich mit seinem Handeln manchmal nicht so richtig anfreunden. Auch hier dauert es ein wenig, bis das Eis bricht und er seine ganz eigene Reise antritt, die ihn und sein Leben aber für immer verändern, wobei Lucas eine essenzielle Rolle spielt. Auch dieser Teil hat mir unterm Strich ziemlich gut gefallen.
Doch in Marks Fall wurde mir zu viel Gewicht auf Religion bzw. Glaube gelegt. Das war zwar eigentlich abzusehen, schließlich ist er ein Mann der Kirche, dem sein Glaube sehr wichtig ist, dennoch gingen mir seine Überlegungen und Theorien, was Gott denn mit ihm vorhabe, manchmal ein wenig zu weit. Sie haben eine manchmal eh schon etwas langsame Geschichte stellenweise noch zäher gemacht. Die Stellung eines schwulen Priesters in der Kirche und seiner Gemeinde ist allerdings ziemlich interessant beschrieben gewesen und hat durchaus zum Nachdenken angeregt.
Für ein wenig Abwechslung sorgen auch die vielen Nebencharaktere. Zwar muss man nicht alle mögen (Lucas Freunde z.B. sind fast durch die Bank komplette Vollidioten), doch es gibt auch eine ganze Reihe, die ich wirklich gern mochte, allen voran Lucas Chefin Elise oder Alex, der Junge, dem Mark und Lucas helfen möchten. Auch die Situation mit Lucas früherem besten Freund Sean war ziemlich interessant, wenn ich mir auch hier ein wenig mehr Aufklärung gewünscht hätte.

Trotzdem hatte Mark of Cain von Kate Sherwood irgendwie etwas. Es war ruhig und subtil und zeigt, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Nur an der Umsetzung hat es eben manchmal ein wenig gehapert. Wem allerdings ein sehr, sehr langes Vorspiel nichts ausmacht, bevor es mal romantisch wird, dem könnte Mark of Cain durchaus Spaß machen und bekommt mal eine verbotene Liebesgeschichte der etwas anderen Art.

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