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15.

Feb 2015

Beth hat alles: Ein tolles Haus, einen wundervollen und erfolgreichen Ehemann und einen Job in einer Klinik für Suchtkranke, der sie vollkommen ausfüllt. Sie fühlt sich sicher und gut aufgehoben.
Doch das war nicht immer so. Vor neun Jahren erlebte Beth die sowohl schlimmste, als auch beste Zeit ihres Lebens. Sie hatte gerade das College begonnen und sich zum ersten Mal in ihrem Leben so richtig austoben können. Sie lernte die coolsten Leute der Uni kennen und wurde zu den besten Parties auf dem Campus eingeladen - und ist zum ersten Mal in Kontakt mit Drogen gekommen. Alles war heller, schöner und friedlicher wenn sie und ihre Freunde high waren. Was war also schon dabei, wenn es ihnen doch allen dabei so gut ging? Dann geschah allerdings eine Katastrophe, die Beth jäh auf den Boden der Tatsachen zurückholte.
Doch diese Zeit ist lange vorbei und Beth hat ihre damaligen Erlebnisse verarbeitet. Das dachte sie zumindest. Denn als eines Tages überraschend Niall, ein Mann aus ihrer Vergangenheit vor ihr steht, wird Beth in ein Gefühlschaos gestoßen. Ist sie vielleicht doch nicht so glücklich und zufrieden, wie sie immer geglaubt hat?
Es sieht fast so aus, denn als sie und Niall immer wieder aufeinander treffen und schließlich in das Schicksal einer drogenabhängigen Mutter und ihrer Tochte verstrickt werden, muss Beth feststellen, dass ihr bisher etwas ganz Entscheidendes im Leben gefehlt hat...

Es ist von Anfang an klar, dass Coming Down von Carrie Elks nicht gerade leichte Kost ist. Zunächst erleben wir Beth nur in ihrem heutigen Umfeld. Ihr deutlich älterer Ehemann Simon ist ein erfolgreicher Anwalt und bietet ihr alles, was sie nur brauchen könnte. Doch Beth reicht die Sicherheit und Geborgenheit, die er ihr bieten kann, vollkommen. Man merkt allerdings relativ bald, dass ihre Ehe nicht so ist, wie eine gesunde Beziehung sein sollte. Er trifft die Entscheidungen in ihrem Haus und auch wenn er dabei immer nur ihr Bestes im Sinn hat, fehlt Beth jegliches Rückgrat, wenn es um Simon geht. Im Grunde ist sie meist nichts weiter als eine Trophäe - und das stört sie noch nicht einmal.
Deswegen hatte ich zu Beginn so meine Probleme mit Beth. Sie wirkt schwach, unterwürfig und scheint keine eigene Meinung zu haben. Das ändert sich allerdings im Laufe der Geschichte. Die Szenen, in denen wir Beth bei ihrer Arbeit erleben, sind wirklich wundervoll. Sie leitet ein Programm, in dem die Kinder von drogenabhängigen Eltern für ein paar Stunden am Tag Zuflucht finden und einfach Kind sein können. In diesen Momenten ist sie wie ausgwechselt und man beginnt als Leser zu erkennen, dass das eigentlich die echte Beth ist.
Auch die regelmäßig eingestreuten Rückblenden helfen dabei, Beth besser zu verstehen. Hier erleben wir hautnah, was ihr vor neun Jahren in der Uni passiert ist und wie es überhaupt soweit kommen konnte - und sehen dabei sowohl das Gute und das Schlechte.
Und damit wären wir bereits bei Niall. Er verkörpert genau diese beiden Extreme für Beth. Das Schlechte sollte für sie eigentlich überwiegen, doch der Niall von heute macht es ihr sehr schwer, sich daran zu erinnern. Er ist noch genauso unwiderstehlich wie früher und in mancher Hinsicht ist es, als wäre kein Tag vergangen, seit sie sich das letzte Mal gesehen haben. Gleichzeitig scheinen aber auch ihn die damaligen Ereignisse verändert zu haben. Doch es steht so viel zwischen ihnen: Ihre gemeinsame Drogenvergangenheit, die daraus resultierende Katastrophe und nicht zuletzt Beths Ehe mit Simon. Trotzdem mochte ich Niall furchtbar gern und fand die Szenen zwischen den beiden jedes Mal wieder wundervoll zu lesen. Die Beth, zu der sie in Nialls Gegenwart wurde, war mir tausend Mal lieber, als die stille, devote Person, zu der sie mit Simon wurde, auch wenn dieser sie nie schlecht behandelt hat.
Richtig in Fahrt kommt die Geschichte aber erst, als Daisy und ihre Tochter Allegra auftauchen. Beth kennt die beiden bereits seit Jahren und musste Daisys bisher erfolglosen Kampf gegen die Sucht immer hautnah miterleben. Beth trifft das besonders hart, da sie Allegra fast wie eine eigene Tochter liebt und es nicht ertragen kann, wie sehr Daisy das kleine Mädchen immer wieder in Gefahr bringt.

Hier kommen wir zu einem der beiden Probleme, die ich mit Coming Down hatte. Denn obwohl die Geschichte um Allegra und Daisy definitiv spannend und emotional war und mir sehr ans Herz ging, habe ich mich mit Beths Fixierung auf Allegra irgendwie nie richtig wohl gefühlt. Auf persönlicher Ebene konnte ich ihre Sorge natürlich absolut nachvollziehen, aber dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass sie sich fast selbst wie Allegras Mutter gefühlt hat - und das war sie nunmal einfach nicht.
Mein anderer Kritikpunkt ist, dass meiner Meinung nach Nialls Vergangenheit nicht genug aufgearbeitet wurde. Seine Erfahrungen sind mindestens so schlimm, wie Beths, wenn nicht sogar schlimmer und ich hatte das Gefühl, dass sie mehr oder weniger in einem Nebensatz abgehakt wurden. Da hätte ich mir definitiv mehr Tiefe gewünscht.

Trotzdem ist Coming Down von Carrie Elks ein sehr schönes Buch. Es ist weit mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte und das war wirklich mal eine angenehme Abwechslung.
Coming Down ist im Grunde in sich abgeschlossen. Dennoch ist es Teil der Love in London Reihe, von dem ich mir den nächsten Band, Broken Chords, sicher nicht entgehen lassen werde. Er handelt von Beths besten Freunden Lara und Alex und erscheint am 26. Februar 2015.

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