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07.

Dec 2014

Die 17-jährige Virginia ist eine begabte Schriftstellerin, doch sie will mit ihrem Talent nichts zu tun haben. Denn sowohl ihre Mutter, als auch ihre Großmutter sind ebenfalls Autoren und bei beiden hat die Kreativität ihr Opfer gefordert - ihre Großmutter hat sich umgebracht und auch ihre Mutter hat psychische Probleme. Virginia hat Angst, dass auch sie der Familienfluch ereilen wird, denn sie hat immer wieder das Gefühl, dass ihre Emotionen außer Kontrolle geraten. Deswegen plant sie ihr Leben genauestens durch und konzentriert sich nur auf die Schule, ihre Wahlfächer und das College im nächsten Jahr. Kontrolle ist für sie das absolut Wichtigste.
Dann begegnet ihr Ryder. Er ist ihr genaues Gegenteil. Die Schule ist ihm ziemlich egal und mit seinen Piercings und Baggy Pants passt er nicht gerade in Virginias Nobelschule. Doch aus irgendeinem Grund verstehen sich die beiden auf Anhieb und finden immer wieder Gründe, sich zu treffen.
Virginia ahnt allerdings nicht, dass Ryder ähnliche Sorgen plagen, wie sie selbst. Auch er hat Angst, dass sein Schicksal bereits fest entschieden ist. Sein einziges Talent ist Diebstahl - und er ist richtig gut darin. Sein Vater musste vor Jahren untertauchen, da nach ihm gefahndet wird, doch Ryder ist sich sicher, dass er eines Tages zurückkommen wird und die beiden ein erfolgreiches Team werden. Schließlich ist sein Vater doch der Einzige, der ihn je wirklich geliebt hat und stolz auf ihn war.
Doch je näher sich Ryder und Virginia kommen, umso mehr beginnen sie zu hinterfragen, ob sie ihr Schicksal nicht vielleicht doch selbst in der Hand haben...

Es gibt nicht viele Autoren, die ich wirklich mag, wenn es um New Adult/Jugendbuch Romanzen geht. Nyrae Dawn ist eine dieser Autorinnen und auch wenn sie mich mit The Weight of Destiny nicht zu hundert Prozent überzeugen konnte, war es dennoch immer noch ein sehr schönes Buch.
Zu Beginn der Geschichte sind Virginia und Ryder sehr festgefahren in ihren Charakteren. Sie denkt, sie müsse ein extrem spießiges und geregeltes Leben führen, um sich möglichst weit von ihrer kapriziösen Mutter zu distanzieren. Und er sieht schon seine glänzende Zukunft als Krimineller vor Augen und erkennt auch absolut nichts Verkehrtes daran. Dementsprechend frustrierend fand ich die beiden auch am Anfang erst mal. Doch es dauert nicht lange, bis man hinter die Fassade der beiden schaut und erkennt, wie viel von ihren Einstellung und Ansichten eigentlich nur Selbstschutz sind. Sie kommen aus völlig unterschiedlichen sozialen Schichten, doch ihr Grundproblem ist das gleiche: Sie wissen nicht, wer sie sind, haben aber das Gefühl, dass ihnen das Schicksal bereits diktiert, wer sie sein werden.
Besonders Virginias Seite der Geschichte hat mir da sehr gut gefallen. Sie hat eine sehr interessante Familie, vor allem ihre Mutter, die im Endeffekt der "Ursprung allen Übels" ist. Sie hat eine psychische Störung, die für einige wirklich spannende Szenen sorgt, gleichzeitig aber auch Virginias Hemmungen sehr glaubwürdig erklärt. Doch auch Ryders Geschichte hat mir gefallen, auch wenn es etwas gedauert hat, bis ich mit ihm warm wurde. Bei ihm muss man sich ein wenig gedulden, bis er seine Masken fallen lässt und einsieht, dass in seinem Leben etwas nicht stimmt.
Insgesamt hat mir also besonders die Charakterentwicklung in The Weight of Destiny gefallen. Nyrae Dawn hat einfach ein Händchen dafür, ihren Figuren Leben einzuhauchen und sie auf eine sehr spannende und erkenntnisreiche Reise zu schicken. Virginia und Ryder verändern sich sehr im Laufe der Geschichte und es hat sich stimmig angefühlt, ohne überstürzt oder unrealistisch zu wirken. Nyrae Dawns wirklich schöner Schreibstil tut noch sein übriges. Vor allem Virginias Geschichten in ihrem Kopf, die sie eigentlich mit aller Macht zu unterdrücken versucht, haben mir sehr gut gefallen.

Wieso gibt es also "nur" 3.5 Sterne für The Weight of Destiny? Einfach weil manche Entwicklungen dann doch für meinen Geschmack etwas überstürzt wirkten bzw. nicht ausreichend aufgeklärt wurden. Ich hätte z.B. nichts dagegen gehabt, wenn Virginias und Ryders kennenlernen und das aneinander rantasten sich etwas länger hinausgezogen hätten. Hier entwickeln sich die Dinge doch recht schnell. Auch die Auflösungen mit Ryders Vater und Virginias Mutter waren nicht zu hundert Prozent befriedigend für mich. Ich hatte mir da einfach etwas mehr Ausführung erwartet. Und auch am Ende hat mir noch der letzte Abschluss gefehlt, um alles etwas runder zu machen. Ein finales Kapitel vor dem Epilog wäre noch schön gewesen, einfach um noch einmal alles befriedigend abzuschließen.

Ein schönes Buch, das ich Fans von Nyrae Dawn und Jugendbuchromanzen im allgemeinen empfehlen kann, ist The Weight of Destiny aber dennoch allemal. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch in der Misfits Reihe, das wahrscheinlich entweder von Ryders Freunden Tanner und Cody oder Drea und Shane handeln wird.

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