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11.

Nov 2014

Als der Sohn ihres Stiefvater für ein Jahr bei ihnen wohnen soll, während seine Mutter in London arbeitet, ist die 17-jährige Greta erst einmal ziemlich begeistert. Sie hatte nie Geschwister und malt sich schon eine gute Beziehung mit ihrem neuen Bruder aus.
Doch natürlich kommt alles ganz anders. Schon als sie ihren Stiefbruder Elec das erste Mal sieht, weiß sie, dass zwischen ihnen nie eine innige, geschwisterliche Beziehung entstehen kann. Denn zum einen ist Elec so ziemlich der heißeste Typ, den Greta je gesehen hat. Und zum anderen scheint er sie auf Anhieb zu hassen. In den nächsten Tagen und Wochen tut er alles, um Greta entweder bloß zu stellen, sie zu nerven oder einfach das Leben schwer zu machen.
Doch langsam aber sicher dringt Greta, die nicht aufgeben will, ihn näher kennenzulernen, zu Elec durch und die beiden werden irgendwie doch so etwas wie Freunde. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass sie ihm die meiste Zeit am liebsten die Kleider vom Leib reißen will. Und eines nachts brechen tatsächlich all die Emotionen zwischen den beiden heraus, die sich in den letzten Monaten angestaut haben, und sie verbringen eine Nacht miteinander.

Doch am nächsten Morgen ist Elec aus ihrem Leben verschwunden. Er ist zurück nach Kalifornien gegangen und Greta ist trotz ihres gebrochenen Herzens bereit zu akzeptieren, dass sie ihn nie wieder sehen wird. Und so kommt es auch. Zumindest bis sie 7 Jahre später eine Tragödie in der Familie wieder zusammenbringt und Greta und Elec klar wird, dass zwischen den beiden das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Um Stepbrother Dearest von Penelope Ward entstand in den letzten Wochen ein ziemlicher Hype. Auf Goodreads verging kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Nutzer von diesem Buch geschwärmt hätten. Das hat mich natürlich neugierig gemacht. So ganz konnte ich die Begeisterung nach dem Lesen allerdings nicht nachempfinden.
Am Anfang der Geschichte sind Elec und Greta ja wie gesagt gerade mal 17. Am Schreibstil merkt man das aber gar nicht. Von Beginn an ist klar, dass es hier keine schüchternen Anspielungen a la Jugendbuch geben wird. Das würde auch nicht zu Elec passen. Er ist tättowiert, gepierct (inklusive einem Prinz Albert) und schleppt schon nach seinem ersten Tag die schönsten Mädchen seiner neuen Schule ab. Greta zögert nicht, uns zu erzählen, welche Reaktionen er in ihrem Körper hervorruft. Bei einer 17-jährigen kann ich es verzeihen, wenn sie sich ständig von ihren Hormonen treiben lässt. Aber bei einer erwachsenen Frau, die Greta nunmal über den Großteil der Geschichte ist, sieht das schon anders aus. Denn ihr 17-jähriges Ich unterscheidet sich kaum von ihrem 25-jährigen. Irgendwann hat es mich genervt, dass Greta jedes Mal wieder ein feuchtes Höschen bekommen hat, wenn Elec nur in ihre Richtung geschaut hat. Vor allem, da die beiden eigentlich ganz andere Probleme hatten.
Denn ihren Gefühlen füreinander können sie nicht nachgehen. Und das liegt gar nicht mal daran, dass sie Stiefgeschwister sind. Das war von Anfang an eh zum Scheitern verurteilt. Nein, dass sie nicht zusammen sein können hat ganz andere Gründe, die ich jetzt allerdings gar nicht vorwegnehmen möchte. Dass sie als Jugendliche nicht wussten, wie sie damit umgehen sollen, ist okay. Aber auch hier haben sie mich als Erwachsene wieder ein wenig genervt. Besonders, da sie es sich so extrem schwer machen. Sie können sich nicht voneinander fernhalten und machen es dadurch nur noch viel schlimmer. Das war manchmal ziemlich frustrierend, da die Lösung - zumindest für uns Leser - so offensichtlich war.
Doch wirklich schlecht war Stepbrother Dearest dennoch nicht. Es hat schon durchaus extrem heiße Momente und grundsätzlich war es auch sehr romantisch. Egal, wie viel Zeit und Entfernung auch zwischen Elec und Greta lagen, sie hatten immer einen ganz besonderen Platz im Herzen des anderen. Elec weiß mit Worten umzugehen und er lieferte schon den ein oder anderen Spruch, bei dem man Gretas Schwärmerei nachvollziehen konnte. Im Grunde mochte ich sowohl Elec, als auch Greta recht gern. Sie gehen relativ ehrlich miteinander um, was immer ein Plus ist, da sich dadurch künstliches Drama oft in Grenzen hält. So auch - zumindest meistens - in diesem Buch, dennn zum Großteil sind ihre Probleme gar nicht mal so außergewöhnlich.
Übrigens hat sich Penelope Ward einen ganz cleveren Weg einfallen lassen, durch den wir Stepbrother Dearest nicht nur aus Gretas, sondern auch aus Elecs Sicht erleben können. Wie, darüber will ich gar nicht mehr verraten. Aber es war spannend, die Dinge auch durch seine Augen zu sehen. Allerdings war es nur mittelmäßig umgesetzt, da sich manche Schilderungen wiederholt haben und im Grunde bei beiden identisch waren.

Unterm Strich kann ich den Hype um Stepbrother Dearest von Penelope Ward also nicht ganz nachvollziehen. Ein ganz unterhaltsames, romantisches Buch, das durchaus seine schönen Momente hat, ist es aber dennoch und für kalte Winterabende durchaus eine schöne Beschäftigung.

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