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24.

Aug 2014

~ND

Wife Number Seven

Brinley ist die siebte Frau ihres Ehemanns Lehi. Sie ist es gewohnt gehorsam und demütig zu sein und immer den Frieden in seinem Haus zu wahren. Gemeinsam mit ihren sechs sister wives ist sie für den Haushalt und die Betreuung der 25 Kinder der Familie verantwortlich. Niemand in der mormonischen Gemeinschaft erwartet, dass mit der devoten jungen Frau etwas nicht stimmt.
Doch Brinley hat Geheimnisse. Große Geheimnisse, die ihrem Glauben widersprechen und ihr sicheres Leben zerstören würden, falls sie jemals ans Licht kommen würden. Drei Jahre hat sie es geschafft, ihre Familie im Dunkeln zu lassen. Doch es ist nicht einfach. Sie muss auf jeden ihrer Schritte in der streng gläubigen Siedlung achten, um sich nicht verraten, denn die Folgen wären verheerend.
Als Brinley eines Tages in der "Außenwelt" Besorgungen machen muss, droht alles aufzufliegen. Sie wird von einem Junkie auf offener Straße überfallen, der ihre Tasche - mit sehr prekärem Inhalt - stielt. Die größte Überraschung aber ist, dass Brinley den Dieb kennt. Es ist Porter, ein junger Mann, der früher ebenfalls in der Gemeinschaft gelebt hat und den seine Sünden nun offensichtlich eingeholt haben.
Brinley braucht diese Tasche wieder, koste es was es wolle. Doch sie hat keine Ahnung, dass sie damit ihr Leben und ihre Sicht auf alles, an das sie immer geglaubt hat, für immer verändert...

Melissa Brown hat sich in Wife Number Seven einem ganz besonders heiklen Thema angenommen. Religion ist nie eine einfache Angelegenheit, doch in was Wife Number Seven uns hier eintauchen lässt, ist noch einmal eine ganz spezielle Sache für sich.

"I was put on this earth to marry and serve Lehi, to birth and raise his children, and to spend eternity with him in heaven."
~ Brinley

Das ist im Grunde Brinleys gesamter Lebensinhalt. Sie ist in dieser Siedlung der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage geboren, aufgewachsen und nach deren Regeln erzogen worden. Sie wusste, dass ihr Ehemann vom Propheten, durch den Gott spricht, für sie ausgesucht wurde und dass sie ihn mit anderen Frauen teilen muss. Sie hat sich damit abgefunden - zumindest versucht sie sich das einzureden. Ich mochte Brinley von Anfang an. Wir lernen schnell, wie wenige Freiheiten sie wirklich hat. Sie träumt von mehr, als ihr ihr momentanes Leben zu bieten hat und die Außenwelt fasziniert sie. Trotz allen Gehorsams ist ihre Neugier und ihr Drang zu leben einfach nicht unterzukriegen. Deswegen fand ich Brinley bewundernswert. Ich habe sie bei jedem ihrer Fortschritte, ihr eigenes Leben zu leben, angefeuert.
Ihr Weg ist aber natürlich alles andere als einfach. Mit Einschüchterungen und Drohungen haben die Sektenführer (und man muss diese Glaubensrichtung fast Sekte nennen) alle Kontrolle über ihre Mitglieder an sich gerissen - natürlich alles im Namen Gottes. Dem Leser verlangt das ebenfalls eine Menge ab. Ich zumindest habe schrecklich mit den Frauen gelitten, denen teilweise gar nicht klar ist, wie schlecht sie eigentlich behandelt werden, so sehr ist ihre Sicht auf die Welt verwischt worden.
Dann tritt Porter in Brinleys Leben. Er befindet sich an dem tiefsten Punkt seiner Existenz. Drogen und seine Vergangenheit in der Gemeinschaft haben ihm jede Hoffnung genommen und ihn in Selbsthass versinken lassen. Porter und Brinley sind die letzten Menschen, die in der Lage sein sollten, einander zu helfen. Und dennoch ändert sich alles, als die beiden aufeinander treffen. Melissa Brown hat auf sehr einfühlsame Weise den steinigen Weg dieser geschundenen Charaktere beschrieben. Obwohl Wife Number Seven eine Liebesgeschichte ist, hat mir gefallen, dass die Autorin nicht zu sehr darauf herumgeritten hat und genug Platz für anderes gelassen hat. Auch wenn Porter eine große Motivation war, geht Brinley dennoch ihren eigenen Weg für sich selbst.
Auch die anderen Charaktere in der Siedlung haben mir sehr gefallen. Manche musste man lieben, andere hassen und wieder andere sind absolut undurchschaubar. Es gibt immer wieder Kapitel, in denen man auch in die Köpfe der anderen Charaktere schlüpfen darf. Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie diese Figuren zu ihrem Glauben und den damit einhergehenden Einschränkungen stehen - vor allem natürlich die Frauen. Melissa Brown hat ganze Arbeit geleistet, diese Gemeinschaft darzustellen. Natürlich ist man als Leser schockiert, was hinter diesen Toren vorgeht. Polygamie ist etwas, was für uns nur schwer nachvollziehbar ist - vor allem wenn sie von Gott vorgeschrieben ist. Trotzdem hat die Autorin darauf geachtet, selbst nicht zu stark zu urteilen. Der Glaube selbst wurde nicht durch den Dreck gezogen - nur die Methoden und das war meiner Ansicht nach vollkommen gerechtfertigt.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich mich mit dem religiösen Hintergrund ein wenig schwer tun würde. Erstaunlicherweise war dem aber gar nicht so. Es gibt eigentlich nur zwei kleine Punkte, die mir an Wife Number Seven etwas negativ aufgefallen sind. Zum einen war das der etwas leichtfertige Umgang mit Porters Drogensucht. Zwar ist es definitiv nicht einfach für ihn, aber dennoch wurde mir zu wenig Augenmerk auf sein Suchtproblem gelegt. Hier hätte meiner Meinung nach mehr über seinen Kampf berichtet werden müssen.
Der zweite Punkt ist Brinleys und Porters erste Annäherung. Hier ging mir alles ein klein wenig zu schnell und abrupt. Zwar entwickelt sich ihre Beziehung später glaubhaft, zu Beginn war mir die Verbindung zwischen den beiden aber einfach zu wenig präsent, wenn man bedenkt, was sie bereits zu diesem frühen Zeitpunkt füreinander riskiert haben.

Insgesamt aber ist Wife Number Seven von Melissa Brown ein wirklich außergewöhnliches Buch. Es ist emotional, realistisch, erschreckend und soweit ich das beurteilen kann ziemlich gut recherchiert. Brinleys Geschichte ist zwar wie gesagt eine Romanze, aber gleichzeitig auch so viel mehr. Wer sich an diese Geschichte traut bekommt definitiv mal eine Liebesgeschichte der anderen Art präsentiert.
Wife Number Seven ist zwar ein alleinstehendes Buch, aber ich hoffe sehr, dass wir noch nicht das Letzte von diesen Charakteren gesehen haben und Melissa Brown eventuell eine Fortsetzung in Betracht ziehen wird. Stoff hätte sie dafür genug.

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