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14.

May 2014

Bridge Sullivan hat eigentlich ein sehr gutes Leben. Der Cowboy geht seinem Traumjob als Rancher und Pickup Man (Cowboy, der beim Rodeo dafür sorgt, dass die Bullen-/Wildpferdereiter unverletzt aus der Arena kommen), hat die besten Freunde, die man sich wünschen kann, und eine phantastische Familie, die ihn bedingungslos liebt. Bridge dachte immer er würde auf Frauen stehen. Abgesehen von einem kurzen Experiment im College hatte er bisher nur Freundinnen. Zumindest bis jetzt. Denn seit er letzte Saison den Rettungssanitäter Eric kennengerlernt hat, bekommt Bridge ihn nicht mehr aus dem Kopf.
Eric ist zunächst etwas verwundert, als er bemerkt, dass Bridge mit ihm flirtet. Schließlich weiß er aus zuverlässiger Quelle, dass Bridge hetero ist. Doch je mehr sich Bridge ins Zeug legt, um sich ihm anzunähern, umso mehr gerät Eric in Versuchung. Er weiß allerdings, dass nichts ewig halten kann. Keine seiner Beziehungen hat länger als ein Jahr gedauert und am Ende wurde er immer verlassen - von seiner Familie, seinen Freunden, seinen Partnern. Wieso sollte es bei Bridge, der offensichtlich nur eine Neugier befriedigen will, also anders sein?

Sowohl Bridge als auch Erich haben wir bereits im ersten Band der Pickup Men-Reihe, Pickup Men kennengelernt und schon dort konnte man erste Anzeichen dafür sehen, dass Bridge etwas an Eric liegt. In Let it Ride, das fast ein Jahr später spielt, merkt man deshalb recht schnell, wie sehr Eric ihm unter die Haut geht. Deswegen hält sich L.C. Chase auch gar nicht mit langen Einleitungen auf, sondern stürzt sich sofort ins Geschehen.
Ich glaube, es ist fast unmöglich Bridge nicht zu mögen. Er ist ein durch und durch guter Kerl, dem jegliche Vorurteile fremd sind. Wenn er jemanden attraktiv findet, ist es ihm völlig egal, welches Geschlecht dieser Mensch hat. Er hat auch keine Scheu, den Leuten, die er liebt, seine Gefühle zu zeigen. All diese Eigenschaften hat er vor allem seiner Familie zu verdanken. Sie sind die herzlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann und wollen nur das Beste für ihre Kinder.
So sehr ich Bridge und seine Familie auch mochte, war allerdings genau das zu übertrieben. Bridge ist einfach zu gut. Ich kann nicht glauben, dass jemand, der zwischen Cowboys groß geworden ist und bei Rodeos sein Geld verdient dermaßen liberal ist und absolut keine Angst oder Sorgen zeigt. In Let it Ride konnte man ja bereits sehen, wie schlecht diese Gemeinschaft teilweise mit dem Thema Homosexualität umgehen kann. Bei seiner Familie ist es das gleiche. Sie erfahren, dass ihr Sohn, den sie immer nur mit Mädchen gesehen haben, mit 28 plötzlich einen Mann will und sie zeigen absolut keine Reaktion. Akzeptanz ist ja schön und gut, aber sie fragen nicht einmal vorsichtig nach, woher der plötzliche Sinneswandel kommt. Das ist mir alles zu perfekt und dadurch unrealistisch vereinfacht.
Auch die Geschichte selbst ist eigentlich ziemlich simpel gestrickt. Alles steht und fällt mit Eric, der nach allem, was er in seinem Leben bereits verloren hat, sein Herz nicht aufs Spiel setzen will. Er wurde schon zu oft verletzt, um sich jetzt auf so etwas einzulassen. Insofern gibt die Geschichte relativ wenig her. Schlimmer noch, dadurch, dass Eric die einzige Quelle ist, die Konflikt bietet, ging er mir öfter mal auf die Nerven und das ist bei einem Hauptcharakter natürlich fatal.

Ganz unterhaltsam ist Let it Ride aber dennoch. L.C. Chase hat einen recht schönen flüssigen Schreibstil und die Dialoge sind nachvollziehbar und clever. Auch die meisten der Charaktere sind eigentlich ganz sympathisch geraten. Grundsätzlich finde ich auch das Setting mit den Cowboys ziemlich schön (Cowboyromantik hat schon was für sich ;), allerdings hätte ich mir hier etwas Markanteres und wie gesagt mehr Konflikt gewünscht. Alles in allem aber dennoch ein süßes Buch.

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