Buchjunkies


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03.

Jun 2014

Grace hat einen sehr spannenden Beruf: Sie ist Sextherapeutin. Sie hat alles schon gehört und gesehen und ihre Patienten halten sich mit nichts zurück. Graces Privatleben sieht dagegen ganz anders aus. Nach einer sehr schlimmen Erfahrung hat sie keinen Sex mehr gehabt. Das ist mittlerweile über 4 Jahre her und Grace ist sich der Ironie ihrer Lage durchaus bewusst.
Ihre Freundin Selena will dem aber nun ein Ende setzen. Sie hat ein Buch gefunden, in dem angeblich ein Halbgott eingesperrt ist: Julian von Makedonien. Einst war er ein gefürchteter Krieger und Feldherr, von seinen Feinden gefürchtet, von den Frauen geliebt. Doch ein Zwist mit einem Gott hat ihn für immer in das Buch verbannt. Nun kann er nur noch herauskommen, wenn er durch ein Ritual herausbeschworen wird. Und auch dann nur für genau einen Monat. In dieser Zeit ist es seine einzige Aufgabe, seiner Beschwörerin zu dienen - und zwar im Schlafzimmer.
Die pragmatische Grace hält das alles nur für Humbug. Doch Selena ist fest davon überzeugt, dass es funktionieren wird. Als Grace eines Abends - leicht angetrunken - schließlich die Beschwörung ausspricht, erlebt sie ihr blaues Wunder, als ein unfassbar attraktiver und splitterfasernackter fremder Mann in ihrem Wohnzimmer steht.
Was soll sie nur mit einem Mann anfangen, der kaum weiß, wie er sich im 21. Jahrhundert zu verhalten hat und der nichts anderes im Sinn zu haben scheint, als Grace aus ihren Kleidung zu bekommen?

In Fantasy Lover / Magie der Sehnsucht versucht Sherrilyn Kenyon eine Geschichte die von der griechischen Mythologie inspiriert wurde mit einem modernen Setting zu verbinden. Das hat zwar manchmal besser und manchmal schlechter geklappt, aber Fantasy Lover / Magie der Sehnsucht doch zu einem recht interessanten Buch gemacht. Aber erst mal von vorne.
Die Geschichte ist aus mehreren Perspektiven erzählt, meist aber natürlich aus Graces und Julians Sicht. Grace ist im Grunde eine ganz normale Frau. Vielleicht ein wenig unerfahrener als viele andere Frauen ihres Alters, aber dafür entwickelt man schnell Verständnis. Vor allem, sobald man von ihrer letzten "Beziehung" erfährt. Allerdings will mir einfach nicht in den Kopf, wieso sie ausgerechnet Sextherapeutin wurde. So richtig wohl fühlt sie sich mit dem Thema nämlich nicht. Zumindest nicht dann, wenn es um ihr eigenes Sexleben geht. Deswegen konnte ich mich mit ausgerechnet dieser Profession für sie nicht wirklich anfreunden, zumal sie ja selbst noch sehr unerfahren ist. Ansonsten ist sie eine nette, sympathische junge Frau, die allerdings auch nicht unbedingt etwas Besonderes und daher eher zweidimensional geraten ist.
Julian hat dagegen schon ein klein wenig mehr zu bieten. Er hat resigniert. Nach über 2000 Jahren in seinem ungewöhnlichen Exil hat er die Hoffnung aufgegeben, jemals wieder seine Freiheit zu erlangen. In seiner Zeit hatte er Macht, Freiheit und war sein eigener Herr. Jetzt ist er dem Willen egal welcher Frau ausgeliefert, die ihn aus seinem Buch ruft, und ist ihr Sex Sklave. Ob er nun will, oder nicht. Trotzdem, seinen Stolz hat er nie verloren, auch wenn er selbst das vermutlich anders sieht. Ich hatte ehrlich gesagt einen Macho in Julian erwartet, was, wenn man seine Herkunft und die letzten 2000 Jahre bedenkt, gar nicht so abwegig ist. In Wirklichkeit ist er das zum Glück aber gar nicht. Im Gegenteil, er behandelt Grace erstaunlich respektvoll, was ihm viele Punkte bei mir eingebracht hat. Er ist eine verlorene Seele und will eigentlich nur eines: Geliebt werden. Das ist Julian, obwohl ihm die Frauen immer zu Füßen lagen, bislang verwehrt geblieben. Hier liegt allerdings auch mein einziger Kritikpunkt bei ihm, denn Julian jammert schon ganz schön viel. Er kann einem zwar schon Leid tun, aber selbst als sich ihm eine potenzielle Lösung bietet, leidet er erst einmal lieber weiter, anstatt alles dafür zu tun.

Julian ist nicht der einzige Charakter, der die Verbindung zur griechischen Mythologie herstellt. Wir treffen gleich mehrere andere Gottheiten bzw. Anspielung auf vergangene Ereignisse. Sherrilyn Kenyon hat sich hier zwar eine Menge Freiheiten genommen, aber es war doch ganz unterhaltsam und hat mich deshalb nicht weiter gestört.
Natürlich spielt Sex auch eine große Rolle in Fantasy Lover / Magie der Sehnsucht. Die Chemie zwischen Julian und Grace ist von Anfang an nicht von der Hand zu weisen. Doch wie viel davon stammt von seinem Fluch? Und wie viel sind ihre eigenen Gefühle? Das fragen sich Julian und Grace immer wieder und auch ich war mir bis zum Ende nicht ganz sicher muss ich gestehen. Jeder Leser wird das allerdings anders sehen. Auch die erotischen Szenen selbst waren irgendwann fast ein wenig fade, da sich unglaublich viel wiederholt hat. Ständig denkt Grace an Julians Hintern/Lippen/Muskeln/Küsse/etc. Julian ist da nicht besser.

Trotzdem ist Fantasy Lover / Magie der Sehnsucht von Sherrilyn Kenyon im Großen und Ganzen ein unterhaltsames Buch. Eine nette Geschichte, einige erotische Szenen, die aber erstaunlich zahm beschrieben sind, und ein einfacher, flüssiger Erzählstil machen Fantasy Lover / Magie der Sehnsucht zu einer kurzweiligen Lektüre für zwischendurch mit einer ganz einfallsreichen Geschichte.
Übrigens gehört Fantasy Lover / Magie der Sehnsucht zwar in die Welt von Sherrilyn Kenyons Dark Hunter-Reihe, man kann es aber genauso gut unabhängig davon lesen. Abgesehen von ein paar Details, gibt es kaum Verbindungen zu der Serie.

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