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17.

Jul 2014

Cover Loving Jay englisch

Jeden morgen um kurz nach sechs steht Liam am Bahnhof und wartet auf den Zug nach Perth, um zur Arbeit zu fahren. Jeden morgen hält er außerdem Ausschau nach Jay. Liam hat keine Ahnung, wie Jay wirklich heißt, aber seitdem der mehrere Tage lang einen T-Shirt getragen hat, auf dem Liam nur ein großes J sehen konnte, nennt er den Mann in Gedanken eben Jay. Jay ist schlank, hübsch und schrill. Schon auf dem ersten Blick sieht man ihm an, dass er schwul ist und Liam bewundert und beneidet Jay darum. Denn, auch wenn Liam weiß, dass er ebenfalls schwul ist, hat er Probleme, sich das selbst einzugestehen. Insbesondere weil er befürchtet, dass seine Familie nicht zu hundert Prozent hinter ihm stünde, so er sich outete. Doch Jay zieht Liam an wie das Licht die Motte. Und als er eines Morgens seinen Zug verpasst, hat das Schicksal eine Überraschung für ihn parat...

Loving Jay ist einfach herrlich zu lesen. Als Leser steckt man mit in Liams Kopf und das ist einfach ein sehr lustiger Ort. Ja, Liam steckt voller Komplexe was seine Sexualität angeht und hat außerdem immer noch mit den Folgen eines schweren Unfalls zu kämpfen. Dennoch hat er eine wunderbar frische Sicht auf die Welt. Wenn er sich und sein noch-nicht-aber-vielleicht-bald-Outing immer wieder als Kuhherde beschreibt (ja, das macht er und zwar sehr charmant), dann kann man gar nicht anders, als sich schlapp zu lachen. Überhaupt war das erste Kapitel des Buches war eines der lustigsten ersten Buchkapitel, die ich überhaupt je gelesen habe. Gerade weil Liam die ganze Zeit wiederholt, dass er ja gar nicht schwul sei. Natürlich kann man ihn nicht ernst nehmen, aber da er sich selbst auch nicht so richtig ernst nimmt, macht das gar nichts.

Dann ist da noch Jay und der ist so ein richtiger Sonnenschein. Wenn er mal anfängt zu plaudern, gibt es kein halten mehr. Jay, der mit vollem Namen übrigens James heißt, bezeichnet das selbst als verbale Diarrhö und genau das ist es auch. Wenn er seine Ausbrüche dann noch selber kommentiert, kommt man beim Lesen auch bei ihm aus dem Lachen nicht mehr heraus. Trotz allen Humors spricht Loving Jay von Renae Kaye aber auch ein paar ernste Themen an, etwa Gewalt gegen Schwule, das Bewältigen von Traumata oder auch das Problem des nicht ganz einfachen Coming Outs. Dabei behält das Buch aber immer seinen lockeren, leichten und gut zu lesenden Ton. Hier könnte ich mir aber vorstellen, dass diese Tatsache - also der sehr leichte Tonfall - zusammen mit den doch etwas ausgewälzten Schwulen-Klischees dem einen oder anderen Leser auf die Nerven fällt. Mir persönlich hat es nichts ausgemacht. Ich konnte Loving Jay aber auch völlig entspannt im Urlaub lesen. Genau so sollte man das Buch auch am besten sehen: als unterhaltsame Lektüre, die gut für einen Urlaub oder eine andere Gelegenheit zum Entspannen geeignet ist. Wenn man das beherzigt, wird man sich vermutlich genauso wie Liam unaufhaltsam in Jay verlieben.

Für Romantiker ist Loving Jay in jedem Fall ein Fest. Mir persönlich war es am Ende einen kleinen Tick zu perfekt. Da lösten sich die Probleme doch ein wenig zu wohlgefällig und schnell auf. Aber dennoch waren Jay und Liam so sympathisch, dass ich ihnen ihr Glück von Herzen gegönnt habe. Der Schreibstil von Renae Kaye ist großartig und ich hoffe, dies war nicht ihr letztes Buch. Nach ihrem Namen werde ich künftig jedenfalls Ausschau halten. Ein Wort noch, das auch für das Buch spricht. Beim Nachlesen für diese Rezension bin ich gleich hängen geblieben und habe Loving Jay einfach noch mal gelesen. War auch beim zweiten Mal richtig schön.

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