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09.

Apr 2014

Als Jock an die Uni wechselt, die auch sein Bruder Tank besucht, möchte er nichts lieber, als die letzten paar Monate zu vergessen. Denn nachdem er unfreiwillig geoutet wurde, hat er nicht nur sein Eishockey-Team und seine Karriere verloren, sondern auch die meisten seiner Freunde. Am neuen Campus und durch seine neue Bruderschaft Theta Alpha Gamma (kurz TAG), die ausdrücklich homosexuelle Mitglieder willkommen heißt, soll jetzt alles besser werden.
Jock fühlt sich allerdings nicht wirklich wohl damit, dass jeder über ihn und seine Sexualität Bescheid zu wissen scheint. Aber wenigstens macht es ihm leichter, endlich seine "Jungfräulichkeit" zu verlieren - zumindest mit einem Mann; mit einem Mädchen ist dieser Zug schon lange abgefahren. Und in Toby trifft er da den besten Kandidaten.

Irgendwie haben sich alle von Tobys Freunden in den letzten Monaten feste Beziehungen gesucht und als einziger ohne festen Freund fühlt sich Toby ein wenig verlassen. Feste Beziehungen sind schon lange nichts mehr für ihn, allerdings hat ihn auch schon lange niemand mehr emotional so berührt, wie Jock. Der war in ihrer einzigen gemeinsamen Nacht zwar sehr dominant, aber offensichtlich auch sehr verunsichert. Doch seit dieser Nacht hat Toby nichts mehr von ihm gehört. Toby kann sich aber nicht dazu durchringen, einfach aufzugeben.

Es dauert nicht lange, bis Jock seine Vergangenheit auch an seiner neuen Universität einholt. Zum Glück bietet sich aber ein Auslandssemester mit einiger seiner TAG-Brüder in der Provence an, um allem zu entkommen - was er auch nutzt. Doch da wusste er noch nicht, dass Toby, der ihm seit ihrer gemeinsamen Nacht nicht mehr aus dem Kopf geht, ebenfalls mit auf die Reise kommt...

In der fünften Geschichte um die [Reihe] Bruderschaft, geht es um zwei Charaktere, über die wird schon länger Bescheid wissen. Jock wurde von seinem Bruder schon im ersten Buch erwähnt und auch Toby war von Anfang an Teil der verschiedenen Handlungen. Nun wird endlich ihre eigene Geschichte erzählt.
Irgendwie ist der Funke bei Poster Boy von Anne Tenino und mir aber nicht so richtig übergesprungen. Das liegt gar nicht mal wirklich an der Handlung selbst oder den Charakteren oder selbst dem Schreibstil. Denn Jocks und Tobys Kennenlernen und auch die Reise nach Frankreich sind eigentlich ziemlich gut gelungen und haben im Grunde eine schöne Geschichte ergeben. Auch Jock und Toby selbst mochte ich sehr gern. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Jock ist eher wortkarg, noch sehr jung, muss aber immer die Kontrolle haben und ist gerade erst dabei, sich mit seiner Sexualität abzufinden. Toby dagegen fühlt sich (meist jedenfalls) sehr wohl in seiner Haut. Er ist gebildet, gerade dabei, sein Studium abzuschließen und war eigentlich nie ein großer Fan von Beziehungen. Doch er wird auch nicht jünger (denkt er sich im fast schon biblischen Alter von 24) und nachdem alle seine Freunde langsam aber sicher sehr ernste Beziehungen eingehen, beginnt auch Toby sich zu fragen, ob er vielleicht etwas verpasst. Tobys und Jocks langsam aufkeimende Bindung hat mir sehr gut gefallen. Sie fühlen sich zwar von Anfang an voneinander angezogen, aber ihre Beziehung selbst entwickelt sich sehr bedacht und nicht überstürzt, was für mich eigentlich immer ein Pluspunkt ist.
Doch am Ende ist es genau diese Langsamkeit, die dem Buch das Genick gebrochen hat. Es gibt viele überflüssige Details und Entwicklungen, die viel zu breit ausgetreten wurden. Auch grundsätzliche wichtige oder schöne Szenen waren teilweise zu lang und haben dadurch gehörig an Bedeutung verloren. Ironischerweise ist der Schreibstil aber dennoch nicht schlecht: Clever, intelligent und witzig. Sehr schade, dass Anne Tenino nicht mehr daraus gemacht hat.
Ein Detail gab es, bei dem ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich es nun furchtbar albern oder ziemlich lustig fand und das waren die anderen TAG-Brüder. Die haben nämlich eine Anti-Bierterroristen-Organisation ins Leben gerufen (was es damit auf sich hat, müsst ihr selber lesen) und dadurch entstehen einige wirklich aberwitzige Situationen. Manchmal war das lustig, oft aber auch ziemlich anstrengend und hat ebenfalls für einige recht langgezogene Szenen gesorgt.

Trotzdem hatte ich insgesamt viel Spaß mit Poster Boy von Anne Tenino. Allein für Jock und Toby hat es sich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Und wenn der nächste Teil der Theta Alpha Gamma-Reihe von den beiden Jungs handelt, die ich gerade im Verdacht habe, werde ich auch dieses Buch definitiv lesen.

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