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13.

Oct 2011

Nach dem Selbstmord ihrer älteren Schwester June benimmt sich Harper nicht so, wie alle um sie herum erwarten. Während ihre Mutter am Boden zerstört und kaum noch ansprechbar ist, ist Harper emotional zurückhaltend und nimmt es mit relativ kühlem Kopf hin. Und das obwohl sie es war, die June mit der Dose Schlafmittel in der Hand in ihrem laufenden Auto gefunden hat. Außerdem hat Harper noch kein einziges Mal geweint. Sie hat Angst, dass andere denken könnten, es berühre sie kaum. Vor allem fürchtet sie das bei ihrer Tante Helen mit ihrem ständigen Drängen, dass diese Situation sie Gott näher bringt und Harper als selbstsüchtig beschimpft, weil sie ihrer Mutter nicht so zur Seite steht, wie sie soll.
Doch natürlich trauert Harper. Aber sie ist auch wütend. Wütend, dass June sich umgebracht hat. Dass sie keine Nachricht, keinen Grund für ihre Tat hinterlassen hat. Dass Harper immer noch mit June verglichen wird; selbst jetzt noch, wo klar ist, dass June nicht so perfekt war, wie alle immer dachten. Dass Harper die Zeichen nicht gesehen hat. Dass sie June so vieles nicht gesagt hat.
Harper wusste allerdings, dass June gerade eine schwere Zeit durchgemacht hat, denn sie wollte schon immer nach Kalifornien ziehen und das College wäre die perfekte Gelegenheit gewesen. Doch nach der Scheidung der Eltern war das Geld knapp und Unis an der Westküste einfach zu teuer. Kalifornien blieb aber immer ihr großer Traum.
Deshalb will Harper eine letzte Sache für ihre Schwester tun: Sie bringt sie endlich nach Kalifornien und will ihre Asche dort im Meer verstreuen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Laney plant sie die Reise. Womit sie aber nicht gerechnet hat, ist Jake. Er taucht plötzlich bei der Trauerfeier auf und Harper hat keine Ahnung, wer er ist. Ihr wird aber schnell klar, dass er irgendeine engere Beziehung zu June hatte. Jake besteht darauf, Harper auf der Reise nach Kalifornien zu begleiten. Und Harper ist fest entschlossen herauszufinden, welche Verbindung zwischen ihm und June besteht und dadurch vielleicht auf das "Warum" zu stoßen.

Am Anfang war ich ein bisschen skeptisch, was Saving June von Hannah Harrington anging. Der Tod eines geliebten Familienmitglieds wird ja oft in der Jugendliteratur verarbeitet, auf mehr oder weniger beeindruckende Weise. Und oft ist mir die Stimmung einfach zu erdrückend.
Anders im Fall von Saving June. Während die Atmosphäre zwar sehr intensiv und natürlich auch traurig ist, ist Harper kein Charakter, der im Selbstmitleid versinkt. Das liegt zum Teil sicher daran, dass sie selbst nicht weiß, wie sie fühlt, aber sie ist grundsätzlich einfach nicht der Typ dafür. Nach außen mag das tatsächlich kalt wirken, ich persönlich fand ihre toughe und starke Art aber sehr sympathisch und erfrischend und ich konnte ihr Gefühlschaos wesentlich besser nachempfinden, als bei so manch anderen Charakteren. Jake ist ein ähnlicher Fall. Am Anfang gibt er einem absolut keinen Grund, ihn zu mögen. Wie Harper kann er sehr kühl sein, weswegen die beiden ständig aneinandergeraten. Aber im Laufe der Zeit lässt er immer wieder hinter seine Fassade blicken. Seine Verbindung zu June wird erst nach und nach deutlicher und auch dadurch lernt man sehr viel über seinen Charakter. Laney ist zwar eher zu einem Sidekick degradiert, hat aber trotzdem einige wichtige Momente im Buch und dient ein bisschen als Harpers Gegenpol, denn sie ist sehr laut und emotional.
Auf ihrem Roadtrip durch die Staaten erlebt das ungleiche Trio einige Abendteuer und immer dabei ist die Musik. Jake ist absolut musikverrückt und dementsprechend viel wird auch darüber geredet. Aber die Musik ist auch Werkzeug um die Gefühle aller Beteiligten zu verdeutlichen und zu entlarven. Mit viel Poesie und Gefühl wird vielen bekannteren und unbekannteren Songs eine neue Bedeutung gegeben.

Saving June von Hannah Harrington ist ein gefühlvolles Buch mit einer starken Protagonistin, die nach Außen hin so gar keine Gefühle zeigen mag, aber trotzdem rundum sympathisch ist und auf einem Roadtrip, der eigentlich gar keinen Spaß machen sollte, mehr über sich selbst herausfindet, als sie jemals erwarten konnte.

Saving June erscheint am 22. November 2011 in den USA und ist das Debüt der 22jährigen Hannah Harrington. Über ein deutsches Erscheinen habe ich hierzu leider noch keine Informationen.

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