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30.

Apr 2011

Will Grayson hat zwei Regeln: 1. Sich um nichts wirklich scheren und 2. die Klappe halten. So, so meint er, kann ihn nichts wirklich verletzen und er kann unbemerkt vor sich hinleben, ohne Probleme und ohne groß aufzufallen. Dumm nur, dass ausgerechnet Will als besten Freund Tiny Cooper abgekommen hat. Tiny ist an die 2m groß, 150 kg schwer, ziemlich laut und schwul. Er arbeitet gerade daran, sein Leben in ein Musical zu verarbeiten (Tiny Cooper: The Tiny Cooper Story) und Will wird natürlich mit hinein gezogen. Als ob das noch nicht genug Aufruhr in Wills ruhigem Alltag bringen würde, muss er auch noch feststellen, dass ihn eine von Tiny's Freundinnen, Jane, nicht ganz kalt lässt. Dabei ist er sich nicht mal sicher, ob Jane überhaupt auf Jungs steht und eigentlich will er selbst auch nicht gegen seine 1. Regel verstoßen.
Ein paar Kilometer entfernt, in einem Vorort von Chicago, sitzt ein anderer Will Grayson. Er lebt alleine mit seiner Mutter in einem herunter gekommenen Haus, hat kaum Freunde und leidet unter Depressionen. Nur wenn er mit seiner Internetbekanntschaft Isaac schreibt und flirtet, geht es ihm wirklich gut. Und bald ist es soweit und die beiden wollen sich endlich treffen.
Eines Nachts laufen sich die Will Graysons durch Zufall in Chicago über den Weg, als sie beide nicht gerade in Bestform sind. Und so finden sie plötzlich ihre beiden Leben miteinander verbunden und in urerwartete Richtungen gehen.

John Green und David Levithan haben schon vor Will Grayson, Will Grayson / Will & Will mit anderen Autoren gemeinsam Romane geschrieben und mit diesem Konzept also schon etwas Übung. Das merkt man, denn auch in diesem Buch geht die Zusammenarbeit wunderbar auf.
Sowohl John Greens als auch David Levithans Will ist eine komplett eigenständige Persönlichkeit, die nicht nur durch den völlig unterschiedlichen Schreibstil der beiden Autoren rauskommt. Beide haben ihre ganz eigenen Probleme und Ängste und in wenigstens einem wird sich wohl jeder Leser ein bisschen wieder erkennen können.
Der heimliche Star des Buches ist allerdings natürlich Tiny. Im Endeffekt ist er der Indikator für fast alles, was in diesem Buch passiert und fügt auch am Ende alle Stränge zusammen. Er ist sicher kein einfacher Charakter, ist aber immer brüllend komisch und keine Figur, wie man sie oft zu lesen bekommt. Die beiden Autoren haben ein gutes Gefühl füreinander und die Charaktere entwickelt, so dass sie auch in den Kapiteln des jeweils anderen immer sie selbst bleiben, auch wenn man sie durch die Augen des anderen sieht.

Überhaupt ist der Schreibstil ganz wunderbar gelungen. Bei Beiden ist er leicht und flüssig, an den richtigen Stellen traurig oder tiefgründig, meistens aber einfach nur lustig. Allerdings sollte man dem manchmal etwas albernen oder schwarzen Humor, der für beide Autoren typisch ist, schon offen gegenüber stehen.
Einziges kleines Manko war für mich, dass ab der Mitte für eine kurze Weile die Zielstrebigkeit ein bisschen verloren gegangen ist. Denn während sich bei einem Will die Lage ein bisschen beruhigt hat, ist bei dem anderen die Hölle los. Das hat zwar den anderen Erzählstrang nicht langweilig werden lassen (dafür ist der Schreibstil einfach zu gut gelungen), macht aber über diese Strecke das Gleichgewicht etwas kaputt und findet es erst in den letzten paar Kapiteln wieder.

Will Grayson, Will Grayson / Will & Will von John Green und David Levithan ist der einfühlsame und humorvolle Blick auf ein paar Jugendliche, die einfach nur sie selbst sein wollen, aber noch keine Ahnung haben, wer das eigentlich ist, verpackt in eine witzige Geschichte voller skurriler, aber liebenswürdiger Charaktere.

Ab dem 26. März 2012 wird Will Grayson, Will Grayson / Will & Will auch endlich auf Deutsch zu bekommen sein.

DFTBA! :P

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