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02.

Jul 2013

Enthält Spoiler für Hopeless / Hope Forever.

Wer Hopeless / Hope Forever gelesen hat, der weiß, dass es sich nach und nach nicht nur zu Skys, sondern genauso Holders Geschichte entwickelt hat. Deshalb ist es umso schöner, dass Colleen Hoover mit Losing Hope nun seine Sicht auf die Dinge erzählt:

Als Dean Holder auf einer Party Grayson, den Freund ihrer Schwester Les, dazu zwingt, mit ihr Schluss zu machen, meinte er es nur gut. Grayson hat sie nach Strich und Faden betrogen und schlecht behandelt und Holder reicht es. Doch am nächsten Tag nimmt sich Les das Leben und für Holder bricht eine Welt zusammen. Ihn plagen schreckliche Schuldgefühle, denn Les ist nun schon das zweite Mädchen in seinem Leben, das sich nicht auf ihn verlassen konnte. Holder hat sich selbst immer noch nicht verziehen, dass er mit 6 Jahren zusehen musste, wie seine beste Freundin Hope entführt wurde. Er dachte nicht, dass er sich je elender fühlen könnte - bis zu Les Tod.
Danach wird die Schule für ihn zum blanken Horror. Die Gerüchte und Theorien überschlagen sich und an jeder Ecke muss Holder das Flüstern seiner Mitschüler ertragen. Zumindest bis er einen dummen Spruch zu viel aufschnappt und er einen Jungen so sehr verprügelt, dass der bleibende Schäden behält. Holder wird zu seinem Vater nach Austin geschickt, in der Hoffnung, das Gras über die Sache wächst.
Als er nach einem Jahr zurück nach Hause kommt, hat sich alles nur an der Oberfläche verbessert. Holder ist ziellos und hat noch lange nicht verarbeitet, was passiert ist. Doch dann sieht er sie. Hope. In einem Supermarkt, als ob es das Normalste der Welt wäre. Sie scheint ihn allerdings nicht zu erkennen und ist ziemlich überrumpelt, als Holder sie auch noch nach ihrem Ausweis fragt. Kein Wunder, denn Holder scheint sich zu täuschen: Laut ihrem Ausweis heißt sie Sky und hat auch ein anderes Geburtsdatum als Hope.
Trotzdem kann Holder nicht aufhören, an Sky zu denken und versucht alles über sie zu erfahren, was er kann. Je näher er Sky kennenlernt umso mehr hofft er, dass sein Bauchgefühl in trügt und sie nicht Hope ist. Denn Sky wirkt glücklich, wo sie jetzt ist und Holder weiß, dass sich ihr Leben für immer verändern würde, sollte er recht haben...

Für Leser von Hopeless / Hope Forever ist die Handlung von Losing Hope natürlich nichts Neues. Im Großen und Ganzen wird die gesamte Geschichte des ersten Buchs nun aus Holders Sicht erzählt - aber mit einem gewissen Extra. Zum Beispiel handelt der Anfang von Les Tod und wie Holder und seine Familie damit umgehen. Gerade dieser Abschnitt geht ganz schön unter die Haut und setzt die Stimmung für das gesamte Buch. Denn so stark, wie Holder in Hopeless / Hope Forever wirkt, ist er nicht immer.
Wir lernen eine Seite an ihm kennen, die man im ersten Buch nur erahnen konnte. Ich war mir z.B. nicht über das Ausmaß seiner Schuldgefühle bewusst oder warum er so gewillt war, die Schule hinzuwerfen. All das wird in diesem Buch deutlich klarer.
Auch die Art und Weise wie er sich manchmal Sky gegenüber verhält hat dem Leser in Hopeless / Hope Forever gelegentlich Rätsel aufgegeben - in Losing Hope macht das aber alles viel mehr Sinn. Sky beschuldigt ihn, fünf verschiedene Persönlichkeiten zu haben und aus ihrer Sicht wirkte das auch wirklich so. Nun aber sieht der Leser welches Gefühlschaos in Holder herrscht und er versucht, damit so gut umzugehen, wie er nur kann. Er braucht Sky mindestens so sehr, wie sie ihn und es war einfach wunderschön zu sehen, wie sich die Geschichte aus seinen Augen abspielt. Die Romantik wird aus seiner Sicht nochmal eine Ecke bewegender und tiefgreifender.
Eigentliches Highlight in Losing Hope sind aber die Briefe, die Holder an seine Schwester schreibt. Er findet ein altes Notizbuch von ihr und beginnt ihr regelmäßig zu schreiben, fast wie in einem Tagebuch. Dadurch fühlt es sich so an, als wäre Les fast noch ein aktiver Teil der Geschichte. Natürlich sind diese Briefe und Einwürfe oft sehr traurig und emotional und man merkt in jeder Zeile, wie sehr Holder seine Schwester vermisst.
Doch Losing Hope ist nicht nur ein reiner Aufguss von Hopeless / Hope Forever. Denn gerade gegen Ende erfahren wir noch ein paar Dinge, das erste Buch nicht verraten hat und die das Ende noch ein bisschen runder machen. Und sogar noch bewegender. Denn während Hopeless / Hope Forever es nicht geschafft hat, mir Tränen zu entlocken, ist es Losing Hope gleich mehrmals gelungen.

Einziger Wermutstropfen ist, dass es immer wieder ein paar Szenen gab, die mir zu lang gezogen waren. Vor allem die, die es schon im ersten Buch gab. Zwar waren sie meist von romantischer Natur oder Schlüsselszenen und Colleen Hoover hat sich auch redlich bemüht, neue Szenen einzubauen und damit für Abwechslung zu sorgen. Immer hat das allerdings nicht geklappt und hier und da gab es leichte Strecken. Auch unabhängig von Hopeless / Hope Forever lässt sich dieses Buch nicht wirklich lesen. Dafür sind zu viele Details ausgelassen worden bzw. wurden Abschnitte, die in Skys Geschichte sehr wichtig waren, in Holders stark abgekürzt. Gerade was Skys Erinnerungen an die Vergangenheit angeht.

Deshalb ist Losing Hope eher als Ergänzung zu Hopeless / Hope Forever von Colleen Hoover zu sehen. Das macht aber eigentlich nichts. Holders Sicht bietet nicht nur neue Erkenntnisse, sondern ist auch fast noch emotionaler und ergreifender als das erste Buch. Holder und Sky sind einfach zwei besondere Charaktere und ich fand es schön, einen noch tieferen Einblick in ihre Erlebnisse, sowie einen kleinen Ausblick in die Zukunft zu werfen.
Holder und Skys Geschichte ist damit wohl zu Ende. Doch es gibt ein paar kleine Andeutungen zu einem weiteren Charakter, der eine eigene Geschichte bekommen könnte. Und wer weiß, vielleicht tut uns Colleen Hoover ja den Gefallen.

Losing Hope erscheint am 8. Juli 2013 in den USA. Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bisher noch nichts bekannt.

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