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11.

Jun 2013

Cover Crossing Englisch

Diese Rezension enthält kleine Spoiler, die aber vorher gekennzeichnet sind. Bis dahin könnt ihr gefahrlos lesen.

Als die 20-jährige Dani Walker in ihrem Schauspiel-Kurs an der Uni Liam Garrett kennenlernt und er ihr Szenen-Partner wird, ist sie ziemlich glücklich mit dieser Entwicklung. Denn Liam sieht nicht nur extrem gut aus, er ist auch witzig und kann mit Danis großer Klappe und ihrer schlagfertigen Zunge mithalten. Kein Wunder also, dass sich die beiden auf Anhieb gut verstehen. Allzu große Hoffnungen macht Dani sich allerdings nicht. Sie hatte nie großes Glück bei den Männern und keine ihrer 'Beziehungen' ist über einen One-Night-Stand hinausgegangen. Außerdem leidet ihr Selbstbewusstsein sehr darunter, dass sie nicht so schlank und hübsch ist, wie viele ihrer Schauspieler-Kolleginnen.
Dani stellt allerdings schnell fest, dass Liam nicht wie die Männer ist, die ihr bisher begegnet sind. Er hilft ihr dabei, sich in einem anderen Licht zu sehen und so dauert nicht lange, bis sie sich in ihn verliebt. Je näher sie ihn aber kennenlernt, umso klarer wird ihr, das irgendetwas nicht mit Liam stimmt. Er hält etwas vor ihr geheim - etwas Großes. Und es wird Dani in mehr als einer Hinsicht auf eine harte Probe stellen...

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht über die Handlung von Crossing von Stacey Wallace Benefiel sagen, um nicht zu viel zu verraten, werde allerdings später nochmal darauf zurückkommen.
Dani hat wie gesagt sehr mit ihrem Selbstvertrauen zu kämpfen. In ihrer Vergangenheit sind ihr ein paar ziemlich schlimme Dinge passiert, die ihr mangelndes Selbstbewusstsein allerdings erklären. Und dafür ist - trotz aller Selbstzweifel - wirklich eine tolle Persönlichkeit aus Dani geworden. Sie ist wie gesagt sehr schlagfertig und lustig und ihre Sprüche sind oft zum schießen. Sie ist nicht perfekt, beweist im Lauf der Geschichte aber Stärke und Loyalität, die beneidenswert sind.
Auch Liam mochte ich sehr gern, allerdings erfahren wir über ihn wesentlich weniger. Ich konnte mir zwar ein einigermaßen gutes Bild von ihm machen, aber da Crossing in erster Linie seine Geschichte ist, hatte ich dennoch einfach nie das Gefühl, ihn klar genug zu sehen. Die Handlung legt ein ziemlich hohes Tempo vor und so entwickelt sich alles sehr schnell. Besonders die Beziehung zwischen Liam und Dani. Da blieben Erklärungen und Aussprachen oft auf der Strecke - vor allem, nachdem Dani hinter Liams Geheimnis kommt. Und genau dort, hätte ich mir gewünscht, dass Stacey Wallace Benefiel sich mehr Zeit lässt, ein wenig tiefer schürft und einige Dinge für den Leser aufklärt. So aber blieb die Geschichte ein wenig oberflächlich und am Ende schließlich etwas unbefriedigend. Das ist wirklich sehr schade, denn Crossing hat wirklich wahnsinnig viel Potential.

Wer komplett ohne Spoiler in diese Geschichte gehen will, sollte hier aufhören zu lesen und zum letzten Absatz springen. Ohne einen winzigen Hinweis auf das zu geben, was sich hinter Liams Geheimnis verbirgt, wollte ich euch aber auch nicht lassen - einfach weil es garantiert nicht jedermanns Sache ist. Denn sagen wir es mal so: Liam hat nicht nur Männerkleidung in seinem Schrank...
Liam ist wirklich ein sehr interessanter Charakter, der offensichtlich viel Gepäck mit sich herumträgt. Wir erfahren von Problemen mit seinen Eltern und einer sehr ernsthaften früheren Beziehung, die in die Brüche ging. Beides hängt mit Liams Geheimnis zusammen. Bei beidem erfahren wir allerdings wieder kaum Details und ich für meinen Teil empfand das als extrem frustrierend. Auch der Frage woher sein 'Problem' kommt, wie es sich entwickelt hat und wie er sich wirklich selbst sieht (sowohl emotional als auch sexuell), wird nur teilweise auf den Grund gegangen. Auch am Ende, als sich alle Charaktere ihren Problemen stellen müssen und es zum Höhepunkt der Geschichte kommt, bleibt viel ungesagt.
Wenn Stacey Wallace Benefiel nur etwas mehr in die Tiefe gegangen wäre, dann hätte Crossing wirklich das Zeug zu einem wahnsinnig guten Buch gehabt. So hat mir aber einfach etwas gefehlt. Trotzdem kann ich das Buch jedem empfehlen, der sich nicht von der Thematik abschrecken lässt. Dann solltet ihr aber auch auf keinen Fall das phantastische Painted Faces von L. H. Cosway verpassen. Spoiler Ende

Ich habe mich während Crossing von Stacey Wallace Benefiel oft gefragt, wie ich an Danis Stelle wohl reagiert hätte und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es nicht weiß. Dieses Buch fordert die Offenheit und Toleranz des Lesers heraus und geht einem allein deshalb schon nicht so schnell aus dem Kopf. Zwar ist es genau deshalb etwas enttäuschend, dass das Buch nicht genug in die Tiefe geht und noch etwas mutiger mit dem Thema hätte umgehen können, lesenswert war es aber dennoch allemal.
Bisher gibt es leider keine Pläne für eine deutsche Veröffentlichung.

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