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Cover Panic englisch

Panic. Ist ein Spiel. Eines, in dem sich eine gefährliche Mutprobe an die andere reiht. Ein Spiel, an dem nur die ehemaligen Schüler der Abschlussklasse teilnehmen dürfen. Eines, für das sie alle über ein Jahr in einen Gewinner-Pott eingezahlt haben. Ein Spiel, in dem um es um viel Geld geht. Eines, das tödlich oder mit bleibenden Schäden enden kann.
Heather. Sie lebt mit ihrer Mutter, deren Freund und ihrer kleinen Schwester in einem Wohnwagen. Dort ist es eng, laut und verraucht. Denn Heathers Mutter hat weniger ihre Kinder als ihren Spaß, etwa durch den Konsum von Drogen, im Kopf. Als Heathers Freund Matt ihr zum Beginn des Sommers und zu Beginn von Panic den Laufpass wegen eines anderen Mädchens gibt, beschließt Heather spontan in das Spiel einzusteigen.
Dodge. Er muss Panic gewinnen. Nicht für das Geld und auch nicht für den Ruhm. Nein, Dodge will sich rächen. Seitdem seine Schwester Dayna vor zwei Jahren in der letzten Runde des Spiels in einem manipulierten Auto verunglückt ist, sitzt sie im Rollstuhl. Der kleine Bruder des damaligen Gewinners spielt dieses Jahr mit. Und Dodge hat beschlossen, dass der für die Taten seines Bruders büßen muss. Dafür muss es Dodge bis in die letzte Runde von Panic schaffen, bis zum Autorennen.

Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! behandelt ein schwieriges Thema und ist insgesamt auch ein schwieriges Buch. Eine fiktive Kleinstadt im Bundesstaat New York, irgendwo zwischen der Metropole und Albany und in unmittelbarer Nähe zum Highway 87, steckt fest im Griff dieses jährlichen Spiels. Niemand von den Schülern spricht vor Erwachsenen darüber, wenn ihm nach einem beschwerdefreien Leben ist. Niemand weiß, wer die jährlich wechselnde Jury darstellt und alle, die verzweifelt genug sind, Geld brauchen oder nach Ruhm streben, spielen mit. Einmal mehr wagt sich Lauren Oliver an ein schwieriges Thema. Wieder konnte mich ihr plastischer Schreibstil vollständig in die Geschichte ziehen. Dennoch bekommt Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! von mir nur eine mittelgute Bewertung. Dafür gibt es zwei Gründe:

Das Buch ist harter Stoff, der weder durch besonders sympathische Charaktere noch durch Humor oder irgendeine Art von Leichtigkeit aufgelockert wird. Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! ist hart, rau und gnadenlos. Zum Ende hin mündet das Buch dann überraschender Weise in einem glücklichen Ende, was bei Lauren Oliver nicht unbedingt selbstverständlich ist. Obwohl vielen gerade das Ende nicht gefallen hat, war es für mich einer der Pluspunkte der Geschichte. Wäre Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! auch noch schlecht ausgegangen, wäre ich vermutlich Gefahr gelaufen, Depressionen zu bekommen. Trotz des für mich gelungenen Endes wirkte die Geschichte insgesamt aber doch zu gewollt und unrealistisch.

Außerdem war die Idee von einer Kleinstadt, in der so viele junge Menschen - aus dem einen oder anderen Grund - dazu gezwungen sind, an Panic teilzunehmen, extrem beklemmend. Dodge hat und Heather bekommt einen guten Grund, dass Spiel unbedingt bis zum Ende durchstehen zu wollen. Was sie dafür auf sich nehmen, ist extrem krass. Dass solche Dinge in einer kleinen amerikanischen Stadt vielleicht wirklich möglich wären, ist ein schrecklicher Gedanke. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber in dieser Stadt versagen die Erwachsenen auf breiter Front. Die wenigen, die sich aktiv gegen das Spiel einsetzen, haben entweder keine Chance oder aber auch persönliche Gründe. Altruismus scheint nicht nur buchstäblich, sondern auch im übertragenen Sinne ein Fremdwort zu sein. Zumindest für die Menschen in dieser Kleinstadt.

Auch wenn mich Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! ordentlich zum Nachdenken gebracht hat, wird es ganz sicher nicht mein Lieblingsbuch von Lauren Oliver werden. Dass liegt nicht an dem, wie immer, hervorragenden Schreibstil, sondern an dem unangenehmen Nachgeschmack, den das Buch in meinem Kopf hinterlassen hat. Genauso wie beispielsweise dem Film, ... denn sie wissen nicht was sie tun (Rebel without a cause), kann man sich auch dem Sog von Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! nicht entziehen. Man will wissen, was mit Heather und Dogde passiert und wie sie die, immer schwerer und schrecklicher werdenden Aufgaben meistern. Und, auch wenn es schwer fällt, es sich einzugestehen, will man wissen, wie das Spiel ausgeht. Das Ende hat mich für den schrecklichen Ritt versöhnt, wobei insbesondere das mittlere Drittel schwer zu ertragen war. Doch zum Glück findet sich dann ja doch noch alles irgendwie. Insbesondere Heather und ihre realistischen Einsichten zum Ende hin fand ich - trotz aller Schwierigkeiten bis dahin - sehr gelungen.

Fazit: Panic / Panic - Wer Angst hat, ist raus! ist sicher nicht Lauren Oliver bestes Buch. Dennoch hat es mich fesseln und auch aufregen können. Ein Buch über Verzweiflung, Angst, Mutlosigkeit, Feinde, Freunde, Liebe, Hoffnung und den Mut, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Die deutsche Übersetzung erscheint im November 2014 bei Carlsen.

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Cover The Scars of Us Englisch

Kaiya ist Mitte zwanzig, hat einen langweiligen aber sicheren Bürojob und wohnt mit ihrem Bruder Kamden in einem netten Apartment. Nach Außen hin sieht ihr Leben ganz normal aus. Doch Kaiya hat Dämonen, die sie schon ihr ganzes Leben lang verfolgen. Sie wurde jahrelang missbraucht - von einem Menschen, dem sie eigentlich mehr als jedem anderen vertrauen können sollte.
Deshalb kann sie es heute kaum ertragen berührt zu werden. Sex und Intimität kann sie nur unter ganz bestimmten Bedingungen zulassen und an eine Beziehung ist gar nicht zu denken. Bisher hat sie allerdings auch noch niemanden gefunden, der sie wirklich gereizt hätte.
Zumindest bis sie zu einem neuen Fitnessstudio wechselt und dort einen Selbstverteidigungskurs besucht. Als sie zum ersten Mal ihren Trainer Ryker sieht, sprühen sofort die Funken. Obwohl er riesig, tätowiert und dominant ist, fühlt sich Kaiya auf Anhieb wohl mit ihm - und das ist ihr noch nie passiert. Doch sie weiß, dass sie sich von Ryker fernhalten sollte. Sie selbst ist absolut nicht in der emotionalen Verfassung, sich auf jemanden einzulassen. Abgesehen davon, ist Ryker außerdem der größte Weiberheld, den die Stadt zu bieten hat. Doch je mehr Zeit die beiden inner- und außerhalb des Trainings miteinander verbringen, umso mehr freunden sie sich an. Und es dauert nicht lange, bis Kaiya feststelle muss, dass Ryker das Wort 'aufgeben' nicht kennt. Doch wird er sie auch noch wollen, wenn er die ganze Wahrheit über sie erfährt?

Ich muss euch gleich von Anfang an vorwarnen: Diese Rezension wird nicht nett und ohne einen kleinen Spoiler werde ich auch nicht auskommen. Denn obwohl es immer wieder Ansätze in The Scars of Us von Nikki Narvaez gibt, die mir richtig gut gefallen haben, so schafft es das Buch gleichzeitig aber auch, jede Menge Kleinigkeiten in sich zu vereinen, die mich in Büchern oft furchtbar ärgern. Vermutlich genau weil die Geschichte eigentlich Potential hat, haben mich diese Details besonders aufgeregt.
Fangen wir bei den Charakteren an: Sowohl Ryker als auch Kaiya sind mir ziemlich unsympathisch. Ryker ist das typische Alphamännchen. Er ist durch eine schlimme Erfahrung in der Vergangenheit gebrandmarkt, die ihn gleichzeitig verletzlich, aber auch beziehungsunfähig (oder eher -unwillig) gemacht hat. Er ist tätowiert, muskelbepackt, unglaublich gutaussehend - und eben absolut nichts Neues. Dazu kommt, dass er kaum ein normales Gespräch mit einem anderen Mann führen kann, ohne dass es in einem testosterongeladenen Faustkampf endet.
Kaiya ist zwar nicht wirklich besser, aber sie ist wesentlich komplexer. Ihre Ausgangssituation ist eigentlich sehr interessant. Sie wurde als Jugendliche lange Zeit missbraucht, hatte aber eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Angreifer, denn - und hier kommt der oben erwähnte kleine Spoiler ins Spiel - der Mann, der sie misshandelt hat, war ihr eigener Bruder Kaleb (das kommt ca. nach 20% in der Geschichte raus, ist aber eigentlich vorher schon klar). Und es hat schon früh angefangen. Kaiya kannte lange Zeit nichts anderes und dachte daher, das Verhalten ihres Bruders sei normal - und verspürte sogar einem gewisse Lust dabei. Zumindest bis alles eskaliert. All das ist zwar harter Tobak, bietet aber auch eine spannende Grundlage. Leider geht es von hier aus aber bergab. Viele gute Ansätze, wie z.B. der Standpunkt der Mutter oder die Situation mit Kaiyas Bettgeschichte Bryce werden ziemlich banal und unbefriedigend abgehandelt. Auch Kaiya selbst ist einfach ein schrecklicher Charakter. Sie ist zickig, anstrengend, verliert sich ständig in Selbstmitleid und ein großer Feigling. Sie geht jeder Konfrontation aus dem Weg und anstatt etwas auszudiskutieren, ignoriert sie die Menschen und versteckt sich vor ihren Problemen.
Doch das ist nur der Anfang. Kaiya und Kamden haben eine sehr innige Beziehung. Ich musste mich allerdings fragen, ob das so realistisch ist. Denn nicht nur leben sie zusammen, wenn es Kaiya schlecht geht, schläft sie auch in seinem Bett - in seinen Armen. Nach allem, was ihr anderer Bruder ihr angetan hat, machte mich das von Anfang an etwas stutzig. Würde sie das wirklich zulassen? Ebenfalls nicht sonderlich glaubwürdig ist Rykers Verhalten in seiner Selbstverteidigungsklasse. Es ist offensichtlich, dass Kaiya schlimme Erfahrungen gemacht hat und trotzdem presst er seine Erektion bei jeder Gelegenheit an ihren Hintern - und ihr gefällt es. Sie befinden sich in einer Situation, die Kaiyas schlimmstes und prägendstes Erlebnis imitiert und die beide nutzen das Training als ihre persönliche Vorspielwiese. Auch sonst tun die Charaktere so ziemlich alles, was mich in einem Buch so stören kann: Ständig wird getrunken bzw. sich betrunken, um sich danach schön hinters Steuer zu setzen. Außerdem kommt es relativ spontan zum ersten Sex zwischen den beiden. Natürlich ohne Verhütung - die gute, alte und immer zuverlässig "Raus-zieh-Variante" macht's möglich (von Krankheiten will ich gar nicht sprechen). Und das sind nur ein paar Beispiele.

Wenigstens der Schreibstil war eigentlich ganz annehmbar. Nikki Narvaez hat sich viel Mühe gegeben, eine abwechslungsreiche Wortwahl zu bieten. Allerdings ist sie manchmal ein bisschen über's Ziel hinaus geschossen. Denn anstatt einfach mal etwas zu sagen, murmeln, kontern, kommentieren und kichern sich ihre Figuren durch die Geschichte. Weniger wäre hier mehr gewesen, vor allem da die Autorin sowieso ein bisschen zur übertriebenen Anwendung von Adverbien und Adjektiven neigt.

In gewisser Hinsicht ist es wirklich schade um The Scars of Us von Nikki Narvaez. Eine ziemlich interessante Grundprämisse wurde durch Klischees und Übertreibungen kaputt gemacht. Wäre die Autorin etwas sensibler und bedachter mit ihrer Handlung und den Figuren umgegangen, hätte dieses Buch eine ziemlich gute Geschichte werden können. So war sie im Großen und Ganzen leider eine riesige Enttäuschung für mich.

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Cover Wizard's Promise Englisch

Hanna wurde nach der berüchtigten Piratin Ananna benannt. Doch im Gegensatz zu ihrer berühmten Namensvetterin ist Hannas Leben eher langweilig. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Fischerdorf und macht dort auf dem Boot des alten Kolur eine Ausbildung zur Fischerin. Was Hanna aber eigentlich werden möchte, ist Magierin. Sie verfügt über Windmagie und ist sogar eigentlich recht begabt, hat in ihrer Heimat aber keine Möglichkeit, mehr zu lernen.
Also arbeitet sie weiter tagein und tagaus auf Kolurs Schiff und träumt von großen Abenteuern und fernen Ländern. Doch als Hanna und Kolur eines Morgens für ein paar Tage in See stechen, wird aus der sonst so langweiligen Fahrt schnell eine lebensgefährliche Situation: Ihr Boot wird von einem magischen Sturm erfasst und kommt komplett vom Kurs ab. Hanna war noch nie so weit weg von Zuhause und sie hat keine Ahnung, wann oder wie sie wieder zurückfinden soll. Denn Kolur benimmt sich plötzlich sehr merkwürdig und hat eindeutig Geheimnisse vor Hanna. Das wird ihr klarer denn je, als sie dem mysteriösen, gutaussehenden und ganz und gar nicht menschlichen Jungen begegnet, der auf einmal immer wieder im Wasser neben ihrem Boot auftaucht und Hanna zweideutige Warnungen vor Kolur und der Reise gibt. Nur eines ist ihr jetzt noch klar: Auf Hanna wartet das Abenteuer ihres Lebens.

Nachdem mich Cassandra Rose Clarke mit ihrer The Assassin's Curse-Reihe letztes Jahr restlos begeistern konnte, hat mich natürlich auch ihre nächste Reihe sehr interessiert. Vor allem, da beide Geschichten in der gleichen Welt spielen. Leider konnte The Wizard's Promise aber nicht mit seiner Vorgänger-Reihe mithalten.
Zunächst sah alles eigentlich ganz vielversprechend aus. Hanna ist ein interessanter Charakter. Sie ist dickköpfig, frech und clever, aber manchmal auch ein wenig kühl. Ich persönlich mochte ihre taffe Art eigentlich ganz gern, auch wenn sie manchmal dazu neigt, anderen damit vor den Kopf zu stoßen. Trotzdem ist sie im Grunde ein ganz normales Mädchen. Sie kann auf sich selbst aufpassen, ist dabei aber weder sonderlich erfahren oder mutig - eben einfach ganz normal.
Auch die meisten anderen Charaktere wirken erst einmal nicht besonders ungewöhnlich - zumindest auf den ersten Blick. Bei vielen kann man sich allerdings nicht auf den ersten Eindruck verlassen. Sie haben ihre ganz eigenen Hintergedanken und Pläne und sowohl Hanna als auch der Leser müssen lange warten, bis sie endlich mehr erfahren.
Und hier fangen meine Probleme mit The Wizard's Promise auch schon an: Es dauert extrem lange, bis Hanna wenigstens mal eine vage Ahnung davon bekommt, was denn eigentlich los ist. Sie versucht bei jeder Gelegenheit mehr herauszufinden, stößt aber immer wieder auf taube Ohren. Das war nicht nur für Hanna frustrierend, sondern auch für mich. Irgendwann wurde es einfach nur langweilig immer und immer wieder die gleichen Ausreden zu hören. Vor allem, da sowieso eigentlich nicht sonderlich viel passiert ist, das die Handlung vorangetrieben hätte. Doch auch als Hanna langsam beginnt, Licht ins Dunkel zu bringen, nimmt die Geschichte kaum an Fahrt auf. Wenn das zweite Buch in dieser Duologie genauso aufgebaut ist, dann verstehe ich wirklich nicht, wieso es in zwei Bücher aufgespalten wurde - Cassandra Rose Clarke hätte es problemlos in einem Band zusammenfassen können und es dadurch vermutlich sogar noch besser gemacht.
Auch was die Romantik angeht, wurde ich herb enttäuscht. Zumindest bis jetzt. Man kann erahnen, dass sich etwas entwickeln könnte zwischen Hanna und Isolfr, dem Jungen aus dem Wasser, wirklich etwas davon gemerkt hat man aber nicht. Eigentlich mag ich es ja, wenn sich die Liebesgeschichten langsam und glaubhaft entwickeln. Ein bisschen mehr Gefühl hätte ich mir aber dennoch gewünscht.

Trotzdem, wirklich schlecht ist The Wizard's Promise von Cassandra Rose Clarke auch nicht. Die Autorin hat einen schönen Schreibstil, der mir auch in diesem Buch gut gefallen hat. Außerdem ist die Darstellung der Magie richtig gut gelungen. Sie ist eine mysteriöse und nicht greifbare Sache, die aber dennoch sehr stimmungsvoll und passend in Worte gefasst wurde.
Doch auch das hat es am Ende leider nicht geschafft, die Geschichte spannender zu machen. Vielleicht haben wir ja Glück und Cassandra Rose Clarke hat sich das Beste für ihre The Hanna Duology für den zweiten und finalen Band aufgehoben. Ich hoffe es zumindest.

The Wizard's Promise erscheint am 6. Mai 2014 in den USA.

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Hainted

20.04.2014
EmpfehlungEmpfehlung
Cover Hainted englisch

Dan Miller (25) ist ein Guter. Seit dem Tod seiner Eltern vor sechs Jahren kümmert er sich um seine beiden kleinen Geschwister und versucht, die gemeinsame Farm am Leben zu erhalten. Für seine Familie hat er nicht nur das College geschmissen, sondern auch seine dort entdeckte Homosexualität in sich begraben. Was soll man mitten auf dem Land als Erziehungsberechtigter zweier Teenager auch anderes tun. Seit dem Tod seiner Mutter jagt Dan eines allerdings nicht mehr: Geister. Als ihr Lehrling hat Dan den Umgang mit Geistern von Kindesbeinen an gelernt. Er ist ein Walker mit einer ganzen Ahnenreihe an Walkern. Normalerweise würde Dan traurigen, zornigen oder besessenen Geistern helfen, ihren Weg ins Reich der Toten zu finden. Doch Dan hat durch das Schüler-Lehrer-Band zwischen Walkern miterlebt, wie seine Mutter gestorben ist und dieses Erlebnis belastet ihn auf mehr als eine Art. Dans Leben wird aber noch komplizierter. Eines Tages steht Leif Helsvin vor seiner Tür. Ein Walker wie er, der Dans Hilfe braucht. Leif ist alles, was Dan nicht ist: eine exzentrische Figur mit blonden Haaren, Tattoos, Piercings, schwarzen Lederklamotten, mit schwarzem Nagellack und Eyeliner samt einem Porsche. Und Leifs Ankunft bedeutet Ärger, jede Menge Ärger...

Hainted ist das erste Buch, dass ich von Jordan L. Hawk, einer meiner neuen Lieblingsautorinnen, gelesen habe, das im hier und jetzt und nicht im 19 Jahrhundert spielt. Vorab stellte sich mir also die Frage, ob ich auch mit einem direkteren und unserem Zeitalter angepassten Schreibstil zurechtkommen würde. Da hätte ich mir keine Sorgen zu machen brauchen. Die Frau versteht ihr Handwerk und kann fantastische Charaktere auch in der heutigen Zeit zum Zuge kommen lassen. Ja, auch Dan und Leif sind ein Duo, dessen Liebesgeschichte einen zum Schwärmen bringen kann. Besonders Leif hat es mir - trotz aller Dunkelheit - angetan. Er ist es übrigens auch, der auf dem fantastischen Cover zu sehen ist.
Dass man Hainted aus der Sicht beider Protagonisten erleben darf, passt perfekt. Dadurch konnte man als Leser wunderbar sehen, wie beide den jeweils anderen erleben und wie unglaublich schlecht sie jeweils von sich selbst denken. Da tat sich eine ganz schöne Diskrepanz auf, was die Entwicklung von Dan und Leifs Bezeihung besonders interessant gemacht hat. Jordan L. Hawk hat wirklich ein tolles Händchen für das Entwickeln von Gefühlen, aber auch eine feine Hand für die Abgründe, in die der menschliche Geist geraten kann.

Damit bin ich bei dem nächsten Aspekt von Hainted, der mich ziemlich begeistern konnte. Der mysteriösen paranormalen Geschichte. Das Element der Geister und Toten, die sich - aus welchem Grund auch immer - nicht ins Jenseits begeben wollen, fand ich schon immer toll. Schuld dran ist vermutlich Garth Nix mit seiner Reihe um The Old Kingdom / Das Alte Königreich. Egal, ob Geister mithilfe von Glöckchen oder doch besser mit Salz, Zauberstab oder Schwert gebändigt werden müssen; ich mag solche Szenarien. Und das Konzept der Walker war wirklich interessant. Kein Walker gleicht nämlich dem anderen. Alle halten sich von starren Religionen fern, leben und arbeiten dafür mit dem Segen von Göttern, die die Schwelle zum Totenreich bewachen. Für Dan ist es Hekate, die griechische Wächterin der Wegkreuzungen und Übergänge, für Leif ist es die nordische Hel, die ein ganzes Konglomerat an Dingen und Wesen hat, die ihre Pforte zum Totenreich bewachen. Es gibt also eine Menge Dinge, die alle Walker tun, wenn sie Geister vertreiben, aber wie sie es tun, ist unterschiedlich. Dass hier viele Wege ans Ziel führen, war ein sehr charmanter Zug von Hainted. Ich habe es tatsächlich bedauert, dass man hier nicht noch viel mehr Wege beschrieben bekommen hat.

Gestört hat mich an Hainted nicht viel. Eigentlich fand ich nur die Bösewichte etwas übertrieben. Ihnen hätte etwas mehr Tiefe und etwas weniger blankes Machtstreben sicher noch gut getan. Zudem fand ich es das Ungleichgewicht des Endkampfes etwas erschreckend, wenn man bedenkt, in welchem Zustand sich die Helden da befinden. Ich habe es nicht so mit menschlichen Buchcharakteren, die Übermenschliches leisten, ohne auch mal Luft zu holen, egal wie viel Beistand an Göttern, Magie oder was auch immer sie haben. Doch in Hainted gab es einen Ausgleich: man durfte gleich mehrere Ausflüge in die nordische Totenwelt unternehmen. Die Momente, in denen sich Leif an der den Gjöll überspannenden goldenen Brücke Gjallarbrú befand und überlegen musste, wie er die herbe Modgudr am besten bezirzt oder dem Hund Garm ausweicht, waren großartig. Ich weiß nicht, was es ist, aber die nordische Mythologie versetzt mich immer in eine Mischung aus Vergnügen und Ehrfurcht und lässt mich eine Gänsehaut bekommen.

Fazit: Hainted war für mich ein wunderbar unterhaltsames Buch mit viel Emotionen, tollem Sex, gemeinen Geistern, einer fantastischen Idee und zwei sehr faszinierenden Helden. Das Lesen hat wirklich Spaß gemacht.

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Cover Arkadien erwacht deutsch

Rosa ist auf dem Weg nach Italien, zu ihrer Familie. Die meiste Zeit ihres Lebens hat sie in New York verbracht, doch seit einem Vorfall im letzten Jahr, hat ihre Tante beschlossen, dass es für Rosa besser wäre in den Schoß der 'Familie' zu kommen.
Zoe, ihre Schwester, ist bereits zwei Jahre zuvor nach Sizilien gezogen um einmal das Erbe ihrer Tante anzutreten.
Und das ist kein leichtes Erbe. Denn Rosas Familie bewirtet weder ein Restaurant auf der Insel, noch verdienen sie ihr Geld mit dem Fischfang. Nein, Rosas Familie ist eine der mächtigsten Mafia-Familien auf Sizilien. In Amerika hat sie sich kaum Gedanken darum gemacht, doch je näher sie ihrer ehemaligen und zukünftigen Heimat kommt, desto mehr beherrscht es ihre Gedanken.

Rosa ist kein einfacher Mensch. Sie war schon immer anders, aber seit dem Vorfall im vergangenen Jahr, hat sie sich eine Maske zugelegt. Sie lässt die Menschen abblitzen und vertreibt sie mit ihrer abweisenden Art.
Das muss auch die Stewardess feststellen. Zudem hat Rosa eine weitere Art ihre Gefühle zu bändigen. Sie stiehlt was ihr gefällt, behält es allerdings nicht. So ist die Stewardess kurz nach ihrem Handschlag ihren Armreifen los. Als sie Rosa später im Flieger darauf anspricht erregt sie die Aufmerksamkeit des Jungen, der vor ihr in der Reihe sitzt.
Zuhörer kann sie nun gar nicht gebrauchen, aber der Junge scheint eher amüsiert zu sein, statt sie zu verurteilen.
Weil sie wissen will wer er ist und was er in Sizilien macht, klaut sie ihm seinen Reisepass und erfährt so seinen Namen - Alessandro Carnevare. Der Name sagt ihr nichts, das ändert sich allerdings schnell.

Auf Sizilien angekommen, trifft sie noch einmal am Flughafen auf Alessandro. Obwohl Rosa ihren Panzer festhält, interessiert sie dieser Junge. Er hat etwas besonders an sich, das sie jedoch nicht zu fassen kriegt.
Die Reise zum Palazzo der Familie beginnt normal und endet spektakulär. Wer kann schon behaupten in einem eigenen Helikopter geflogen zu werden. Rosa ist beeindruckt. Sie weiß, das ihre Tante reich ist, doch diese zur Schaustellung gefällt ihr überhaupt nicht. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Zoe.
Im Palazzo angekommen staunt Rosa nicht schlecht. Das Palazzo ist ein großes Geländer mit Toreinfahrt, hoher Treppe zum Eingangsportal und viel Fläche drum herum.
Hier trifft sie auf das Oberhaupt ihrer Familie - Florinda. Die Schwester ihres verstorbenen Vaters musste nach seinem Tod das Familienerbe übernehmen, das hat sie nicht nur zynisch sondern auch skrupellos gemacht. Rosa gegenüber mimt sie erst einmal die besorgte Tante, doch das legt sie schnell.

Der erste Auftritt für Rosa steht kurz bevor. Es gibt eine Beerdigung, einer der großen Capi - ein Clanoberhaupt eines verfeindeten Clans - ist 'verstorben' und zu seiner Beerdigung kommen von allen Clans die Oberhäupter um ihren Respekt zu zollen. So wenig er auch wert sein mag.
Hier trifft Rosa wieder auf Alessandro, der nun das Erbe seines Vaters antreten soll. So hat sich Rosa ihr erneutes Aufeinandertreffen nicht vorgestellt.
Nicht nur, dass seine und ihre Familie erbitterte Feinde sind, der Hass ihrer Familie gegenüber wogt von allen Seiten. Die Alcantaras sind die meist angefeindete Familie auf Sizilien.
So hat sich Rosa ihre Zeit hier nicht vorgestellt.

Um ein wenig Abstand zu bekommen, streift sie durch die Wälder und Haine des Familienanwesens und trifft auf einen Tiger. Das ist unmöglich. Was bitte mach ein Tiger in Sizilien? Doch so schnell wie er da war, ist er wieder verschwunden.
Rosa hat keine Ahnung wie das Leben zwischen den Familien abläuft und noch weniger davon, welches Geheimnis jede Familie hütet. So nach und nach kommt sie der Sache auf die Spur und auch Alessandro schleicht sich immer mehr in ihr Leben. Gänzlich unerwünscht von ihrer Familie, was Rosa nur noch mehr dazu treibt ihre Zeit mit dem geheimnisvollen Jungen zu verbringen.

Puh, irgendwie kann ich schlecht zusammenfassen was in diesem Buch passiert. Verzeiht mir also bitte, wenn die Inhaltsangabe nicht arg so spannend klingt.
Auf den ersten 150 Seiten passiert zwar viel, aber wenig Erwähnenswertes. Ja, Rosa und Alessandro treffen oft aufeinander und auch die anderen Familienmitglieder haben ihre Auftritte, aber erst nach gut 150 Seiten beginnt sich eine richtige Geschichte zu formen. Vorher bin ich weder aus Rosa noch aus den anderen Figuren schlau geworden.

In den ersten gut 100 Seiten war mir Rosa ein Dorn im Auge. Mein Gott, wie unsympathisch! Das ändert sich immerhin im Laufe des Buches und vielleicht zeugt auch viel aus ihrer wirklich nicht leichten Vergangenheit, aber auch mit 17 Jahren kann man sich benehmen.
Zoe ist für mich eine sehr oberflächliche Person und Florinda bekommt man gar nicht zu fassen. Sie ist eher eine Randfigur.
Alessandros Großcousin hingegen ist alles andere als zurückhaltend und sein Charakter klar zu erfassen. Er ist gewalttätig - wie übrigens so ziemlich alle Familienmitglieder, egal welcher Sippe - und will einen Krieg vom Zaun brechen.
Alessandro ist trotz seines Wesens eher ein ruhiger Charakter. Während Rosa viel schreit und ihre Meinung kund tut, reagiert Alessandro. Das macht ihn mir sympathisch.

Die Geschichte entwickelt sich mit der Zeit in die vorgesehene Richtung. Man kann es von vorn herein feststellen - zwei Nachkommen, verfeindeter Familien. Das muss Stress geben. Wer sich jetzt an ein Drama von Shakespeare erinnert fühlt, ist goldrichtig.
Im Vordergrund steht der Kampf der Familien um ein altes Geheimnis und das Erbe der Ahnen. Die Fantasy-Elemente halten sich eher im Hintergrund, so dass ich es eher als Jugendbuch mit fantastischem Einschlag betiteln würde. Aber nicht im schlechten Sinn.
Was mich an diesem Buch wirklich gestört hat, war der unglaublich lange Vorlauf. Es geht teilweise Schlag auf Schlag und ist nebenbei bemerkt, auch ganz schön blutig, aber bis die eigentliche Geschichte beginnt, vergeht viel Zeit.
Das bin ich von Kai Meyer nicht gewohnt. Seine bisherigen Bücher waren immer von den ersten Seiten an spannend und fesselnd, hier habe ich mich wirklich quälen müssen.
Das Ende ist doppelt anzusehen. Auf der einen Seite ist ein Teil der Geschichte geschlossen, doch der eigentliche Kern der Reihe wird hier erst begonnen. Also sollte man den ersten Band so lesen, dass man zur Not schnell an den zweiten Band Arkadien brennt (keine Rezension) gelangen kann.

Alles in allem ein Buch mit großen Startschwierigkeiten, wenig Fantasy-Elementen und viel sizilianischer Mafia.

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