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Manchmal reicht es einfach nicht aus, die Geschichten um die Women of the Otherworld nur aus der weiblichen Perspektive zu erzählen. Deshalb hat es sich Kelley Armstrong zur Gewohnheit gemacht, in regelmäßigem Abstand Kurzgeschichten zu verfassen und online zu veröffentlichen. In Men of the Otherworld hat sie nun vier davon, die sich allesamt um ihre Werwölfe drehen und aus männlicher Sicht geschrieben sind, in Buchform zusammengefasst.

Die erste Geschichte Infusion spielt im Jahr 1946 und handelt von dem Werwolf Malcolm, der sich nichts sehnlicher wünscht als einen Sohn ? vergeblich. Dann trifft er allerdings auf ein junges japanisches Mädchen, das sich als optimale Kandidatin herausstellen könnte. Doch hinter dem schüchternen, devoten Mädchen steckt mehr, als es zunächst den Anschein hat.

Savage erzählt die Geschichte von Clayton und wie er als kleiner Junge wegen purer kindlicher Neugier von einem Werwolf gebissen wurde. Die folgenden zwei Jahre lebte er völlig alleine in einem Bayou in Louisiana. Als ihn eines Tages ein junger Mann namens Jeremy aufliest und mit nach Hause nehmen will, ist Clay mehr Wolf als Mensch...

Ascension spielt ein paar Jahre später und handelt von Clays Jugendjahren, aber auch von Jeremy und seinem Aufstieg im Rudel. Denn wenn man wie Jeremy und Clay anders als die Norm ist, hat man unter Werwölfen nur zwei Möglichkeiten: Entweder aufgeben oder sich durchsetzen, seine Dominanz beweisen, und nach ganz oben gelangen.

Über die letzte Geschichte Kitsugenari möchte ich noch gar nicht viel sagen, außer, dass auch diese von Jeremy und seiner Herkunft handelt, denn im Gegensatz zu den anderen drei Kurzgeschichten, die allesamt vor dem 1. Buch Bitten / Die Nacht der Wölfin spielen, sollte man diese erst lesen, wenn man den 9. Band Living with the Dead gelesen hat.

Absolut jede einzelne Geschichte in Men of the Otherworld hat mir wahnsinnig gut gefallen und ihren ganz eigenen Zweck erfüllt. In Infusion z.B. stellt uns Kelley Armstrong wie gesagt Jeremys Vater Malcolm vor und die Geschichte selbst hat somit gar nicht so viel mit Jeremy direkt zu tun. Dennoch gibt sie Aufschluss darüber, wie viel sich in den letzten 60 Jahren unter den verschiedenen Alphas im Rudel getan hat. Gleichzeitig erfahren wir aber auch mehr über Jeremys Mutter, die bis dahin kaum erwähnt wurde.
Das eigentliche Hightlight der Kurzgeschichtensammlung sind aber zweifelsohne Savage und Ascension. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte Kelley Armstrong gerne einen ganzen Roman über Clays Geschichte und wie er zu Jeremy gekommen ist schreiben können. Mit insgesamt über 300 Seiten sind die beiden Novellen allerdings fast schon ein eigenes Buch und können fast nahtlos als eins gelesen werden. Jedenfalls ist es unglaublich spannend zu sehen, wie aus Clay der Mann wurde, den wir in den späteren Romanen kennenlernen dürfen. Denn wer dachte, dass Clay als Erwachsener schon merkwürdig ist, dem wird die Geschichte über seine Kindheit einige Klarheit schaffen. Viele der Gerüchte und angedeuteten Geschehnisse, die ihm seinen Ruf eingebracht haben, werden aufgenommen, aus Clays Sicht beschrieben und ergebenen dadurch plötzlich einen ganz eigenen Sinn (z.B. auch die Hintergründe zu seiner Beziehung zu Daniel, die eine wichtige Rolle im ersten Band Bitten / Die Nacht der Wölfin spielt).

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Doch was offensichtlich alle Geschichten in Men of the Otherworld gemeinsam haben, ist Jeremy. Es erzählt seine Geschichte, Hintergründe und eher ungewöhnlichen Weg zum Alpha. Viele seiner Eigenschaften, die in den späteren Büchern angedeutet wurden, wie sein Wissensdurst, die Fähigkeit immer zu spüren, wenn jemand in Schwierigkeiten ist, oder die schwierige Beziehung zu seinem Vater, werden hier bearbeitet und der Leser bekommt ein viel klareres Bild von Jeremy Danvers.

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten und wollte Men of the Otherworld eher der Vollständigkeit halber lesen. Doch wie so oft hat Kelley Armstrong mich mehr als angenehm überrascht und mit ihrer ersten Sammlung fast einen eigenen Roman geliefert, der nicht nur sehr spannend und unterhaltsam ist, sondern dem Leser Eindrücke vermittelt, die einem die Charaktere noch näher bringt. Ein absolutes Muss für Fans von Clay und Jeremy, sowie der Women of the Otherworld-Reihe.
Leider, leider glaube ich nicht, dass die Kurzgeschichten jemals auf Deutsch veröffentlicht werden. Trotzdem sollte man sie sich nicht entgehen lassen, denn nicht nur ist das Englisch relativ einfach zu verstehen, sondern der Gewinn durch die Bücher kommt komplett einem wohltätigen Zweck zugute.

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