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Cover Junimond deutsch

Pfingsten 2012. Vier Potsdamer Teenager, ein Filmprojekt und eine Menge Dinge, die schief gehen können:

Nick (16).
Bester Freund von Ares und Olivia. Nick ist ein Denker - ohne eine Sache von allen Seiten betrachtet zu haben, wird er selten tätig. Er hat ein Händchen für Computer und ist ein Genie, wenn es um das Schneiden von Filmen geht. Seine Mutter ist caritativ tätig, sein Vater Arzt und er ist der Zweitälteste von vier Jungen im Alter zwischen 18 und 6 Jahren. Seit einiger Zeit ist Nick heftig in Olivia verliebt.

Ares (16).
Bester Freund von Nick und Olivia. Ares ist ein Macher. Wenn er einen Plan gefasst hat, fängt er an, diesen umzusetzen. Seine Pläne geht er an, als kenne er keine Selbstzweifel: Egal ob es sich um das jährliche Filmprojekt für die Schule handelt oder die Idee, Gitarre zu lernen und eine erfolgreiche Punkband zu gründen. Er hat eine ältere Schwester und Eltern, die kurz vor ihrer Trennung stehen. Geht es um Mädchen, ist Ares gar nicht mehr cool. Stella bringt sein Herz zum Klopfen und seine Stimme zum Verstummen.

Olivia (16).
Beste Freundin von Nick und Ares. Olivia hat eine untrügliche Intuition, wenn es um Filme geht. Außerdem ist sie die Prinzessin: Denn seit ihre Mutter die Familie vor zehn Jahren verlassen hat, wohnt sie allein mit ihrem Vater in einer riesigen Villa und bekommt von ihm jeden Wunsch erfüllt. Aupairmädchen, Kindermädchen und Haushaltshilfen haben sich seitdem die Klinke in die Hand gegeben. Olivia hat im Winter eine einschneidende Erfahrung gemacht, die sie immer noch nicht verdaut hat.

Stella (16).
Stella ist clever, eloquent und belesen. Dokumentarfilme oder andere tiefgründige Filme sind ihr Ding. Sie hat mit ihrer Hippiemutter Liz schon in den verschiedensten Städten und Ländern gelebt. Nun hat Liz ein Haus geerbt und zieht mit Stella kurzerhand von Berlin nach Potsdam. Stella fühlt sich allein und vom Leben angeschnitten. Doch als sie Ares, Nick und Olivia richtig kennenlernt, wird Potsdam immer reizvoller. Insbesondere Ares mit seinen grünen Augen hat es ihr angetan.

Katrin Bongard hat mit Junimond wieder eine sehr schöne Geschichte um das Erwachsenwerden und das Filmbusiness geschrieben. Im Gegensatz zu Flying Moon geht es hier nicht um das Schauspielern für einen professionellen Film, sondern um ein schulisches Filmprojekt. Ein engagierter Lehrer bietet es seinen Schülern jährlich an und Olivia, Nick und Ares sind inzwischen seit Jahren dabei und eine eingeschweißte und erfolgreiche Truppe beim Filme machen. Mit Stella stößt nun aber eine zusätzliche Person zu 'den drei Musketieren'. Und so müssen sich die vier arrangieren und versuchen, zu einer Art 'Fantastic Four' zu werden. Dabei kommen ihnen allerlei Probleme wie Herzensdinge, Unfälle, Familienstreitigkeiten oder Polizeieinsätze in die Quere. Doch die historische Recherche in Potsdams Villenviertel eröffnet ihnen auch den ein oder anderen neuen Horizont.

Junimond liest sich sehr locker und leicht, was definitiv auf den schönen Schreibstil von Katrin Bongard zurückzuführen ist. Das Buch braucht allerdings ein wenig, um in Fahrt zu kommen. Man erlebt die Geschichte aus der Perspektive aller vier Protagonisten, ergänzt um sehr charmante Rückblenden in die Kindergartenzeit von Ares, Nick und Olivia. So dauert es ein wenig, bis man Olivia, Stella, Ares und Nick wirklich gut kennenlernt. Insbesondere Olivia und Ares wirken zuerst etwas oberflächlich, was aber täuscht. Man sollte Junimond also seine Zeit geben, um dann wirklich gut unterhalten zu werden.
Die Autorin schafft es sogar, die historischen Begebenheiten in Potsdam von der NS-Zeit, über den zweiten Weltkrieg und die DDR-Vergangenheit bis in die heutige Zeit lebendig zu erzählen. Einfach indem sie die vier Protagonisten recherchieren lässt und sie die Geschichte durch Interviews, mündliche Überlieferungen oder einzelne Lebensgeschichten erfahren. Das Ganze wirkt so sehr lebensnah und farbig.

Warum dann keine volle Bewertung, mag man sich fragen. Das liegt daran, dass ich manche Sachen etwas überzogen fand. Beispielsweise Stellas verrückte Mutter oder die Tatsache, dass die Jungens da diesen Zusammenstoß in der Garage haben. Nicht ganz nachvollziehen konnte ich auch Stellas Vorliebe für den eher einfach gestrickten Skaterboy oder ihr ganz bestimmte Art von Outfits, die irgendwie nicht zu einem jungen Mädchen gepasst haben, welches unbedingt Jura studieren will. Klar, damit reite ich gerade auf Vorurteilen rum, weil Menschen nie nur so oder so sind. Doch da alle vier nur eine begrenzte Zeit haben, um sich dem Leser vorzustellen, waren diese Momente, in denen man beim Lesen ins Stutzen kam, irgendwie störend. Doch nach einiger Zeit waren mir dann zum Glück allen vier Charaktere gleich sympathisch und die Personen als Ganzes erschienen rund. Zum Ende hin mir Junimond sehr viel Spaß gemacht und ich hätte gerne sogar noch etwas mehr über den sehr spannend klingenden Film erfahren.
Sicher nicht mein letztes Buch von Katrin Bongard

Ein herzliches Dankeschön an Uwe von Red Bug Books für das Rezensionsexemplar von Junimond.

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Der Rattenzauber

28.05.2013
Cover Der Rattenzauber deutsch

Wir schreiben das Jahr 1284: Der Ritter Robert von Thalstein wird vom Herzog Heinrich von Braunschweig nach Hameln geschickt. Ihm ist zu Ohren gekommen, dass nur zwei Monate zuvor 130 Kinder aus der Stadt spurlos verschwunden sind und Robert von Thalstein soll herausfinden was mit diesen Kindern passiert ist. Viele Gerüchte gibt es um das Verschwinden der Kinder, doch am hartnäckigsten hält sich die Legende vom Rattenfänger.
Die Bewohner Hamelns hatten ihn ins Dorf geholt, damit er sie von der Rattenplage befreit. Als er dies tat, verweigerten sie ihm jedoch seinen Lohn. Zur Strafe kam er des Nachts wieder und lockte mit seiner Flöte die Kinder aus ihren Betten um mit ihnen zu verschwinden.

Robert glaubt an derlei Geschichten nicht und versucht gerade heraus zu erfahren, was hier vorgefallen ist. Doch er hat nicht damit gerechnet auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung zu treffen. Niemand will mit ihm über die Kinder reden, stattdessen rät man ihm schleunigst aus der Stadt zu verschwinden.
Doch so einfach ist das alles nicht. Robert von Thalstein war nicht immer ein Ritter des Herzogs von Braunschweig. Einst kam er selbst aus dem kleinen Ort Hameln und für ihn ist es somit auch eine Reise zurück in seine frühe Kindheit. Mit acht Jahren verlor er seine gesamte Familie und nicht wenige aus dem Dorf erinnern sich an ihn und die Geschichte von damals.

Robert aber ist hartnäckig und versucht weiter in die Menschen zu dringen. Einzig der Dichter in der Herbergskammer neben ihm spricht über die Kinder, wenn auch aus ganz anderen Stücken. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht die Hölle zu erforschen und ist der Meinung, der Rattenfänger hat die Kinder direkt in die Hölle gebracht, aus Rache für seine entgangene Entlohnung.
Nun wimmelt es allerdings in Hameln wie nirgendwo nur so vor Ratten. Es müssen beinahe Tausende sein, die sich in der Stadt herumtreiben und so ganz glauben kann er nicht, dass der Rattenfänger seine Aufgabe zur Zufriedenheit der Dorfbewohner ausgeführt hat.
Doch nicht nur auf Ratten trifft der Ritter in diesem Ort, auch seine Vergangenheit holt ihn ein. Viele Jahre hat er die schreckliche Nacht von damals verdrängt, hier aber, am Ort des Geschehens suchen ihn Reue und Verzweiflung wieder heim. Wie konnte es damals soweit kommen?

Nicht Jeder ist dem Ritter gegenüber ablehnend eingestellt, neben dem Dichter Dante, erwärmt sich auch die Tochter der Herbergsmutter für den hübschen Ritter. Doch der hat weder Zeit noch Lust sich auf eine Liebelei einzulassen und muss schnell merken, dass Maria alles andere als einsichtig ist. Schon bald versucht sie ihn mit heidnischen Zaubern für sich zu gewinnen und nicht nur sie läuft abseits des christlichen Weges. In Hameln gibt es eine Gruppe von Ketzern die sich auf dem Friedhof angesiedelt haben. Die 'Jünger Wodans' werden vom Vogt Wetterau erst mit unterschwelligen, dann mit direkten Andeutungen des Verschwindens der Kinder bezichtigt.
Kann es denn so einfach sein?
Sehr bald schwirren Robert die Sinne von den vielen verschiedenen Richtungen, die seine Ermittlungen hier nehmen und zu seiner Trauer, verlässt auch noch sein einziger Verbündeter die Stadt. Nicht aber, ohne Robert eine Nachricht zu hinterlassen, die ihn zur Vorsicht mahnt. Zurecht, wie sich schnell herausstellt.

Schon am selben Abend zieht ein neuer Gast neben ihm ins Zimmer. Der Baumeister von Hameln, der die Mysterienbühne erbaut, auf der die Kreuzigung Christie vorgeführt werden soll, sobald der Bischof und der Herzog der Stadt einen Besuch abstatten.
In dieser Nacht träumt Robert allerlei wirres Zeug. Er hört Geräusche aus dem Nachbarszimmer und schleicht sich rüber. Der Anblick raubt ihm beinahe den Verstand. Auf dem Boden liegt der Baumeister mit durchschnittener Kehle. Doch das Schlimmste: Roberts Messer steckt neben der Leiche im Boden. Wie kann das sein? Er nimmt das Messer auf, bevor ihm sein Handeln klar wird und er fluchtartig das Zimmer verlässt.
Kurz darauf erwacht er hustend. Die Herberge brennt - bzw. Teile davon. Maria hat ihn geweckt, denn der Brandherd ist direkt nebenan - im Zimmer des Baumeisters. Jemand hat die Leiche angezündet. Da bemerkt er das Blut an seiner Hand. Hat er wirklich nur geträumt, dass er im Zimmer des Baumeisters war und ihn dort auf dem Boden hat liegen sehen? Auch Maria entdeckt das Blut an seiner Hand. Welche Schlüsse zieht sie?
Etwas geht in dieser Stadt vor und Robert fragt sich allmählich ob es wirklich so klug war den Auftrag des Herzogs anzunehmen.

Jeder kennt die Legende vom Rattenfänger von Hameln und dieses Buch beschäftigt sich auf ihre eigene Weise mit dem Verschwinden der Kinder.
Wie kaum ein anderer gelingt es Kai Meyer den Leser in die Zeit des 13. Jahrhunderts zu entführen und wickelt ihn in die vielen Irren und Wirren der Geschichte. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass Eltern nicht um ihre Kinder trauern und so kann ich die Menschen in Hameln nicht verstehen. Doch das Ende erklärt die Haltung der Menschen von Hameln und bringt eine gute Wendung in die Geschichte.

Warum also gebe ich dem Buch nur vier Sterne? Nun, ich bin durchaus besseres von Kai Meyer gewohnt und auch wenn mich das Buch in seinen Bahn gezogen hat, hätte ich mir ein wenig weniger lose Fäden gewünscht. Auch wird das Handeln einiger Personen aus meiner Sicht nicht ganz erklärt.
Zu dieser Zeit war der strenge Glaube ans Christentum sehr stark verbreitet und so wundert es mich, dass Robert von Thalstein sich so leicht beeinflussen lässt von Menschen die nebem dem Pfad Gottes laufen. Auch wäre ein Personenregister nicht unpraktisch gewesen.
Dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich kann es wirklich empfehlen. Leider gibt es keine Druckversion mehr. Aber das sollte euch nicht abhalten ;)

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Cover Dirty Little Secret Englisch

Ihr ganzes Leben wurden Bailey und ihre jüngere Schwester Julie von ihren Eltern gepushed, das meiste aus ihrem musikalischen Talent herauszuholen. Die beiden haben immer zusammen gesungen und gespielt, Bailey an der Geige, Julie an der Gitarre. Doch die Schwestern kommen aus Nashville und die Konkurrenz an anderen Country und Bluegrass Sängern ist gigantisch. Trotzdem schaffen sie es, von Produzenten entdeckt zu werden - zumindest Julie. In ihr sehen die Studiobosse das Potential ganz groß rauszukommen. In Bailey nicht.
Ein Jahr später ist Julie tatsächlich auf dem besten Wege, berühmt zu werden. Sie reist mit ihren Eltern durch das Land und bereitet sich auf das Erscheinen ihrer ersten Single vor. Bailey dagegen blieb zurück in Nashville. Doch das letzte Jahr hat sie sehr verändert und mittlerweile scheint sie Ärger magisch anzuziehen. Deshalb haben ihre Eltern ihr strickt verboten, in irgendeiner einer Form Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aus Angst es könnte Julies Karriere schaden - und das bedeutet unter anderem keine Musik mehr für Bailey.
Ohne Musik und durch die Veränderungen, die sie im letzten Jahr durchgemacht hat, weiß Bailey allerdings nicht mehr so wirklich, wer sie eigentlich ist. Als sie bei der Arbeit Sam kennenlernt und er ihr anbietet, in seiner Band zu spielen, weiß sie, dass sie ablehnen sollte. Doch sie kann nicht widerstehen - weder der Musik, noch Sam.

Probleme sind da für Bailey in Dirty Little Secret von Jennifer Echols natürlich vorprogrammiert. Sie kann einem aber schon Leid tun. Ihre Eltern haben sie aufgegeben und konzentrieren sich nur noch auf Julie. Aber damit hört es noch nicht auf, sie verbieten ihr auch noch alles, auf das sie jemals mit ihr hingearbeitet haben. Kein Wunder also, dass Bailey darauf nicht gerade positiv reagiert und ein Ventil sucht (nämlich neue Freunde und Parties), was für ihre Eltern ein ganz neuer Dorn im Auge ist. Zu allem Überfluss erpressen sie sie auch noch mehr oder weniger damit, ihre Collegegebühr nicht zu zahlen, sollte sie in irgendeiner Art auffallen. Es ist wohl verständlich, dass ich kein großer Fan ihrer Eltern geworden bin.
Doch auch mit Bailey hatte ich so meine Schwierigkeiten. Sie ist verunsichert und wesentlich weniger tough, als sie allen weiß machen will. Das mochte ich eigentlich sehr an ihr. Mein eigentliches Problem hat mit Sam zu tun. Es gibt nicht viel, dass ihm wichtiger ist, als seine Band und der große Durchbruch. Er ist bereit so ziemlich alles dafür zu tun - und manipuliert nicht nur Bailey wo er nur kann, um genau das durchzusetzen. Und selbst als Bailey das weiß, lässt sie sich für meinen Geschmack viel zu viel von ihm gefallen, was mich manchmal doch sehr genervt hat. Auch Sam hat das natürlich nicht gerade in einem guten Licht erscheinen lassen. Richtig vertrauen konnte ich ihm deshalb nie. Allerdings muss ich zugeben, dass das Sams Charakter wirklich nur ganz oberflächlich ankratzt. Er hat ganz erhebliche Probleme, die viel von seinem Verhalten erklären, hat aber auch seine guten Seiten und grundsätzlich mochte ich ihn sehr. Vermutlich hat mich deshalb sein übertriebener Ehrgeiz, was die Band angeht, auch manchmal so enttäuscht. Interessant ist Sam also auf jeden Fall.

Emotional hat mich Dirty Little Secret also definitiv angesprochen - ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob im positiven oder negativen Sinne. Ich habe mich sehr oft über die Charaktere geärgert und mich nur selten wirklich wohl mit der Geschichte gefühlt (das dann aber glücklicherweise eher gegen Ende). Deswegen bin ich mir auch immer noch nicht ganz klar, was ich von diesem Buch halten soll. Denn auf der einen Seite schreibt Jennifer Echols wirklich ausgesprochen gut und schafft es, interessante und markante Charaktere und Geschichten zu erfinden. Auf der anderen Seite konnte ich den Figuren dieses Mal aber wie gesagt nicht immer etwas Gutes abgewinnen. Außerdem war für mich als komplett unmusikalischen Leser zu viel Augenmerk auf der technischen Seite der Musik. Ob ein Lied jetzt in D oder in G gehört oder welcher 50 Jahre alte Country Song wie gespielt werden sollte, sind nicht gerade interessante Punkte für mich, wurden aber oft ausführlich angesprochen und sollten wahrscheinlich auf Baileys analytische Denkweise hinweisen. Vermutlich liegt es einfach daran, dass Bluegrass und Country bei uns keinen Stellenwert wie in den USA haben; ich jedenfalls hätte mit einer abgespeckteren Version davon leben können.

Ein wenig enttäuscht war ich also schon von Dirty Little Secret von Jennifer Echols. Das letzte Viertel macht zwar viel von meinem anfänglichen Eindruck wett, so ganz konnte es mich aber dennoch nicht überzeugen. Das soll aber dennoch nicht heißen, dieses Buch wäre Zeitverschwendung, denn wenn man ein Faible für Drama, markante Charaktere oder eben Country-Musik hat, dann kann man bei Dirty Little Secret durchaus auf seine Kosten kommen. Ich persönlich hatte nur einfach etwas mehr erwartet.

Dirty Little Secret erscheint am 16. Juli 2013 bei MTV books in den USA. Eine deutsche Veröffentlichung ist meines Wissens bisher nicht geplant.

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Cover Clockwork Prince deutsch

Enthält Spoiler für Clockwork Angel / Clockwork Angel.

Tessa und die Londoner Schattenjäger konnten das Institut gegen Mortmain und seine Clockwork-Kreaturen verteidigen. Dabei mussten Charlotte, Henry und ihre Schützlinge allerdings herbe Verluste hinnehmen. Ein Rätsel ist immer noch, warum Mortmain Tessa in seine Gewalt bringen will. Auch für seinen Wunsch, allen Schattenjägern den Garaus zu machen, ist die Intention unklar. Charlotte bekommt zusätzliche Probleme durch Benedict Lightwood. Er zweifelt vor dem Rat ihre Kompetenz an, das Institut ordentlich leiten zu können. Und so sieht sich Consul Wayland gezwungen, ihr eine Frist von 14 Tagen zu setzen. In dieser Zeit muss sie Mortmains Aufenthaltsort finden. Schafft sie es nicht, verliert sie die Leitung des Instituts. Natürlich setzen Tessa und die Schattenjäger alles dran, das Institut zu halten und Mortmain zu finden. Doch es gibt einen Verräter unter ihnen...

Natürlich geht es in Clockwork Prince / Clockwork Prince nicht nur um den fiesen Mortmain und seine Clockwork-Kreaturen, auch die Beziehung zwischen Tessa, Will und Jem nimmt großen Raum ein. Damit sind wir schon bei dem ersten Punkt, der mir dieses Buch enorm verleidet hat - Tessa. Sie ist eine der wenigen Buchheldinnen, die ich wirklich nicht leiden kann. In Clockwork Angel / Clockwork Angel hatte ich ja noch Mitleid mit ihr, so als mehr oder weniger alleinstehende Waise mit fremden Kräften in einem fremden Land. Doch inzwischen hat sie sich gut im Londoner Institut eingelebt und hat auch ihre Kräfte ziemlich gut im Griff. Trotzdem jammert sie einem in Gedanken ständig etwas vor: Wie sehr ihr dieses oder jenes aus Amerika fehlt, wie gemein Will sie behandelt, wie wenig sie Jems Zuneigung verdient hat, wie unschicklich sie sich verhält und so weiter und sofort. All das Jammern hält sie nicht davon ab, mal Jem mal Will in die Arme zu sinken (wobei bei letzterem einmal Drogen im Spiel sind oder sie glaubt, zu träumen). Trotzdem ist sie der Meinung, die gute Sophie vor Gideon Lightwood warnen zu müssen und Jessamine ihren Bruder Nate ausreden zu wollen. Eine solche Scheinheiligkeit lässt einen glatt Dämonenpocken bekommen.
Damit sind wir bei Punkt zwei - dem dämlichsten Running Gag aller Zeiten. Was es damit genau auf sich hat, müsst ihr selber lesen, weil es zu viel von der Handlung verraten würde. Aber dieses ständige Erwähnen der Dämonenpocken war irgendwann ziemlich lahm und gar nicht lustig.
Weiterhin gestört hat mich, dass Mortmain als Bösewicht zwar die ganze Zeit über allgegenwärtig ist und so schlimme Dinge zu planen scheint. Leibhaftig taucht er aber kein einziges Mal auf, was dafür sorgt, dass die Handlung eher mäßig voran schreitet.

Cover Clockwork Prince englisch

Ebenfalls ein gravierender Kritikpunkt: ich fand fast alle Charaktere an dem ein oder anderen Punkt des Buches anstrengend oder unlogisch:
Charlotte, weil sie ewig braucht, um mal wirklich mit Henry zu sprechen.
Henry, nicht als Person, aber bei ihm ist ständig von seiner Zerstreutheit die Rede. Ja, ich kann lesen und brauche keine 20 Wiederholungen.
Jem und Will, weil ich einfach nicht verstehen kann, wie man Tessa vom ersten Augenblick an lieben kann. Es ist hier nie die Rede von Verliebtheit sondern von Liebe. Bei Will bekommt der Leser eine Erklärung geliefert, die ihn meiner Meinung nach allerdings etwas blauäugig erscheinen lässt. Doch Jem hat noch nicht mal diese 'Ausrede'.
Jessamine, weil sie sich wie ein bockiges Kleinkind benimmt, dem man die Puppen weggenommen hat. Ihr 'ich mag die Nephilim nicht und heiraten will ich von denen schon gar keinen' verliert wirklich irgendwann an Pfiff.
Bridget, weil ihre Liedtexte echt der Horror sind.
Gabriel, weil er sich den Großteil der Zeit einfach nur unmöglich benimmt.
Und - der Vollständigkeit halber - natürlich Tessa mit ihrem, ach Jem, ach Will, ach Nate, ach Welt, ach was bin ich denn nun, ach ja...

Irgendwann fast unerträglich fand ich auch, dass Tessa, Will und noch andere Personen ständig mit Literaturzitaten um sich werfen oder sich mit den Personen in Büchern vergleichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich im viktorianischen England abseits von Literatursalons, Herrenclubs oder auch mal einem Kaffee-/Teekränzchen so viel mit Büchern beschäftigt hat. Kein Mensch zitiert im alltäglichen Leben ständig irgendwelche Autoren, oder vergleicht sich mit deren Romanhelden.

Positiv an Clockwork Prince / Clockwork Prince waren eigentlich nur zwei Dinge:
Zum einen war es interessant, zu erfahren, wie und warum es zu Wills Verhalten kommt. Zum Ende hin war die Auflösung aber irgendwie klar. Ich meine, wieso sollte ein 12-Jähriger eine solch extreme Strafe aufgebürdet bekommen? Ähm ja, mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.
Zum anderen war es interessant, zu sehen, wie Magnus und Will wirklich zueinander stehen. Schließlich spukt einem diese Frage schon seit City of Fallen Angels / City of Fallen Angels im Kopf herum.

Insgesamt war Clockwork Prince / Clockwork Prince aber eine ziemliche Enttäuschung und ich frage mich inzwischen ernsthaft, warum ich diese Serie eigentlich lesen wollte. Ich hoffe sehr, dass ich die beiden aktuellen Reihen von Cassandra Clare noch fertig gelesen bekomme. Insbesondere Clockwork Princess / Clockwork Princess (Amazon-Partnerlink) wird wohl eine Herausforderung werden. Die Faszination der Schattenjägerwelt hat sich für mich inzwischen leider ziemlich verloren. Es ist wirklich schade drum, da die ersten drei Bände der The Mortal Instruments / Chroniken der Unterwelt-Reihe wirklich toll waren.

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Cover Never a Hero Englisch

Owen ist 28, hat einen angenehmen Job und eine schöne Wohnung in Tucker Springs. Auf den ersten Blick sieht bei ihm eigentlich alles ganz normal aus. Doch so sehr er es sich auch wünscht, Normalität gehört nicht zu Owens Leben. Denn von Geburt an fehlt ihm ein Arm. Seine Mutter, die immer Angst hatte, durch die Behinderung ihres Sohnes lächerlich gemacht zu werden, hat ihn ständig unter Druck gesetzt. So fing er als Teenager auch noch zu Stottern. Und als ob das noch nicht genug wäre, kämpft er auch mit seiner sexuellen Orientierung. Für seine Mutter wäre ein schwuler Sohn der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringen würde, doch Owen kann sich nur schwer selbst belügen. Er steht einfach auf Männer.
All das hat dazu geführt, dass Owen wie ein Einsiedler lebt. Er verlässt kaum seine Wohnung. Seinen Job als Grafikdesigner kann er von zuhause aus erledigen, Lebensmittel werden ihm geliefert und Freunde hat er schon lange nicht mehr.
Zumindest, bis Nick in die Wohnung unter ihm zieht. Der gutaussehende Tierarzt kommt wie ein Wirbelsturm in Owens Leben und reißt ihn aus seinem Trott. Nick versteht Owen wie kein anderer und stellt ihm auch noch seine Schwester June vor, die ebenfalls nur einen Arm hat. June geht allerdings ganz anders mit ihrer Behinderung um und probiert alles aus, was sie nur kann. Jetzt will sie Klavier spielen lernen - und überredet Owen mitzumachen.
Owen ist zwar ein bisschen überwältigt von all den Veränderungen in seinem Alltag, doch er muss zugeben, dass er genau das gebraucht hat. Vor allem Nick wird ein wichtiger Teil seines Lebens. Die beiden verbringen jede freie Minute miteinander und Owen wird schnell klar, dass er mehr will. Er ist sich eigentlich ziemlich sicher, dass die Anziehung auf Gegenseitigkeit beruht. Doch jedes Mal, wenn sie sich einander annähern, zieht sich Nick fast panisch zurück. Er verheimlicht ihm irgendetwas. Jetzt, wo Owen aber erlebt hat, wie es ist, wirklich glücklich zu sein, ist er allerdings nicht mehr bereit, das so schnell aufzugeben.

In Never A Hero, dem fünften Band der Tucker Springs-Reihe von Marie Sexton, wird ein ungewöhnlich ernster Ton angeschlagen und ich muss sagen, dass mir gerade das besonders gut gefallen hat.
Owen allein hat ja wie gesagt schon ein schweres Päckchen zu tragen. Unter dem strengen Auge seiner Mutter hat er sich zu einem sehr einsamen Menschen entwickelt, der sich sehr schlecht in normalen sozialen Situationen zurechtfindet. Sein Stottern hat er zwar mittlerweile größtenteils unter Kontrolle bringen können, sein Arm ist allerdings immer noch etwas, das ihn extrem hemmt und sein ganzes Leben bestimmt. Er flüchtet sich lieber in irgendwelche Fantasien, als sich dem echten Leben zu stellen. Trotzdem ist sein Verhalten nachvollziehbar und Owen selbst sehr sympathisch, wenn man erst mal versteht, wie viel Angst er hat.
Nick wirkt auf den ersten Blick dagegen perfekt. Wer die anderen Bücher kennt, hat ihn auch schon als Nebenfigur kennengelernt. Er ist attraktiv, freundlich, kommt mit jedem gut klar und durchbricht mit Leichtigkeit Owens Mauern, die er jahrelang um sich errichtet hat. Der Schein trügt allerdings, denn sein Geheimnis hat es in sich. Viel mehr möchte ich darüber noch gar nicht verraten. Nur, dass er sehr daran zu knabbern hat und ich als Leser nicht wüsste, wie ich an seiner Stelle damit umgehen würde. Allerdings hätte ich mir manchmal etwas mehr Offenheit von ihm gewünscht. Man kommt ihm zwar nicht so nahe, wie Owen (einfach weil wir seine Perspektive nicht kennen), aber trotzdem ist auch Nick ein Charakter, den ich sofort.

Allgemein muss ich sagen, dass mir die Dynamik in der Tucker Springs-Reihe gefällt. In vielen M/M Büchern gibt es kaum Handlung und es dreht sich eigentlich alles nur um Sex und Erotik. Natürlich gibt es auch in Never A Hero und den anderen Büchern dieser Reihe gleich einige sehr heiße Szenen, trotzdem sind diese nicht künstlich in die Länge gezogen oder drängen die eigentliche Geschichte in den Hintergrund. Die Balance stimmt einfach.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Länge des Buches. Wie alle Teile dieser Reihe, umfasst auch Never A Hero nur knapp 200 Seiten. Die Geschichte hätte aber definitiv mehr hergegeben. Manche Dinge entwickeln sich einfach zu schnell. Zwar wird das Buch dadurch weder unverständlich, noch weniger emotional nachvollziehbar, etwas mehr Aufbau hätte der Geschichte aber dennoch nicht geschadet.

Lesenswert ist Never A Hero von Marie Sexton für Fans dieses Genres dennoch allemal. Vor allem für alle, die ein bisschen mehr wollen als nur Erotik. Leider gibt es Never A Hero wie alle Bücher der Tucker Springs-Reihe bisher nur auf Englisch.

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