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Cover Ein Gefühl wie warmer Sommerregen

Alis Rivers hat einen Job und eine Berufung. Sie arbeitet bei ihrer Tante Carol im Buchladen mit, verbringt aber die meiste Freizeit in der Seenotrettung in Tenby.
An diesem Tag ist sie zusammen mit anderen Freiwilligen draußen um einen Mann zu retten, der samt Schaf von einer Klippe gestürzt ist. Das es sich dabei ausgerechnet um ihre spezielle Klippe handelt, macht da ganze Manöver nicht einfacher. Wie kann man denn so dumm sein und ein Schaf retten wollen und sich dann samt Tier in die Fluten stürzen? Alis ist leicht genervt. Immer wieder müssen sie Unglücksraben aus den Fluten retten und riskieren dabei selbst oft genug ihr Leben.

Die Rettung hat es in sich. Die erste Bergung geht schief und bald sind beide nicht mehr zu sehen. Als Alis den Mann entdeckt hat, hechtet sie ins Wasser um ihn zu bergen. Der Mann ist ziemlich groß und schaut gar nicht mal schlecht aus. Leider scheint er nicht der cleverste Mensch zu sein. Kaum hat er die Augen offen fragt er nach dem Schaf. Na das ist vielleicht ein komischer Kauz.
Zum Glück geht alles gut. Sowohl Mann als auch Schaf werden gerettet und außer einer Unterkühlung scheint ihm nichts zu fehlen.

Ein paar Tage später läuft ihr ausgerechnet der Mann wieder über den Weg. Dabei ist sie gerade auf dem Sprung um sich mit ihrem Freund Matthew zu treffen. Das passt ihr gar nicht. Zumal sie mit Menschen nicht so wirklich gut umgehen kann und sie gerade eine Begegnung mit trauernden Eltern hatte, deren Sohn erst kurz zuvor nur tot aus den Fluten geborgen werden konnte - von ihr.
Evan, so heißt der lebensmüde Tierarzt, möchte sich gern für die Rettung bedanken. Aber je mehr er sich mit ihr unterhält, desto abweisender wird Alis. Bis sie die Flucht nach vorn antritt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Matthew ist ebenfalls in der Rettung tätig und es kommt nicht selten vor, dass er mit dem Team des Rettungshubschraubers zu ihren Einsätzen dazu geordert wird. Sie sind jetzt seit 10 Jahren ein Paar. Zwar ist es keine glühendheiße Liebe, wie bei ihrer besten Freundin Nina und ihrem Mann Dave, aber Matthew gibt ihr alles was sie braucht und das ist vor allem ein sicherer Halt.
Als sie am Treffpunkt endlich ankommt, sieht sie ihn im Gespräch mit einer anderen Frau. Sie wirken beide sehr vertraut miteinander. Kennt er sie? Wer ist das? Aber weiter kommt sie nicht. Der Abend endet in ihrem Lieblingsrestaurant und zu allem Überfluss macht ihr Matthew auch noch einen Heiratsantrag. Warum nur? Es lief doch so gut zwischen ihnen. Und was soll das eigentlich heißen, sie wollen beide keine Kinder? Ein Notruf rettet sie vor der Antwort.
Aber Alis weiß, irgendwie muss sie sich entscheiden. Und sie will noch immer wissen wer die Frau ist. Als sie Matthew damit konfrontiert ist klar, für beide gibt es keine Zukunft. Er hat eine Affäre und sie verliert so ihren besten Freund. Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, ruft ihre Mutter bei ihr an um sie um Hilfe zu bitten.

Alis sträubt sich immer davor mit ihrer Mutter Kontakt zu halten. Zu schwer ist die Trauer, zu groß der Schmerz über den Verlust ihres Vaters. Die Vorwürfe, die ihr aus den Augen ihrer Mutter Joan und dem Stallmeister Rhys entgegen starren hält sie kaum aus. Und doch fährt sie zur Farm. Die Rivers unterhalten seit vielen Jahren eine Pferdestallung. Früher wurde hier sogar gezüchtet, aber mit Alis Vater starb auch die Zucht. Doch Alis hat nicht nur ihren Vater und zum Teil auch ihre Mutter verloren - selbst ihr Bruder ist fort. Alis fühlt sich allein und jetzt ohne Matthew hat sie niemanden an den sie sich lehnen kann.

Da steht schon wieder dieser Evan vor ihr. Was will der denn immer? Ihr Abgang ist ihr noch lebhaft im Gedächtnis und so schämt sie sich beinahe ihm gegenüber zu treten.
Evan kümmert sich schon länger um die Rivers Pferde und ist ganz erstaunt, hier nun auf Alis zu treffen. Er hatte sie hier noch nie gesehen. Und so wie sie aussieht, scheint sie sich alles andere als wohl zu fühlen.
Der scharfe Ton zwischen ihr und dem Stallmeister Rhys ist ihm bereits aufgefallen und durch die Nachbarsleute weiß er auch, welche Last auf ihren Schultern liegt. Aber weiß er das wirklich? Niemand war damals dabei, als Seth in die Tiefe stürzte. Wollte Alis sich an dem Tag wirklich umbringen? Was bringt eine 16 Jährige dazu sich von den Klippen zu werfen?
Evan ist neugierig und findet gefallen an Alis. Mit seiner charmanten Art versucht er ihr näher zu kommen, aber wer hätte gedacht, dass er so auf sie reagieren würde?

Ein Gefühl wie warmer Sommerregen ist das erste Buch, das Sabrina Qunaj unter dem Pseudonym Ella Simon veröffentlicht hat. Als Sabrina Qunaj hat sie bereits erfolgreich Bücher im Fantasy- und Historie-Genre geschrieben. Nun wurde es Zeit sich der Liebe zu widmen.
Auch hier verschlägt es die Autorin wieder in ihr geliebtes Wales, von dem sie nicht so einfach loskommt. Zurecht, wie ich finde.
Durch Zufall ist sie auf ein Video über das Tenby Lifeboat gestoßen und war fasziniert. Das sollte die Berufung ihres Hauptprotagonisten sein. Es war klar - Mann arbeitet bei der Rettung, fischt Frau aus dem Wasser, die Romantik kann beginnen. Aber warum ist immer nur der Mann der Held? So dreht sie den Spieß um und es entstand ihre Protagonistin Alis.

Alis hat eine ziemlich unschöne Kindheit gehabt und kaum ein Außenstehender kann ihre Abneigung gegen die Farm verstehen. Alle sehen immer nur das große Familienglück - samt dem etwas missratenen Sohn. Aber hinter der Fassade sah es anders aus und das prägt Alis. Sie knabbert sehr an ihrer Vergangenheit und hat auch 15 Jahre später keine Ruhe gefunden. Immer wieder wählt sie in verfänglichen Situationen die einfachste Lösung - die Flucht. Aber in Evan hat sie einen hartnäckigen Gegenpart. Er will sie unbedingt näher kennenlernen, dabei ist er selbst kein ungebranntes Kind. Während sich die beiden also umschleichen, lernt der Leser immer mehr die Vergangenheit kennen und kann Alis Abweisung verstehen.
Liebestechnisch geht es natürlich auch hin und her, das hat so ein Buch nun mal an sich. Es wäre auch traurig wenn alles sofort glatt laufen würde.

Die Kulisse, die Ella Simon beschreibt ist wunderschön, lieblich und auch sehr rau. Quasi emotionsgeladen. In der vielfältigen Landschaft spielt sich das Gefühlsleben der Protagonisten wieder. Das passt wunderbar und gibt genau die richtige Stimmung wieder.
Wie auch die anderen Bücher der Autorin liest es sich weg wie nichts. Ist man einmal drin, bleibt man auch eine ganze Weile und will gar nicht mehr weg.
Dennoch haben mich vor allem am Ende einige Sachen gestört. Die Art wie Charaktere reagieren, wie schnell die Gefühle umschwenken, das war nicht so meins. Natürlich gibt es für Gefühle kein rationelles Abwickeln, aber wenn man den Zeitraum des Romans beachtet, ist es mir einfach zu übereilt gewesen.

Die Autorin hat in einer Leserunde bereits erzählt, dass es einen Folgeband geben wird, der sich einem anderen, ebenfalls speziellem, Charakter widmen wird. Da bin ich dann doch sehr gespannt.

Einen ganz lieben Dank an den Goldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar und an das Team von www.leserunden.de für den Austausch.

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Cover Blind Spot Englisch

Als Shelby in ihrem letzten College Jahr endlich in ihre erste eigene Wohnung zieht fühlt sie sich ihrem großen Ziel ein ganzes Stück näher: Komplett selbstständig und von niemandem abhängig zu sein. Dafür muss sie allerdings erst einmal ihr Studium erfolgreich abschließen. Das schaut auch eigentlich alles recht vielversprechend aus...wäre da nicht ihre Französischnote, die sie ganz dringend aufpolieren muss.
Für Männer bleibt in ihrem stressigen Alltag zwischen Uni und den beiden Jobs, die sie stemmen muss, keine Zeit. Erst recht nicht für jemanden wie ihren neuen Nachbarn Tate. Tate ist der verwöhnte Sohn eines reichen Politikers und ist es gewohnt alles zu bekommen, was er will. Und er macht es mehr als klar, dass er Shelby will. Die muss zwar zugeben, dass er sehr charmant und gutaussehend ist, ist aber dennoch nicht bereit mehr Zeit mit ihm zu verbringen als strickt nötig.
Bald aber schon wird das mehr als Shelby lieb ist, denn sie braucht dringend einen Tutor für ihren Französischkurs und Tate, der Klassenbester ist, stürzt sich auf diese Chance. Shelby muss zugeben, dass sie an dem arroganten Tate mit der Zeit eine ganz andere Seite entdeckt und anfängt ihn wirklich zu mögen. Doch sie kennt sich selbst und weiß genau, dass sie sich nicht auf ihn einlassen kann. Dafür trägt sie zu viele Geheimnisse mit sich herum und das wäre nicht fair Tate - oder ihr selbst - gegenüber. Nun muss es ihr nur noch gelingen, sich selbst davon zu überzeugen...

Nachdem ihr diese kurze Zusammenfassung von Blind Spot von Katana Collins gelesen habt findet ihr, dass die Geschichte nicht besonders einfallsreich klingt? Jepp, da kann ich euch nur zustimmen. Ich habe das Gefühl, dass ich diese Geschichte schon in zig-facher Ausführung gelesen habe, mal in etwas besserer, mal in schlechterer Umsetzung, aber im Grunde doch immer gleich. Blind Spot liegt dabei qualitativ irgendwo in der oberen Mitte, denn obwohl der Stoff wirklich alles andere als frisch ist, ist es doch irgendwo ein ganz unterhaltsames Buch gewesen, auch wenn ich die Charaktere nur bedingt mochte.
Shelby ist wie gesagt eine unabhängige junge Frau, die schon eine Menge in ihrem Leben durchgemacht hat. Der Tod ihrer Mutter, der gerade mal ein paar Monate zurückliegt, nagt zum Beispiel noch sehr stark an ihr. Sie war ihre einzige echte Familie und entsprechend allein steht sie jetzt da. Dazu kommen noch die Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit. Ich weiß, man sollte eigentlich eher Mitgefühl für Shelbys Situation zeigen, aber sie hat mich stellenweise einfach so genervt, dass sich meine Sympathie für sie doch sehr in Grenzen hielt, vor allem wenn es um Tate ging. Ich verstehe, dass sie ihm sehr skeptisch gegenübersteht –ich fand es sogar sehr gut an ihr, dass sie seinem Charme wie alle anderen nicht sofort erliegt. Aber nach einer Weile beweist Tate immer und immer wieder, dass er es ehrlich mit ihr meint und ein guter Kerl ist - nur um von Shelby wieder weggestossen zu werden. Auch hier: Ich weiß ich sollte Mitgefühl für sie zeigen, aber irgendwie ist es Katana Collins nie gelungen mich das wirklich fühlen zu lassen. Tate selbst war dagegen ein recht angenehmer Charakter, den ich sehr sympathisch fand, auch wenn er etwas zweidimensional geworden ist.
Leider gibt Blind Spot wie gesagt auch von der Handlung nicht sonderlich viel her. Die meisten "Wendungen" sieht man aus meilenweiter Entfernung kommen, so dass ich am Ende nicht mal sicher war, ob sie überhaupt wirklich eine Überraschung sein sollten. Dementsprechend lang hingezogen hat sich die Geschichte stellenweise auch.
Ich muss leider außerdem sagen, dass viele Reaktionen unserer Hauptcharaktere sehr übertrieben und an den Haaren herbeigezogen waren - offensichtlich einfach um mehr Drama und Spannung zu erzeugen. Leider hat das aber nur dazu gefühlt, dass sie die Charaktere und Dialoge gesteltzt und die Handlung unrealistisch angefühlt hat. Vor allem gegen Ende übertreiben es die Figuren mit ihren Reaktionen in meinen Augen ein wenig.

Das war jetzt relativ viel Gemotze, dafür dass ich das Buch am Ende doch mittelmäßig bewertet habe. Das liegt einfach daran, dass sie Blind Spot trotz allem recht angenehm und flüssig liest. Katana Collins hat definitiv einen gute Schreibstil, der auch die ein oder andere clevere oder lustige Stelle hervorbringt. Leider war aber eben nun mal der Rest der Geschichte relativ flach und unglaubwürdig, so dass sie das nur durch den Schreibstil nicht wett machen konnte. Schade.

Blind Spot erscheint am 8. August 2016.

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Der Wildbach Toni

Tags: Reisen
06.08.2016
Cover Der Wildbach Toni deutsch

In den Alpen geht es beschaulich zu. Jeder geht seiner Tätigkeit nach und lebt seine Rolle in der Gemeinschaft. So auch Toni. Er ist der hiesige Bergführer und hält verschiedene Seminare ab. Heute treffen 4 Leute aus verschiedenen Städten ein um mit ihm den Weg zum Berg zu gehen und ihre Sorgen und Nöte hinter sich zu lassen. Darunter sind ein Pärchen aus Berlin, ein älterer Herr und ein Mann mit Kinnbart. Alle machen nicht den hellsten Eindruck auf Toni, aber es ist sein Job und so begrüßt er sie mit der ihm angeborenen Herzlichkeit.

Gerade als er seine Kursteilnehmer in Schlemmerwirt. Der Gasthof ist Dreh- und Angelpunkt des Ortes und gerade als er ihnen das Essen, die gute Luft und die Freundlichkeit näherbringen will, fetzen sich zwei Männer ohne Gnade. Na das macht ja jetzt nicht den besten Eindruck.
Bis zum nächsten Morgen, so hoffte Toni, hätten seine Touris das wieder vergessen und er macht sich auf den Weg in sein Häuschen. Wie immer, in letzter Zeit, denkt er über das Zacherl nach. Das Zacherl ist eine Fahne, die es schon beinahe immer gegeben hat und die den Dorffrieden sichern soll. Doch ausgerechnet diese Fahne ist weg. Seit beinahe einem Jahr ist sie spurlos verschwunden und die kleinen Feindseligkeiten im Dorf nehmen rapide zu. Jetzt, wo es auf die Kirchweih zugeht, noch mehr, denn es ist Tradition das Zacherl am Tag zuvor an den Mast auf dem Dorfplatz zu hängen. Was sollte er nur tun? Der einzige Verdächtige hat ein Hieb- und Stichfestes Alibi.

Während Toni sich um die Kursteilnehmer kümmert, wird es im Dorf immer schlimmer. Die Dorfbewohner keifen sich an, streiten und streuen Missgunst. Ein Lichtblick ist Shanti. Der indische Verkäufer ist Tonis guter Freund und hat immer in offenes Ohr für seine Nöte. So gibt er ihm den entscheidenden Hinweis, im Berg nach jemandem zu suchen. Aber ob diese Begegnung ihm wirklich dem Zacherl näher bringt?

Die vier Touristen merken in der Zwischenzeit wie schön es in den Bergen ist. Wie sie ihre Sorgen vergessen und langsam wieder zur inneren Ruhe finden. Die Sorgen ihres Bergführers nehmen sie trotzdem war - allen voran der Alte. Er hat ein ungemütliches Interesse an der Geschichte des verlorenen Zacherls, aber eigentlich geht es ihn gar nichts an. Und doch ... er ist Toni sympathisch. Aber woher kommt er? Was macht er? Und braucht er eigentlich solch ein Seminar? Er wirkt nicht wie die anderen Teilnehmer und gibt zudem nichts von sich Preis. Das macht Toni stutzig.

Der Wildbach Toni ist vom Klapptext her ziemlich ansprechend. Man erwartet eine unterhaltsame Geschichte rund um Toni und die Suche nach dem Fähnchen. Was man bekommt, ist jedoch eine langatmige Geschichte um Toni, seine heile Bergwelt und viele bayrische Aussprüche. Die ersten Seiten haben mich erst einmal verwirrt, denn bis die eigentliche Geschichte anfängt, erzählt der Autor als Toni etwas vom Landleben und wie das alles so abläuft. Dann beginnt die Geschichte mit den Touristen, der Tour und einem kleinen anmerken, dass der Dorffrieden gestört wurde.
Bis man sich jetzt aber der eigentlichen Suche nach dieser Fahne widmet, gibt es allerhand Irrelevantes zu lesen. Gern wird sich auch wiederholt.

Die meisten bayrischen Ausdrücke und Sätze sind mit einer Fußnote versehen, damit man auch als Nicht-Bayer weiß, was gemeint ist. Bei vielen der Worte war es für mich überflüssig, da es gebräuchliche Worte wie 'Servus', 'Freilich' und 'fesch' waren. Braucht man dafür eine Fußnote? Traurig, wenn ja.

Was mich zudem gestört hat war die Art wie die Alpiner dargestellt werden. Statt traditionell, gesellig und friedliebend werden sie naiv, hinterwäldlerisch und zänkisch vorgeführt. Das wird den Menschen dort definitiv nicht gerecht.
Man muss sich durch viele Erzählungen, Erinnerungen und Nebengeschichten lesen, bis der Autor zum eigentlichen Problem zurück kehrt - der Suche nach dem Zacherl. Als die dann endlich an Fahrt aufnahm, hat mich das Buch tatsächlich auch noch begeistern können.

Bei einer Lesung in Berlin habe ich den Autor kennengelernt und nun frage ich mich - wie viel Moses Wolff steckt im Wildbach Toni - und anders herum? Er ist definitiv sympathisch und so habe ich mich von den ersten Kapiteln nicht abschrecken lassen. Wer also eine seichte Lektüre mit nicht wirklich ernst zu nehmenden Problemen mag, wird hier glücklich. Wer allerdings nicht gottesfürchtig ist, könnte bald von den vielen enthaltenen Lobpreisungen genervt sein.

Trotz allem einen lieben Dank an den Goldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Cover Ein Jahr in London deutsch

Anna Regeniter hat sich ihren großen Traum erfüllt: Sie ist nach England ausgewandert. Als Grundschullehrerin hat sie es geschafft an einer Schule in London ein Vorstellungsgespräch zu erhalten. Sie hofft nur, dass es auch klappt.
Tatsächlich lief es gut, sie brauchte jetzt allerdings noch dringend eine Wohnung. Sie hatte nicht so viel Erspartes um sich im Hotel einzuquartieren und so beginnt die Odyssee nach einer bezahlbaren Wohnung, die weder Schimmel an den Wänden hat noch einer Nussschale gleicht. Sie ist der Verzweiflung nahe, als sie beschließt - egal wie die nächste Wohnung aussieht, sie wird sie nehmen. Das ist ein echter Glücksfall. Das wunderschöne Haus in Primrose macht von außen einiges her, was es von innen nicht ganz halten kann. Doch es ist halbwegs sauber, bezahlbar und eigentlich eh ihre letzte Chance. Sie nimmt die winzige Wohnung und lernt bald darauf ihre Nachbarn kennen. Zusammen sind sie ein bunter kultureller Mix, die sich blendend verstehen.

Doch etwas nagt an ihr. Da ist sie extra nach London gefahren, hat sich eine Arbeit gesucht und eine Wohnung und lernt keinen einzigen waschechten Londoner kennen. Das kann doch nicht wahr sein. Zwar hat sie am ersten Abend im Pub Jake kennen, aber mit ihm kommt irgendwie kein richtiges Treffen zu Stande. Ist er überhaupt an ihr interessiert?
Ihre Arbeit lenkt sie ein wenig ab, auch wenn ihre Klasse alles andere als einfach ist. Offenbar sind die englischen Kinder nicht so sehr darauf erpicht Deutsch zu lernen. Doch Anna gibt sich alle Mühe und ein paar Lichtblicke lassen sie dann auch die Streiche vergessen.

Aber Anna kämpft nicht nur mit Job, Wohnung und Liebesleben - London hält viele Überraschungen parat für Neuankömmlinge und nicht alles ist einfach zu verstehen. Wer hätte gedacht, dass man seinen eigenen Beutel nicht mit den Lebensmittelladen nehmen sollte? Und was passiert, wenn es doch einmal in London schneit?

Anna Regeniter berichtet sehr anschaulich in Ein Jahr in London: Reise in den Alltag über ihre Ankunft in London und das Fußfassen in der Metropole. Sie hat Humor und das muss man wohl auch haben. Gerade die anschaulichen Beschreibungen der Wohnungen haben mich etwas abgeschreckt.
Ich bin ein großer London-Fan und habe schon einige Urlaube dort verbracht. Somit kenne ich natürlich einige der Plätze und habe es sehr genossen im Gedanken die Straßen lang zu laufen.
Anna ist eine sehr sympathische Frau und ich habe das ganze Buch durchweg mit ihr mitgefiebert ob sie alles schafft. Nicht jeder Auswanderer schafft es und die meisten gehen in südliche Länder, nicht aber ins graue England. Somit stößt Anna bei vielen Verwandten und Bekannten auf Unverständnis. Aber allein die Art der Engländer entschädigt vieles.

Einen ganz lieben Dank an den Herder-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Cover 738 Days Englisch

Mit 15 Jahren wurde Amanda Grace auf dem Heimweg von der Schule entführt. 738 Tage später konnte sie entkommen. Ihr darauf folgendes Exklusivinterview ist das, an was sich heute noch jeder erinnert - ihre Beschreibung des Kellerraums, in dem sie gefangen gehalten wurde; die übertriebenen pinken Mädchenkleider, in die sie gesteckt wurde; das Poster des damaligen TV Teenie Stars Chase Henry an der Wand, das sie an Zuhause erinnerte und ihr dadurch die Kraft gab weiter zu kämpfen.
Jetzt, Jahre später, versucht Amanda vergeblich ein normales Leben zu führen. Ihre früheren Freunde sind mittlerweile alle am College, während sie mit ihrer posttraumatischen Belastungsstörung und sich selbst ringt. Es wird einfach nicht besser und Amanda befürchtet, dass sich das auch nicht ändern wird, wenn sie nicht schnellstmöglich etwas unternimmt.

Vor sechs Jahren ist es Chase Henry gelungen entgegen aller Erwartungen die Rolle in einer neuen TV Serie zu ergattern und wurde über Nacht zum Superstar. Doch damit einher gingen auch Drogen, Alkohol, wilde Parties, Verhaftungen und vollkommen maßlose Geldverschwendung. Mittlerweile ist er zwar trocken, wird aber in Hollywood nicht mehr gerne gesehen und ist so gut wie am Ende ? und das mit gerade mal 24 Jahren.
Um sein Image wieder aufzupolieren fasst seine Presseagentin - und gelegentliche Affäre - Elise einen Plan: Chase soll Amanda überraschen und ihr die Chance zu geben, ihren Helden zu treffen, der ihr damals so geholfen hat. Anschließend soll sie ihn am Set seines neuen Films besuchen. Doch die Überraschung geht gehörig schief, denn anstatt sich über ihren "Helden" zu freuen, löst Chase Anblick eine Panikattacke und Flashbacks bei ihr aus. Doch nachdem sie sich wieder beruhigt hat sieht Amanda, dass das ihre Chance sein könnte aus dem Teuefelskreis zuhause auszubrechen. Also gehen sie und Chase einen Deal ein, der hoffentlich beiden helfen wird.

Doch was als einfache Vereinbarung beginnt wird schnell sehr kompliziert. Denn nicht nur fühlt sich Chace bald mehr als unwohl mit Elise immer rücksichtsloseren und pietätlosen Plänen mit Amanda, von denen diese natürlich keine Ahnung hat, er muss auch feststellen, dass er Amanda ehrlich mag - und das ist ihm schon lange nicht mehr passiert. Doch nicht nur die Wahrheit über Elise und Chase Vorhaben könnte seine und Amandas aufkeimende Freundschaft gefährden. Denn Amanda muss bald feststellen, dass einige ihrer Ängste mittlerweile nicht mehr ganz so unbegründet sind, wie ihr jeder einzureden versucht...

Mit 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir wagt sich Stacey Kade in ihrem ersten New Adult / College Roman an ein ziemlich schwieriges Thema. Mich konnte sie allerdings gleich auf der ersten Seite mit ihrer Geschichte packen, denn bereits im Proglog beschreibt Amanda ihre Flucht aus den Fängen ihres Entführers, Jakes. Allein durch diesen kurzen Einblick ist klar, dass Amandas psychische Probleme und all ihre Ängste mehr als nur gerechtfertigt sind und nimmt einen dadurch sofort gefangen. Stacey Kade hält sich nicht zurück mit ihren Schilderungen und so bekommt ein sehr klares und gleichzeitig schauderhaftes Bild von Amandas Zeit in Gefangenschaft, das die perfekte Ausgangslage für diese Geschichte bildet.
Ihre Entführung hat nicht nur Amandas Leben zerstört, sondern das ihrer gesamten Familie, denn ihre Eltern und beiden Schwestern Mia und Liza, die alle vollkommen unterschiedlich mit der Situation umgehen, haben sich nicht nur von Amanda, sondern auch voneinander entfernt. All das macht aber nur eines noch klarer: Amanda muss etwas ändern, ihrer Familie und ihrer selbst willen. Genau dieser Mut war es, der mir so gut an Amanda gefallen hat. Sie erleidet zwar regelmäßig Rückschläge, doch sie will es unbedingt versuchen. Und siehe da, kaum bricht sie aus dem erstickenden Familienumkreis aus lernt sie sich selbst ganz neu kennen - und diese Amanda ist wirklich eine tolle Persönlichkeit, die wieder beweist, dass sie eine echte Kämpfernatur ist. Sie ist ehrlich mit sich und anderen und ich fand es besonders gut, wie klar und bewusst sie mit ihrer Entführung umgeht, wenn sie nicht gerade von ihren Ängsten übermannt wird.
Doch 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir ist eigentlich nicht die Geschichte vom Nachspiel von Amandas Entführung. Zumindest nicht nur. Es geht um zweite Chancen, denn es ist Amandas zweite Chance, ihr Leben neu zu definieren - und für Chase all das, was er im Zenith seiner Karriere verbockt hat, wieder gut zu machen. Ich mochte Chase wirklich gerne, denn obwohl er wirklich die schlechtesten Entscheidungen aller Zeiten trifft und sich von Elise zu Dingen überreden lässt, die er offensichtlich eigentlich gar nicht tun will, ist er einfach ein guter Mensch. Er ist verzweifelt und hat zunächst sicher nicht das stärkste Rückgrat, doch auch er hat eine Vergangenheit, die das irgendwie verständlich macht. Die Charaktere in 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir sind alles andere als perfekt, aber Stacey Kade hat wirklich ganze Arbeit mit ihnen geleistet, denn trotz allem habe ich immer Hoffnung für Chase und Amanda gehabt.

Cover From Scratch Deutsch

Zwei Dinge gibt es aber, die mir an 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir nicht zu 100% gefallen haben (wobei ich allerdings nur eine Sache in meine Bewertung einfließen lassen werde): Erstens, 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir deckt nur einen Zeitraum von wenigen Tagen ab. Wenn man aber all die Gefühle und lebensveränderten Umstände in Betracht zieht, die sich in dieser kurzen Zeit abspielen, ist mir das fast ein wenig zu überstürzt. Rein gefühlsmäßig kauft man den Charakteren diese Entwicklung durchaus ab. Die Zeit, die Chase und Amanda miteinander verbringen, ist wirklich sehr intensiv und dass daraus große Emotionen entstehen können ist durchaus glaubhaft. Trotzdem hat es mich jedes Mal wieder stutzig gemacht, wenn klar wurde, dass seit ihrem Kennenlernen gerade mal 2 Tage vergangen sind. Man hätte die Geschichte problemlos auch über einen längeren Zeitraum anlegen können.
Der zweite Punkt, den ich aber wie gesagt nur nebenbei erwähnen möchte, ist die Tatsache, dass mich der Titel ein wenig zu sehr an die Natascha Kampusch Autobiographie 3096 Tage erinnert. Die Parallelen lassen sich natürlich nicht von der Hand weisen und nachdem ihre Geschichte, sowie die Biographie als auch der gleichnamige Film damals um die Welt gingen, kann das fast schon kein Zufall sein. So treffend der Titel auch ist, hier hätte man sich wirklich etwas Individuelleres einfallen lassen können.

Trotzdem ist 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir von Stacey Kade eine ganz wunderbare Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat. Amandas schreckliche Vergangenheit, Chase selbstzerstörerische Tendenzen, die bunten Nebencharaktere und nicht zuletzt die schöne Liebesgeschichte machen 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir wirklich lesenswert.

Auf deutsch erscheint From Scratch - Alles neu mit dir am 02.02.2017.

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