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Cover Blind Spot Englisch

Als Shelby in ihrem letzten College Jahr endlich in ihre erste eigene Wohnung zieht fühlt sie sich ihrem großen Ziel ein ganzes Stück näher: Komplett selbstständig und von niemandem abhängig zu sein. Dafür muss sie allerdings erst einmal ihr Studium erfolgreich abschließen. Das schaut auch eigentlich alles recht vielversprechend aus...wäre da nicht ihre Französischnote, die sie ganz dringend aufpolieren muss.
Für Männer bleibt in ihrem stressigen Alltag zwischen Uni und den beiden Jobs, die sie stemmen muss, keine Zeit. Erst recht nicht für jemanden wie ihren neuen Nachbarn Tate. Tate ist der verwöhnte Sohn eines reichen Politikers und ist es gewohnt alles zu bekommen, was er will. Und er macht es mehr als klar, dass er Shelby will. Die muss zwar zugeben, dass er sehr charmant und gutaussehend ist, ist aber dennoch nicht bereit mehr Zeit mit ihm zu verbringen als strickt nötig.
Bald aber schon wird das mehr als Shelby lieb ist, denn sie braucht dringend einen Tutor für ihren Französischkurs und Tate, der Klassenbester ist, stürzt sich auf diese Chance. Shelby muss zugeben, dass sie an dem arroganten Tate mit der Zeit eine ganz andere Seite entdeckt und anfängt ihn wirklich zu mögen. Doch sie kennt sich selbst und weiß genau, dass sie sich nicht auf ihn einlassen kann. Dafür trägt sie zu viele Geheimnisse mit sich herum und das wäre nicht fair Tate - oder ihr selbst - gegenüber. Nun muss es ihr nur noch gelingen, sich selbst davon zu überzeugen...

Nachdem ihr diese kurze Zusammenfassung von Blind Spot von Katana Collins gelesen habt findet ihr, dass die Geschichte nicht besonders einfallsreich klingt? Jepp, da kann ich euch nur zustimmen. Ich habe das Gefühl, dass ich diese Geschichte schon in zig-facher Ausführung gelesen habe, mal in etwas besserer, mal in schlechterer Umsetzung, aber im Grunde doch immer gleich. Blind Spot liegt dabei qualitativ irgendwo in der oberen Mitte, denn obwohl der Stoff wirklich alles andere als frisch ist, ist es doch irgendwo ein ganz unterhaltsames Buch gewesen, auch wenn ich die Charaktere nur bedingt mochte.
Shelby ist wie gesagt eine unabhängige junge Frau, die schon eine Menge in ihrem Leben durchgemacht hat. Der Tod ihrer Mutter, der gerade mal ein paar Monate zurückliegt, nagt zum Beispiel noch sehr stark an ihr. Sie war ihre einzige echte Familie und entsprechend allein steht sie jetzt da. Dazu kommen noch die Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit. Ich weiß, man sollte eigentlich eher Mitgefühl für Shelbys Situation zeigen, aber sie hat mich stellenweise einfach so genervt, dass sich meine Sympathie für sie doch sehr in Grenzen hielt, vor allem wenn es um Tate ging. Ich verstehe, dass sie ihm sehr skeptisch gegenübersteht –ich fand es sogar sehr gut an ihr, dass sie seinem Charme wie alle anderen nicht sofort erliegt. Aber nach einer Weile beweist Tate immer und immer wieder, dass er es ehrlich mit ihr meint und ein guter Kerl ist - nur um von Shelby wieder weggestossen zu werden. Auch hier: Ich weiß ich sollte Mitgefühl für sie zeigen, aber irgendwie ist es Katana Collins nie gelungen mich das wirklich fühlen zu lassen. Tate selbst war dagegen ein recht angenehmer Charakter, den ich sehr sympathisch fand, auch wenn er etwas zweidimensional geworden ist.
Leider gibt Blind Spot wie gesagt auch von der Handlung nicht sonderlich viel her. Die meisten "Wendungen" sieht man aus meilenweiter Entfernung kommen, so dass ich am Ende nicht mal sicher war, ob sie überhaupt wirklich eine Überraschung sein sollten. Dementsprechend lang hingezogen hat sich die Geschichte stellenweise auch.
Ich muss leider außerdem sagen, dass viele Reaktionen unserer Hauptcharaktere sehr übertrieben und an den Haaren herbeigezogen waren - offensichtlich einfach um mehr Drama und Spannung zu erzeugen. Leider hat das aber nur dazu gefühlt, dass sie die Charaktere und Dialoge gesteltzt und die Handlung unrealistisch angefühlt hat. Vor allem gegen Ende übertreiben es die Figuren mit ihren Reaktionen in meinen Augen ein wenig.

Das war jetzt relativ viel Gemotze, dafür dass ich das Buch am Ende doch mittelmäßig bewertet habe. Das liegt einfach daran, dass sie Blind Spot trotz allem recht angenehm und flüssig liest. Katana Collins hat definitiv einen gute Schreibstil, der auch die ein oder andere clevere oder lustige Stelle hervorbringt. Leider war aber eben nun mal der Rest der Geschichte relativ flach und unglaubwürdig, so dass sie das nur durch den Schreibstil nicht wett machen konnte. Schade.

Blind Spot erscheint am 8. August 2016.

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Der Wildbach Toni

Tags: Reisen
06.08.2016
Cover Der Wildbach Toni deutsch

In den Alpen geht es beschaulich zu. Jeder geht seiner Tätigkeit nach und lebt seine Rolle in der Gemeinschaft. So auch Toni. Er ist der hiesige Bergführer und hält verschiedene Seminare ab. Heute treffen 4 Leute aus verschiedenen Städten ein um mit ihm den Weg zum Berg zu gehen und ihre Sorgen und Nöte hinter sich zu lassen. Darunter sind ein Pärchen aus Berlin, ein älterer Herr und ein Mann mit Kinnbart. Alle machen nicht den hellsten Eindruck auf Toni, aber es ist sein Job und so begrüßt er sie mit der ihm angeborenen Herzlichkeit.

Gerade als er seine Kursteilnehmer in Schlemmerwirt. Der Gasthof ist Dreh- und Angelpunkt des Ortes und gerade als er ihnen das Essen, die gute Luft und die Freundlichkeit näherbringen will, fetzen sich zwei Männer ohne Gnade. Na das macht ja jetzt nicht den besten Eindruck.
Bis zum nächsten Morgen, so hoffte Toni, hätten seine Touris das wieder vergessen und er macht sich auf den Weg in sein Häuschen. Wie immer, in letzter Zeit, denkt er über das Zacherl nach. Das Zacherl ist eine Fahne, die es schon beinahe immer gegeben hat und die den Dorffrieden sichern soll. Doch ausgerechnet diese Fahne ist weg. Seit beinahe einem Jahr ist sie spurlos verschwunden und die kleinen Feindseligkeiten im Dorf nehmen rapide zu. Jetzt, wo es auf die Kirchweih zugeht, noch mehr, denn es ist Tradition das Zacherl am Tag zuvor an den Mast auf dem Dorfplatz zu hängen. Was sollte er nur tun? Der einzige Verdächtige hat ein Hieb- und Stichfestes Alibi.

Während Toni sich um die Kursteilnehmer kümmert, wird es im Dorf immer schlimmer. Die Dorfbewohner keifen sich an, streiten und streuen Missgunst. Ein Lichtblick ist Shanti. Der indische Verkäufer ist Tonis guter Freund und hat immer in offenes Ohr für seine Nöte. So gibt er ihm den entscheidenden Hinweis, im Berg nach jemandem zu suchen. Aber ob diese Begegnung ihm wirklich dem Zacherl näher bringt?

Die vier Touristen merken in der Zwischenzeit wie schön es in den Bergen ist. Wie sie ihre Sorgen vergessen und langsam wieder zur inneren Ruhe finden. Die Sorgen ihres Bergführers nehmen sie trotzdem war - allen voran der Alte. Er hat ein ungemütliches Interesse an der Geschichte des verlorenen Zacherls, aber eigentlich geht es ihn gar nichts an. Und doch ... er ist Toni sympathisch. Aber woher kommt er? Was macht er? Und braucht er eigentlich solch ein Seminar? Er wirkt nicht wie die anderen Teilnehmer und gibt zudem nichts von sich Preis. Das macht Toni stutzig.

Der Wildbach Toni ist vom Klapptext her ziemlich ansprechend. Man erwartet eine unterhaltsame Geschichte rund um Toni und die Suche nach dem Fähnchen. Was man bekommt, ist jedoch eine langatmige Geschichte um Toni, seine heile Bergwelt und viele bayrische Aussprüche. Die ersten Seiten haben mich erst einmal verwirrt, denn bis die eigentliche Geschichte anfängt, erzählt der Autor als Toni etwas vom Landleben und wie das alles so abläuft. Dann beginnt die Geschichte mit den Touristen, der Tour und einem kleinen anmerken, dass der Dorffrieden gestört wurde.
Bis man sich jetzt aber der eigentlichen Suche nach dieser Fahne widmet, gibt es allerhand Irrelevantes zu lesen. Gern wird sich auch wiederholt.

Die meisten bayrischen Ausdrücke und Sätze sind mit einer Fußnote versehen, damit man auch als Nicht-Bayer weiß, was gemeint ist. Bei vielen der Worte war es für mich überflüssig, da es gebräuchliche Worte wie 'Servus', 'Freilich' und 'fesch' waren. Braucht man dafür eine Fußnote? Traurig, wenn ja.

Was mich zudem gestört hat war die Art wie die Alpiner dargestellt werden. Statt traditionell, gesellig und friedliebend werden sie naiv, hinterwäldlerisch und zänkisch vorgeführt. Das wird den Menschen dort definitiv nicht gerecht.
Man muss sich durch viele Erzählungen, Erinnerungen und Nebengeschichten lesen, bis der Autor zum eigentlichen Problem zurück kehrt - der Suche nach dem Zacherl. Als die dann endlich an Fahrt aufnahm, hat mich das Buch tatsächlich auch noch begeistern können.

Bei einer Lesung in Berlin habe ich den Autor kennengelernt und nun frage ich mich - wie viel Moses Wolff steckt im Wildbach Toni - und anders herum? Er ist definitiv sympathisch und so habe ich mich von den ersten Kapiteln nicht abschrecken lassen. Wer also eine seichte Lektüre mit nicht wirklich ernst zu nehmenden Problemen mag, wird hier glücklich. Wer allerdings nicht gottesfürchtig ist, könnte bald von den vielen enthaltenen Lobpreisungen genervt sein.

Trotz allem einen lieben Dank an den Goldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Cover Ein Jahr in London deutsch

Anna Regeniter hat sich ihren großen Traum erfüllt: Sie ist nach England ausgewandert. Als Grundschullehrerin hat sie es geschafft an einer Schule in London ein Vorstellungsgespräch zu erhalten. Sie hofft nur, dass es auch klappt.
Tatsächlich lief es gut, sie brauchte jetzt allerdings noch dringend eine Wohnung. Sie hatte nicht so viel Erspartes um sich im Hotel einzuquartieren und so beginnt die Odyssee nach einer bezahlbaren Wohnung, die weder Schimmel an den Wänden hat noch einer Nussschale gleicht. Sie ist der Verzweiflung nahe, als sie beschließt - egal wie die nächste Wohnung aussieht, sie wird sie nehmen. Das ist ein echter Glücksfall. Das wunderschöne Haus in Primrose macht von außen einiges her, was es von innen nicht ganz halten kann. Doch es ist halbwegs sauber, bezahlbar und eigentlich eh ihre letzte Chance. Sie nimmt die winzige Wohnung und lernt bald darauf ihre Nachbarn kennen. Zusammen sind sie ein bunter kultureller Mix, die sich blendend verstehen.

Doch etwas nagt an ihr. Da ist sie extra nach London gefahren, hat sich eine Arbeit gesucht und eine Wohnung und lernt keinen einzigen waschechten Londoner kennen. Das kann doch nicht wahr sein. Zwar hat sie am ersten Abend im Pub Jake kennen, aber mit ihm kommt irgendwie kein richtiges Treffen zu Stande. Ist er überhaupt an ihr interessiert?
Ihre Arbeit lenkt sie ein wenig ab, auch wenn ihre Klasse alles andere als einfach ist. Offenbar sind die englischen Kinder nicht so sehr darauf erpicht Deutsch zu lernen. Doch Anna gibt sich alle Mühe und ein paar Lichtblicke lassen sie dann auch die Streiche vergessen.

Aber Anna kämpft nicht nur mit Job, Wohnung und Liebesleben - London hält viele Überraschungen parat für Neuankömmlinge und nicht alles ist einfach zu verstehen. Wer hätte gedacht, dass man seinen eigenen Beutel nicht mit den Lebensmittelladen nehmen sollte? Und was passiert, wenn es doch einmal in London schneit?

Anna Regeniter berichtet sehr anschaulich in Ein Jahr in London: Reise in den Alltag über ihre Ankunft in London und das Fußfassen in der Metropole. Sie hat Humor und das muss man wohl auch haben. Gerade die anschaulichen Beschreibungen der Wohnungen haben mich etwas abgeschreckt.
Ich bin ein großer London-Fan und habe schon einige Urlaube dort verbracht. Somit kenne ich natürlich einige der Plätze und habe es sehr genossen im Gedanken die Straßen lang zu laufen.
Anna ist eine sehr sympathische Frau und ich habe das ganze Buch durchweg mit ihr mitgefiebert ob sie alles schafft. Nicht jeder Auswanderer schafft es und die meisten gehen in südliche Länder, nicht aber ins graue England. Somit stößt Anna bei vielen Verwandten und Bekannten auf Unverständnis. Aber allein die Art der Engländer entschädigt vieles.

Einen ganz lieben Dank an den Herder-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Cover 738 Days Englisch

Mit 15 Jahren wurde Amanda Grace auf dem Heimweg von der Schule entführt. 738 Tage später konnte sie entkommen. Ihr darauf folgendes Exklusivinterview ist das, an was sich heute noch jeder erinnert - ihre Beschreibung des Kellerraums, in dem sie gefangen gehalten wurde; die übertriebenen pinken Mädchenkleider, in die sie gesteckt wurde; das Poster des damaligen TV Teenie Stars Chase Henry an der Wand, das sie an Zuhause erinnerte und ihr dadurch die Kraft gab weiter zu kämpfen.
Jetzt, Jahre später, versucht Amanda vergeblich ein normales Leben zu führen. Ihre früheren Freunde sind mittlerweile alle am College, während sie mit ihrer posttraumatischen Belastungsstörung und sich selbst ringt. Es wird einfach nicht besser und Amanda befürchtet, dass sich das auch nicht ändern wird, wenn sie nicht schnellstmöglich etwas unternimmt.

Vor sechs Jahren ist es Chase Henry gelungen entgegen aller Erwartungen die Rolle in einer neuen TV Serie zu ergattern und wurde über Nacht zum Superstar. Doch damit einher gingen auch Drogen, Alkohol, wilde Parties, Verhaftungen und vollkommen maßlose Geldverschwendung. Mittlerweile ist er zwar trocken, wird aber in Hollywood nicht mehr gerne gesehen und ist so gut wie am Ende ? und das mit gerade mal 24 Jahren.
Um sein Image wieder aufzupolieren fasst seine Presseagentin - und gelegentliche Affäre - Elise einen Plan: Chase soll Amanda überraschen und ihr die Chance zu geben, ihren Helden zu treffen, der ihr damals so geholfen hat. Anschließend soll sie ihn am Set seines neuen Films besuchen. Doch die Überraschung geht gehörig schief, denn anstatt sich über ihren "Helden" zu freuen, löst Chase Anblick eine Panikattacke und Flashbacks bei ihr aus. Doch nachdem sie sich wieder beruhigt hat sieht Amanda, dass das ihre Chance sein könnte aus dem Teuefelskreis zuhause auszubrechen. Also gehen sie und Chase einen Deal ein, der hoffentlich beiden helfen wird.

Doch was als einfache Vereinbarung beginnt wird schnell sehr kompliziert. Denn nicht nur fühlt sich Chace bald mehr als unwohl mit Elise immer rücksichtsloseren und pietätlosen Plänen mit Amanda, von denen diese natürlich keine Ahnung hat, er muss auch feststellen, dass er Amanda ehrlich mag - und das ist ihm schon lange nicht mehr passiert. Doch nicht nur die Wahrheit über Elise und Chase Vorhaben könnte seine und Amandas aufkeimende Freundschaft gefährden. Denn Amanda muss bald feststellen, dass einige ihrer Ängste mittlerweile nicht mehr ganz so unbegründet sind, wie ihr jeder einzureden versucht...

Mit 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir wagt sich Stacey Kade in ihrem ersten New Adult / College Roman an ein ziemlich schwieriges Thema. Mich konnte sie allerdings gleich auf der ersten Seite mit ihrer Geschichte packen, denn bereits im Proglog beschreibt Amanda ihre Flucht aus den Fängen ihres Entführers, Jakes. Allein durch diesen kurzen Einblick ist klar, dass Amandas psychische Probleme und all ihre Ängste mehr als nur gerechtfertigt sind und nimmt einen dadurch sofort gefangen. Stacey Kade hält sich nicht zurück mit ihren Schilderungen und so bekommt ein sehr klares und gleichzeitig schauderhaftes Bild von Amandas Zeit in Gefangenschaft, das die perfekte Ausgangslage für diese Geschichte bildet.
Ihre Entführung hat nicht nur Amandas Leben zerstört, sondern das ihrer gesamten Familie, denn ihre Eltern und beiden Schwestern Mia und Liza, die alle vollkommen unterschiedlich mit der Situation umgehen, haben sich nicht nur von Amanda, sondern auch voneinander entfernt. All das macht aber nur eines noch klarer: Amanda muss etwas ändern, ihrer Familie und ihrer selbst willen. Genau dieser Mut war es, der mir so gut an Amanda gefallen hat. Sie erleidet zwar regelmäßig Rückschläge, doch sie will es unbedingt versuchen. Und siehe da, kaum bricht sie aus dem erstickenden Familienumkreis aus lernt sie sich selbst ganz neu kennen - und diese Amanda ist wirklich eine tolle Persönlichkeit, die wieder beweist, dass sie eine echte Kämpfernatur ist. Sie ist ehrlich mit sich und anderen und ich fand es besonders gut, wie klar und bewusst sie mit ihrer Entführung umgeht, wenn sie nicht gerade von ihren Ängsten übermannt wird.
Doch 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir ist eigentlich nicht die Geschichte vom Nachspiel von Amandas Entführung. Zumindest nicht nur. Es geht um zweite Chancen, denn es ist Amandas zweite Chance, ihr Leben neu zu definieren - und für Chase all das, was er im Zenith seiner Karriere verbockt hat, wieder gut zu machen. Ich mochte Chase wirklich gerne, denn obwohl er wirklich die schlechtesten Entscheidungen aller Zeiten trifft und sich von Elise zu Dingen überreden lässt, die er offensichtlich eigentlich gar nicht tun will, ist er einfach ein guter Mensch. Er ist verzweifelt und hat zunächst sicher nicht das stärkste Rückgrat, doch auch er hat eine Vergangenheit, die das irgendwie verständlich macht. Die Charaktere in 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir sind alles andere als perfekt, aber Stacey Kade hat wirklich ganze Arbeit mit ihnen geleistet, denn trotz allem habe ich immer Hoffnung für Chase und Amanda gehabt.

Cover From Scratch Deutsch

Zwei Dinge gibt es aber, die mir an 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir nicht zu 100% gefallen haben (wobei ich allerdings nur eine Sache in meine Bewertung einfließen lassen werde): Erstens, 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir deckt nur einen Zeitraum von wenigen Tagen ab. Wenn man aber all die Gefühle und lebensveränderten Umstände in Betracht zieht, die sich in dieser kurzen Zeit abspielen, ist mir das fast ein wenig zu überstürzt. Rein gefühlsmäßig kauft man den Charakteren diese Entwicklung durchaus ab. Die Zeit, die Chase und Amanda miteinander verbringen, ist wirklich sehr intensiv und dass daraus große Emotionen entstehen können ist durchaus glaubhaft. Trotzdem hat es mich jedes Mal wieder stutzig gemacht, wenn klar wurde, dass seit ihrem Kennenlernen gerade mal 2 Tage vergangen sind. Man hätte die Geschichte problemlos auch über einen längeren Zeitraum anlegen können.
Der zweite Punkt, den ich aber wie gesagt nur nebenbei erwähnen möchte, ist die Tatsache, dass mich der Titel ein wenig zu sehr an die Natascha Kampusch Autobiographie 3096 Tage erinnert. Die Parallelen lassen sich natürlich nicht von der Hand weisen und nachdem ihre Geschichte, sowie die Biographie als auch der gleichnamige Film damals um die Welt gingen, kann das fast schon kein Zufall sein. So treffend der Titel auch ist, hier hätte man sich wirklich etwas Individuelleres einfallen lassen können.

Trotzdem ist 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir von Stacey Kade eine ganz wunderbare Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat. Amandas schreckliche Vergangenheit, Chase selbstzerstörerische Tendenzen, die bunten Nebencharaktere und nicht zuletzt die schöne Liebesgeschichte machen 738 Days / From Scratch - Alles neu mit dir wirklich lesenswert.

Auf deutsch erscheint From Scratch - Alles neu mit dir am 02.02.2017.

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American Gods / American Gods

31.07.2016
EmpfehlungEmpfehlung
Cover American Gods II englisch

Shadow Moon sitzt im Knast, weil er bei einem in die Hose gegangenen Raubüberfall erwischt wurde. Wegen guter Führung ist die Strafe von ursprünglichen 6 Jahren aber auf 3 reduziert worden. Nur noch eine Woche bis diese Zeit abgelaufen ist. Doch am Tag vor seiner Entlassung verunglückt Shadows Frau Laura tödlich bei einem Autounfall. Auch sein bester Freund, der Fahrer, kommt dabei ums Leben. Auf dem Weg zu Lauras Beerdigung lernt Shadow im Flugzeug den ominösen Mr. Wednesday kennen, der mehr über Shadow zu wissen scheint, als dem geheuer ist. Wednesday bietet Shadow einen Job an: Als Mädchen für Alles und Bodyguard soll Shadow Wednesday bei seiner Mission zur Verfügung stehen. Shadow findet Wednesday irre und ein wenig unheimlich, aber auch faszinierend. Den Job will Shadow zunächst nicht annehmen, doch bei einem der seltsamsten Kneipenbesuchen allerzeiten - Met-Konsum inklusive - nimmt Shadow Wednesdays Angebot an. Am nächsten Tag wird Laura beerdigt, Shadow entführt und der Start in die Mission gestaltet sich alles andere als reibungslos...

Neil Gaiman ist ein Meister der Zunft. Sein Buch Neverwhere / Niemalsland (keine Rezension) ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher und auch Graveyard Book / Das Graveyard-Buch (keine Rezension) hat mir viel Freude bereitet. Trotzdem hat es ein wenig gedauert, bis ich mich an American Gods / American Gods gewagt habe. Grund dafür war, dass es lang ist und ich es, wenn, unbedingt im Original lesen wollte. Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich fit genug dafür gehalten habe und nun habe ich es endlich geschafft. Die Wartezeit hat sich absolut gelohnt. Was für ein Trip. Nicht nur auf den Straßen der USA, sondern auch durch Zeit, Raum und Mythologie. Der Schreibstil ist eine Wonne und die Story enthält Elemente von Horror, Fantasy und natürlich den schon erwähnten Roadtrip. Das Buch wird - von zahlreichen Nebenschauplätzen abgesehen - aus Shadows Sicht erzählt, und der ist einfach ein absolut genialer Hauptcharakter. So ruhig im Anbetracht von Göttern, Übernatürlichem und absolut verrückten Geschehnissen zu bleiben, ist eine Kunst für sich. Anfangs könnte man meinen, dass er vielleicht zu einfach gestrickt ist, um zu begreifen, was um ihn herum geschieht, weil er eher wortkarg ist und die Dinge so nimmt, wie sie kommen. Aber Shadow ist kein bisschen dumm und am Ende ist er derjenige, der... ah, natürlich wird das hier nicht verraten.

Cover American Gods I englisch

Zentrales Element in American Gods / American Gods ist aber die Mythologie und die Idee, dass die Götter nur durch die Menschen in die Welt gesetzt werden, weil und solange Menschen an sie glauben. Mr. Wednesday ist niemand anders als die von den Wikingern ins Land gebrachte Version von Odin (oder Wotan), dem nordischen Göttervater. Doch er ist nur einer von einem Pottpurri an Göttern und Göttinnen, die in American Gods / American Gods ihren Auftritt haben. Neben weiteren nordischen Göttern, gibt es ägyptische, indische, afrikanische, slawische Götter, auch einige Sagengestalten haben sich ein Leben erschlichen. Hinzu kommen die modernen Götter, denen Mr. Wednesday den Kampf angesagt hat. Diese sind Inkarnationen des modernen Lebens, etwa die Medien, das Internet, die heutigen Transportwege und die Börse.

Nach und nach erfährt Shadow warum er eigentlich in die Geschichte reingeraten ist und welche Rolle Wednesday und sein Bruder Low-Key Lyesmith ihm zugedacht haben. Auch warum sein Frau Laura, obwohl tot, ihm doch immer wieder zur Hilfe kommt und was es mit dem etwas zu idyllischen Örtchen Lakeside auf sich hat. Es ist eine absolut irre Geschichte und soweit ich das im privaten Umfeld und im Internet eruieren konnte, liebt oder haßt man sie mit eifriger Hingabe. Neil Gaiman ist sich dieser Tatsache bewusst und schreibt selbst ein paar Worte dazu in der Jubiläumsausgabe, die 2011 in einer abgeänderten und etwas längern Version erschienen ist. Mir selbst hat das Buch sehr, sehr gut gefallen. Einzig die etwas langatmigen Beschreibungen von manchen Dingen, etwa Shadows Münztricks, sorgen für den leichten Punktabzug. Von der Idee und der Umsetzung in American Gods / American Gods war ich mehr als angetan.

Sehr passend ist übrigens, dass 2017 eine von Brian Fuller und Michael Green produzierte TV-Serie an den Start geht, bei der Neil Gaiman auch an den Drehbüchern mitgeschrieben hat. Der erste Trailer ist der Hammer und ich freu mich schon jetzt auf den Start. Aber macht euch doch selbst ein Bild:

[]

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