Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


Rezensionen

586 - 590 von 1392 Rezensionen auf der Seite.

Bild Harry Tom

Geschichte der Magie kann einem doch noch was beibringen. Zu dem Schluss kommen zwei einfallsreiche Hogwarts-Schüler und meinen, dass der Schlüssel zur Zukunft, egal welcher, in der Vergangenheit liegt, und in Tom Riddles Herz. Vorausgesetzt, er hat eins...

Dies ist die Übersetzung des Teasers der Autorin und somit nicht auf meinen eigenen Mist gewachsen. Ein wenig mehr verrate ich im Weiteren noch von der Geschichte, doch wer wirklich wissen will, was passiert, muss The Love of a Good Wizard schon selber lesen. Die Geschichte von SweetSorcery ist, ganz ehrlich, eines der besten Fanfictions, die ich je gelesen habe. Das sieht man auch daran, dass sich The Love of a Good Wizard mehr als 1.250 kudos (= likes) im Archive of Our Own verdient hat. Und nachdem ich inzwischen eine solche Masse an Harry Potter-Fanfiction gelesen habe (aktuell sind es vermutlich mehr als 200), stelle ich eine solche Behauptung nicht mehr ganz so leichtfertig auf.

Und ja, es geht tatsächlich um Harry Potter und Tom Riddle. Von Todfeinden, werden sie in The Love of a Good Wizard langsam zu Freunden und schließlich sogar zu einem Paar. Und ja, dennoch ist die Charakterentwicklung von beiden absolut realistisch und die Geschichte drum herum ebenso (soweit Zeitreisen und Magie eben realistisch sein können). Bei mehr als 210 Seiten wirkt die Geschichte, wie Harry und seine Komplizin (nein, ich werde hier nicht verraten, um wen es sich dabei handelt) sich aufmachen, Tom Riddles Herz zu gewinnen, auch kein bisschen gehetzt. Natürlich läuft es nicht so, wie noch in der Zukunft geplant. Tom hat nämlich so gar keinen Blick für das andere Geschlecht, ist aber sofort fasziniert von Harry. Dass Harry dann, statt seiner Komplizin, in den Kellern der Slytherins landet, ist nur das Tüpfelchen auf dem 'i'. Wie er damit klarkommt, plötzlich mit seinem ehemaligen Todfeind einen Schlafsaal teilen zu müssen, solltet ihr besser selber lesen. Es lohnt sich wirklich.

The Love of a Good Wizard ist lustig, charmant und spannend. Doch das Beste ist wirklich die prächtige Entwicklung der beteiligten Charaktere:
Wie sich Harry beispielsweise langsam auf Tom einlässt und dabei auch immer wieder mit schrecklichen Gewissensbissen zu kämpfen hat. Kein Wunder, beginnt The Love of a Good Wizard nach Harrys 6. Schuljahr und Voldemort hat Harry in der Zukunft schon eine Menge Verluste bereitet.
Oder wie Tom sich langsam aber sicher zu öffnen beginnt, wie er sich seiner inneren Dunkelheit bewusst wird und schließlich versucht, sich für Harry zu ändern. Als Tom schließlich erfährt, was sein zukünftiges bleiches, rotäugiges alter Ego alles anrichten könnte, zeigt sich, dass die Liebe eben doch die Macht hat, die Welt zu verändern.
Auch die Liebesgeschichte der beiden Nebencharaktere bereitet dem Leser einfach nur Freude. Alleine schon die Tatsache, dass hier mehrere gleichgeschlechtliche Paare zusammenkommen, war erfrischend zu lesen.

Zwei Dinge finde ich noch erwähnenswert. Dass man hier in dieser Geschichte, die der Vermeidung eines Kriegs dient, trotzdem noch mal einen kurzen Einblick in die Gräuel eines echten Krieges bekommt, fand ich sehr passend. Ebenfalls hat mir der Epilog mit seinem kurzen Blick auf eine gänzlich veränderte Zukunft sehr gefallen. Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber welches Trio sich da bildet, konnte mich ebenfalls begeistern. Inzwischen habe ich noch weitere Geschichten von SweetSorcery gelesen und weiß, dass sie ein Faible für ungewöhnliche Paarungen in der Harry Potter-Welt hat. Hier lohnt es sich (fast) immer, auch den ungewöhnlichen Kombinationen mal eine Chance zu geben. In diesem Sinne, wünsche ich viel Spaß mit The Love of a Good Wizard.

Fazit: Ja, es gibt tatsächlich überzeugende Fanfiction über Harry und Tom. Ihr glaubt mir nicht? Dann müsst ihr The Love of a Good Wizard selbst lesen und euch eines Besseren belehren lassen.

Das Bild Tom and Harry stammt von RisingMonster auf deviantart.

Hier geht es zum Buch!

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Cover Timber Pack Chronicles Englisch

Dieses Buch ist nur für Leser ab 18 Jahren geeignet.

Die High School kann unter normalen Umständen ja schon schlimm sein. Für jemanden wie Parker trifft das allerdings gleich doppelt zu: Er ist unscheinbar, hat nur wenige Freunde und hat sich letztes Jahr auch noch als schwul geoutet. Er erwartet nicht, dass sich das in seinem letzten Schuljahr noch ändert, aber er wird es schon überstehen.
Zumindest kann Parker das Jahr noch nutzen, seinen Schwarm Colton von weitem anzuschmachten. Colton ist der Star des Footballteams, bei allen beliebt und ein Hüne von einem Mann, obwohl er gerade mal 18 ist. Parker weiß, dass er bei ihm keine Chance hat und ist sich ziemlich sicher, dass Colton noch nicht einmal seinen Namen kennt.

Da liegt Parker allerdings vollkommen falsch. Colton weiß sehr wohl, wer Parker ist - seit Monaten wartet er schon darauf, seinen Anspruch auf Parker geltend machen zu können. Denn Colton ist ein Werwolf und Parker sein vorbestimmter Partner (engl. destined mate). Noch kann er Parker nichts von seinem Geheimnis erzählen, doch er beschützt ihn aus der Ferne so gut es geht.

Doch dann ändert sich plötzlich alles: Ein wilder Wolf ist in der Gegend aufgetaucht und sorgt immer wieder für Unruhe. Er scheint es auf Parker abgesehen zu haben und Colton ist bereit alles zu tun, um ihn zu retten...

Ich muss zugeben, dass ich mich bei Timber Pack Chronicles von Rob Colton ein bisschen von dem Comic-Cover täuschen ließ. Erwartet habe ich ehrlich gesagt ein Jugendbuch. Bekommen habe ich...alles andere als das. ;)
Doch der Reihe nach: Schon auf den ersten paar Seiten wird ganz klar, dass Colton und Parker zusammen gehören und es dauert auch nicht lange, bis die beiden endlich zueinanderfinden. Wenn es erst einmal so weit ist, besteht das Buch eigentlich nur noch aus einer Sache: Sex. Sex in allen möglichen Varianten. Das muss jetzt nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Und in der Tat gibt es zwischen Colton und Parker wirklich einige heiße Szenen. Doch leider ging das sehr auf Kosten der Geschichte selbst. Hätte man alle Sexszenen aus diesem Buch gestrichen, wären vielleicht noch 50 Seiten reine Handlung übrig geblieben (wenn überhaupt). Es war also alles recht zäh. Das wurde auch dadurch nicht besser, dass selbst die Sexszenen schnell an Fahrt verloren haben. Colton ist der dominante Part, Parker der unterwürfige und es dauert nicht lange, bis sich alles nur immer und immer wieder aufs Neue wiederholt.
Der Schreibstil ist okay. Zwar eher einfach gehalten und nichts besonderes, aber dafür sehr flüssig und amüsant. Außerdem habe ich erfrischenderweise ausnahmsweise mal keinen einzigen Rechtschreibfehler gefunden.
Was mir allerdings oft ein bisschen negativ aufgefallen ist, ist die Auswahl an Charakteren. Es gibt in dieser Geschichte genau eine Frau, die eine Rolle spielt (und die mochte ich noch nicht mal besonders) und fast alle Hauptcharaktere sind homosexuell. Grundsätzlich stört mich das nicht, vor allem wenn man das Genre bedenkt. Allerdings fand ich es schon etwas schade, dass es wirklich fast nur Männer in dieser Geschichte gibt. Es ist auch nicht gerade glaubhaft, dass alle von ihnen entweder schwul sind, oder zumindest schon mal gleichgeschlechtliche Erfahrungen gesammelt haben. Viel Wert auf Logik sollte man also nicht legen.

Deswegen war ich jetzt nur mäßig begeistert von Timber Pack Chronicles von Rob Colton. Es gibt wenig Handlung, dafür aber viel Sex und Kitsch. Ihr wisst also, worauf ihr euch einlasst. ;)

Das zweite Buch der wird Timber Pack Chronicles heißen, allerdings habe ich noch keine Informationen darüber, wann es erscheint.

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Cover Ich bin Tess deutsch

Leila hat vor einiger Zeit ihre Mutter an MS verloren und lebt seither völlig zurückgezogen. Da sie keinerlei Abschluss hat hält sie sich mit einem Job über Wasser bei dem Sie Tests für eine Softwarefirma tätigt. Diese Einnahme ermöglicht es ihr ihre laufenden Kosten zu decken.
Leila ist schon immer weiter gewesen als andere Menschen in ihrem Alter. Sie interessiert sich sehr für Philosophie und findet schon bald auf der Internetplattform Red Pill viele Gleichgesinnte. Durch ihre Beiträge und Diskussionsanstöße wird der Administrator Adrian auf sie aufmerksam.
Als sie in den erlauchten Kreis der Internen aufgenommen wird ist sie in ihrem Element. Doch dann bekommt sie eine Nachricht von Adrian. Er möchte sich mit ihr treffen. Ob das eine gute Idee ist?
Leila hat keine Ahnung was er von ihr will, vermutet aber, er möchte sie für einen Job auf Red Pill anwerben.

Adrian ist ganz anders, als Leila ihn sich ausgemalt hat. Natürlich kennt sie sein Aussehen von den vielen Videos die er online gestellt hat, doch in Natura wirkt er noch viel einnehmender.
Das Gespräch zwischen den beiden entwickelt sich beinahe natürlich. Adrian springt von einem Thema zum nächsten und lobt zwischendurch immer wieder Leilas Beiträge auf der Plattform.
Dann endlich rückt er mit dem wahren Grund für ihr Treffen heraus. Er möchte ihre Einstellung zum Thema Selbstmord wissen. Würde sie einen Menschen unterstützten, wenn es sein sehnlichster Wunsch ist zu sterben?

Die Antwort auf diese Frage bringt sie mit Tess zusammen. Ihrer neuen Herausforderung.

Cover Kiss Me First englisch

In dem Buch Kiss Me First / Ich bin Tess geht es im weitesten Sinne um Sterbehilfe. Nicht als aktiven, sondern als passiven Part. Leila macht sich mit der Anforderung vertraut und hat schon bald das Leben eines ganzen Menschen vor sich ausgebreitet liegen.

Das Buch hat mir meine liebe Kollegin Suse geliehen, weil sie so angetan davon war und es kaum noch aus der Hand legen konnte.
Das erste Kapitel hat mich erst einmal verwirrt. Ich wusste bis dato noch nicht worum sich das Buch dreht, also bin ich einfach fröhlich in die Geschichte gesprungen.
Ab dem zweiten Kapitel fing es dann an Sinn zu ergeben und auch interessant zu werden. Leider, leider hat mich das Buch nach 130 Seiten verloren. Man erfährt einiges über Tess und Leila, aber es war einfach nicht spannend geschrieben. Die Autorin schafft es leider nicht die anfängliche Flüssigkeit der Geschichte zu halten.
Mich hätte viel eher interessiert, wie es Leila zu diesem Zeitpunkt auf ihrer Reise erging, als lange E-Mails eines völlig Fremden zu lesen.
Die Balance zwischen Rückblende und Gegenwart ist leider überhaupt nicht gehalten worden. Das fand ich sehr schade, denn so habe ich einfach keinen Sinn mehr darin gesehen weiter zu lesen. Es hat mich schlichtweg einfach nicht mehr interessiert, was aus Leila und Tess geworden ist und wie ihre Geschichte endet.

Ich habe das Buch nach 170 Seiten abgebrochen. Die Grundthematik ist durchaus interessant und auch die Idee hinter der Geschichte gut erdacht, aber die Umsetzung konnte mich leider gar nicht einfangen.
Sorry, Suse. Vielen Dank trotzdem für die Leihgabe.

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Deutsche Ausgabe ~ Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Cover Donna of the Dead Englisch

Eigentlich sollte es ein ganz entspannter Urlaub werden: Gerade noch hat die 16-jährige Donna mit ihrem Vater und ihrem besten Freund Deke auf einem Kreuzschiff die Sonne Floridas genossen und im nächsten Moment ist die Welt dabei unterzugehen. Wie aus dem Nichts ist plötzlich ein Virus aufgetaucht, das sich rasend schnell und auf der ganzen Welt verbreitet. Doch die Infizierten werden nicht einfach nur krank. Sie verlieren jegliche Kontrolle über sich selbst...und entwickeln einen unstillbaren Appetit auf menschliches Fleisch.
Donna und Deke können sich gerade noch von dem Kreuzfahrtschiff retten, das mittlerweile von diesen zombieartigen Infizierten überrannt wurde, werden dabei aber von Donnas Vater und Dekes Großmutter getrennt. Die beiden haben keine Ahnung, was sie nun tun sollen, finden dann aber Unterschlupf im unwahrscheinlichsten Ort von allen: Ihrer High School. Dort haben sich einige der Schüler verschanzt, um auf Hilfe zu warten. Und einer davon ist ausgerechnet Liam, der Junge für den Donna schon seit Jahren schwärmt. Es gibt niemandem, mit dem sie der Apokalypse lieber entgegen treten würde - vor allem da er ihr jetzt endlich Beachtung schenkt.
Eigentlich möchte Donna aber nichts anderes, als wieder mit ihren Vater vereint zu sein. Also schmieden sie und Deke einen Plan, der eventuell ihre ganze Gruppe retten könnte. Doch die Zombies haben nicht vor, es ihnen einfach zu machen. Außerdem beginnt Deke, sich immer merkwürdiger Donna gegenüber zu benehmen. All das macht ihrer Flucht alles andere als einfach. Und dann wären da auch noch die Stimmen, die Donna immer wieder in ihrem Kopf hört...

Donna of the Dead von Alison Kemper ist wirklich kein typischer Zombie-Roman. Klar, es gibt den üblichen Virus, jede Menge blutrünstige Zombies und einige ziemlich eklige Szenen. Aber trotzdem ist dieses Buch kein klassischer Schocker. Dafür ist der Humor nämlich viel zu groß geschrieben. Es gibt eine Menge wirklich lustiger und skurriler Augenblicke, mit denen Alison Kemper die Geschichte immer wieder auflockert - und das meist in den unerwartetsten Momenten.
Dafür sind in erster Linie die sympathischen Charaktere dieser Geschichte verantwortlich. Donna, Deke und ihre Freunde sind eine bunt gemischte Gruppe, mit der es nie langweilig wird. Sie haben alle Hände voll damit zu tun, ihre Schule zu verteidigen und kommen dabei auf die cleversten Einfälle. Glücklicherweise sind nämlich gleich mehrere der Schüler Wissenschafts-Nerds. Es ist ziemlich amüsant mit anzusehen, wie die "Loser" den ehemals so beliebten Leitfiguren der Schule immer wieder den Hintern retten.
Wie gesagt sorgen die Zombies immer wieder für einige ziemlich gruselige, eklige und vor allem spannende Szenen. Besonders interessant sind aber die merkwürdigen Dinge, die sich hinter ihren Reihen abspielen und von denen Donna und ihre Freunde erst nach und nach erfahren. Denn nicht alle Zombies sind so hirn- und planlos, wie die Überlebenden am Anfang gedacht haben...

Leider gibt es aber auch ein paar Dinge an Donna of the Dead, die mir gehörig auf die Nerven gingen. Leider liegt das ausgerechnet an der Titelheldin. Denn auch wenn Donna clever und frech ist und durchaus ihre Vorzüge hat (besonders das Mysterium um die Stimmen in ihrem Kopf, die sie immer wieder vor schlimmen Dingen warnen, ist besonders interessant), kann sie doch auch extrem anstrengend sein. Vor allem wenn es um ihre Fixierung auf Liam geht. Sie lebt in einer von Zombies überlaufenen Welt, ist von ihrem Vater getrennt, ihre beste Freundin ist verschwunden und trotzdem denkt sie nur daran, dass Liam sie endlich beachtet. Außerdem ist sie manchmal ein ziemlicher Feigling. Fairerweise muss man aber sagen, dass genau das später thematisiert wird. Trotzdem ändert das nichts daran, dass ich jedes mal wieder genervt war, wenn Donna vor Schreck erstarrt und damit sich und andere in Gefahr bringt.
All das könnte ich ihr aber noch verzeihen - nicht aber, wie sie mit Deke umspringt. Von Anfang an war ihr leicht nerdiger bester Freund mein Liebling in dieser Geschichte. Er ist witzig, smart, loyal und würde alles für Donna tun und zum Lohn behandelt sie ihn sehr oft wie ein lästiges Übel. Gerade wenn es um Liam geht, übergeht Donna Deke sehr oft. Überhaupt muss ich sagen, dass mir die Romantik in diesem Buch nur bedingt gefallen hat. Zwar entwickelt sie sich in eine gute Richtung, endet mir dann aber doch zu abrupt.

Lesenswert ist Donna of the Dead von Alison Kemper aber dennoch. Es ist ebenso lustig, wie gruselig und ist daher vielleicht auch für Leser geeignet, die sonst nicht so auf Zombies stehen.
Bisher gilt Donna of the Dead als einzeln stehendes Buch und kann auch als solches gelesen werden. Doch es gibt noch jede Menge Details und offene Fragen, die eine Fortsetzung absolut rechtfertigen würden. Trotz meiner Probleme mit der Protagonistin, würde ich auch die definitiv lesen.

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Brute

09.03.2014
EmpfehlungEmpfehlung
Cover Brute englisch

Brute ist riesig (7 Fuß = 2,13 m), hässlich und eine Waise. Sein Vater wurde, als er noch ein kleiner Junge war, wegen Diebstahl hingerichtet und seine Mutter, eine ehemalige Hure, hat sich danach umgebracht. Sein Onkel hat Brute nur wiederwillig aufgenommen, ihn regelmäßig verprügelt und nie zur Schule gehen lassen. Die Leute in seinem kleinen Dorf halten Brute für dumm und gewaltbereit. Er ist weder das eine noch das andere. Selbst wenn er der Packesel des Dorfes ist und meist nichts als Steine schleppt, ist Brute kein bisschen dumm, sondern ein nachdenklicher, introvertierter junger Mann. Außerdem würde Brute ohne triftigen Grund, nicht mal einer Fliege was zuleide tun.
Als in der Nähe des Dorfes eine Brücke über ein Flusstal gebaut und einer der königlichen Prinzen Tellomers den Fortschritt begutachten kommt, fällt dieser in die Schlucht. Brute ist als einziger wagemutig genug, Prinz Alfrid hinterher zu klettern und rettet ihm so das Leben. Er wird dabei aber selbst schwer verletzt und kann seine Arbeit nicht mehr ausführen. Der Prinz will Brute für seinen Einsatz belohnen, doch etwas anderes als einen neuen Job will Brute als Belohnung nicht annehmen. Und so wird er von Prinz Alfrid in den Palast eingeladen und bekommt dort einen neuen Job zugeteilt. Brute wird Wächter, Betreuer und Kerkermeister des blinden, seherischen Magiers Gray. Und auch Gray ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint...

Brute ist mein erstes Buch von Kim Fielding gewesen, aber ganz bestimmt nicht mein letztes. Brutes Geschichte ist ein Juwel. Das liegt besonders an Brute, einem der liebenswertesten Hauptcharaktere, denen ich je begegnet bin. Dieser Riese von einem Menschen hat eine Seele aus Gold. Und das, obwohl ihm schon seit langer Zeit niemand mehr mit Liebe oder Respekt begegnet ist. Kein Wunder also, dass Brute selbst glaubt, wenig Wert zu sein und all das Schlechte, dass ihm passiert ist, als gegeben hinnimmt. Brute nimmt das Leben so, wie es kommt. Erst durch seine Erlebnisse im Palast, bei denen er mehr als nur einen Freund gewinnt, wird ihm klar, dass man sein Schicksal manchmal auch selbst in die Hand nehmen muss.

Wenn man dann erlebt, wie Brute mit Gray umgeht und im Vergleich dazu erfährt, wie andere mit dem Magier umgegangen sind, muss man sich einfach in Brute verlieben. Dass jemand, einem als Verräter gebrantmarkten mit Mitgefühl begegnet ist das eine. Dass Brute aber auch die Toleranz besitzt, ihn nicht einfach von vorneherein zu verurteilen, fand ich bemerkenswert. Besonders, wenn man Brutes Vergangenheit berücksichtigt und erkannt hat, dass fast niemand in diesem Fantasyreich überhaupt mit Toleranz gesegnet ist.
Brute erkennt schnell, dass Grays Gabe ein schlimmerer Fluch ist, als die Ketten, die ihn im Kerker festhalten. Und so ist es kein Wunder, dass er neugierig wird und den Menschen hinter dem zerstörten Äußeren kennenlernen möchte. Brute und Gray lernen sich tatsächlich kennen, sie werden Freunde und verlieben sich ineinander. Und weil es so wunderschön ist, hier ein paar Sätze von Gray an Brute:

Don't tell you my heart beats for you? Don't tell you my soul sings for you? Don't tell you that you're hope to me, life to me, the center of my fucking universe?
Übersetzung: Ich soll dir nicht sagen, dass mein Herz für dich schlägt? Dir nicht sagen, dass meine Seele für dich singt? Dir nicht sagen, dass du meine Hoffnung bist, mein Leben und das Zentrum meines verdammten Universums?

Und ja, gerade weil Gray am Ende seiner Liebeserklärung flucht, fand ich sie besonders gelungen. Denn Grays Leben ist kaum ein Leben, es ist ein im Elend dahinvegetieren. Erst Brute macht ihn wieder lebendig. Lange Zeit fragt man sich, wie die Geschichte eines Gefängniswächters und seines Gefangen jemals gut ausgehen kann, doch tatsächlich findet Kim Fielding hier einen gelungenen und nachvollziehbaren Weg. Man erlebt Brute komplett aus Brutes Erzählperspektive, dennoch schafft es die Autorin, einem auch Gray oder Brutes Freunde im Palast, etwa Alys oder Warin, oder die übrigen Personen nahe zu bringen. Die Frau hat wirklich ein Händchen dafür, lebendige Charaktere zu erschaffen. Auch die Fantasywelt von Tellomer hat mir gut gefallen. Der Fokus liegt ganz sicher auf den Charakteren und den Dialogen, dennoch bietet die Welt mit ihrer Härte und ihrer Magie die Basis der Geschichte.

Fazit: Eine wunderbare Geschichte zweier verlorener Persönlichkeiten. Insbesondere Brute ist ein fantastischer Charakter. Ohne Selbstmitleid zieht er durch sein Leben und ist freundlich und höflich, selbst wenn niemand es zu ihm ist. Gray ist auf seine Art ebenso wunderbar und liebenswert. Die zwei ein Paar werden zu sehen, war wie Balsam auf der Seele. Brute ist eine Geschichte über Toleranz und ein absolut lesenswertes Buch. Das nächste Werk von Kim Fielding habe ich schon gekauft.

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

« Zurück | Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 | Weiter »