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Cover The History of Us Englisch

Bradley weiß, dass es für viele Jugendliche eine ziemliche schwierige Situation ist, wenn sie sich outen. Er weiß auch, dass er selbst ziemliches Glück hatte, als er seiner Mutter und seinen Feunden schließlich gesagt hat, dass er schwul ist. Denn sie haben es allesamt eigentlich ziemlich gut aufgenommen. Klar, es gibt immer mal wieder ein paar Situationen, in denen es ein bisschen merkwürdig mit seinen Freunden ist, besonders, wenn sie mal wieder Mädchen aufreißen gehen. Es würde sicher auch unangenehm werden, wenn Brad einen Freund hätte, aber nachdem er sich noch nie in jemanden verliebt hat und noch nicht mal auch nur einen anderen Schwulen kennt, stehen die Chance eh nicht gut, dass das in nächster Zeit passieren wird.
Doch dann lernt Bradley zufällig TJ kennen. TJ hat sich schon lange öffentlich geoutet und ist stolz darauf, wer er ist. Er arbeitet gerade an einer Dokumentation für seinen Filmkurs und plant dafür einen Road Trip nach New York mit mehreren Stops, um Material für seinen Film zu sammeln.
Insgeheim wünscht sich Brad, mehr wie TJ zu sein, denn selbst wenn er sich offiziell nicht mehr versteckt, so lebt er doch irgendwie auch nicht richtig. Kurzerhand beschließt er, TJ auf seiner Reise zu begleiten. Und dort lernt er mehr über sich selber und das Leben, als er jemals erwartet hatte...

The History of Us von Nyrae Dawn ist wirklich eine ganz wunderbare Geschichte. Als wir Bradley kennenlernen hat er sich zwar wie gesagt längst geoutet, doch seitdem hat sich in seinem Leben nichts verändert. Er hat zu große Angst, den Status Quo, in dem alles soweit in Ordnung ist, zu verändern, selbst wenn das bedeutet, dass er irgendwie nicht richtig glücklich ist. Erst als er mit TJ den ersten Menschen begegnet, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, wie er, beginnt Bradley zu erkennen, dass er bisher vielleicht etwas verpasst hat. TJ scheint alle Antworten zu haben, die Bradley sucht und durch ihn und all die Menschen, die ihnen auf dem Road Trip begegnen, beginnt sich Brads Sicht auf die Welt langsam aber sicher zu verändern.
Denn das ist das eigentlich Fantastische an The History of Us, die Menschen, denen Brad und TJ begegnen. TJs Doku erzählt die Geschichte von verschiedenen Homosexuellen, die in völlig unterschiedlichen Verhältnissen und Situationen leben. Manche sind out and proud, andere verstecken panisch ihr wahres Ich und wieder andere mussten dramatische Verluste verkraften. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie haben eine Geschichte zu erzählen. An jedem einzelnen Stop, den Brad und TJ machen, lernen die beiden jungen Männer etwas Neues und vor allem Brad wird klar, wie unwichtig viele der Sorgen sind, die ihn bisher in seinem Leben zurück gehalten haben.
Nyrae Dawn nimmt sich einiger sehr ernster Themen in The History of Us an. Nicht nur das Outing an sich wird thematisiert, auch die Folgen. Es geht um Kinder, die rausgeworfen werden und auf der Staße leben müssen; Menschen, die dank AIDS absolut alles verloren haben; Frauen, die sich rechtfertigen müssen, wieso sie Kinder haben wollen, nur weil sie andere Frauen lieben. The History of Us ist ein relativ kurzes Buch, doch Nyrae Dawn ist es gelungen unglaublich viele Emotionen in ihre Geschichte zu packen, ohne, dass sie gekünstelt oder aufgesetzt wirkten. Ich habe mit diesen Charakteren gelacht und geweint, mich zum nachdenken bringen lassen und auch mehr als einmal gehörig über die Menschheit an sich geärgert.
Doch im Grunde ist The History of Us die Geschichte von Bradley und seinem Weg zu sich selbst - und zu seiner ersten Liebe. Ich mochte Brad und TJ wirklich unheimlich gern und auch wenn beide alles andere als perfekt sind, war unterm Strich ihre Ehrlichkeit und ihre Bereitschaft für sich selbst und füreinander zu kämpfen trotzdem einfach bewundernswert.

Einziger Nachteil: The History of Us ist wirklich nicht besonders lang und dafür echt verdammt teuer. Momentan liegt der Preis bei über 6 Euro für das E-Book und für 180 Seiten finde ich das schon recht happig.

Trotzdem war The History of Us von Nyrae Dawn es einfach wert. Es ist eine wundervolle Geschichte, nicht nur von zwei jungen Männern, die sich selbst finden, sondern ganz allgemein vom Leben, die mich bestimmt noch lange begleiten wird.

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Cover Amour Amour Englisch

Thoras einzige Liebe war schon immer der Zirkus - um genau zu sein die Atlethen und Akrobaten, die sich hoch in den Manegen durch die Luft schwingen und die unglaublichsten Kunststücke vollführen. Da sie selbst allerdings erst relativ spät mit dem Sport angefangen hat, hängt sie von jeher ein wenig hinterher. Sie ist ziemlich gut, aber der letzte Schliff fehlt ihr einfach noch.
Trotzdem kann sie ihren Traum nicht loslassen, irgendwann mal in einer der großen Shows mitzumachen. Deshalb zögert sich auch nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt für eine der Shows von Aerial Ethereal, einer der größten Akrobatik-Gruppen der Welt, vorzuturnen. Besonders, weil es nicht nur irgendeine Show ist - es ist Amour Amour, eine der erfolgreisten Aufführungen, die in Las Vegas laufen, die allerdings eine neue Besetzung braucht, nachdem die Hauptdarstellerin wegen einer Verletzung ausgeschieden ist.
Thora ist bereit alles zu riskieren, um diese Chance wahrzunehmen - ihren Collegeabschluss, ihre Freunde, sogar den Zorn ihrer Eltern. Alles. Doch gleich in ihrer ersten Nacht in Las Vegas scheint alles schief zu gehen. Denn der Mann, mit dem sie ein sehr ungewöhnliches Zusammentreffen hatte, das mit einem Piercing endete, stellt sich ausgerechnet als Nikolai Kotova heraus, dem Star von Amour Amour - und ihr potenzieller Partner, sollte sie die Rolle ergattern.
Es dauert nicht lange und Thora weiß nicht mehr wo er der Kopf steht, denn nicht nur zeigt Las Vegas ihr bald sein wahres Gesicht, sie muss sich auch klar darüber werden, was sie für ihren großen Traum wirklich aufgeben würde...

Amour Amour war das erste Buch, das ich von den Schwestern Krista Ritchie und Becca Ritchie gelesen habe - und wenn ihre anderen Bücher genauso gut sind, dann habe ich zwei neue Lieblingsautoren gefunden. Denn Amour Amour ist wirklich eine wunderbare Geschichte mit großartigen Charakteren und einer sehr ungewöhnlichen Stimmung. Thora ist die Ich-Erzählerin in diesem Buch und ich fand sie von Anfang an sehr sympathisch. Sie hat die Nase voll davon, sich ständig anhören zu müssen, sie sei nicht gut genug, um ihren Traum von einer großen Show umsetzen zu können. Also zwingt sie sich die ständigen Zweifel, die ihr von ihren Eltern und ihrem besten Freund eingeflöst werden, abzuschalten und reist alleine nach Las Vegas. Man merkt die ganze Zeit, wie weit außerhalb ihrer Wohlfühlzone Thora sich befindet, während sie versucht ihren eigenen Weg zu gehen, doch ich mochte sie nur umso lieber dafür, dass sie ihren Weg durchzieht - selbst wenn sie dabei Fehler macht.
Der erste Fehler scheint Nikolai zu sein. Ihre erste Begegnung war alles andere als professionell, aber sie sind eigentlich davon ausgegangen, sich nie wieder zu sehen. Doch statt Thora links liegen zu lassen oder ihr vielleicht sogar ihre Chance bei Amour Amour zu vermasseln, möchte Nikolai ihr helfen. Alleine dafür habe ich ihn sehr schnell ins Herz geschlossen. Doch es steckt viel mehr in ihm. Der Zirkus ist sein Leben und seine Familie - im wahrsten Sinne des Wortes, denn die ganze Familie Kotova gehört Aerial Ethereal an und die ist nicht gerade klein - und er würde alles für sie tun. Das musste er auch schon mehrfach beweisen. Nik ist zwar lange Zeit ein ziemlich mysteriöser Charakter gewesen, doch er blieb dabei sehr realistisch, was für mich ein wahnsinnig großer Pluspunkt ist. Er ist nicht der offenste Typ, aber er verheimlicht nichts einfach nur aus Jucks und Dollerei oder um die Spannung aufrecht zu erhalten.
Nik und Thora sind also sehr unterschiedlich, aber sie funktionieren einfach miteinander. Ich fand ihre aufkeimende Beziehung richtig schön und die Entwicklungen sehr natürlich. Die beiden Autorinnen zeigen zwar von Anfang an, dass da etwas ist zwischen den beiden, doch es dauert einige Zeit, bis sich ihre Beziehung vertieft. Doch die Geschichte lebt nicht nur von diesen beiden Figuren. Es gibt eine ganze Reihe an Nebencharakteren, die der Geschichte frischen Wind einhauchen, allen voran Nikolais Geschwister. Die Familienbande der Kotovas ist wirklich etwas Besonderes und jedes Mitglied hat eine ganz eigene Geschichte. Vor allem Niks "kleiner" Bruder Timo hat es mir dabei angetan. Über ihn und seine Eskapaden hätte ich stundenlang lesen können.
Natürlich spielen aber auch Las Vegas und die Show eine große Rolle. Es ist wie gesagt Thoras Traum, doch der könnte sie ganz schnell zum Albtraum wenden, denn Vegas ist keine Stadt, die es einem einfach macht. Thora lernt ganz schnell die Schattenseiten dieser Welt kennen und wird mehr als einmal vor schwierige Entscheidungen gestellt. Auch hier hat es mir sehr gut gefallen, wie realistisch Krista Ritchie und Becca Ritchie diese Entwicklungen gehandhabt haben.

Eigentlich gibt es nur sehr wenig, dass ich an Amour Amour bekritteln könnte und das sind zum Großteil wirklich nur ganz isolierte Kleinigkeiten. Z.B. wird der Umgang mit Piercings und Tattoos hier behandelt wie ein simpler Gang zum Kiosk um die Ecke. Das war einer der wenigen Punkte, wo mir der Realismus gefehlt hat. Außerdem hätte ich sehr gerne mehr von Elena gehört, die schließlich Thoras größte Konkurrentin war, von der man aber nur sehr wenig gesehen hat.
Auch manche der Sexszenen haben mir nicht so gut gefallen. Thora und Nik sind körperlich alles andere als ebenbürtig was die Größe angeht und das bringt ein paar Schwierigkeiten mit sich. Prinzipiell fand ich es ganz erfrischend, das auch mal solche Sachen eingebaut werden, allerdings wurde es etwas zu oft erwähnt und hat manchmal die Stimmung ein bisschen kaputt gemacht.

Trotzdem fand ich Amour Amour von Krista Ritchie und Becca Ritchie richtig gut und ich hätte noch ewig über Thora und die Kotovas lesen können. Zum Glück haben die Schwestern aber vorgesorgt, denn bald erscheint Infini (keine Rezension), das von Niks jüngerem Bruder Luka handeln wird. Definitiv ein Must Read für mich.

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Cover Crossing Borders Englisch

Als seine Freundin Viper über ihren Bruder mit ihr Schluss macht und ihn das Ganze ziemlich kalt lässt, muss sich der 19-jährige Tristan wohl endlich der Wahrheit stellen: Er ist schwul. Wieso sonst fand er Vipers Bruder in den fünf Sekunden, in denen er ihn gesehen hat, attraktiver, als seine Ex-Freundin in der ganzen Zeit, in der sie zusammen waren? Also muss Tristan etwas in seinem Leben ändern und beginnt auch prompt seinen Plan in die Tat umzusetzen.
Eigentlich wollte er nichts anderes, als ein paar Erfahrungen zu sammeln und sich langsam aber sicher an die ganze Sache mit der Homosexualität heranzutasten. Doch es kommt natürlich ganz anders, als geplant, denn anstatt einer anonymen Affäre mit einem Fremden, rennt er dem letzten Mann in die Arme, den er gerade sehen will: Michael Truax aka Officer Helmet, dem Polizisten, der Tristan vor Jahren seinen ersten Strafzettel wegen Skateboardens ohne Helm verpasst hat. Doch Tristan muss zugeben, dass er Michael ohne seine Uniform plötzlich mit ganz anderen Augen sieht. Vielleicht ist der Cop genau das, was Tristan für seinen ersten Ausflug zum anderen Ufer braucht...

Michael dagegen hat in Crossing Borders von Z.A. Maxfield schon eine ganze Weile ein Auge auf den hübschen Jungen mit den feuerroten Haaren und dem Hang zur Gefahr geworfen. Im ersten Moment klingt das vielleicht so, als wäre Michael ein älterer Mann, der jungem Frischfleisch hinterher geifert, doch das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Klar, Michael ist älter, aber ihn und Tristan trennen gerade mal 8 Jahre. Außerdem ist Michael ein durch und durch guter Kerl. Er hat sich ernsthaft in Tristan verliebt, hatte aber niemals daran gedacht, dass der sich für Männer interessieren könnte. Schließlich hat er ihn in den letzten Jahren mit so ziemlich jedem Mädchen der Stadt gesehen. Deshalb kann Michael sein Glück kaum fassen, als Tristan offensichtlich versucht einen Kerl aufzureissen.
Michael und Tristan sind wirklich zwei wunderbar sympathische Charaktere, die allerdings nicht unterschiedlicher sein könnten. Es hat großen Spaß gemacht, den beiden dabei zuzusehen, wie sie sich durch diese unvertrauten Gewässer zu navigieren versuchen. Vor allem Tristan macht natürlich einige Entdeckungen über sich selbst und einige seiner Vorlieben, an die er vorher noch nie gedacht hat. Außerdem muss er sich darüber klar werden, ob und wie er sich outen soll. Schließlich ist Michael nicht der Einzige, der nie im Leben damit gerechnet hat, dass Tristan irgendetwas anderes als hetero sein könnte.
Michael ist natürlich in seiner Entwicklung ein paar Schritte weiter und will alles von Tristan - inlusive einer Zukunft. Und das bringt einige Probleme mit sich, denn es bleibt fraglich, ob Tristan wirklich schon soweit ist, eine dermaßen ernste Beziehung einzugehen. Z.A. Maxfield hat hier ein paar sehr gute Details ausgearbeitet, die dieses Paar erst einmal überwinden muss, was der Geschichte zumindest in mancher Hinsicht einen realistischen Touch verpasst hat.

Es gibt allerdings ein paar Dinge, die Crossing Borders etwas schwierig gemacht haben. Z.B. ist Z.A. Maxfields Schreibstil sicher nicht jedermanns Sache. Zwar ist er sehr flüssig und clever und vor allem in Tristans Fall einfach urkomisch. Tristan hat wirklich seinen eigenen Charme, den ich sehr gerne mochte. Aber manchmal haben sich die Geschehnisse und Dialoge etwas merkwürdig entwickelt und manche Reaktionen waren nicht wirklich realistisch, was der etwas zu verspielte Schreibstil hin und wieder nur noch verwirrender gemacht hat.
Außerdem war es öfter mal einfach zu kitschig. Tristan und Michael gestehen sich sehr früh ihre Liebe, was in Michaels Fall ja vielleicht noch okay ist, in Tristans aber etwas arg verfrüht gewirkt hat. Sie werden es auch nie müde es sich bei jeder Gelegenheit zu sagen, wie sehr sie sich lieben. Es war einfach zu oft zu dick aufgetragen. Auch wenn ich es immer sehr romantisch mag, ist weniger halt manchmal doch mehr.

Trotzdem ist Crossing Borders von Z.A. Maxfield ein wirklich niedliches Buch, das ich gern gelesen habe, auch wenn es hauptsächlich an den knuffigen und und extrem sympathischen Hauptcharakteren lag. Tristan und Michael muss man einfach lieben und allein wegen diesen beiden hat sich das Buch gelohnt.

Crossing Borders ist bereits vor einigen Jahren erschienen, wird aber am 4. August 2015 neuaufgelegt und ab dann auch wieder als E-Book erhältlich.

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Cover Archer's Voice Englisch

Als Bree Prescott in das kleine verschlafene Örtchen Pelion in Maine zieht, möchte sie nichts anderes, als ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Sie hat vor mehreren Monaten bei einem Verbrechen ihren Vater verloren und braucht nun ganz dringend einen Neuanfang. Welcher Ort würde sich da besser eignen, als der, an dem ihre Familie das letzte Mal wirklich glücklich war?
Pelion heißt Bree mit offenen Armen herzlich Willkommen. Die Leute sind freundlich, ihr kleines Häuschen am See wunderschön und sie findet auch schnell einen Job im örtlichen Diner. Doch besonders eine Person hat es Bree angetan: Archer Hale, der stumme Außenseiter der Stadt, der von fast allen einfach nur ignoriert wird.
Die meisten Bewohner von Pelion wissen, dass Archer bei einem Unfall nicht nur seine Eltern verloren hat, sondern auch seine Stimme. Was allerdings niemand ahnt, sind die genauen Umstände dieses Unglücks. Archer hat auch eigentlich nicht vor, jemals etwas daran zu ändern. Die Erinnerungen an diesen Tag sind zu schmerzhaft und er ist einfach nur froh, wenn die Leute ihn in Ruhe lassen und er weitgehend unter dem Radar fliegen kann.
Doch dann poltert Bree wie ein frischer Wind in sein Leben. Die junge Frau lässt sich von Archers kühler Art nicht abwimmeln und bald schon kann er gar nicht mehr anders, als sich ihr zu öffnen.
Archers Leben ist allerdings alles andere als einfach, und nicht jeder gönnt ihm das bisschen Glück, das er vielleicht mit Bree finden könnte...

Als ich auf Goodreads über Archer's Voice / Die geheime Sprache der Liebe von Mia Sheridan gestolpert bin und die vielen guten Bewertungen gesehen habe (über 4,5/5 Sterne bei mehr als 35 000 Bewertungen), war ich natürlich gleich sehr neugierig. Und es war auch ein wirklich gutes Buch, dennoch waren meine Erwartungen am Ende wohl doch etwas zu hoch.
Die erste Hälfte von Archer's Voice / Die geheime Sprache der Liebe war allerdings wirklich sehr schön. Bree kommt in Pelion an und wir begleiten sie dabei, wie sie es langsam aber sicher zu ihrer Heimat macht. Die Geschichte entwickelt sich sachte und gemächlich, wurde dabei aber nie langweilig. Zum einen lag das natürlich an den vielen neuen Eindrücken, die Bree sammelt, zum anderen aber auch an den Rückblenden, die wir zu lesen bekommen. Sowohl über Bree, als auch über Archer sehen wir sehr früh ein paar Einblicke in die Momente, in denen sich ihre Leben für immer verändert haben. Ein komplettes Bild können wir uns allerdings erst viel später machen, aber man bekommt als Leser dennoch früh einen Eindruck, was die beiden Schreckliches durchmachen mussten.
Als Archer und Bree sich schließlich kennenlernen, entwickelt sich auch ihre Beziehung ganz behutsam. Bree fühlt sich sofort zu Archer hingezogen, kann aber nicht wirklich beurteilen, woran das liegt. Zumindest zum Teil ist es sicher Mitgefühl, denn es wird sehr schnell klar, dass die ganze Stadt Archer schon lange abgeschrieben hat - und das, obwohl sie von seiner tragischen Vergangenheit wissen. Doch statt sich ihm anzunehmen, ignorieren sie ihn. Die meisten denken sogar, er wäre einfältig und hätte durch den Unfall einen geistigen Schaden davon getragen. Doch Bree blickt hinter Archers Fassade und lernt dadurch bald einen hochintelligenten, einfühlsamen, aber auch vollkommen unerfahrenen jungen Mann kennen. Archer hat sein Leben sehr abgeschottet und einsam verbracht und ist in mancher Hinsicht wirklich noch sehr naiv. Mir hat es sehr gut gefallen, wie viel Zeit sich Mia Sheridan gelassen hat, bis es Bree gelingt, zu Archer durchzudringen und ihm die Welt zu zeigen, was ihre Beziehung wirklich realistisch und dadurch nur umso schöner wirken ließ.

Cover Die geheime Sprache der Liebe Deutsch

Allerdings gibt es auch ein paar Dinge, mit denen ich mich in Archer's Voice / Die geheime Sprache der Liebe nicht so recht anfreunden konnte. Da wäre z. B. die Tatsache, dass Bree fast schon zu perfekt ist. Sie ist gebildet, schön, ehrlich, liebenswert und jeder, dem sie begegnet, schließt sie sofort ins Herz. Natürlich ist auch sofort jeder Mann an ihr interessiert. Es war ein bisschen wie mit Bella Swan - das neue Mädchen in der Stadt, dass ach so durchschnittlich ist und trotzdem liegt ihr jeder zu Füßen, weil sie im Grunde doch perfekt ist. Irgendwann hat mich Brees Gutmenschlichkeit einfach gelangweilt. Ich mag es, wenn Charaktere Ecken und Kanten haben, doch die sucht man bei Bree vergeblich.
Ebenfalls ein wenig übertrieben sind einige der Machenschaften der Bösewichte. Diese grenzen fast Soziopathie und hätten definitiv Schlimmeres verdient, als das was ihnen am Ende zustößt. Außerdem ist die Handlung recht vorhersehbar. Die "großen Wendungen" habe ich eigentlich alle kommen sehen und war somit eigentlich nie wirklich überrascht. Vor allem nicht vom großen Finale, mit dem man eigentlich ab der Mitte des Buches schon gerechnet hat.

Ein schönes Buch bleibt Archer's Voice / Die geheime Sprache der Liebe von Mia Sheridan aber dennoch. Es ist gut geschrieben, hat zumindest mit Archer und einigen der Nebencharakteren sehr spannende Figuren und ist wunderbar romantisch. Für Freunde von Liebesromanen also definitiv zu empfehlen.

Die deutsche Ausgabe erscheint voraussichtlich am 1. Februar 2016.

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Cover Racing The Sun Englisch

Als Amber vor Monaten ihre Heimat Kalifornien verlassen hat, um die Welt zu reisen, wollte sie diese Zeit eigentlich nutzen, um sich selbst zu finden. Sie war in Neuseeland, Australien, Asien und hat mittlerweile auch fast ganz Europa gesehen. Und tatsächlich hat die einst eher schüchterne Amber positive Veränderungen an sich entdeckt. Zumindest ein paar.
Doch im Grunde weiß sie immer noch nicht so richtig, was sie vom Leben eigentlich will. Nur eines ist gewiss: Sie will nicht wie ihre Eltern enden, in einer Zweckehe und einem sicheren Job, nur um hinterher sagen zu können, dass sie "Erwachsen geworden" ist. Sie kann nicht zurück in ihr altes Leben. Allerdings steht Amber nun vor einem großen Problem, denn langsam aber sicher hat sie kein Geld mehr. All ihr Erspartes ist für ihre Reisen drauf gegangen und von ihren Eltern kann sie auch nicht mehr auf Unterstützung hoffen, denn die halten es für höchste Zeit, dass ihre Tochter nach Hause kommt. Selbst wenn sie wollte, momentan könnte sie sich nicht mal ein Flugticket nach Hause leisten.
So oder so, Amber braucht einen Job - und der findet sich auch schneller als gedacht. In einem Anwesen auf Capri wird eine Englischlehrerin für ein 7-jähriges Zwillingspaar gesucht. Amber hat zwar noch nie unterrichtet und mit Kindern hat sie auch keine Erfahrung, aber wie schwer kann es schon sein?
Als sie allerdings in der Villa dei Limoni Tristi (Villa der traurigen Zitronen) ankommt, muss sie feststellen, dass der Name dem Haus alle Ehre macht. Eine Tragödie hat die Familie vor zwei Jahren auseinandergerissen und ist an keinem der Bewohner spurlos vorbeigegangen. Die Zwillinge sind launisch und machen Amber das Leben schwer wo sie nur können und die einzige andere Angestellte ist eine grantige und wortkarge Haushälterin. Das wirkliche Mysterium ist aber der große Bruder der Zwillinge und Herr des Hauses, Desiderio Larosa. Er mag vielleicht aussehen, wie ein Supermodel, hat aber die Sozialkompetenz eines Steins und Amber gerät regelmäßig mit ihm aneinander. Doch je mehr sie über die traurige Geschichte der Familie erfährt, umso mehr möchte sie den Geschwistern helfen, vor allem dem jungen, gebrochenen Mann, den sie schon bald hinter Derios kühler und rauer Fassade durchschimmern sieht...

Wer Karina Halles Buch Where Sea Meets Sky gelesen hat, dem dürfte Amber MacLean bereits ein Begriff sein. Dort haben wir sie mit Josh und Gemma durch Neuseeland reisen sehen. Mit Racing the Sun widmet sich die Autorin nun Ambers eigener Geschichte.
Als Amber ihre neue Stelle als Englischlehrerin antritt, sieht sie es zunächst nur als Mittel zum Zweck. Sie braucht Geld und auch wenn der Job nicht übermäßig gut bezahlt ist, ist es zumindest ein guter Anfang. Doch es dauert nicht lange, bis sie mitten in diese dysfunktionale Familie gesogen wird - und dann ist sie mit Herz und Seele bei der Sache. Nicht zuletzt deswegen mochte ich Amber sehr gern. Sie ist ehrlich bemüht den Geschwistern zu helfen. Die sind allerdings erstmal noch ein bisschen widerspenstig - die Kinder machen es ihr alles andere als einfach und sie ist sich ziemlich sicher, dass ihr Boss Derio sie nicht sonderlich leiden kann. Doch ganz langsam aber sicher, fallen die Mauern, die alle Beteiligten um sich herum aufgebaut haben. Das ist allerdings erst der Anfang, denn die Probleme dieser jungen Familie reichen tief.
Doch auch sie mochte ich sehr gern. Die Zwillinge sind zwar in der Tat ein wenig schwierig, allerdings kann man ihnen das leicht verzeihen, wenn man bedenkt, was sie durchmachen. Es gibt mehr als eine Szene, in der man die beiden einfach nur drücken möchte. Es ist kein Wunder, dass es Amber, die bis dahin nicht gerade für ihre Mutterinstinkte bekannt war, da recht ähnlich ging. Doch der wirklich interessante Charakter ist natürlich Desiderio. Der frühere Motorradrennfahrer verbringt die meiste Zeit eingeschlossen in seinem Arbeitszimmer und Amber hat keine Ahnung, was er da tut. Trotzdem hat es auch bei Derio nicht lange gedauert, bis auch er mir sehr sympathisch wurde, was mich natürlich nur noch neugieriger über ihn gemacht hat. Die Romantik wird natürlich ganz groß geschrieben, auch wenn sich die Autorin viel Zeit lässt, bis sich wirklich etwas tut zwischen ihren beiden Protagonisten.
Wie immer steht aber auch das Reisen bei Karina Halle sehr im Vordergrund. Italien und vor allem Capri hat die Autorin ausführlich bereist (hier gibt es sogar einen Reiseblog dazu) und die Landschaft und Stimmung in ihrem Buch wirklich wunderbar eingefangen. Natürlich klappert sie auch ein paar der typischen Klischees über Italien/Italiener ab, die sich ihrer Erfahrung nach bestätigt haben oder eben nicht, und hat mich damit immer wieder zum Lachen gebracht. Außerdem musste ich ständig die ganzen wunderschönen Orte googlen, die Amber besucht, und muss sagen, dass Karina Halle ganze Arbeit geleistet hat, diese zum Leben zu erwecken.

Es gibt eigentlich nur zwei Punkte, an denen ich nicht ganz zufrieden mit Racing the Sun war, und das hatte beides mit einer etwas zu schnellen Entwicklung zu tun. Zum einen ist Derios Wandel, nachdem Amber endlich zum ihm durchdringen konnte, für mich ein wenig zu komplett gewesen. Er war fast wie ein anderer Mensch, was zwar sehr schön zu sehen, aber vielleicht ein wenig zu einfach gelöst war. Ein wenig mehr Konflikt bzw. ein langsamerer Wandel wäre hier vielleicht etwas realistischer gewesen.
Die zweite Stelle ist ähnlich, aber wesentlich später in der Geschichte, weswegen ich dazu eigentlich nicht viel sagen will. Allerdings betraf es in dem Fall Amber, deren Gemütszustand sich an dieser Stelle für mein Gefühl etwas zu schnell und nicht ihrem Charakter getreu geändert hat.

Doch all das konnte ich problemlos verzeihen, denn unterm Strich ist Racing the Sun von Karina Halle eine wirklich schöne Geschichte über zweite Chancen und Neuanfänge. Vor der wunderschönen Kulisse Capris hat die Autorin eine romantische, witzige und manchmal leichte, manchmal traurige Geschichte geschaffen, die ein perfektes Buch für den Sommer abgibt.

Racing the Sun erscheint am 28. Juli 2015.

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