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13.

Jul 2012

~nia

Mondscheintarif

Cora Hübsch ist 33, Single und wartet auf den Anruf eines Mannes. Nicht irgendeines Mannes, sondern auf den Anruf von Daniel - seines Zeichens Arzt und sehr gutaussehend. Besonders an ihm ist zudem, dass sein Humor und sein Weltbild so ziemlich auf einer Wellenlänge mit Coras liegen. Das Problem ist nur, seit ihrer letzten sehr besonderen Verabredung hat Cora nichts mehr von Daniel gehört. Wenn er sich heute nicht meldet, wird er das wohl gar nicht mehr tun. Meint jedenfalls ihr guter Kumpel Big Jim, der Cora zusammen mit zwei Freunden genau dargelegt hat, wann und wie lange Männer brauchen, um sich bei einer Frau, an der sie interessiert sind, auch zu melden.

Cora sitzt also Zuhause und versucht, dort das beste aus der Wartezeit vor dem Telefon zu machen. Dabei schwankt sie zwischen Optimismus und Wortwitz, Pessimismus und absurden Verzweiflungstaten. Mehr oder weniger minutiös Erzählt Ildikó von Kürthy in Mondscheintarif, was Cora so treibt, was sie denkt und wie sie Daniel überhaupt kennen gelernt hat.
Obwohl man Cora nur etwa sieben Stunden ihres Lebens begleitet, lernt man sie als Leser recht gut kennen. Ildikó von Kürthy schafft es, sie bildlich und stimmgewaltig in Szene zu setzen. Allerdings wird dabei mehr als nur ein Klischee bedient. Beispielsweise fühlt Cora sich so gut wie immer zu dick und ist trotz häufigen Fitnessstudiobesuchen nie so schlank wie sie es gerne wäre, weil sie einfach zu gerne ist - vermutlich trifft alleine diese Beschreibung auf gut die Hälfte aller weiblichen Wesen zwischen 15 und 75 zu. Außerdem steht sie auf Männer mit tollen Autos, liest lieber Frauenzeitschriften als Bücher, liebt es in Kosmetikprodukte zu kaufen und anzuwenden und wünscht sich, trotz ihres gutbezahlten Jobs klammheimlich lieber einen tollen Mann und 'Versorger'. Diese vielen Klischees haben es mir - trotz des Humors, in den sie verpackt sind - anfangs sehr schwer gemacht, der Geschichte und Cora etwas abzugewinnen. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und irgendwann kam mir Mondscheintarif dann selbst wie eine buchgewordene Frauenzeitschrift vor: humorvoll, nett und unterhaltsam, aber zu viel Geist darf man nicht erwarten.

Mit der Zeit hat mir Mondscheintarif doch noch besser gefallen, weil es ein einziges Déjà-vu-Erlebnis war. Nebenbei werden in diesem Buch, das 1999 erschienen ist, viele Dinge erwähnt, die eben Ende der 90er Jahre 'in' waren beziehungweise die zum Leben einfach dazugehört haben: etwa die Fußballsendung ran, die Nachmittagstalkshows mit Moderatoren wie Arabella Kiesbauer, Andreas Türk und Co. Oder der Beginn einer Soapschwemme, die heute längst nicht mehr so viele Menschen vor den Fernseher locken kann. Damals war das Gucken einer Wetten dass-Sendung noch keine Peinlichkeit und hat einem manchmal den Start in den Samstagabend geebnet...

Ich habe das Buch von der lieben Nanni von Fantasie und Träumerei geschenkt bekommen. Es war eines von 1 Millionen Büchern, die zum Welttag des Buches verschenkt wurden. Da ich Mondscheintarif noch nicht kannte und Ildikó von Kürthy mir eher als Kolumenschreiberin in Frauenzeitschriften ein Begriff ist, bin ich froh, jetzt doch mal ein Buch von ihr gelesen zu haben. Kaufen muss man dieses Buch nicht, aber wer es irgendwo im Regal stehen sieht und noch nicht kennt, kann ja mal einen Blick riskieren. Den ein oder anderen Lacher darf man erwarten.

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