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Cover Acros the Universe englisch

Eigentlich hätte Amy zusammen mit ihren Eltern 300 Jahre kryonisch eingefroren bleiben sollen. An Bord der Godspeed soll die Familie gemeinsam mit 97 anderen Wissenschaftlern und Militärspezialisten auf einen erdähnlich Planeten am anderen Ende des Universums gebracht werden, um diesen aus Profitgier zu erforschen und gemeinsam mit der mehrere tausend Menschen umfassenden Besatzung, die das Schiff während der Reise am Laufen hält, neu zu bevölkern. Doch der theoretisch entspannte Schlaf entpuppt sich für Amy als alles andere als angenehm, denn sie bekommt von ihrer Umgebung mehr mit, als sie eigentlich dürfte. Doch dann wird sie von einem Unbekannten 50 Jahre zu früh und unfachmännisch aus ihrer Starre aufgetaut, was im schlimmsten Fall ihren Tod hätte bedeuten können. Zum Glück sind aber der Schiffsarzt Doc und der zukünftige Anführer der Godspeed, Elder (in der deutschen Ausgabe heisst er "Junior"), anwesend und können Amy retten.
Sie hat große Probleme sich auf dem Schiff zurecht zu finden. Amy vermisst ihre Eltern und zwischen den Bewohnern der Godspeed, die mittlerweile durch Mangel an neuem Blut alle gleich aussehen mit dunklen Haaren und olivfarbener Haut, fühlt sie sich allein und verlassen. Nur in Elder und seinem besten Freund Harley findet sie Vertraute.
Elder ist es Leid von seinem Ausbilder und momentanen Anführer des Schiffes Eldest (in der deutschen Ausgabe ist er umbenannt in "Ältester") nicht ernst genommen zu werden und in keines der vielen Geheimnisse, die er zu haben scheint, eingeweiht zu sein. Das Einzige, was Eldest ihm immer wieder predigt ist, dass Unterschiede und selbstständiges Denken unter der Besatzung den Untergang des Schiffes bedeuten können. Als Elder aber Amy mit ihren feuerroten Haaren und hellen Haut begegnet wird ihm klar, dass anders zu sein nicht nur Schlechtes bedeuten kann und beginnt damit auch Eldest Führungsstil zu hinterfragen.
Vor allem als nach und nach immer mehr eingefrorene Passagiere aufgetaut werden und dabei sterben, wird er skeptisch. Elder und Amy, die sich schreckliche Sorgen um ihre Eltern macht, setzen alles daran den Mörder zu finden und entdecken dabei, dass die Godspeed in den vergangenen 300 Jahren mehr mitgemacht hat, als sie befürchtet haben.

Mit dem Trilogie-Auftakt Across the Universe / Godspeed - Die Reise beginnt gelingt es Beth Revis geschickt ein typisches Jugendbuch mit klassischer Science Fiction zu kombinieren. Die Grundgeschichte ist spannend, voll von Wendungen und Geheimnissen, die auch den Leser überraschen dürften und ist zudem in sich sehr logisch aufgebaut und auf Details bedacht. So hat sich z.B. mit der Zeit nicht nur das äußerliche Erscheinungsbild der Menschen verändert, sondern auch die Sprache. Kleine Ideen wie diese, haben das Buch besonders stimmungsvoll wirken lassen.
Dennoch ist es nicht zu futuristisch geraten. Obwohl sich quasi die gesamte Handlung im Weltall abspielt, merkt man das als Leser nicht ständig, denn innerhalb des Raumschiffes befindet sich fast so etwas, wie ein kleines Land, inklusive Handwerkern, Farmen, Krankenhäusern und einer ganz speziellen Gesellschaft. Trotzdem empfindet man die ganze Zeit ein gewisses klaustrophobisch Gefühl, wie Amy eben auch.

Cover Godspeed deutsch

Grundsätzlich funktioniert die Geschichte also, denn alle Elemente greifen logisch ineinander und bieten eine solide Grundlage. Auch die Charaktere sind sehr interessant, denn es gibt keine einfache schwarz-weiß Zeichnung unter ihnen. Kaum eine der Figuren hat nicht den ein oder anderen schwachen Moment, was ich persönlich sehr erfrischend fand. Vor allem Amy und Elder/Junior sind sehr verständlich geraten, denn die Kapitel sind jeweils abwechselnd aus ihrer Sicht verfasst. Allerdings haben sich einige Beziehungen der Charaktere untereinander ein wenig gezwungen und dadurch unglaubwürdig angefühlt, gerade was die beiden Protagonisten angeht, was allerdings durch die Aussicht auf eine Fortsetzung erträglich war.
Das Ende hatte es dagegen wieder in sich. Auch wenn das ein oder andere Detail etwas offensichtlich geraten ist, so gab es doch mehr als eine Offenbarung, mit der ich nicht gerechnet habe, die aber zuvor sehr geschickt in die Geschichte eingebaut wurde und somit durchaus glaubhaft war. Trotzdem bleiben einige kleiner Stränge verschwommen oder offen und machen dadurch richtig Lust auf die nächsten Teile.

Insgesamt ist Across the Universe / Godspeed - Die Reise beginnt ein interessanter Science Fiction-Roman, der eine spannende kleine Welt schafft und trotz ein paar kleinerer Schwächen, was die Charakterentwicklung angeht, durchaus zu überzeugen weiß.

Auf Deutsch wird das Buch im August 2011 beim Oetinger Verlag erscheinen.

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