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Cover Ashen Winter Englisch

Enthält Spoiler für Ashfall.

Über 10 Monate sind mittlerweile vergangen, seit der Vulkanausbruch im Yellowstone Park die Welt, wie wir sie bisher kannten, für immer verändert hat. Alex und Darla haben sich so gut es geht auf der Farm seines Onkels in Warren, Iowa, eingerichtet. Es ist kein einfaches Leben, aber durch Geschick und harte Arbeit kommen sie eigentlich ganz gut über die Runden.
Eigentlich würde es ihnen also ganz gut gehen, wenn Alex Eltern nur zurückkommen würden. Bevor Darla und Alex in Warren angekommen sind, haben die sich nämlich auf die Suche nach ihrem Sohn gemacht und sind seitdem spurlos verschwunden. Alex und seine Familie sind fest davon überzeugt, dass sie seine Eltern wiedersehen werden, doch je mehr Zeit vergeht, umso schwieriger fällt es ihnen, tatsächlich noch daran zu glauben.
Doch dann fällt ihnen etwas in die Hände, das alles ändert. Einen Gegenstand, den Alex Vater bei sich hatte, als sie die Farm verlassen hatten. Alex lässt alles stehen und liegen und macht sich sofort auf den Weg, seine Eltern zu suchen. Für Darla ist eines natürlich ganz klar: Wo Alex hingeht, geht auch sie hin.
Ihre erste Reise haben sie allerdings schon nur durch sehr großes Glück überlebt und die Chancen stehen nicht gut, dass beiden das noch ein zweites Mal gelingt...

Nachdem mich Ashfall damals restlos begeistern konnte, hatte ich natürlich auch extrem große Erwartungen an die Fortsetzung Ashen Winter. Doch leider ist Mike Mullin kein zweites solches Glanzstück gelungen.
Ashen Winter ist allerdings sicher kein schlechtes Buch. Die Welt, in der sich Darla und Alex nun durchschlagen müssen, hat mir nach wie vor ausgesprochen gut gefallen. Durch die von Asche verschmutzte Atmosphäre müssen die Überlebenden seit Monaten im ewigen Winter leben. Überall sind Schnee, Eis und Asche so weit das Auge reicht. Die Nahrung wird knapp und man muss erfinderisch sein, wenn man nicht verhungern will. Einigen Menschen gelingt das sehr gut und können fast alles, was sie brauchen, entweder durch Eigenanbau selbst herstellen oder eintauschen. Andere jedoch sehen eine bequemere Quelle für frisches Fleisch in den geschwächten und wehrlosen Überlebenden, die sich immer wieder finden lassen...
Ashen Winter kommt ohne die Zombies oder sonstigen Monster aus, die sich in dieser Art Bücher oft finden lassen. Dafür gibt es genug Menschen, die die Monster ersetzen. Dieses Buch behandelte einige menschliche Abgründe und zeigt, was manche Leute bereit sind zu tun, um zu überleben - oder einen Vorteil aus dem Weltuntergang und Leid der Menschen zu schlagen.

Theoretisch hätte die Geschichte zu Ashen Winter also eigentlich ganz gut sein sollen. Und das ist sie auch. Allerdings ist sie aber auch viel zu langgezogen. Auf 600 Seiten wandern Alex und seine Gefährten, verstecken sich, werden gefangen genommen, verletzt, wieder zusammen geflickt, retten jemanden und fangen dann wieder von vorne an. Die Handlung folgt immer dem gleichen Prinzip und das wurde schnell ermüdend.
Außerdem verrennt sich Mike Mullin oft in wahnsinnig langatmige und zähe Beschreibungen. Jeder Schneehügel, jedes Haus, jede technische Entdeckung wird genauestens beschrieben und irgendwann war ich so weit, dass ich Passage um Passage nur noch überflogen habe.
Man hätte die Geschichte problemlos ein bisschen kürzen können. In der Tat wird ab einem gewissen Punkt sogar ziemlich offensichtlich, dass Mike Mullin die Handlung ein wenig auffüllen musste - und das ausgerechnet auf die denkbar schlimmste Weise: Mit einer Dreiecksgeschichte. Oder zumindest den Ansätzen dafür. Grundsätzliche finde ich das in diesem Fall gar keine schlechte Idee. Alex ist noch sehr, sehr jung und hatte im letzten Jahr kaum Kontakt zu Gleichaltrigen - außer eben Darla. Von daher finde ich es gar nicht schlecht, dass sich ihm Optionen bieten und er sich dann entscheidet, anstatt einfach die einzige Möglichkeit zu wählen, die er hat. Die Umstände, die Mike Mullin allerdings geschaffen hat, als die dritte Person in die Geschichte eingebracht wurde, wollten mir gar nicht gefallen und hat mich sehr enttäuscht von Alex zurückgelassen. Es wirkt alles recht überstürzt und einfach erzwungen dramatisch.

Doch wer weiß, vielleicht schafft es Mike Mullin mich mit dem letzten Buch Sunrise (keine Rezension) doch noch einmal das Runder herumzureißen und mich zu überzeugen. Ich hoffe es jedenfalls sehr, denn trotz der vielen Enttäuschungen, ist Ashen Winter grundsätzlich immer noch eine intensiv, spannende Geschichte, in der alles möglich ist. Potential hat sie also allemal.
Meine Erwartungen an Sunrise (keine Rezension), das am 15. April 2014 erscheint, sind daher nach wie vor hoch.

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