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Cover Legacy englisch

Im Königreich von Hytanica ist es üblich, dass die älteste Prinzessin am Tage ihres 18. Geburtstags den zukünftigen König des Landes aussuchen und heiraten soll. So wird es auch der gerade 17 gewordenen Alera ergehen. Ihr Vater ist darauf versessen, sie zu vermählen und einen geeigneten Thronfolger zu finden. Wenn es nach dem König ginge, wäre der allerdings schon gefunden. Lord Steldor, der Sohn des Captains der Wache, hat seiner Meinung das Zeug zum Herrscher und würde die beste Partie für seine Tochter abgeben. Steldor ist derselben Ansicht, was allerdings nicht weiter verwunderlich ist, denn der selbstverliebte und arrogante junge Mann hält extrem große Stücke auf sich.
Kein Wunder also, dass Alera ihn auf keinen Fall heiraten will und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, die Verlobung so lange wie möglich hinauszuzögern und vielleicht noch einen anderen Kandidaten zu finden. Leider gibt es niemanden, der Aleras Herz höher schlagen lässt oder der die Kriterien des Königs an seinen Nachfolger erfüllen würde. Doch dann rückt Aleras persönliches Schicksal vorrübergehen in den Hintergrund. Cokyri, ein Nachbarland, mit dem Hytanica lange im Krieg lag und mit dem mittlerweile eisiges Schweigen herrscht, scheint erneut dubiose Pläne zu haben und Alera wird attackiert. Zwar kommt sie unbeschadet davon, doch ihrer Attentäterin gelingt kurze Zeit später die Flucht, ohne zu verraten, was sie eigentlich wollte.
Doch das ist nicht der einzige Zusammenstoß mit Cokyri nach der langen Funkstille zwischen den Ländern: Es dauert nicht lang und ein junger Mann wird in der Stadt gefunden, der eindeutig aus Cokyri stammt, der aber nicht die Absicht eines Angriffs zu haben scheint und hinter dem doch mehr steckt, als man zunächst annimmt.
Alera hat aber ein völlig anderes Interesse an ihm, denn der junge Narian weckt ungeahnte Gefühle in ihr.

Zunächst einmal war ich sehr beeindruckt von dem Schreibstil der zu dem Zeitpunkt gerade mal 14jährigen Cayla Kluver. Mit viel Ausdruck und Liebe zum Detail verleiht sie ihrer Welt Form und Farbe und macht es einfach, sich in ihr zurechtzufinden. Ziemlich bald wird aber auch klar, dass es ihr doch deutlich an Erfahrung fehlt. Allzu gern verrennt sie sich in ausführlichen Beschreibungen und unwichtigen Nebensträngen. Schnell werden diese Passagen langweilig und ziehen sich leider durch das gesamte Buch. Es hätte anstatt knapp 500 Seiten auch die Hälfte haben können und es hätte der Geschichte sicher nicht schlecht getan. Ich jedenfalls habe mich ab und zu beim Querlesen erwischt und das ist kein gutes Zeichen. Außerdem hat sich die Autorin sehr schwer damit getan, verschiedene Erzählstränge oder -ebenen miteinander zu verknüpfen. Die Geschichte verläuft sehr linear, alle Geschehnisse werden strikt nacheinander abgearbeitet und nichts passiert auch mal gleichzeitig, was wahrscheinlich ein weiterer Grund für die unnötige Länge des Buches ist.
Auch die Charakterentwicklung war ein bisschen durchwachsen. Alera selbst konnte ich leider nicht viel abgewinnen, denn auch wenn sie eine starke junge Frau sein wollte/sollte, so hat sie doch jedes Mal, wenn es drauf ankam sich gegen ihren Vater (dessen Einstellung ohne Rücksicht auf die Gefühle seiner Tochter mich manchmal zur Weißglut gebracht hat) oder den allzu aufdringlichen Steldor durchzusetzen, den Mund nicht aufbekommen. Stattdessen lies sie sich ihr Leben diktieren oder ungewollt küssen (was ihr dann am Ende doch gefallen hat. Ein weiterer Punkt in dem sie mir furchtbar auf die Nerven gegangen ist).
Nach diesem ersten Buch muss ich leider sagen, dass sie für mich nichts anderes war, als ein kleines Mädchen mit großer Klappe und wenig dahinter. Narian auf der anderen Seite hat man eigentlich kein bisschen kennengelernt. Die beiden haben wenige Szenen zusammen und auch wenn ich verstehe, woher die Faszination für den fremden jungen Mann kommt, kann ich nicht nachvollziehen, woher die Liebe zwischen den beiden stammt, denn die meiste Zeit war er einfach nur kühl und reserviert. Der einzige Charakter, der mir ans Herz gewachsen ist und der für mich wirklich mysteriös rüber kam, war Aleras Leibwächter London. Man konnte ihn nie ganz durchschauen und weiß, dass er nicht offen und ehrlich ist und trotzdem ist er der einzige Charakter, mit echtem Potential.

Deswegen muss ich sagen, dass Legacy / Alera - Geliebter Feind von Cayla Kluver für mich eher eine Enttäuschung war. Zu viele Beschreibungen und langatmige Passagen haben den Einstieg in das Buch extrem schwer gemacht. Eine nur mäßig sympathische Heldin und insgesamt eher schwache Charaktere haben es ebenfalls nicht leichter gemacht. Ab der Hälfte ungefähr wird es aber doch ein bisschen besser und die Geschichte darf sich etwas mehr entfalten. Das Ende war für mich fast schon schmerzhaft zu lesen, hat aber tatsächlich dann trotz allem noch ein bisschen Lust auf die Fortsetzung gemacht.

Diese folgt im Februar 2012 mit Allegiance / Alera - Zeit der Rache (Amazon-Partnerlink) in den USA. Auf Deutsch ist das Buch bereits erschienen.

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