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11.

Jan 2018

Cover Stockwerk Liebe

Es könnte ja kaum schöneres geben, als sich ausgerechnet einen Tag vor Heiligabend im Wartezimmer der Hausarztpraxis zu befinden. Um aber über die Feiertage ihren Frieden zu haben, setzt sich Conny hin und wartet auf ihren nötigen Check-Up.
Wenn sie bedenkt was sie heute noch alles erledigen muss, macht sich eine Unruhe in ihr breit, die sie in den letzten Tagen häufiger verspürt. Es muss sich etwas ändern an ihrem tristen Leben und das zügig. Nur wie soll sie das Dirk, ihrem Mann, klar machen? Für ihn war ihre Ehe und ihr Leben perfekt. Aber Conny fehlte etwas.

In einer Zeitschrift blätternd bekommt sie mit, wie ein großer Mann in etwa ihrem Alter in die Praxis gestürmt kommt und rotzfrech einen Arzt verlangt - und zwar sofort. Conny ist empört, wie auch alle anderen Patienten, aber bevor sie etwas sagen kann erkennt sie ihn: Joe!
Sofort fühlt sie sich zurück versetzt in ihr Jugend. Damals, als die Welt noch in Ordnung war und Joe ihre große Liebe. Bevor er ihr das Herz gebrochen hat und sich ihr Leben anders entwickelte als sie es beabsichtigt hatte.

Bevor er sie entdecken kann, wird er in einen Behandlungsraum gebracht - vermutlich um sich zu beruhigen. Wenig später wird auch Conny aufgerufen und sie folgt der Sprechstundenhilfe. An ein EKG angeschlossen, lauert sie auf das Ende der Aufzeichnung. Patrizia, die fröhliche Helferin, hatte ihr zur Überbrückung ein Glas Sekt mitgebracht. Schließlich würden sie jetzt gleich die Weihnachtsfeier starten und die Praxis über den Jahreswechsel schließen. Für Conny sollte es also nicht mehr lange dauern, bis sie hier fertig war und sie noch zur Ärztin rein sollte.
Als Patrizia wieder verschwand, dachte Conny an Joe. Wo er wohl ist? Ob es ihm gut geht? Ob er sie erkannt hätte?
Nach einer ziemlich langen Zeit an den vielen Schläuchen wird es Conny zu bunt und sie ruft nach Patrizia. Die hört sie aber gar nicht - im Gegenteil. Offenbar hatten sie alle vergessen, denn nach kurzer Zeit fiel eine Tür ins Schloss und es wurde leise in der Praxis. Was ist denn jetzt los?

Joe liegt auf einer Liege und ist völlig ausgeknockt. Als er wieder zu sich kommt, ist er nicht alleine. Da steht Conny vor ihm. Das ist ja komisch. Wo ist er hier überhaupt?
Erst dann fällt ihm wieder ein wo er sich befand und was er hier wollte. Er musste dringend zur Ärztin. Das sollte jetzt ja wohl möglich sein.
Als er aber merkt, dass niemand mehr in der Praxis ist - von seiner Jugendliebe Conny einmal abgesehen - wird er panisch. Das kann doch nicht sein!
Um vor Conny den coolen zu geben, schnappt er sich seine Sachen und will die Praxis verlassen. Soll sie doch hier bleiben.
Aber da muss er erkennen, dass sie keineswegs freiwillig hier ist. Die Praxis ist verschlossen - von außen. Im 7 Stockwerk gibt es auch wenig Chancen einen Sprung aus dem Fenster unbeschadet zu überstehen. Verdammt!
Die Telefonanlage war kaputt, soviel wusste Conny zu berichten und zu allem Überfluss hatte er sein Handy im Auto liegen lassen. Scheisse! Conny war ihm keine Hilfe. Ihr Telefon musste noch aus dem vorherigen Jahrzehnt stammen. Da saßen sie nun - nach so vielen Jahren im Schicksal vereint. Und nun?

Conny war seit jeher schon der organisierte Part in ihrer Familie und so machte sie sich einen Überblick. Es gab einen Präsentkorb, eine kleine Küche und einen Kühlschrank mit einigen Nahrungsmitteln. Das würde sie gut einteilen müssen, damit sie die 12 Tage überstehen würden. Aber konnten sie das?
Sicher würde sie doch jemand suchen ... oder nicht? Was sie in der Früh zu Dirk gesagt hatte fiel ihr wieder ein. Hatte sie sich damit alles vermasselt?

Schon die ersten Minuten mit Joe zeigten ihr, dass er noch immer so egoistisch war wie damals. Er ist der Mittelpunkt seines Universums und wenn Conny eins nicht vergessen kann, dann seine Reaktion vor 13 Jahren. Würden sie jetzt die Zeit und Ruhe haben sich einmal auszusprechen? Und fiel ihnen vielleicht gemeinsam eine Lösung ein um hier heraus zu kommen?

Stockwerk Liebe habe ich gekauft, weil es vom Text her erst einmal unterhaltsam klang. Natürlich würde keine Praxis einfach so über die Feiertage schließen ohne alles gecheckt zu haben. Und in jedem Fall würde man irgendwie auch rauskommen (Feuermelder?), aber der Sinn hinter dieser Geschichte ist ja der, dass Conny und Joe sich auf der Pelle sitzen müssen.
Die Kapitel sind immer wieder abwechselnd in der Gegenwart angesiedelt und in der Zeit ihrer gemeinsamen Liebe. So erfährt man nach und nach wie sich die beiden kennengelernt haben, was sie vor hatten und wie es zum Bruch kam.
Schon in diesen Rückblicken hätte ich Joe einfach nur schütteln mögen.

Während er in der Jugend also ein kleiner Egoist war, ist er nun erfolgreich ein ausgewachsener Egoist geworden. Wie man als Frau überhaupt auf die Idee kommen kann, mit diesem Mann näher bekannt werden zu wollen, ist mir schleierhaft.
Leider ist Conny vom Typ her einfach naiv und blauäugig. Sie lässt sich von jedem ausnutzen und für sich beanspruchen. Joe und auch Dirk hätten bei einer selbstbewussten Frau ganz schön schlechte Karten.

Ich finde die Idee hinter der Geschichte wirklich gut, aber mit diesen drei Charakteren geht das für mich leider gar nicht. Mich hat irgendwann das 'wer mit wem und warum' überhaupt nicht mehr interessiert. Ich fand es viel spannender zu lesen, was mit der Firma des Familienunternehmens passierte.
Denn Conny lässt sich nicht nur von ihren Lebenspartnern immer wieder in die Ecke stellen, auch ihr Vater spielt da ganz weit vorne mit. Das hat sie vermutlich geprägt.
Im Laufe des Buches macht sie kaum eine Wandlung durch. Sowohl sie, als auch ihre Mutter sind schrecklich farblos und langweilig.

3 Sterne für die Idee, so manch witzigen Dialog und den sehr flüssigen Schreibstil. Ich werde sicherlich noch mal ein anderes Buch der Autorin ausprobieren - vielleicht hatte ich einfach nur Pech mit der Auswahl.

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