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Six of Crows

08.01.2017
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Six of Crows

In Ketterdam gibt es eigentlich nur zwei Wege über die Runden zu kommen: Du bist entweder ein Kaufmann, der sein Geld mit Im- und Export verdient, oder du schlägst dich im Barrel, dem zwielichtigen Teil von Ketterdam mit all seinen Clubs, Freudenhäusern, Casinos und Gangs, durch. Eine dieser Gangs sind die Dregs. Vor nicht allzu langer Zeit waren sie noch kleine Fische, doch in den letzten Jahren konnten sie sich einen Ruf erarbeiten und ihre Position in Ketterdam behaupten. Und das ist nur einem einzigen jungen Mann zu verdanken: Kaz Brekker.
Um den hinkenden Jungen, der nie ohne seinen Gehstock mit dem Krähenkopf und seine Handschuhe zu sehen ist, ranken sich allerlei Gerüchte und Geschichten. Eines ist allerdings jedem klar: Er hat keine Skrupel und wenn es einen Job zu erledigen gibt, ist Kaz, der auch als Dirtyhands und Bastard of the Barrel bekannt ist, der richtige Mann.
Doch der nächste Auftrag, den Kaz bekommt, ist anders, als alles, was er bisher tun musste - und es steht auch mehr auf dem Spiel. Um diesen Job irgendwie über die Bühne zu bringen, braucht es nicht nur einen von Kaz unglaublichen Plänen, er benötigt auch ein besonderes Team, das mit allen Wassern gewaschen ist. Und er weiß auch schon genau, aus wem das bestehen wird:

Matthias - ein Häftling, der auf Rache aus ist
Jesper - ein Scharfschütze mit einem Spielproblem
Wylan - ein Ausreißer mit Talent für Sprengstoff, der seinem Vater etwas beweisen will
Nina - eine Grisha, die ihre Kräfte nutzt, um im Barrel zu überleben
Inej - eine Spionin, die von allen nur Geist genannt wird
Und natürlich Kaz selbst - ein Dieb, der ein Händchen für ausweglose Situtionen hat

Jetzt muss es Kaz nur noch gelingen quer über den Kontinent zu reisen und diesen quasi unmöglichen Job zu erledigen, bevor sich seine Crew gegenseitig umbringt...

Six of Crows von Leigh Bardugo ist ein Spinoff ihrer The Grisha / Grischa Reihe, kann aber definitiv auch gelesen werden, wenn man die Trilogie noch nicht gelesen hat. Und es lohnt sich. Six of Crows ist ein kleines bisschen wie eine Fantasy-Version von Oceans 11 - nur, dass Kaz und seine Crew eindeutig noch einmal aus einem härteren Holz geschnitzt sind. Hier wird wenn es sein muss auch mal gefoltert und gemordet. Kaz und die anderen sind Kriminelle, aber sie sind noch so viel mehr. Sie alle haben eine Hintergrundgeschichte, die sie interessant macht und durch die man sie versteht und ich habe jeden einzelnen von ihnen geliebt. Inej, die Spionin, z.B. ist ein wenig das Gewissen der Gruppe. Sie ist eher unfreiwillig nach Ketterdam gekommen und jedes einzelne Verbrechen, das sie begeht, lastet schwer auf ihr. Doch auch Nina (die Grisha mit heilenden Kräften) und Matthias (der Häftling) geben der Geschichte eine Menge Tiefe. Die beiden kennen sich schon eine ganze Weile und sind der Grund, warum der jeweils andere in Ketterdam ist - allerdings nicht gerade aus Zuneigung. Und Jesper (der Scharfschütze) und Wylan (der Ausreißer) sorgen ein bisschen für den Humor in der Geschichte. Die beiden machen viel Unsinn, haben dabei aber dennoch auch einen ernsten Hintergrund.
Und unser Meisterdieb Kaz...er hat schon einen besonderen Platz in meinem Herzen. Er ist grausam, tückisch und vertraut niemandem - und trotzdem kann man nicht anders, als ihn irgendwie auch zu bewundern. Ihm ist es zu verdanken, dass Six of Crows voller cleverer und unvorhersehbarer Wendungen und Twists ist, denn man weiß nie genau, was Kaz als nächstes aus dem Ärmel schüttelt und wem er welche Informationen vorenthalten hat. Das hat Leigh Bardugo übrigens besonders clever gemacht. Fast jeder der Protagonisten hat seine eigenen Kapitel, wodurch die Autorin eine sehr komplexe Geschichte aufbauen konnte und wodurch die vielen Wendungen überhaupt erst möglich wurden, denn so ist auch für den Leser nicht immer alles so wie es scheint, je nachdem aus welcher Perspektive man gerade liest, und das sorgt wirklich für einige Überraschungen.
Natürlich gibt es in der Gruppe auch die ein oder andere emotionale Annäherung, doch dazu will ich nicht zu viel verraten. Nur so viel: Auch davon habe ich nicht genug lesen können. Nichts ist einfach für diese Figuren und ich kann es jetzt schon kaum erwarten zu erfahren, wie es unseren (Anti-) Helden weiterhin ergehen wird.

Zum Glück ist Crooked Kingdom, der zweite Teil dieser Duologie, aber bereits erschienen, denn Leigh Bardugo hat uns in Six of Crows an einer wirklich gemeinen (und sehr vielversprechenden) Stelle zurückgelassen.

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