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Cover Punk 57

Sieben Jahre lang schreiben sich Misha und Ryen dank eines Schulprojektes nun schon Briefe und sind in dieser Zeit zum wichtigsten Menschen im Leben des anderen geworden. Dabei hat alles eigentlich mit einem simplen Fehler angefangen, denn Ryens Lehrerin dachte dank seines Namens Misha wäre ein Mädchen - und Mishas dachte Ryen wäre ein Junge.
Misha und Ryen werden ihnen aber für immer für dieses Missverständnis dankbar sein. Sie können mit niemandem so ehrlich und echt sein, wie miteinander – und das, obwohl sich die beiden noch nie in ihrem Leben leibhaftig gegenüberstanden. Sie wohnen zwar gerade mal 30 Meilen auseinander, doch sowohl Ryen als auch Misha haben Angst, dass ein Treffen ihre ganze Dynamik durcheinander bringen könnte und das will keiner der beiden riskieren.
Doch dann begegnet Misha auf einer Party einem Mädchen und schon bald wird ihm klar, dass sie niemand anderes ist, als Ryen...Er hat sich ihre erste Begegnung bereits hunderte Male ausgemalt hat, allerdings hatte er niemals damit gerechnet, dass er hassen würde, was er sieht. Es ist definitiv nicht ihr Aussehen, denn Ryen ist eines der hübschesten Mädchen, die Misha je gesehen hat, allerdings hat sie ein paar sehr wichtige Details über sich selbst ausgelassen, die ihm klar machen, dass er eigentlich keine Ahnung hat, wer Ryen wirklich ist.
Ihr zufälliges Treffen bleibt allerdings nicht die einzige böse Überraschung dieser Nacht für Misha...

Schon seit Bully / Bully - Geliebter Quälgeist habe ich eine Hassliebe zu den Büchern von Penelope Douglas. Ihre Geschichten sind meist ziemlich derbe und ihre Charaktere alles andere als einfach oder gar perfekt. Und auch Punk 57 ist hier keine Ausnahme – macht dabei aber trotzdem fast alles richtig.
Ich wusste gar nicht so genau, was ich von dieser Geschichte erwarten sollte, bin aber im Nachhinein sehr froh, dass ich im Vorfeld relativ wenig Rezensionen gelesen habe - einfach weil es dadurch nur noch mehr Überraschungen für mich bereithielt. Trotzdem möchte ich euch von ein paar der Dinge erzählen, die mir an Punk 57 besonders gut gefallen haben:
Allem voran wären da die Charaktere: Wie gesagt sind diese auch hier alles andere als perfekt. Misha hat jede Menge um die Ohren und eine nicht unbedingt leichte Familiensituation, die er allerdings nicht sonderlich gut handhabt. Der eigentliche Knackpunkt liegt aber bei Ryen, die es einem am Anfang wirklich wahnsinnig schwer macht, sich mit ihr zu identifizieren. Sie ist so ganz und gar nicht das, was ich nach den ersten Briefen an Misha erwartet habe und wie Misha fühlt man sich getäuscht von ihr. Man kann sie einfach nicht mögen - zumindest bis man sie etwas näher kennenlernt. Ganz langsam aber sicher beginnt man sie zu verstehen und vielleicht sogar die ein oder andere Veränderung in ihr zu entdecken und das hat mir dann doch wirklich gut gefallen. Es ist ein harter und steiniger Weg für unsere Charaktere, doch genau das ließ mir Punk 57 so unter die Haut gehen.
Die soziale Dynamik ist ebenfalls sehr interessant und ist ein ganz wichtiger Faktor in dieser Geschichte. Jeder Jugendliche weiß, wie schwer es manchmal sein kann, dazu zu gehören, und das wird in Punk 57 ganz deutlich thematisiert. Es ist zwar hier und da immer mal wieder überspitzt, allerdings war das nicht nur ziemlich passend, sondern auch irgendwie nötig, um die Dringlichkeit der Sache zu unterstreichen. Themen wie Mobbing, Selbstwertgefühl, sexuelle Belästigung, Integration und Zivilcourage werden aufgenommen und auch, wenn sich auch hier unsere Charaktere selten mit Ruhm bekleckern, gab es ein paar wahnsinnig starke und intensive Szenen, die mir richtig gut gefallen haben und in denen sie sich beweisen konnten.
Ebenso gut gefallen hat mir der Schreibstil: Penelope Douglas nimmt absolut kein Blatt vor den Mund - es wird geflucht, geschimpft und nicht um den heißen Brei herumgeredet. Gleichzeitig gab es aber auch jede Menge wirklich schöner und fragiler Momente, die die Autorin wunderbar transportiert und die sehr schön geschrieben sind. Außerdem spielt Poesie und allgemein die Macht von Worten eine unerwartet große Rolle in Punk 57. Nicht nur in den Songtexten, die Misha und Ryen gemeinsam schreiben, auch in ein paar der Dialogen und Monologen gibt es wirklich wunderschöne Passagen und Zitate, die die Geschichte besonders machen.

Eine Sache gibt es aber, die mir negativ an Punk 57 aufgefallen ist. Um eines gleich mal Vorweg zu nehmen: Der Sex zwischen den beiden Hauptcharakteren war vollkommen einvernehmlich und die Protagonistin hatte zu jeder Zeit die Option abzubrechen. Allerdings gab es einige Szenen, in denen sie "nein" gesagt hat, was allerdings nicht ernst genommen wurde; zwar hat sie es eher aus Schamgefühl gesagt, da sie nicht gerade in einem privaten Umfeld waren und es war klar, dass sie eigentlich nicht aufhören wollte. ABER der männliche Protagonist hat diesem "nein" so gar keine Beachtung geschenkt. Wie gesagt, es war alles vollkommen einvernehmlich; in einer Zeit, in der ein „nein“ aber ernster denn je genommen werden sollte, bin ich nicht ganz glücklich damit, dass eine Autorin so leichtfertig damit umgeht - und dann auch noch in einem Buch, das größtenteils von einem jüngeren Publikum gelesen wird. Vielleicht bin ich durch die Nachrichten der letzten Monate auch zu empfindlich geworden, aber unterm Strich bleibt einfach, dass es mir negativ aufgefallen ist.

Trotzdem ist Punk 57 von Penelope Douglas ein Buch, dass mir sehr gut gefallen hat und mich mit einem riesen Grinsen und einem Gefühl absoluter Genugtuung zurück gelassen hat und das kommt wirklich relativ selten vor. Definitiv zu empfehlen!

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