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Cover Ein Gefühl wie warmer Sommerregen

Alis Rivers hat einen Job und eine Berufung. Sie arbeitet bei ihrer Tante Carol im Buchladen mit, verbringt aber die meiste Freizeit in der Seenotrettung in Tenby.
An diesem Tag ist sie zusammen mit anderen Freiwilligen draußen um einen Mann zu retten, der samt Schaf von einer Klippe gestürzt ist. Das es sich dabei ausgerechnet um ihre spezielle Klippe handelt, macht da ganze Manöver nicht einfacher. Wie kann man denn so dumm sein und ein Schaf retten wollen und sich dann samt Tier in die Fluten stürzen? Alis ist leicht genervt. Immer wieder müssen sie Unglücksraben aus den Fluten retten und riskieren dabei selbst oft genug ihr Leben.

Die Rettung hat es in sich. Die erste Bergung geht schief und bald sind beide nicht mehr zu sehen. Als Alis den Mann entdeckt hat, hechtet sie ins Wasser um ihn zu bergen. Der Mann ist ziemlich groß und schaut gar nicht mal schlecht aus. Leider scheint er nicht der cleverste Mensch zu sein. Kaum hat er die Augen offen fragt er nach dem Schaf. Na das ist vielleicht ein komischer Kauz.
Zum Glück geht alles gut. Sowohl Mann als auch Schaf werden gerettet und außer einer Unterkühlung scheint ihm nichts zu fehlen.

Ein paar Tage später läuft ihr ausgerechnet der Mann wieder über den Weg. Dabei ist sie gerade auf dem Sprung um sich mit ihrem Freund Matthew zu treffen. Das passt ihr gar nicht. Zumal sie mit Menschen nicht so wirklich gut umgehen kann und sie gerade eine Begegnung mit trauernden Eltern hatte, deren Sohn erst kurz zuvor nur tot aus den Fluten geborgen werden konnte - von ihr.
Evan, so heißt der lebensmüde Tierarzt, möchte sich gern für die Rettung bedanken. Aber je mehr er sich mit ihr unterhält, desto abweisender wird Alis. Bis sie die Flucht nach vorn antritt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Matthew ist ebenfalls in der Rettung tätig und es kommt nicht selten vor, dass er mit dem Team des Rettungshubschraubers zu ihren Einsätzen dazu geordert wird. Sie sind jetzt seit 10 Jahren ein Paar. Zwar ist es keine glühendheiße Liebe, wie bei ihrer besten Freundin Nina und ihrem Mann Dave, aber Matthew gibt ihr alles was sie braucht und das ist vor allem ein sicherer Halt.
Als sie am Treffpunkt endlich ankommt, sieht sie ihn im Gespräch mit einer anderen Frau. Sie wirken beide sehr vertraut miteinander. Kennt er sie? Wer ist das? Aber weiter kommt sie nicht. Der Abend endet in ihrem Lieblingsrestaurant und zu allem Überfluss macht ihr Matthew auch noch einen Heiratsantrag. Warum nur? Es lief doch so gut zwischen ihnen. Und was soll das eigentlich heißen, sie wollen beide keine Kinder? Ein Notruf rettet sie vor der Antwort.
Aber Alis weiß, irgendwie muss sie sich entscheiden. Und sie will noch immer wissen wer die Frau ist. Als sie Matthew damit konfrontiert ist klar, für beide gibt es keine Zukunft. Er hat eine Affäre und sie verliert so ihren besten Freund. Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, ruft ihre Mutter bei ihr an um sie um Hilfe zu bitten.

Alis sträubt sich immer davor mit ihrer Mutter Kontakt zu halten. Zu schwer ist die Trauer, zu groß der Schmerz über den Verlust ihres Vaters. Die Vorwürfe, die ihr aus den Augen ihrer Mutter Joan und dem Stallmeister Rhys entgegen starren hält sie kaum aus. Und doch fährt sie zur Farm. Die Rivers unterhalten seit vielen Jahren eine Pferdestallung. Früher wurde hier sogar gezüchtet, aber mit Alis Vater starb auch die Zucht. Doch Alis hat nicht nur ihren Vater und zum Teil auch ihre Mutter verloren - selbst ihr Bruder ist fort. Alis fühlt sich allein und jetzt ohne Matthew hat sie niemanden an den sie sich lehnen kann.

Da steht schon wieder dieser Evan vor ihr. Was will der denn immer? Ihr Abgang ist ihr noch lebhaft im Gedächtnis und so schämt sie sich beinahe ihm gegenüber zu treten.
Evan kümmert sich schon länger um die Rivers Pferde und ist ganz erstaunt, hier nun auf Alis zu treffen. Er hatte sie hier noch nie gesehen. Und so wie sie aussieht, scheint sie sich alles andere als wohl zu fühlen.
Der scharfe Ton zwischen ihr und dem Stallmeister Rhys ist ihm bereits aufgefallen und durch die Nachbarsleute weiß er auch, welche Last auf ihren Schultern liegt. Aber weiß er das wirklich? Niemand war damals dabei, als Seth in die Tiefe stürzte. Wollte Alis sich an dem Tag wirklich umbringen? Was bringt eine 16 Jährige dazu sich von den Klippen zu werfen?
Evan ist neugierig und findet gefallen an Alis. Mit seiner charmanten Art versucht er ihr näher zu kommen, aber wer hätte gedacht, dass er so auf sie reagieren würde?

Ein Gefühl wie warmer Sommerregen ist das erste Buch, das Sabrina Qunaj unter dem Pseudonym Ella Simon veröffentlicht hat. Als Sabrina Qunaj hat sie bereits erfolgreich Bücher im Fantasy- und Historie-Genre geschrieben. Nun wurde es Zeit sich der Liebe zu widmen.
Auch hier verschlägt es die Autorin wieder in ihr geliebtes Wales, von dem sie nicht so einfach loskommt. Zurecht, wie ich finde.
Durch Zufall ist sie auf ein Video über das Tenby Lifeboat gestoßen und war fasziniert. Das sollte die Berufung ihres Hauptprotagonisten sein. Es war klar - Mann arbeitet bei der Rettung, fischt Frau aus dem Wasser, die Romantik kann beginnen. Aber warum ist immer nur der Mann der Held? So dreht sie den Spieß um und es entstand ihre Protagonistin Alis.

Alis hat eine ziemlich unschöne Kindheit gehabt und kaum ein Außenstehender kann ihre Abneigung gegen die Farm verstehen. Alle sehen immer nur das große Familienglück - samt dem etwas missratenen Sohn. Aber hinter der Fassade sah es anders aus und das prägt Alis. Sie knabbert sehr an ihrer Vergangenheit und hat auch 15 Jahre später keine Ruhe gefunden. Immer wieder wählt sie in verfänglichen Situationen die einfachste Lösung - die Flucht. Aber in Evan hat sie einen hartnäckigen Gegenpart. Er will sie unbedingt näher kennenlernen, dabei ist er selbst kein ungebranntes Kind. Während sich die beiden also umschleichen, lernt der Leser immer mehr die Vergangenheit kennen und kann Alis Abweisung verstehen.
Liebestechnisch geht es natürlich auch hin und her, das hat so ein Buch nun mal an sich. Es wäre auch traurig wenn alles sofort glatt laufen würde.

Die Kulisse, die Ella Simon beschreibt ist wunderschön, lieblich und auch sehr rau. Quasi emotionsgeladen. In der vielfältigen Landschaft spielt sich das Gefühlsleben der Protagonisten wieder. Das passt wunderbar und gibt genau die richtige Stimmung wieder.
Wie auch die anderen Bücher der Autorin liest es sich weg wie nichts. Ist man einmal drin, bleibt man auch eine ganze Weile und will gar nicht mehr weg.
Dennoch haben mich vor allem am Ende einige Sachen gestört. Die Art wie Charaktere reagieren, wie schnell die Gefühle umschwenken, das war nicht so meins. Natürlich gibt es für Gefühle kein rationelles Abwickeln, aber wenn man den Zeitraum des Romans beachtet, ist es mir einfach zu übereilt gewesen.

Die Autorin hat in einer Leserunde bereits erzählt, dass es einen Folgeband geben wird, der sich einem anderen, ebenfalls speziellem, Charakter widmen wird. Da bin ich dann doch sehr gespannt.

Einen ganz lieben Dank an den Goldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar und an das Team von www.leserunden.de für den Austausch.

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