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Cover Say It Right Englisch

Als Marc vor 8 Jahren von seinen Eltern vor die Tür gesetzt wurde, weil er sich vor ihnen outete, hat sich sein Leben schlagartig verändert. Er musste auf der Straße leben, wo er schnell in einen Strudel aus Drogen, Kriminalität und Prostitution geraten ist.
Doch er konnte sich daraus befreien und heute, mit 24 Jahren, ist er clean, hat ein eigenes Haus und einen festen Job in einer Einrichtung, die obdachlosen LGBT Teens zumindest nachts eine Zuflucht bietet. Doch seine Vergangenheit hat Spuren an Marc hinterlassen und er kann keine normale Beziehung führen. Falls er sich aber doch irgendwann noch einmal auf einen Mann einlassen sollte, dann wird es ganz sicher kein ehemaliger Drogenabhängiger sein. Die Gefahr für Mark selbst wieder in diesen Teufelskreis zu geraten wäre einfach viel zu hoch.

Doch dann steht plötzlich Maddy, die kleine Schwester seines besten Freundes aus Kindertagen, Anthony, vor Marcs Tür und er kann nicht fassen, was sie ihm da erzählt: Anthony, der immer eine Karriere als Fußballer angestrebt hatte, ist in den letzten 8 Jahren immer wieder selbst in Schwierigkeiten geraten und war sogar eine Weile im Gefägnis - immer wegen Drogen. Nun ist Anthony seit einiger Zeit spurlos verschwunden und seine Familie befürchtet das Schlimmste. Maddy hofft ihn durch Marc, den Anthony über die Jahre hinweg immer wieder erwähnt hat, finden zu können.
Und tatsächlich gelingt es den beiden Anthony aufzuspüren. Der ist allerdings in einem furchtbaren Zustand: Obdachlos, abhängig, unterernährt und nur noch ein Schatten seiner selbst.
Eigentlich hatte sich Marc wie gesagt vorgenommen, soweit wie möglich von Leuten wie Anthony fern zu bleiben. Doch hier handelt es sich schließlich um Anthony, seinen besten Freund, dem alle Türen offen standen und der aus irgendeinem Grund alles aufgegeben hat. Marc kann ihn nicht im Stich lassen. Und es hat noch nicht einmal wirklich etwas damit zu tun, dass Anthony der eine Mann war, der Marc nie aus dem Kopf gegangen ist...

Im Grunde fand ich die Geschichte von Say It Right von A.M. Arthur wirklich interessant. Marc hat eine Menge durchgemacht und dass er aufpassen muss, was er sich und seiner Abstinenz zutrauen kann ist nur allzu verständlich. Für niemanden würde er dieses Risiko eingehen - außer für Anthony. Und der ist wirklich ganz unten angekommen, als Marc ihn in einem heruntergekommenen Haus findet.
Anthonys Weg der Besserung ist alles andere als leicht und A.M. Arthur beschreibt ziemlich schonungslos, wie hart ein kalter Entzug sein kann. Es gab die ein oder andere Szene die doch sehr unter die Haut geht, allerdings ist Say It Right selbst eigentlich keine Geschichte über die Überwindung einer Sucht, zumindest nicht wirklich. Das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte, denn obwohl Anthony der mit den aktuellen Problemen ist, geht es eigentlich viel mehr um die Aufarbeitung von Marcs Vergangenheit. Der ist nämlich noch lange nicht über das Hinweg, was ihm in seiner Zeit auf der Staße passiert ist und Anthonys Kampf mit sich selbst wirbelt auch viele unterdrückte Gefühle aus Marcs Vergangenheit wieder auf.

Auch die Charaktere sind sehr gelungen und durchdacht. Vor allem Anthony hat es mir angetan. Trotz aller Probleme und der Tatsache, dass nicht einmal er wirklich an sich und seiner Willenskraft glaubt, ist er einfach ein richtig guter Kerl, der ernsthaft versucht sich zu bessern. Auch Marc wird wie gesagt nach wie vor von seiner Vergangenheit verfolgt und in mancher Hinsicht ist sein Leben schwerer als Anthonys. Denn obwohl der ohne Job, Wohnung und Familie ist und sich sein ganzes Leben neu aufbauen muss, blieben ihm die meisten von Marcs Traumata erspart. A.M. Arthur hat mit Marc wirklich einen sehr spannenden Charakter geschaffen, der sich bis zum Ende des Buchs treu bleibt und bei dem sie stets auf alle seine sehr feinen Charaktereigenschaften geachtet hat. Leider mochte ich Marc selbst aber nicht sonderlich. Er ist eher kühl und in mancher Hinsicht sehr streng was Anthonys Situation angeht. Meist ist das auch vollkommen gerechtfertigt und ich verstehe auch, dass Marc auf sich selbst aufpassen muss, aber manchmal wirkte er dabei fast schon kaltschnäuzig. Es gibt da z.B. eine Szene, in der Anthony nach einem Streit wutentbrannt abhaut und in ernste Gefahr laufen könnte rückfällig zu werden. All das ist Marc klar, doch was macht er? Er sitzt zuhause auf der Couch und ignoriert es. Solche Momente gibt es immer wieder und die haben mir Marc nur bedingt sympathisch gemacht.
Ebenfalls ein Punkt, der mir schon beim 1. Buch negativ aufgefallen ist, ist die Querverbindung zu A.M. Arthurs anderer Reihe Belonging. Denn die Figuren dieser Bücher tauchen ständig auf, was an sich ja ganz nett ist, aber mir einfach zu viel wurde, da man schnell den Überblick verliert - mir ging es zumindest so und das, obwohl ich die meisten Bücher kenne.

Trotzdem gefallen mir die Bücher der All Saints Reihe einfach und auch Say It Right ist da keine Ausnahme. Sie sind emotional und nicht immer ganz einfach, dabei aber gut geschrieben und machen trotz der ernsten Themen einfach Spaß. Ich bin jetzt schon gespannt, wer als nächstes an der Reihe ist.

Say It Right erscheint am 12. September 2016.

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