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Cover Willkommen in Night Vale deutsch

Night Vale, ein Ort mitten im Nirgendwo. Hier passieren sonderbare Dinge, oder sie passieren auch nicht. Das liegt ganz im Auge des Betrachters und natürlich auch daran, was die Regierung vorschreibt.

Jackie Fierro ist 19 Jahre alt und betreibt das einzige Pfandhaus in Night Vale. Der Ablauf ist immer gleich: Jemand kommt zu ihr herein, legt etwas auf ihren Tisch, wäscht sich die Hände, singt dabei ein Lied und wartet bis Jackie ihren Preis nennt. Danach bekommt derjenige einen Zettel und verschwindet wieder.
So läuft es immer - und so lief es auch immer. Bis plötzlich ein Mann vor ihr steht. Er steht vor ihr und bietet ihr einen Zettel an. Auf dem Zettel steht 'King City'. Das Ritual ist das gleiche wie üblich, aber der Gegenstand nicht. Jackie nimmt den Zettel auf - und wird ihn nicht mehr los. Egal was sie macht, der Zettel ist und bleibt in ihrer Hand. Das ist merkwürdig.
Sie will ihn dem Mann wieder geben, aber der ist in der weite der Wüste verschwunden. Und wie war doch gleich sein Name? Er hat ihn gesagt, mehrfach. Jackie kann sich nicht einmal mehr an sein Gesicht erinnern, nur an den hellbraunen Anzug.

Ab diesem Zeitpunkt ändert sich Jackies Leben. Die ruhigen Tage im Pfandhaus sind gezählt und sie begibt sich auf die Suche nach dem 'Warum?'.

Und dann ist da noch Diane Crayton. Sie arbeitet in einem Büro, zumindest einen Teil des Tages. Den Rest trödelt sie an ihrem Arbeitsplatz rum. Sie hat einen Kollegen, Evan, der plötzlich nicht mehr im Büro auftaucht. Er war nett und Diane fragt sich, was wohl mit ihm ist. Sie fragt ihre Kollegen, aber keiner kennt einen Evan. Auch ihre Chefin nicht. Und sein Arbeitsplatz? Da steht eine Pflanze, kein Schreibtisch, kein PC. Irgendwas ist hier komisch.
Diane macht sich auf die Suche nach Evan, dabei kann sie sich kaum an ihn erinnern. Er war nur immer da, oder etwa nicht?
Als sie sich eines Abends in das Büro ihrer Chefin schleicht um in den Personalakten nach Evan zu suchen, wird sie beobachtet und verliert tags darauf ihren Job. Wie soll sie das nur ihrem Sohn Josh beibringen? Er macht eh schon eine schwere Zeit durch. In der Pubertät sind seine Verwandlungen beinahe minütlich.

Die Suche nach Evan bringt Diane durch Zufall zu Jackie. Beide Frauen fühlen sich zueinander hingezogen, auf freundschaftliche Weise und wissen doch gar nicht warum.

Welcome to Night Vale / Willkommen in Night Vale ist aus einem Podcast der beiden Autoren Joseph Fink und Jeffrey Cranor heraus entstanden. Night Vale ist eine merkwürdige Stadt in der alles sein kann, aber nichts muss. Und was heute noch stimmte, kann schon morgen verboten sein.
Auf einer Lesung im Mai erzählten beide Autoren, dass sie zum Schreiben wie die Jungfrau zum Kinde kamen. Die Idee war da und sie wurde einfach mal ausprobiert. Immerhin ist ihr Podcast weit verbreitet und wird von unglaublich vielen Menschen mit Freude gehört.
Als Podcast kann ich mir die Geschichten und Vorkommnisse auch noch vorstellen, als Buch funktioniert das Ganze leider nicht.

Die ersten 100 Seiten waren für mich nur verwirrend. Beinahe jeder Satz musste mit einem zwanghaften Witz versehen werden. Es gab kein richtiges Reinkommen in die Geschichte, die auch erst so richtig ab 200 Seiten Fahrt aufnimmt. Vorher ist es mehr oder weniger eine Aneinanderreihung von Abschnitten, Berichten, Einführungen und kleinen Storyteilen.
Das ist für mich auch der größte Kritikpunkt. Die Geschichte kommt einfach zu spät im Buch. Natürlich ist eine Einleitung in die Stadt, die Menschen und die Art dort wichtig, aber in meinen Augen etwas übertrieben.
Wenn ich dann dachte ich hätte halbwegs kapiert worum es eigentlich geht, schwenkt der Inhalt komplett ab und berichtet über Verbote, unsinnige Tipps und Werbung.

Ich habe mich sehr schwer getan das Buch wirklich zu beenden und immerhin war die eigentliche Geschichte auch nicht schlecht. Viele Fragen werden jedoch nicht beantwortet. Ein Teil der Fäden finden am Ende zusammen, andere flattern verloren im Wind.

Leider kann ich dem Buch nicht mehr als 2 Sterne geben. Einer für die eigentliche Geschichte und einer dafür, dass sie es doch geschafft haben, dass ich weiter lese. Zumal die Autoren wirklich wahnsinnig sympathisch sind. Vielleicht versuchen sie es mal mit einem Kurzgeschichtenband - News aus Night Vale oder so. Das könnte ich mir schon eher vorstellen.

Einen lieben Dank an den Klett-Cotta-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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