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Cover Wasted Words

Für Cam Emerson gehört jeder Mensch auf ein bestimmtes Regal: Die Erfolgreichen zu den Erfolgreichen, die Sportler zu den Sportlern, die Nerds zu den Nerds. Sie musste selbst schmerzhaft feststellen, dass es niemals gut gehen kann, wenn man versucht eine Beziehung mit einer Person über dem eigenen Status zu führen. Der Erfolg scheint ihr außerdem recht zu geben, denn sie liebt es Leute zu verkuppeln, was ihr auch jedes Mal wieder gelingt und dabei hält sie strickt an diesem Schema fest.
Manchmal muss Cam sich aber selbst an ihre Regeln erinnern, vor allem wenn es um ihren Mitbewohner und einen ihrer besten Freunde Tyler Knight geht. Der spielt nämlich definitiv außerhalb ihrer Liga. Nicht nur passen er und Cam äußerlich nicht zusammen, Tyler war auch noch auf dem besten Wege ein erfolgreicher Footballspieler zu werden, bevor eine schwere Verletzung seine Pläne zunichte machte. Nun erobert er gerade New York im Sturm, als einer der besten Nachwuchs-Sportagenten. Tyler ist so weit außerhalb von Cams Reichweite, dass es schon nicht mehr lustig ist und so war er immer fest in der Freundeszone verankert - zu ihrem eigenen Schutz.
Glücklicherweise hat Tyler nach einigen schlechten Erfahrungen kein wirkliches Interesse an Dates gezeigt, wodurch Cam noch nie ernsthaft mit ihren Gefühlen konfrontiert wurde. Doch als sie schließlich die perfekte Kandidatin für ihn findet, mit der Tyler sich auch noch blendend versteht, weiß Cam nicht mehr was sie fühlen soll. Sie hat allerdings gelernt, dass es im Zweifelsfall immer besser ist, an ihren Regeln festzuhalten und so beginnt sie zähneknirschend die beiden zu verkuppeln.
Doch Tyler sieht das insgeheim völlig anders. Wenn er ehrlich mit sich ist, ist die quirlige und außergewöhnliche Cam seine Traumfrau – wenn sie das nur auch einsehen könnte. Es dauert allerdings nicht lange, bis Cam lernen muss, dass sich nicht jeder einfach so in eine Schublade stecken lässt und dass man auch mal etwas riskieren muss, wenn man wirklich glücklich werden will...

Da ich schon seit ich denken kann ein großer Jane Austen Fan bin, freue ich mich immer wieder, wenn eine frische Neuerzählung einer ihrer Romane auftaucht - selbst wenn es auf meinem am wenigsten geliebten Buch Emma basiert. Wasted Words von Staci Hart ist nun so ein Buch und auch wenn mich Emma in jeder Inkarnation dieser Geschichte mit ihrer Einmischerei immer ein wenig nervt, konnte ich einfach nicht nein sagen. Leider erging es mir mit Wasted Words aber tausend mal schlimmer, als mit dem Original, was sehr schade ist, denn auf den ersten Blick wirkte diese Nacherzählung wirklich vielversprechend.
Cam ist hochintelligent, hat aber nie die Ambition verspürt in einem hochbezahlten Beruf zu arbeiten. Stattdessen hat sie ihren Traumjob gefunden: Sie managed gemeinsam mit ihrer guten Freunden Rose Wasted Words, eine Mischung aus Comicshop, Buchhandel und Bar, in dem sich jeder Nerd pudelwohl fühlt - und dank Emma vielleicht sogar den Partner fürs Leben findet kann. Dadurch kommt die Geschichte erst einmal ein bisschen schräg und ungewöhnlich und gleichzeitig unheimlich sympathisch rüber, was mir richtig gut gefallen hat. Auch Tyler ist ein wahnsinnig sympathischer Charakter, der einfach ein rundum guter Kerl ist, weswegen es auch kaum eine Frau gibt, die in Cams Augen gut genug für ihn ist - am allerwenigsten sie selbst. Auch die kleinen Anspielungen auf die Originalvorlage sind sehr niedlich und haben mir gut gefallen. Natürlich gibt es alleine bei den Namen schon jede Menge Ähnlichkeiten (Emma = Cam Emerson, George Knightley = Tyler Knight, Martin = Mr. Martin, Frank Churchill = Kyle Churchill, und so weiter und so fort), die mich immer wieder schmunzeln ließen. Außerdem hat Staci Hart regelmäßig Zitate einfließen lassen, die mehr oder weniger wortwörtlich aus dem Originaltext stammen (unter anderem auch eine meiner Lieblingsstellen, was mich natürlich sehr glücklich gemacht hat ;).

Erst mal sah es also eigentlich ganz gut für Wasted Words und mich aus. Leider kamen dann aber immer wieder Dinge auf, mit denen ich gar nicht zufrieden war. Zum einen wäre da natürlich die Einmischerei und Verkupplungsversuche, die ich weder bei Emma noch bei Cam sonderlich sympathisch fand. Cam ist so verbissen darauf, mit ihren Verkupplungen recht zu haben, dass sie manchmal wirklich nervig geworden ist. Das ist zwar die Quintessenz der Geschichte, trotzdem kann man das auch weniger penetrant gestalten.
Doch auch Tyler ist nicht unbedingt perfekt und setzt Cam auf eine Art und Weise unter Druck, die der Autorin vermutlich gar nicht so bewusst war, mir aber sehr sauer aufgestoßen ist, gerade weil er sonst so perfekt war und sein Fehlverhalten deshalb nur noch unnatürlicher war.
Das ist es aber gar nicht mal unbedingt, was mich an Wasted Words am meisten gestört hat. Vielmehr schweift es in der zweiten Hälfte einfach viel zu sehr ab. Cam hatte wie gesagt schlechte Erfahrungen bei einer früheren Beziehung, was sie sehr unsicher gemacht hat. Verständlicherweise ist sie sich daher nicht ganz sicher, ob sie sich 100% auf jemanden wie Tyler einlassen kann. Soweit so gut und auch absolut nachvollziehbar. Doch leider wird diese Problematik dermaßen ausgeschlachtet, dass sich viele Dinge ständig wiederholen und mich am Ende vollkommen entnervt zurück gelassen haben. Außerdem hat es irgendwann nichts mehr mit Emma zu tun, sondern schweift in eine typische New Adult Romanze ab, die weder denkwürdig, noch sonderlich schön war und teilweise ganz schön kitschig wurde.

Wirklich mein Ding war Wasted Words von Staci Hart also nicht unbedingt. Eigentlich sehr schade, denn die Ansätze waren wirklich prima gelungen und auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Für Fans der Autorin ist das Buch aber sicher dennoch lesenswert, allein, weil es im selben Freundeskreis wie ihre Bad Habits Reihe spielt und dementsprechend einige alte Bekannte wieder auftauchen lässt.

Übrigens: Auch wenn ich wie gesagt kein sonderlich großer Emma Fan bin - die BBC Mini-Serie von 2009 mit Johnny Lee Miller hat es mir ordentlich angetan seit sie zum ersten Mal auf Netflix aufgetaucht ist. Schaut mal rein, es lohnt sich. ;)

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