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Cover Ich heirate einen Arsch

Für Luisa soll es der schönste Tag ihrer bisher kurzen Journalisten-Karriere werden. Heute hat sie einen Termin bei ihrem Chef und in 2 Tagen endet ihr Praktikum. Zur Feier des Tages, denn wer würde denn denken, dass sie keine Festanstellung beim Frauenmagazin 'Marion' erhält, hat sie heute ein kanariengelbes Kleid an. Ganz gegensätzlich zu ihrem sonstigen Mäuschenlook, aber sie wollte schließlich Eindruck machen.
Das tut sie auch, nur leider nicht so wie sie es sich gewünscht hat. Das Gespräch verlief überhaupt nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Den Tränen nahe stöckelt sie durch das Verlagsgebäude und spürt die Blicke der anderen. Nur nicht weinen!
Auf dem Weg zur Kantine wird sie von jemandem angesprochen. Die Frage nach ihrem macht sie zunächst misstrauisch, aber der Mann scheint ehrlich interessiert ein solches Kleid für seine Schwester zu finden. Nach einem kurzen Gespräch landen beide in einem kleinen Bioladen. Für die Vegetarierin Luisa ist ein Mann, der mit ihr einen Salat zum Mittag ist so etwas wie ein Wunder. Davon abgesehen, dass er viel zu alt für sie ist, findet sie ihn sympathisch und kann endlich ein wenig abschalten.

Björns Jagdtrieb ist entfacht. Die süße Maus in dem leuchtenden Kleid ist ihm noch nie aufgefallen. Es wird Zeit seine Fühler mal aus dem eigenen Gebiet heraus zu bewegen. Offenbar gibt es wahre Schätze in den anderen Bereichen des Verlages.
Er sieht ihr an, dass sie traurig ist. Einer Eingebung heraus folgend, lädt er sie auf einen Salat ein. Vor einem Mann würde eine Frau nie etwas anderes als einen Salat essen. Als sie sich als Vegetarierin outet, ist für ihn alles klar. Diese Kleine wird spätestens in ein paar Wochen in seinem Bett liegen, ihn ein paar Nächte unterhalten und dann aus seinem Sichtfeld verschwinden. Aber so einfach wie er sich das vorstellt, ist es nicht. Da ihr Praktikum bald endet, wird er sie nicht wiedersehen. Da hilft nur eins, er muss ihr einen Job besorgen. Nach dem Gespräch auf der Parkbank während des Mittags macht sie einen cleveren Eindruck. Das könnte was werden.

Luisa ist völlig aus dem Häuschen. Ihr neue Bekanntschaft will ihr bei einem Job helfen. Natürlich weiß sie nicht, dass sie gerade ihre Mittagspause mit Björn Becker verbracht hat. Dem Björn Becker, der als Chefredakteur der 'Monday' dort arbeitet, wo Luisa unbedingt hinwill.
Offenbar hat sie sich nicht völlig daneben benommen, denn er lässt sie zu einem Gespräch kommen und legt ihr einen Vertrag vor die Nase. Luisa ist im siebten Arbeitshimmel, doch die Alarmglocken ihrer beiden besten Freundinnen schrillen. Der will sie doch nur ins Bett kriegen. Niemand bekommt einfach so einen Vertrag.
Björns Ruf eilt ihm weit voraus, was sollte er also gerade von ihr wollen? Und doch, Luisa kommt nicht umhin sich vorzustellen wie es wäre ... mit Björn.
Aber will er wirklich etwas von ihr? Bisher hat er ihr keine Zeichen gegeben. Bei einem gemeinsamen Spaziergang an der Alster knistert es heftig - und doch passiert nichts. Luisa ist gefrustet und verwirrt. Was sollte das?

Ich heirate einen Arsch ist von zwei Autoren gleichzeitig geschrieben und zwei Sichtweise unterteilt. Luisas Kapitel wurden von Kerstin Hohlfeld geschrieben, während sich Leif Lasse Andersson um Björns Sichtweise kümmerte. An die Art musste ich mich beim Lesen erst einmal gewöhnen, da beide Schreibstile unterschiedlich sind.
Die Kapitel sind sehr kurz, so dass man relativ schnell ziemlich weit kommt. Beide Charaktere werden nicht groß und breit erklärt, während des Lesens kommen immer weitere Details der Vergangenheit von beiden ans Licht und formen das Bild beider Personen. Leider konnten mich beide nicht überzeugen.

Sowohl Björn als auch Luisa entsprechen jedem Klischee, dass es gibt. Sie ist jung, hat einen überdurchschnittlichen Notendurchschnitt, ist schüchtern, Vegetarierin und natürlich super in ihrem Job.
Björn ist Chef, im besten Alter, ungebunden und hinter jedem weiblichen Rock hinterher. Natürlich ist er reich, nicht hässlich und wahnsinnig von sich selbst überzeugt.
Und da fingen meine Probleme schon an. Luisa denkt von sich selbst immer nur negativ. Statt zu ihrem Können und Wissen zu stehen und selbstbewusst aufzutreten, macht sie sich immer besonders klein und redet sich dann gern auch noch dummes Zeug ein. Mit so einer Protagonistin kann ich leider nicht mit fiebern, weil sie sich selbst nur Steine in den Weg legt und Probleme sieht wo keine sind.
Björn hingegen hat eindeutig ein zu großes Ego. Immer wieder muss man als Leser sich antun was für eine Erfolgsquote er bei Frauen hat und wie er die Damen danach behandelt. Sorry, aber das brauch ich nun wirklich nicht. Hier täte ihm mal jemand gut, der ihm die kalte Schulter zeigt, aber dann wäre der Titel des Buches ja unpassend.

Das hin und her am Anfang des Buch es war sehr nett zu lesen. Und auch der mittlere Teil hat mich gut unterhalten. Aber dann haben die Fehler der beiden alles ruiniert. Sie flüchtet vor jedem Gespräch, das zwingend notwendig wäre und er nimmt jedes Fettnäpfchen mit Anlauf. So manches Mal hätte ich ihm gern eine Kopfnuss gegeben damit er anfängt zu denken. Die Frage ist, ob das geholfen hätte ...
Schlussendlich hätte die Story an sich wirklich grandios werden können, aber die Charaktere hätten dafür anders sein müssen. Die völlig unlogischen Reaktionen haben mir die Freude an der Geschichte genommen. Schade.
Der Schluss setzt dem ganzen die Krone auf. Sorry, aber ich habe das Ende nicht verstanden. Es ist, als würde hier etwas fehlen. Eine Erklärung zum Beispiel.

Leider kann ich dem Buch nicht mehr als 3 Sterne geben, schade.

Dennoch einen lieben Dank an das Droemer Knaur-Verlagsteam für die Übersendung des Rezensionsexemplars.

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