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Cover Compound a Felony englisch

In Compound a Felony: A Queer Affair of Sherlock Holmes folgt man dem Leben von Sherlock Holmes und seinem Freund John Watson mithilfe ihre geheimen Tagebucheinträge. Von 1881, dem Jahr in dem sie sich begegenen, bis 1899, nachdem der Reichenbachfall und andere Dinge ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt haben. Im Gegensatz zu den Romanen von Arthur Conan Doyle geht es in dieser Geschichte aber weniger um Ermittlungen und Deduktionen, sondern weit mehr um die eher ungewöhnliche, sexuelle Partnerschaft, die Watson und Holmes hier frönen.
Wie das Titelbild in Ansätzen vermuten lässt, handelt es sich um eine homosexuelle BDSM-Beziehung im Viktorianischen London. Ungewöhnlich, dachte ich mir, als ich das erste Mal von Compound a Felony: A Queer Affair of Sherlock Holmes gehört habe. Und so habe ich irgendwann meiner Neugierde nachgegeben und das Buch einfach gekauft, obwohl es sich um ein ehemaliges Fanfiction handelt und ich dem Verkauf dieser eher kritisch gegenüber stehe.

Tatsächlich habe ich die Anschaffung nicht bereut, obwohl das Buch nicht ganz mein Fall war. Compound a Felony: A Queer Affair of Sherlock Holmes fing vielversprechend an und insbesondere der Start der Beziehung, auf körperlicher und mentaler Ebene, hat mir extrem gut gefallen. Holmes, und später auch Watsons, Sicht der Dinge waren spannend zu lesen: Wie der Wunsch, dem anderen näher zu kommen, wächst und dabei der Drang nach Unterwerfung und Disziplin stärker und stärker werden. Und wie dann, zunächst mit Vorsicht und später sehr selbstsicher die verschiedenen Praktiken ausprobiert und für gut oder weniger gut befunden werden. Gerade Holmes unstetem Charakter habe ich es ohne Schwierigkeiten abgenommen, wie erdend für ihn das völlige Los- und sich Fallenlassen sein muss. Endlich ein Weg, dass permanent auf Hochtouren laufende Gehirn zum Schweigen zu bringen. Und ebenso nachvollziebar war für mich, dass Watson, der sonst hinterher trabt und das Genie mit Fäusten, Schusskraft und medizinischen Sachverstand unterstützt, hinter verschlossenen Türen die Zügel in der Hand hat und Holmes nach seiner Pfeife tanzen lässt.

Allerdings war mir persönlich die Geschichte dann irgendwann zu langweilig. Sobald Watson und Holmes erst einmal zueinander gefunden haben, waren die gemeinhin bekannten Schwierigkeiten, wie der maßlose Konsum von Kokain oder das Bewältigen einer mehrjährigen Trennung mit Nachfolgendem wieder annähren irgendwie wenig aufregend zu lesen. Da half auch der ungebrochene Experiementiersinn nicht, der das Sexleben der Protagonisten bereichert hat.
Ebenfalls gestört haben mich die zahllosen Wiederholungen. Beispielsweise Watsons Schnurrbart, der juckt. Nach mehrfachem Lesen vor, während und nach expliziten Szenen, hat mich das erneute Erwähnen dieser Tatsache nur noch mit den Augen rollen lassen. Ja, Haare im Gesicht jucken. Gesichtshaare, die über andere Körperstellen reiben und gleiten ebenfalls - vielen dank aber auch, ich hatte es schon beim ersten Mal verstanden und kann es mir ohne große Schwierigkeiten vorstellen. Auch das ständig alle möglichen Hautpartien pink waren und insbesondere Holmes in unterschiedlichem Ausmaß errötet, war trotz blasser Haut irgendwann zu viel des Guten.

Vermutlich bin ich einfach ungnädiger mit Buchautoren oder gnädiger mit Autoren von Fanfics. Wobei ich auch da, wenn ich schon endlose Wiederholungen ertrage, wenigstens eine spannende Geschichte lesen will. 290 Seiten, die zu einem Großteil von Sex handeln, egal wie BDSM-lastig und wie sehr er auch verboten sein mag, können mich nur dann hintern Ofen hervorlocken, wenn sie absolut brillant geschrieben sind. Und, so leid es mir tut, in dieser hinsicht war Compound a Felony: A Queer Affair of Sherlock Holmes von Elinor Gray okay, mehr aber auch nicht. Die Fanfics, die ich vorher von der Autorin gelesen habe, hatten mir tatsächlich gut gefallen. Allerdings waren diese auch nicht so lang und weit variabler in ihrer Thematik. Wer also mal einen Blick auf Elinor Grays freie Werke werfen will, kann das auf ihrem AO3-Profil tun. Ihr Name lautet mistyzeo, und neben Geschichten über Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes gibt es auch welche von anderen Fandoms (Supernatural etc.) zu lesen.

Hier geht es zum Buch!

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