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14.

Feb 2016

Cover Sturm über dem Meer

Samantha Goodwin kann es nicht fassen. Eigentlich verstanden sie und Christopher Newman sich gut. Gemeinsam haben sie gut harmonisiert und so manchen archäologischen Schatz geborgen. Und nun das! Christopher beschuldigt sie, seine Verdienste einzustreichen. Das ist die Höhe und Sam hat nicht vor das auf sich sitzen zu lassen. Wütend geht sie zum Leiter ihrer Abteilung macht sich Luft.
Oscar Farnham kann es kaum glauben, weiß aber - ebenso wie Sam - wer da wohl hinter stecken könnte. Das Christopher ihr damit die Karriere ruiniert, scheint dem völlig egal. Farnham weiß was er an Sam hat und will ihr helfen. Derzeitig sammeln sich alle möglichen Forschungsgebiete auf seinem Schreibtisch und darunter erblickt sie ein Gebiet in Wales. Durch einen großen Sturm wurde der versteinerte Wald freigelegt und die Legende um Longhanks ist Sam sehr gut bekannt.

Die Legende besagt, dass es einmal das Königreich Cantre'r Gwaelod gegeben hat. Dort gab es viele kleine Dörfer die sich in einem Gebiet ansiedelten. Ein großer Deich mit Schleuse schützte das Gebiet und schuf so Lebensraum für viele. Doch eines Nachts gab es einen heftigen Sturm. Die Schleuse hätte von einem jungen Mann, Seithennin, gesichert werden sollen, doch dieser war durch Frauen und Alkohol abgelenkt. Als er seinen Fehler bemerkte war es zu spät, das Gebiet wurde geflutet, die Häuser vernichtet und nur wenige Menschen entkamen dem Tod.

Oft sprach Sams Großmutter Gwen von dieser Geschichte und noch heute hört so mancher die Sturmglocken läuten, wenn Unheil droht. Eine Legende die viele Schatzsucher bereits nach Wales in das kleine Örtchen Borth brachte. Denn wo ein Königreich - da auch ein Schatz.
Samantha sieht ihre Chance für einen Neuanfang und vor allem für Abstand zu Christopher. Sie sagt zu und ist bereits kurz darauf bei ihrer Großmutter in Wales. Früher schon hat Sam ihre Ferien hier verbracht und kennt somit den Ort und seine Bewohner sehr gut. Doch nicht jeder scheint begeistert davon zu sein, dass Ms. Oxford auf ihrem Boden forschen will. Allen voran Millie, mit der sie in Kindertagen befreundet war.
Ein Lichtblick ist der kleine Max. Ein aufgeweckter Junge mit einem gutaussehenden Vater. Als Max eines Tages kommt und ihr einen Ring präsentiert, den er weit draußen im Schlick gefunden hat, kommen alte Geschichten wieder hoch.
Sams Großmutter Gwen hat ihren Mann vor vielen Jahren an die See verloren und nun taucht plötzlich sein Ehering auf. Doch da ist noch mehr.

Sam hat das Gefühl, das sie beobachtet wird, wenn sie mit ihren Helfern Leon und Amy am Strand die alten Baumstümpfe untersucht. Aber wer sollte ein Interesse daran haben? Als kurz darauf ihr Wagen demoliert und sie selbst angegriffen wird merkt sie, irgendjemand will sie loswerden. Sam lässt sich nicht einschüchtern und macht weiter, nichts ahnend, dass sie sich damit in große Gefahr begibt.

Sturm über dem Meer könnte auch mit dem Zusatz 'Krimi' versehen werden, denn die Vorkommnisse in Wales passen hervorragend in eben jenes Genre. Wie auch schon in Ein Sommer in Wales sind wir nach einem kurzen Abstecher wieder in Wales unterwegs. Das raue Klima der Küste prägt die Stimmung des Romans und lädt den Leser zu Tee und Decke ein.
Sam ist eine starke Frau die ihren Weg geht und auch bei Problemen nicht kneift. Das sie sich damit manchmal zu viel zumutet ist natürlich nicht hilfreich, aber in der Hinsicht kommt sie ganz nach ihrer Großmutter.
Gwen hat in ihrem Leben nur eine Liebe gehabt und wünscht ihrer Enkeltochter ebenfalls diese Erfahrung. Und so weit muss Sam da ja gar nicht schauen.

Der Roman spielt in zwei Zeitzonen - einmal heute und einmal in den 50er Jahren. Gwens Leben, ihre Liebe zu Arthur und die Probleme der Zeit während und nach dem Krieg sind sehr spannend zu lesen. Vor allem habe ich mir einen Narren an Mary Jones gefressen. Das ist eine kleine alte Frau die zu Allem und Jeden etwas zu sagen hat. Ein wenig verschroben, aber das macht sie so sympathisch. Zumal sie das Herz am rechten Fleck hat.
Die Verbundenheit zwischen Gwen und ihrer Enkelin Samantha ist schön zu lesen. Zumal Gwen zu ihren Kindern nicht den gleichen Draht hat aufbauen können. Ich denke sie sieht in Sam ein wenig von sich selbst.

Natürlich kommen auch die Männer nicht zu kurz. Da wäre zum Einen der kleine Max, der einfach ein Goldstück ist und wohl jedes Frauenherz zum Schmelzen bringen würde. Zum Anderen hätten wir Luke - seinen Vater. Luke hat viel durch gemacht in seinem Leben und nachdem er seine Frau verloren hat, mehr Sorgen als er braucht.
Sein Sohn distanziert sich in seiner Trauer und Sam ist die erste, die zu ihm durchdringt. Aber Luke hat noch andere Dämonen und die kommen ein ums andere Mal an die Oberfläche.
Er ist ein vielschichtiger Charakter mit einem guten Herz und einer warmen Seele. Der Traum einer jeden Schwiegermutter.

Ich habe bereits Ein Sommer in Wales sehr gerne gelesen und konnte mich auch in diesem Buch wieder in Wales verlieben. Das einzige was mich etwas störte waren die vielen Erwähnungen von irgendwelchen Leuten, die keine große Rolle spielten. Auch haben mich die Ausflüge in die Archäologie der Vergangenheit etwas aus dem Konzept gebracht. Ich kann gar nicht mal genau sagen warum. Wahrscheinlich, weil es mir dann einfach zu viele wurden und ich teilweise Probleme hatte die Namen den verschiedenen Menschen zuzuordnen.
Hier wäre ein Namensverzeichnis grandios gewesen. Aber wir haben immerhin vorn im Buch eine Karte, so das man immer mal wieder schauen kann, wo sich denn gerade alle befinden. Das fand ich sehr hilfreich. Deshalb kann ich das Buch ruhigen Gewissens empfehlen.

Einen ganz lieben Dank an dieser Stelle für das Team von www.leserunden.de und den Goldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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